Einige vorläufige Hintergrunde des geplanten Putsches in Venezuela

Ein Freund und dessen lateinamerikanische Frau, die den Ereignissen in Venezuela große Aufmerksamkeit widmeten , erboten sich, einen Bericht über den Stand der Dinge zu schreiben. Das habe ich natürlich sehr gerne und dankend angenommen. Aus dem Video, das ich in meinem Artikel mit aufgelegt hatte, sind sie allerdings auch nicht schlau geworden.  Sobald sie mehr wissen, schreiben sie wieder. Für Leute, die des Spanischen mächtig sind, lege ich noch das Referat von Maduro als Video bei.
 
 RRR
16. Februar 2015
Vorab, die ganze Situation ist noch recht verworren und vage. Teils weil einige Mittäter noch gesucht werden, teils weil Regierungen natürlich nicht alles öffentlich machen und teils weil die ganze Geschichte einfach naturgemäß wirklich verworren ist.Die Sache selbst ist in Grundzügen schnell beschrieben. Es wurde wieder einmal ein Umsturzversuch und Anschlag auf die Regierung geplant, aber knapp verhindert. Einige Offiziere der Luftwaffe hatten geplant, mit einem Militärflugzeug einige wesentliche Einrichtungen des Staates, insbesondere den Präsidentenpalast, sowie staatsnahe Einrichtungen wie insbesondere einen Fernsehsender anzugreifen. Gleich danach – oder auch kurz davor; die Schilderungen dazu sind noch unterschiedlich
– sollte ein bekannter General erklären, das venezolanische Militär habe sich gegen die böse Regierung gestellt und die Macht übernommen.

Diese Meldung wiederum sollte umgehend über internationale Medienagenturen
weltweit verbreitet werden, um einerseits den falschen Eindruck von Fakten zu erzeugen und andererseits das Volk in Unsicherheit zu stürzen.Aufgedeckt wurde der Plan von einigen jungen Offizieren, die, wie auch immer, Kenntnis davon erlangt hatten. (Es ist davon auszugehen, dass diese Information eher rethorischen Charakter hat.)Aktueller Stand der Dinge ist, dass etliche der Beteiligten bereits verhaftet wurden und bei Verhören auch so einiges auspackten. Zudem wurde bei Verhaftungen und Hausdurchsuchungen reichlich belastendes Beweismaterial gefunden.Soweit so eigentlich langweilig, zumal das beileibe nicht der erste Umsturzversuch war und dem Ganzen auch bereits seit Monaten deutliche und unmissverständliche Vorbereitungen vorausgingen. Interessant wird die Sache, wenn man sich das Umfeld und die Vorgeschichte näher ansieht.

Hier gibt es auch schon ein erstes “Schmankerl”: Die deutsche Botschaft hatte relativ kurz davor zahlreiche Deutsche dort in einem Rundbrief gewarnt, Vorbereitungen zu treffen und z.B. Bargeld und Vorräte an Lebensmitteln, Kerzen, Batterien, Streichhölzer usw. zu besorgen.

Darauf angesprochen, nachdem der geplante Umsturz aufgeflogen war, erklärte die deutsche Botschaft vage, Venezuela sei ja ein großes Land und aufgrund natürlicher Umstände sei  durchaus z.B. mit Erdbeben zu rechnen und deshalb habe man “routinemäßig” gewarnt. Das Problem dabei: Der Rundbrief nannte konkret wesentliche politische Veränderungen als Grund der Sorge.

Aber auch andere USA-Freunde wie z.B. Kanada sind involviert. So erkundete z.B. eine Frau von der kanadischen Staatspolizei einen Flughafen mit besonderem Blick darauf, ob und wie man diesen im Falle von Unruhen verteidigen könnte.

Inzwischen wohl bekannt ist der Umstand, dass zumindest ein maßgeblicher
Offizier gerade erst ein ganz frisches 10-Jahres-Visum der US-Botschaft erhalten
hatte für den Fall, dass etwas schiefgeht.

