Kleinigkeiten vom Tage, 5. September

Mit der Waffenruhe klappt es offenbar nicht:

novorossiya.moy.su

05.09. 2014. Chronik des “Waffenstillstands” von den Milizen

18:10 Auf der Gwardejka (Makejewka) ertönen die Sirenen der Zivilverteidigung, die Ukrainer bombardieren mit schwerer Artillerie. Im Gebiet des Schachtes 88 ist schwarzer Rauch zu sehen.

18:35 Der intensive Artilleriebeschuss von Makejewka und Donezk wird fortgesetzt, es gibt Treffer im Gebiet des Schachtes Oktjaberskaja, am Rand von Petrowka, der Bahnlinie (Rauchentwicklung in der Gegend). Die Sirenen der Zivilverteidigung arbeiten immer noch. Die Nazis führen Artilleriebeschuss vom Gebiet Wolnowacha mit Systemen der RSSO großen Kalibers durch.

19:05 Die Kiewer Nazis setzen den Beschuss von Donezk fort (Budjonnowka, Petrowski).

19:20 Im Gebiet Makejewka wieder eine Explosion.

20:00 Die Beschüsse von Städten Neurusslands durch nazistische Artillerie werden fortgesetzt. Schläge wurden gegen Jasinowka und Tscherwono-Gwardeike geführt. Es sammeln sich faschistische Einheiten im Gebiet Wolnowacha.

20:40 In Gorlowka ist bis jetzt Kanonade zu hören.

novorossiya.moy.su meldet:

05.09.14 21:05 Moskauer Zeit. Mitteilung von Milizionär Prochorow.

“Gorlowka wird weiterhin beschossen, genauso Makejewka (siehe Foto). In Dsershinsk gibt es Kämpfe in der Stadt. So sieht der Waffenstillstand aus.”.

Wenn man dann noch dazu nimmt, dass die Neurussen zwar dem Waffenstillstand zugestimmt haben, aber auch klargemacht haben, dass ihre Geduld, was eine Nichteinhaltung betrifft, nicht gerade grenzenlos sein wird, dürfte es das eigentlich schon gewesen sein. Laut http://rusvesna.su/news/1409925903 hat jedenfalls der Pressesekretär von Vizepremier Purgin gesagt, dass, wenn auch nur ein provokativer Schuss fiele, der Waffenstillstand beendet wäre.


novorossiya.moy.su berichtet über die Kämpfe um Mariupol. Die Verluste seien 15-20 auf neurussischer und bis zu 50 auf faschistischer Seite. Vor dem Beginn des eigentlichen Sturms würde man den Ukrainern die Möglichkeit geben, durch einen grünen Korridor Mariupol zu verlassen. Bis dahin werden erstmal die Kontrollpunkte in der Umgebung vernichtet.

Hier wird auch die Einnahme von Wergunka gemeldet – und damit einer Anhöhe, von der aus in den letzten Monaten Lugansk mit Artillerie beschossen wurde.

Ich überlege gerade, was ich daraus schließen soll, dass ich eigentlich anhand der Karten annahm, dass dort schon lange Hinterland der Neurussen ist. Leiden auch die Neurussen an der Krankheit der Ukrainer, Siege zu melden die noch keine sind? Möglich, Siege vorzeitig zu melden ist, zusammen mit erhöhten Opferzahlen beim Gegner und verringerten eigenen Opfern etwas, was man in Kriegen von allen Seiten erwarten muss. Aber ich denke, hier muss man fair sein: An eine verlautbarte Einnahme von Wergunka kann ich mich nicht erinnern. Und die Karten, mit ihren Frontlinien, sind ja nach allgemeinem Verständnis nichts wirklich angemessenes für diesen Krieg, wo es nur wenig feste Frontlinien gibt, schon weil beide Seiten nicht die Kräfte haben, durchgehende Frontlinien überhaupt zu verteidigen. Auch ist der mehrfache Übergang eines Ortes von einer Seite zur anderen offenbar häufig – es wird halt nicht so sehr um Orte gekämpft sondern gegen Leute mit Waffen. Die fahren durch einen Ort, die Verfolger hinterher, vielleicht gab es ja in dem Ort auch eine Art “Garnison” aus 5 Mann, die dem Ganzen zugesehen haben, und schon haben wir formal eine Eroberung des Ortes samt Rückeroberung. Und dass es in größeren Orten immer erstmal eine Zeitlang Kräfte beider Seiten in der Stadt sind, versteht sich von selbst.


18:00 Hier zwei aktuelle Karten:

während im Vergleich dazu militarymaps.info/ wenig neues anbietet.

Beide Karten zeigen einen deutlichen Fortschritt entlang der Grenze nach Norden hin an. Was genau im Gebiet Debalzewo passiert ist noch unklar – beide zeigen Angriff, eine zeigt Debalzewo schon als erobert an, militarymaps.info hingegen nichts Neues.

Die Unterschiede zwischen beiden Karten was die Lage der Kessel zwischen Donezk und Mariupol angeht zeigt, wie unsicher in solchen Zeiten solche Karten sind.

Interessant ist auch der Artikel hier, der behauptet, die Ukrainer würden sich auf eine Verteidigungslinie beim Fluss Oskol einrichten. Dies würde bedeuten, dass sie das Lugansker Gebiet völlig aufgeben. Ob sie am Oskol nun lediglich erstmal Verteidigungslinien für alle Fälle aufbauen oder sich recht schnell wirklich zurückziehen wollen, ist noch die Frage, allerdings tendiert der Bericht selbst dahin, dass die Leute aktuell schon abziehen.