Spannend: Russen glauben an Planökonomie und Kiew-Junta verliert ihre Basis

Die Untersuchung hört sich teilweise widersprüchlich an. Einerseits einen starken Mann an der Spitze und gleichzeitig soll das Volk bestimmen. Da denken sie natürlich an einen anständigen Typen wie Putin. Aber wenn ein Oligarch rankommt, was dann? Nun, da denken sie an den Kernsatz von Marx – der nicht seiner war, sondern den er von der Pariser Kommune übernahm – an die vom Volk gewählten Räte, die nicht nur mit imperativem Mandat gewählt werden, sondern – noch wichtiger – auch jeder Zeit abgewählt werden können. Und dann macht auch eine entschlossene und starke Führung Sinn, die den Willen des Volkes wirklich umsetzt.

Stefan Lindgren

30. März 2015

Übersetzung aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Russen glauben immer mehr an ein ökonomisches System, das auf staatlicher Planung beruht statt auf dem freien Markt, zeigte eine Untersuchung, die vom unabhängigen Levada Tsentr gemacht wurde. 55 Prozent der Befragten sagen, dass das ökonomische System eines Landes auf “staatlicher Planung und Mittelzuteilung” gründen soll.

27 Prozent meinen, dass die Ökonomie auf “privatem Eigentum und dem Markt” basieren soll. 1992, im Jahr nach der Auflösung der Sowjetunion, meinten 41 Prozent, dass die Marktökonomie das Beste wäre und nur 33 Prozent waren für ein Modell mit staatlicher Planung.

Bittere Erfahrungen mit der Hyperinflation der 1990-er Jahre, einer chaotischen Privatisierung und der Herrschaft der Oligarchen haben die öffentliche Meinung umgekehrt.
Betreffs des politischen Systems sagen 34 Prozent, dass ein Sowjetsystem – d. h. vom Volk gewählte Räte, die für die Gesellschaft und die Wirtschaft verantwortlich sind – das Beste sind.

Zwischen Februar 2008 und Januar 2012 wuchs jedoch die Unterstützung der Russen für “Demokratie nach westlichem Vorbild” von 15 Prozent auf 29 Prozent. Aber in den vergangenen Jahren ist diese Meinung kräftig gesunken. Im Januar 2014 waren es nur noch 21 Prozent und im März 2015 nur noch 11 Prozent.

Die öffentliche Meinung hat auch die Bedeutung eines starken Präsidenten aufgewertet. 50 Prozent der Befragten stimmten im März 2015 der Auffassung zu, dass die Macht “in den Händen einer Person konzentriert werden muss”, was 10 Prozent mehr sind als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig ist die Mehrheit – 75 Prozent – überzeugt, dass der Staat vom Volk gelenkt werden soll und nicht umgekehrt.

Die Untersuchung wurde vom 13. -16. März unter 1800 Leuten mit 18 Jahren oder mehr durchgeführt, in 46 Regionen Russlands.
Die Fehlerquote überstieg nicht 3.4 Prozent.

levada tsentr 27/3

Unterstützung für Kiew sinkt

Umfragen zeigen, dass beinahe 70 Prozen der Ukrainer meinen, dass ihr Land auf dem falschen Weg sei – ein Jahr nach dem Regime-Wechsel in Kiew. Die Untersuchung des Razumkov Center in Kiew ergibt, dass nur 17.5 Prozent die gegenwärtige Entwicklung als positiv ansehen.

Nur 19.4 Prozent wurden heute für Präsident Petro Poroschenko stimmen, weniger als die Hälfte der 55 Prozent, die für ihn am 25. Mai 2014 stimmten. Nur 7.8 Prozent stützen Premierminister Jatsenyuk und weniger als 5 Prozent haben volles Vertrauen für die Regierung, trotsdem sie von einer Parteien-Koalition gebildet wurde, die zusammen 70 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl im Oktober erhalten hatte.