Wie der kommende Krieg zu verhindern ist

von Sergej Glasjew

 
Dieser Artikel ist eine Übersetzung des englischen Textes “How to prevent the coming war” von Sergej Glasjew von der Seite von ANNA-News. Es handelt sich um das einleitende Kapitel einer längeren Studie, deren komplette Version sich hier findet (die ganzen 69 Seiten sind etwas lang für unsere Übersetzungskapazitäten). Die Studie enthält nach dieser Einleitung eine längere ökonomische Analyse und schließlich ein Konzept für eine Anti-Kriegs-Koalition und deren mögliches Programm. Manche Punkte dieses Programms dürften aus anderen Zusammenhängen bekannt vorkommen, wie eine Börsenumsatzsteuer und die Abschaffung von Steuerparadiesen.  Auch wenn man seine weitgehend sozialdemokratischen ökonomischen Vorstellungen nicht teilt, ist es auf jeden Fall eine interessante und wichtige Lektüre (und, wen wundert´s, himmelweit entfernt von dem Bild Russlands, das wir täglich in den Gazetten finden).
In der hier übersetzten Einleitung geht es um die Ukraine.
Nur als kurze Randbemerkung – das Bismarck-Zitat, das Glasjew anführt (und das in russischen Medien sehr weit verbreitet ist), besitzt keine Quellenangabe und ist nicht verifiziert. Belegbar ist allerdings eine entsprechende Politik seitens der Habsburg-Monarchie, die tatsächlich spätestens Anfang dieses Jahrhunderts sehr aggressiv auf eine Derussifizierung ausgerichtet war.  Also auch wenn das Zitat oder zumindest die Zuschreibung nicht belegbar ist – eine entsprechende Politik wurde schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts verfolgt und von den Nazis im zweiten Weltkrieg nur aufgegriffen und ausgebaut.

Die Feindseligkeiten im Donbass sind eine Bedrohung für Russland, Europa und die gesamte Welt. Wird dies nicht wahrgenommen, kann daraus ein regionaler Krieg entstehen, und womöglich ein Weltkrieg. Die Deutung der Weltmedien, dieser Krieg sei ein Kreuzzug der ukrainischen Obrigkeit gegen pro-russische Separatisten im Interesse der Integrität des Landes, ist so oberflächlich und unsinnig wie der Wahn, der erste Weltkrieg sei das Ergebnis der Ermordung eines österreichischen Prinzen, und der zweite das des Erfolgs der Nazis bei Wahlen zum deutschen Parlament. Die Erklärung, die russische Medien für diesen Krieg liefern, ist nur ein wenig gehaltvoller – gesellschaftlicher Widerstand im Donbass gegen eine Nazi-Junta, die in einem Putsch gegen die Regierung in Kiew die Macht ergriffen hat.
Inzwischen ist es unmöglich, den bewaffneten Konflikt zum Halten zu bringen, ohne die Gründe und die Kräfte, die ihn antreiben zu verstehen. In diesem Papier wird die ukrainische Krise genauer betrachtet, im Kontext weltweiter wirtschaftlicher Veränderungen, die die objektiven Voraussetzungen für die Eskalation militärisch-politischer Spannungen in den internationalen Beziehungen ins Leben rufen. Die Analyse erklärt die Hauptmotive der entscheidenen Akteure des ukrainischen Konflikts und die Technologien, die sie dabei einsetzen. Sie enthüllt zudem die Gründe, warum die Versuche, den Konflikt zu beenden, gescheitert sind, und versucht vorherzusagen, ob sie sich zu einem weiteren Weltkrieg entwickelt. Dies zu vermeiden, wird nur möglich sein, indem die Beziehung von Ursache und Wirkung der fortgesetzten Verbrechen unterbrochen wird, deren Größe mit geometrischer Progression zunimmt. Andernfalls wird keine andere Option bleiben als sich auf einen Weltkrieg vorzubereiten, in dem viele Russland gerne als den Feind sehen möchten, als Opfer und als den zu erringenden Preis.

