Untertreibt Kiew seine Verluste erheblich?

Übersetzung von Is Kiev Wildly Understating Combat Deaths?
von Charles Bausman (Original im Russia Insider)


In den letzten zwei Wochen haben die ständigen Gerüchte, dass Kiew tausende Fälle von getöteten und verwundeten ukrainischen Soldaten und Angehörigen der Freiwilligenbataillone verschweigt, ihren Weg in die ukrainische Presse gefunden.

Die lautesten Anschuldigungen des Verschleierns von ukrainischen Kriegstoten kommt nicht von den russischen Medien oder den Führern der “separatistischen” Donezker und Lugansker Volksrepubliken, sondern vom rechtsradikalen Abgeordneten und Führer der Radikalen Partei Oleh Lyaschko, und vom Kommandeur der Kiewer “Donbass-Bataillons” Semyon Semchenko.

Letzten Monat hat Lyaschko direkt auf seiner Facebook-Seite Präsident Petro Poroschenko beschuldigt, über 8 000 ukrainische Kriegstote zu verheimlichen – eine Zahl die ungefähr acht mal so hoch ist die die “offiziellen” KIA-Zahlen, die von der englischsprachigen “Kiyv Post” berichtet werden, welche auch am Freitag noch beharrlich “nur” 974 Ukrainische Kriegstote bestätigt – eine höchst dubiöse Zahl, die sich seit dem katastrophalem Kampf um Ilowaisk Anfang September kaum verändert hat.

Laut Myroslava Petsa, einem Korrespondenten des ukrainischen 5. Kanals, hat Verteidigungsminister Valeriy Heletey sich geweigert, die Zahl der Opfer bei der Ilowaisker Katastrophe in einer Parlamentsanhörung zu diskutieren. Ms. Petsa hat am 1. Oktober getweetet, dass Heletey die Opferliste vom Kampf um Ilowaisk als geheim eingestuft hat. Aber vor wem will ist Generalleutnant Heletey die wirklichen Kiewer Verluste geheimhalten, vor den Milizen des Donbass oder vor dem ukrainischen Volk?

Man kann Semchenko leicht als inkompetenten Feldkommandeur, der seine Fehlschläge zu entschuldigen versucht, abschreiben, und Lyaschko einen faschistischen Clown nennen, der angebliche “Separatisten” kidnappt, bis auf die Unterhosen auszieht und dann Videoverhöre durchführt. Aber Lyaschkos Schätzung der totalen Kriegstoten der Ukraine ist konsistent mit den Zahlen, die von pro-russischen Quellen wie Colonel Cassads Blog veröffentlicht werden. Sie sind auch konsistent mit den düsteren Verlustzahlen vom blutigen Kampf, der während des Schreibens dieses Artikels um den Donezker Flughafen stattfindet.

Die Ruinen des Flughafens waren nach Berichten zu 95% von der neurussischen Armee kontrolliert, nach Stand vom vorigen Wochenende, nach einer Ablehnung eines Angebots, unter dem Minsker Waffenstillstandabkommen aus dem Flughafen abzuziehen, welches die Waffenstillstandslinie 20 km hinter der Position der hoffnungslosen Flughafengarnison plaziert hatte.

Ein Sprecher von Neurussland teilte Col. Cassads Seite mit, dass sie die ukrainischen Verluste am Flughafen auf 600 Verwundete und 1 000 Tote schätzen.

Westliche Journalisten, welche über den Ukraine-Konflikt berichten, können sich bis jetzt mit Unwissenheit über die wirklichen im Gegensatz zu den zugegebenen Verlusten herausreden. Sie können die Maxime von Carl von Clausewitz zitieren, dass “Berichte über Verluste auf beiden Seiten kaum genau, selten wahrheitsgetreu, und in den meisten Fällen gezielt gefälscht werden”.

Aber die Wahrheit ist, dass mindestens ein BBC-Journalist von den ukrainischen Gerüchtetn über die schrecklichen Verluste schon seit Wochen wusste.

In einem Interview mit einem ukrainischen Journalisten, welches vom Team des russisch-kanadischen Anwalts Gleb Bazov Mitte August ins Englische übersetzt und untertitelt wurde, haben Mitglieder der in Mykolaiv basierten 79. Luftlandebrigade sich bitter darüber beschwert, dass Kiew die riesigen Verluste verheimlicht. Sie sagen (bei 6:38) dass die Ukraine seit April schon mehr Soldaten im Kampf gegen die Donbass-Rebellion verloren hat als die Sowjetunion während der neun Jahre der Okkupation von Afghanistan.