Im Kern der Coup-Planungen stehen keineswegs Unbekannte. Eine der zentralen Figuren ist z.B. Herr Borges, ein Oppositionsführer, der auch im Hinblick auf seinen Lebenslauf näheres Hinsehen wert ist. Dieser ist geradezu klassisch für ein US-Asset. Nach seinem Studium an einer  privaten Jesuiten Universität in Venezuela ging er in die USA und machte dort noch einen Abschluss in Neocon-ologie und Revolution-ologie (Boston, politische und Sozial-Philosophie). An gutem Werkzeug spart man nicht und so studierte Borges anschließend noch in Oxford Politik-und
Lateinamerika-Wissenschaften. Man beachte Letzteres – beachtlich für jemanden aus Lateinamerika.

Sein weiterer Werdegang allerdings ist durch einen ganz anderen Begriff gekennzeichnet, nämlich “Gerechtigkeit”. Zuerst eine Sendung namens
“Gechetigkeit für alle” (bei einem Privatsender, der 2002 beim Putsch gegen Chávez eine Rolle spielte) und später der Eintritt (und schnelle Aufstieg bis ganz nach oben (vgl. merkel?) in die Partei “Gerechtigkeit zuerst”. Man kann deutlich erkennen, dass der Mann von Anfang an sehr zielgerichtet ausgebildet wurde und durchgängig die Linie Populismus fährt mit dem langfristigen Ziel, Venezuela mit allen Mitteln, vor allem konter-revolutionären und Täuschung, zurück unter US-Hoheit zu bringen.

Ein anderer Verbrecher und Hauptfigur ist General Oswaldo Hernandez Sanchez, den man bereits von anderen Umsturzversuchen kennt, u.a. vor etwa einem Jahr und der deshalb unter Hausarrest stand. Er war es, der dem Plan zufolge das Volk aber auch die Welt in einer konzertierten Überrumpelungsaktion über das Ende der demokratisch gewählten Regierung Maduros “informieren” sollte. Einige westliche Agenturen und Sender wie z.B. AP standen schon bereit.

Und noch eine bekannte Kriminelle hat wieder die schmutzigen Hände im Spiel, Patricia Poleo, eine (natürlich Oppositions-) Ex-Politikerin und “Journalistin”, die Chávez und Maduro noch inniger hasst und noch mehr hetzt als Borges. Da die Frau allerdings in sehr hässliche Dinge verwickelt war und u.a. im Zusammenhang mit einem Mord polizeilich gesucht wird, agiert sie heute von Miami/USA aus. Sie ist, soweit erkennbar, zusammen mit dunklen Gestalten der US-Botschaft auch die
Finanzierungsvermittlerin der Operation und Anlaufstelle für allerlei dunkle Gestalten gewesen.

Warum schrieb ich eingangs, das Ganze sei keineswegs überraschend? Zum einen, weil die USA seit Jahren erbittert versuchen, die Regierung und Volksbewegung Venezuelas zu stürzen und zu vernichhten. Der aktuelle Putschversuch war keineswegs der erste. Zum anderen, weil der Putschversuch nur als “krönender Abschluss” einer schon länger währenden gnadenlosen Operation war, die gezielt die Stromversorgung lahmlegte, künstlich Lebensmittel und andere dringende Artikel des
alltäglichen Lebens verknappte, im ganzen Land hetzte und Aufruhr anzettelte, und
noch so einiges mehr. Besonders bösartig und infam war die immense Verknappung von Grundnahrungsmitteln, die teilweise bis unter die Decke in Lagerhäusern gestapelt und vom Markt ferngehalten wurden, frei nach dem Motto “Knurrt der Magen, geht das Volk zornig auf die Straße und verteufelt die Regierung”. Das war der Hintergrund, vor dem der aktuelle Putschversuch stattfinden sollte.

Mancher mag sich nun fragen, warum die Regierung all diese Agenten, Kriminellen und Umstürzler nicht schon lange entsorgt hat. Einfach: Weil es sinnlos wäre, ja sogar schädlich. Denn die USA würden mit ihren massiven Resourcen garantiert weitermachen und die Regierung müsste dann erst wieder herausfinden, was sie derzeit bereits weiss, nämlich wer die Strippenzieher sind und wie sie agieren.