Die Konfliktfelder der ukrainischen Krise

 

Die Natur des ukrainischen Konflikts ist wahrhaft komplex. Sie ist ein dichtes Bündel einer ganzen Reihe semantischer Konfliktfelder. Bedauerlicherweise werden sie weder in Frontberichten noch in den Kommentaren der Politiker oder den Erklärungen für ihre jeweiligen Entscheidungen angemessen berücksichtigt. Der offensichtlichste Konflikt ist der zwischen der gegenwärtigen ukrainischen Macht und den Milizen des Donbass. Die Obrigkeit hat versucht, ihn durch die phyische Auslöschung der Milizen wie auch der Bevölkerung, deren Interessen sie ausdrücken, zu lösen. Es gibt zwei semantische Felder in diesem Konflikt, und keines von beiden ist stark genug, einen Bruderkrieg auszulösen.
Das erste höchst umstrittene semantische Feld betrifft die innere politische Struktur der Ukraine. Von Anbeginn an forderte die Bevölkerung des Donbass, wie auch die anderer Regionen im Süden und Osten der Ukraine, ein föderales System und die Anerkennung der russischen Sprache als Amtssprache. Diese Forderungen wurden während der zwei Jahrzehnte der ukrainischen Unabhängigkeit offen erklärt und in den Wahlprogrammen der Partei der Regionen und anderer Parteien, die die Interessen der südlichen und östlichen Regionen der Ukraine vertraten, wiedergegeben. Keine davon hat zur Gewalt gegriffen, um diese Ziele zu verfolgen. Das politische Establishment der Ukraine hat diese Forderungen, obgleich es sie beide systematisch zurückwies, nie als Staatsverbrechen gedeutet. Alle waren sich einig, dass diese Themen ausschließlich mit legalen, demokratischen Mitteln angegangen werden dürfen. Der wilde Eifer des gegenwärtigen Kiewer Regimes, die Verfechter der Föderalisierung auszulöschen, geht ebenso weit über die allgemein akzeptierten Mittel beim Umgang mit solchen Konflikten hinaus wie der beharrliche Widerstand der Milizen. Im Gegensatz zu den friedlichen Debatten über die Idee der Föderalisierung in den vorhergehenden Jahren, haben Poroschenko und sein kriegslüsterner Anhang die Forderung nach Föderalisierung als Separatismus gebrandmarkt, sogar als Terrorismus, was man nur als ein Anheizen des Konflikts außerhalb des gesetzlichen Rahmens sehen kann.
Das zweite umstrittene semantische Feld ist die sogenannte europäische Wahl der Ukraine. Wenn man den Maidan-Aktivisten glauben soll, haben sie zum Wohle dieser Wahl die Polizei von Kiew geschlagen und in Brand gesetzt. Das war auch das offiziell erklärte Ziel der europäischen Bürokraten und Politiker, die die protestierende Menge aufheizten und die Opposition auf andere Art unterstützten.
Interessanterweise haben Umfragen belegt, dass im Süden und Osten der Ukraine die Mehrheit der Bevölkerung eine eurasische Integration einer europäischen vorzieht. Und obwohl die europäischen Sendboten, unter Missachtung der verkündeten europäischen Werte von Demokratie und Recht, die Meinung der halben ukrainischen Bevölkerung ignorierten, so wie sie den Widerspruch zwischen dem von ihnen diktierten Assoziierungsabkommen und der ukrainischen Verfasung übergingen, hatten sie wohl kaum die Absicht, einen Vernichtungskrieg gegen all jene zu beginnen, die gegen die Assoziierung mit der EU standen. Die berufsmäßigen Befürworter der Euro-Integration wollten mit ihren Versuchen, das Thema zu lösen, nicht weiter kommen als bis in die Werchowna Rada. Sie hielten sich sorgfältigst fern von öffentlichen Diskussionen des Themas und bevorzugten die Taktik, hinter den Kulissen Druck für das Assoziierungsabkommen auszuüben. Die Gegner der Assoziierung mit der EU wiederum präsentierten ihre eigenen Argumente, die auf die Widersprüche mit den ukrainischen Interessen hinwiesen, ausschließlich in der komerziellen Presse, ohne sich mit Aufrufen zu einer Lösung der Frage mit gewaltsamen Mitteln an das Volk zu wenden. Es ist erschütternd klar, dass selbst im Falle unüberwindlicher Unterschiede in den Positionen es möglich war, einen friedlichen Weg zur Beilegung des Konfliktes zu finden, indem rechtlich unterschiedliche Handelsregelungen für die beiden Teile der Ukraine eingerichtet worden wären, wie beispielsweise zwischen Dänemark und Grönland (letzteres ist nicht Mitglied der EU).