(Für die Leser, die die Kosten der für die UdSSR katastrophalen Afghanistan-Mission nicht kennen, die Zahl übersteigt 14 000 Kampftote und 53 000 Verwundete. Wenn man annimmt, dass die Soldaten sich auf die gesamten Kampftoten der Ukrainischen SSR im sowjetischen Afghanistankrieg während der 1980er beziehen, sind mehr als 8 000 Kampftote im Krieg um den Donbass möglich.)

Im selben Video berichten die Überlebenden der 79. Brigade, dass die vom ukrainischen Oberkommando im Stich gelassen wurden, und weigern sich zuzugeben, dass die Kräfte, die sie in wochenlangen Bombardements im sogenannten “Südkessel” bei Saur-Mogila vernichtet hatten, neurussische Rebellen und internationale Freiwillige waren und nicht die russische Armee.

Es ist bemerkenswert, dass der BBC-Journalist Daniel Sandfort, dessen Twitter-Feed von vielen westlichen Journalisten verfolgt wird, die über Russland und die Ukraine berichten, das Video am 20. August 2014 getweetet hat, und sagte “sowohl die Pro-Ukrainer als auch die Pro-Russen zitieren jetzt dieses Video um ihre Sicht des Konflikts zu unterstützen”.

Mit anderen Worten, westliche Journalisten, die den russisch-ukrainischen Kampf verfolgen, können sich nicht mit Unwissenheit herausreden.

Die Berichte der Mitglieder der 79. Brigabe vom Verlust hunderter oder tausender von Kameraden durch Artillerie und GRAD Raketenwerfer sind bestätigt durch ein anderes Video-Interview ukrainischer Journalisten hunderte Kilometer weiter westlich, diesmal mit Überlebenden der 30. Brigade, die in der westukranischen Stadt Novohrad-Volysnki stationiert ist.

In diesem Video stellen Veteranen der 30. Brigade und ihre wütenden Angehörigen einen ukrainischen Offizier zur Rede, wegen der Frage wo sie sich befinden und was mit ihrer Versorgung ist. Zum Ende gibt der Offizier zu, dass von den 4700 Soldaten der Brigad nur 83 unverletzt zurückgekehrt sind. Was die Frage aufwirft, was mit dem Rest passiert ist. Sind sie tot oder verwundet?

Die Journalisten des “Hromadske TV”, deren Löhne vom Holländischen und Amerikanischen Steuerzahler über Regierungsgrants finanziert werden, haben diese Fragen natürlich nicht vor der Kamera gestellt. Auch westliche Journalisten wie Sandford nicht, die höchstwahrscheinlich von diesem Clip wissen, der auch von Gleb Bazovs Übersetzer-Team vom Slavyangrad-Blog Mitte August übersetzt und untertitelt worden ist.

pro-Kiew-Twitter-Krieger haben Lyaschkos Behauptungen, dass die Ukraine tausende ihrer Kämpfer beseitigt oder als “im Kampf vermisst” meldet, als russische Desinformation bezeichnet – ohne zu erklären, wie der Kreml solche fanatischen Russophoben wie Lyaschko und Semchenko dazu gebracht haben könnten, ihre Unterstellungen weiterzuverbreiten.

Aber viele dieser Quellen sind dieselben Fanatiker, die darauf bestehen, dass ukrainische Truppen den Donezker Flughafen halten und niemals aufgeben werden, trotz überwältigender Beweise für das Gegenteil. Sie bestehen darauf, dass Kiew nicht in der Lage wäre, all die Angehörigen der Toten, Verwundeten und Vermissten zum Schweigen zu bringen, selbst wenn es das versuchen würde.

Aber in einem Land, wo Banditen des Rechten Sektors straflos Oppositionspolitiker vor laufender Kamera verprügeln, ist das Zum-Schweigen-Bringen wütender Angehöriger und ein Totschweigen der Frage nach verheimlichten Toten völlig plausibel.

Insbesondere wenn westliche Journalisten sich weigern, Kiews betrügerische Opferangaben in Frage zu stellen, und einfach darauf warten, dass die Sprachrohre von Kiew ihnen ihre neueste Stories verkauft.