Nicht ein einziges seitens der Anführer der rivalisierenden Fraktionen angeführten Probleme, das sie nun durch Gewalt zu lösen suchen, verlangt nach einer solchen Lösung. Dementsprechend wurden die Feindseligkeiten aus anderen Gründen entfesselt. Ideologisch wird dieser Krieg von Nazismus angetrieben – die Kiewer Junta arbeitet hart daran, in der öffentlichen Meinung eine menschenfeindliche Sicht auf ihre Gegner zu verankern. Sie werden mit Tieren verglichen; ihnen wird das Recht verweigert, ihre Meinung zu äußern, und Schläge und Haft sind die einzige Alternative; es ist erlaubt, sie bei lebendigem Leib zu verbrennen, und dem ukrainischen Militär wurde befohlen, nicht zu zögern, ihnen das Leben zu nehmen. Die Anführer des Kiewer Regimes haben öffentlich zu Massakern an den ukrainischen Bürgern de Donbass aufgerufen, die es wagen, ihren Widerspruch zu äußern. Bei der Verteilung von Auszeichnungen unter den Schlächtern von Slawjansk sprach der sogenannte Präsident Poroschenko offen von ihren Opfern als “Nichtmenschen”, und der Regierungschef Arseni Jazenjuk nannte die Russen im Osten der Ukraine in seinen öffentlichen Stellungnahmen Untermenschen. Die wichtigste Oppositionsführerin vor dem politischen Konflikt – Julia Timoschenko – sagte, der Donbass habe Atombomben verdient, und der dritte bei den Präsidentschaftswahlen, Oleg Ljaschko, hat persönlich an der Organisation massenhafter Unterdrückung gegen die russischen Bürger der Ukraine teilgenommen. In einem Wort, die Kiewer Junta verkörpert einen völligen Neo-Nazi-Konsens, was den Genozid an russischen Bürgern angeht, denen jegliches Menschenrecht entzogen wird, einschließlich des Rechts auf Leben.
Dieses semantische Feld des Nazismus erzeugt die Hauptspannung des Konflikts und erklärt den Gebrauch von Gewalt beim Versuch, ihn zu lösen. Nazismus rechtfertigt immer Gewalt gegen andere ethnische Gruppen, die als zweitrangige Rasse gekennzeichnet werden und gegen die jegliches Verbrechen für erlaubt erklärt wird. Genau diesem Pfad folgt das Regime in Kiew, um Hass gegen jene Leute zu schüren, die der ukrainischen Exklusivität nicht zustimmen wollen. Tatsächlich gegen alle Russen, denn alle anderen europäischen und Weltnationen haben nie von einer ukrainischen Nation gehört. In den anderen Ländern der Welt werden alle, die auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR geboren sind, Ukrainer eingeschlossen, Russen genannt. Währenddessen betonen die Chefs der Kiewer Junta und die Medien auf ihrem Lohnzettel die Überlegenheit der Ukrainer über die Russen, in völliger Übereinstimmung mit den Prinzipien des Nazismus. Russen werden als geborene Sklaven beschrieben, die nur zur rücksichtslosen Ausbeutung im Interesse der Ukrainer taugen. Die ethnischen Russen, die in der Ukraine leben, hatten keine andere Wahl mehr als zu den Waffen zu greifen, um sich gegen die Neo-Nazis zu verteidigen.
Die historische Erfahrung weltweit, wie auch Russlands eigene Erfahrung, liefert überzeugende Belege dafür, dass man Nazismus nur mit Gewalt widerstehen kann. Die Nazis verstehen keine andere Sprache. Das überrascht nicht: Menschenrechte nach Rasse zuzuteilen ist inkompatibel mit den Regeln des Gesetzes. Sobald die Nazis anfangen, den Menschen anderer Nationalität die Rechte zu verweigern, müssen letztere die Hoffnung aufgeben, sich je mit rechtlichen Mitteln schützen zu können. Sie können ihre Rechte nur bewahren, indem sie bewaffnet Widerstand leisten.
Der ukrainische Nazismus ist da keine Ausnahme. Mehr noch, da er keine Wurzeln in der ukrainischen Kultur hat, sondern ein fremdes Implantat ist, vergewissert sich der ukrainische Nazismus seiner Macht in der härtesten möglichen Weise. Die irrsinnige und absichtliche Grausamkeit, die die ukrainischen Nazis beim Beschuss der Städte und Gemeinden des Donbass zeigten, sollte vor allem ihnen selbst ihre eigene Überlegenheit beweisen. Es gibt keine ukrainische Überlegenheit in klassischer ukrainischer Literatur, oder in der Volkskultur, die beide ein Teil der russischen Kultur geblieben sind, oder in der gemeinsamen Geschichte des Landes. Indem sie Massenverbrechen gegen jene organisierten, die sich selbst als Russen sehen, und durch den Gebrauch massiver russenfeindlicher Propagandaattacken haben die Naziführer in Kiew versucht, im öffentlichen Denken in der Ukraine eine starke Konfrontation zu schaffen, die sie brauchen, um die Gesellschaft nach dem Prinzip “entweder für uns oder gegen uns” zu festigen.
Bemerkenswerterweise ist keiner der heutigen, dem Nazismus zugeneigten, ukrainischen Führer ein ethnischer Ukrainer. Sie alle stehen der Ukraine und ihren kulturellen, historischen und spirituellen Wurzeln fern. Womöglich ist das der Grund, warum ihnen noch die mindeste moralische Grenze abgeht und sie solch überschiessende Grausamkeit ihrem eigenen Volk gegenüber an den Tag legen. Sie haben versucht, sich als Naziführer zu etablieren, indem sie ihre Gefolgsleute in Massenmorde an Mitbürgern verwickelt haben, wodurch sie erstere zur neuen Elite des Landes machten, und die letzteren in eine tumbe und gehorsame Herde.
In dem Artikel unter dem Titel Nazi-Fehler zeigt der Autor Alexander Rogers überzeugend, dass der Kult der Gewalt das hervorstechendste Merkmal der ukrainischen Nazis ist. Was sinnlose Grausamkeit und Menschenfeindlichkeit angeht, haben sie ihre Hitlerschen Idole bereits überholt, wobei sie besonderes Vergnügen daran empfinden, neben den verkohlten Körpern der lebendig verbrannten Einwohner Odessas für Fotos zu posieren oder sich offen an der Ermordung von Frauen und Kindern in Slawjansk zu ergötzen. Wie der selbe Autor nahelegt, hat die ukrainische Gesellschaft alle vierzehn grundlegenden Merkmale des Faschismus, die der italienische Autor Umberto Eco vor einiger Zeit benannte. Der Kult der Gewalt, Verachtung für die Schwachen und Verurteilung des Pazifismus als einer Form des Verrats sind die wichtigsten, um zu verstehen, wie sich der Konflikt entfalten wird. Das erklärt auch, warum die Verhandlungen zur Einstellung der Feindseligkeiten und einer Lösung der ukrainischen Krise nichts erreicht haben.
Man mag annehmen, dass alle Parteien an einem Ende der Kampfhandlungen im Donbass interessiert wären, denn sie schaden der Ukraine, Russland und dem Donbass selbst, und bedrohen zudem noch Europa. Dennoch zeigt die Kiewer Junta keine Bereitschaft, der anderen Seite zuzuhören. Ihre einzige Sprache ist die der Drohungen und Ultimaten. Jeder Versuch, ihre Argumente in Frage zu stellen, erzeugt Hysterie, Hass und Aggression. Jeder Abgeordnete, Journalist oder schlicht Passant, der es gewagt haben mag, die Handlungen der ukrainischen Nazis in Frage zu stellen, wird sofort erniedrigt und zusammengeschlagen, und die ukrainischen Sicherheitsdienste eröffnen ebenfalls sofort ein Strafverfahren. Dies geschieht in völliger Übereinstimmung mit einer der Kerneigenschaften des Nazismus, die Umberto Eco so beschrieb: “Dissens ist Verrat”.
Das Konfliktfeld, das der ukrainische Nazismus erzeugt, ist die Haupttriebkraft der Gewalt in der Ukraine im Allgemeinen und der Strafaktion im Donbass im Besonderen. Wir müssen uns fragen, was die Quellen und Triebfedern des ukrainischen Nazismus sind. Wie können in einem Land, das die Schrecken der Nazibesatzung erlebt und einen ungeheuren Beitrag zum Sieg über den Hitlerfaschismus geleistet hat, sich heute so viele Anhänger dieser Überzeugung finden, die darauf gieren, den verbrecherischen Krieg gegen das Volk der Ukraine fortzusetzen? Schließlich schien es einmal so, als hätte die Rote Armee die Ukraine erfolgreich von allen Nazis gesäubert.
Die Antwort auf diese Frage liegt in einem anderen Konfliktfeld, das schon seit vielen Jahrhunderten besteht. Das ist das Feld der westlichen Aggression gegen Russland, des beständigen “Drang nach Osten” (im Original deutsch), der bis heute anhält. Auf diesem Feld steht die Ukraine unverändert im Mittelpunkt. Otto von Bismarck hat die Haltung des Westens zur Ukraine am deutlichsten formuliert. Er sagte: “”Die Macht Russlands kann nur durch die Abtrennung der Ukraine untergraben werden. Man muss die zwei Teile dieses einigen Volkes gegeneinander aufbringen und zuschauen, wie Brüder ihre Brüder töten werden. Dafür soll man nur die Verräter unter der nationalen Elite finden und erziehen und mit deren Hilfe das Selbstbewusstsein eines Teils des großen Volks so ändern, dass es alles Russische, seine Abstammung hassen wird, ohne das zu bemerken. Alles Andere ist nur eine Frage der Zeit“. Und Zbigniew Brzezinzki merkte in seinem Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ an, dass Russland ohne die Ukraine aufhören wird, ein eurasisches Reich zu sein.
Der ukrainische Nazismus ist ein weiteres künstliches Produkt der menschenfeindlichen Ideologie, die im Westen über mehrere Jahrhunderte hinweg kultuviert wurde. Vor dreihundert Jahren hielten sich die Briten für eine Herrenrasse und machten den Rassismus zum Fundament ihres Weltreiches. Die Amerikaner sind sich noch immer ihrer Überlegenheit über alle Völker des Erdkreises gewiss, was ihnen, so argumentieren sie, das Recht gibt, über andere Länder und deren Führer gemäß ihrer eigenen Maßstäbe zu richten. Die US-Obrigkeit gebraucht diesen Kult der Exklusivität als Vorwand, um jedes andere Volk zu strafen und gar, um die unbotmässigen auszulöschen. Der einer solchen Unterjochung zu Grunde liegende Zweck wird durch die Interessen des US-Kapitals bestimmt, gewandet in eine Rhetorik der Menschenrechte und der demokratischen Werte. Das schliesst die Öffnung aller Grenzen für US-Waren und -Kapital mit ein, die Einführung US-amerikanischer Bildungs- und Kulturstandards und den Gebrauch des Dollars als Hauptreservewährung und internationales gesetzliches Zahlungsmittel. Die Vereinigten Staaten diktieren allen Ländern ihre Rolle als höchster Schiedsrichter in allen Konflikten, inneren wie äußeren. Sie haben sich das Recht genommen, die Bürger jedes Landes, das ihnen nicht gefällt, zu verhaften und zu strafen, während von anderen Ländern erwartet wird, dem Vorrang internationaler Verpflichtungen zuzustimmen. Die jüngsten Äußerungen Präsident Obamas über die Einzigartigkeit der Vereinigten Staaten waren ein sicheres Zeichen, dass die rassistische Ideologie noch immer besteht und genutzt wird, um jedes Verbrechen des militärisch-politischen Apparats der USA gegen die Menschlichkeit zu rechtfertigen. Explodierende Militärausgaben und das Schwungrad der Spannungen auf der Welt sind unverzichtbar für die Vereinigten Staaten, um ihre berüchtigte Exklusivität zu bewahren. „Amerika muss auf der Weltbühne stets führen. Wenn wir es nicht tun, tut es keiner,“ sagte Obama. Etwas deutlicher formuliert: um die ungeheure Last der Staatsschuld abzuwerfen und die Wirtschaft der USA in eine neue lange Welle des Wachstums hineinzubewegen.
In Überreinstimmung mit einer rassistischen Ideologie unterscheidet der politische Apparat der USA sein Verhältnis zu anderen Ländern nach der Bereitschaft ihrer Führer, den US-Interessen dienstbar zu sein. Alle Länder werden in aufgeteilt in die guten, die die US-Politik völlig unterstützen (das britische Commonwealth, Westeuropa, Japan, Südkorea, Israel, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate), die unterentwickelten, die die US-Werte durch politischen Zwang gelehrt bekommen müssen (Osteuropa, Lateinamerika), und die schlechten, die sich dem US-Diktat widersetzen. Alle Technologien äußerer Zerstörung sind gegen die Länder der letzten Gruppe (Russland, China, Indien, Nordafrika und Mittlerer Osten) gut; das eigentliche Ziel ist dabei ihre Unterwerfung, durch eine Revolution und die Einsetzung eines US-beherrschten Regimes, oder durch Eroberung und die Errichtung einer Kolonialverwaltung, oder durch Zerstörung und stückweise Unterwerfung. In Bezug auf Russland und den nachsowjetischen Raum haben die US-Spin Doktoren alle Mittel der Zerstörung genutzt, die zur Hand waren.
In völliger Übereinstimmung mit der angelsächsischen Tradition des „Teile und Herrsche“ leiten die psychologischen Spezialisten der USA die ukrainischen Nazis an, den Kult des Hasses auf und der Überlegenheit über Russen zu meistern, die zu den Verantwortlichen für alle Mühsal und alles Unglück des ukrainischen Volkes ernannt wurden. Gleichzeitig wird ihnen gesagt, nie zu vergessen, dass sie den Amerikanern und Westeuropäern untergeordnet sind, welche sie als Beispiel sehen sollten, dem zu folgen und blind zu gehorchen ist, da sie die Seniorpartner des Bündnisses seien. Das Ergebnis dieser Gehirnwäsche ist, dass Verachtung für und Hass auf Russen im Denken der ukrainischen Nazis aufs Seltsamste mit blinder Verehrung der Amerikaner und Westeuropäer verwoben ist. Dieser Glaube an die Allmacht der Vereinigten Staaten und Westeuropas ist so stark, dass die ukrainischen Nazis ernstlich glauben, Washington sei fähig, Russland zur Erfüllung aller ukrainischer Forderungen zu zwingen.
Der ukrainische Nazismus, den die westlichen Lehrmeister mit solchem Eifer herangezogen haben, ist unabänderlich gegen Russen und Moskau gerichtet. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die heutigen Nazis nicht sehr von ihren Vorläufern- Hitler und seinen Schergen. Nur der Big Boss hat gewechselt, jetzt ist er das US State Department. Im Gegensatz zu den deutschen Nazis zieht es der neue Boss aber vor, alles von jemand anderem tun zu lassen. Die ukrainischen Nazis müssen also nicht nur all die schmutzige Arbeit selbst verrichten, wie die Strafaktionen und die Massenmorde an Mitbürgern, sondern tragen auch die Risiken in den Kampfhandlungen und durch die politische Verantwortung.
Wie in der Zeit der Naziinvasion des zweiten Weltkriegs, wird der ukrainische Nazismus heute als Werkzeug in den Händen fremder Mächte gebraucht, die den wirklichen nationalen Interessen der Ukraine grundsätzlich feind sind. Kaum jemand, der noch bei Verstand ist, würde es wagen, zu behaupten, ein pro-Hitler-Regime sei ein Segen für das ukrainische Volk gewesen. Für die deutschen Nazis war letzteres nichts weiter als eine Herde Zugvieh, dessen einziger Zweck darin bestand, für Nahrung zu schuften, um das Wohl des deutschen Imperialismus zu sichern. Für die heutigen EU-Bürokraten ist die Ukraine nichts als ein Quell billiger Arbeitskräfte, ein Markt für europäische Waren, eine Müllkippe für Industrieabfälle und ein Hinterhof für ihre ökologisch gefährlichen Industrien. Man kann sich schwer realistisch denkende Führer einer Nation vorstellen, die wirklich an die nationalen Interessen denken, die begierig darauf sind, ihre Unterschrift unter etwas wie das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU zu setzen, ein Abkommen, das der anderen Partei einseitig die Funktionen der staatlichen Souveränität überträgt, die Wirtschaftsbeziehungen ins Ausland zu regeln und Außen- wie Verteidigungspolitik zu betreiben. Mehr noch, ein Abkommen, das der Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Ökonomie zerstört und ihre Zahlungsbilanz untergräbt.
Der ukrainische Nazismus entwickelt sich in dem Konfliktfeld westlicher Aggression gegen Russland. Das erklärt seinen verblüffenden steilen Aufstieg. Ohne eine übereinstimmende Politik, die von den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Alliierten betrieben wird, wäre er nie erschienen und gewachsen, denn die objektiven Voraussetzungen hätten gefehlt. Aber die massive Förderung für ein Bündel nationalistischer Organisationen und fortgesetzte Bemühungen, Hass gegen Russland zu kultivieren, waren erfolgreich. Die nationalistischen Führer des Landes kümmert der Widerspruch zwischen ihrer Ideologie und der historischen Wirklichkeit wenig. Für den mageren Lohn von ihren Gönnern aus den NATO-Mitgliedsländern haben sie unaufhörlich das Feindbild Russland gezeichnet. Da solche Versuche gegen gemeinsame Geschichte, Glauben, Sprache und Kultur wenig ausrichten können (Kiew als die Mutter der russischen Städte; das Kiewer Höhlenkloster, der bedeutendste Wallfahrtsort der russisch-orthodoxen Welt; die Kiew-Mogiljans-Akademie, der Geburtsort der russischen Sprache), mussten ungeheuerliche Lügen gebraucht werden, die die tragischen Episoden der gemeinsamen Geschichte (Revolution, Bürgerkrieg und Hunger) als Beweis der Willkür russischer Herrschaft. Die Ideologen des ukrainischen Nazismus schweigen über eine sehr beredte Tatsache: die ethnischen Russen waren in den Regierungsbehörden der Bolschewiki in der absoluten Minderheit, während in Galizien, Odessa und der Zentralukraine geborene Funktionäre eine überwältigende Mehrheit hatten. Zudem verliess sich die bolschewistische Obrigkeit vor allem auf ukrainische Nationalisten, um das weite und dicht besiedelte Novorossija unter ihre Kontrolle zu bringen. Heutzutage ist die auf Nazismus beruhende Russophobie das Herzstück der nationalen Identität der Ukraine.
Für Europa, dessen Erinnerungen an die Schrecken des zweiten Weltkriegs noch frisch sind, ist indessen die Wiedergeburt des Nazismus nicht wirklich harmlos. Die europäischen Führer brauchen einige plausibel erscheinende Entschuldigungen, warum sie vor den Amok laufenden ukrainischen Nazis die Augen verschließen und weiter bei ihren Verbrechen gemeinsame Sache machen. Die durch die USA kontrollierten führenden europäischen Massenmedien sind gerne bereit, solche Argumente zu liefern. Die ukrainischen Nazis werden als die Vorkämpfer europäischer Werte dargestellt, und ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit als heroische Errungenschaften bei der Verteidigung der europäischen Wahl der Ukraine. Die europäische Öffentlichkeit wird zombifiziert und dient als Maßstab für die europäischen Politiker. Gleichzeitig wird eben diese Öffentlichkeit gegen Russland ausgerichtet, indem die russische Führung für herausragende Verbrechen verantwortlich gemacht wird, die die US-freundlichen Neonazis an europäischen Bürgern begangen haben, wie es mit dem malayischen Passagierjet geschah, der vom ukrainischen Militär abgeschossen wurde.
Wie aus dieser Analyse folgt, wird die europäische Unterstützung für die ukrainischen Nazis von einem stärkeren Konfliktfeld ausgelöst, das dem Interesse der USA, ihre globale Vorherrschaft zu erhalten, entspringt. Letztere wird in Frage gestellt, da die Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums objektiv erschöpft sind, durch das gleichzeitige Ende der Zyklen eines dominierenden Technologiesystemsund der ein Jahrhundert währenden Akkumulation. Die USA verlieren ihre beherrschende Stellung in der Weltproduktion. Deren Zentrum verschiebt sich Richtung China und anderer asiatischer Staaten. Ihre finanzielle Vorherrschaft wird durch das zunehmende Risiko eines Zusammenbruchs der Dollarpyramide aus Staatsschuldpapieren bedroht. Die führende Rolle des Dollar als Weltwährung wird durch Prozesse regionaler wirtschaftlicher Integration untergraben. Zuletzt, da das nationale Wirtschafts- und Finanzsystem ohne mächtige und zunehmende Unterstützung von Außen nicht im Gleichgewicht gehalten werden kann, sind die Vereinigten Staaten objektiv gezwungen, militärische und politische Spannungen auszuweiten und womöglich einen Weltkrieg zu beginnen. Dies ist das Hauptkonfliktfeld, und seine Hochspannung steigert die Spannung auf allen anderen Konfliktfeldern. Seine Natur bedarf der besonderen Analyse.