Zum einem Ausschnitt aus einem Gespräch mit Strelkow

Aus einem an sich schon hochinteressanten Streitgespräch zwischen Strelkow und Starikow gibt es einen Ausschnitt, in dem Strelkow einiges Brisante zur Entwicklung auf der Krim sagt. Was, wie zu erwarten, von der Bandera-Seite ausgeschnitten und verfälscht wird. Ich denke daher, diesen Ausschnitt möglichst wörtlich zu übersetzen ist wichtig:

Hier also erstmal das Transkript dieses Ausschnitts:


Starikow: Warum gelang es auf der Krim? Weil es auf der Krim drei Bestandteile gab. Das war einmal, das Volk der Krim unterstützte einmütig die Wiedervereinigung und ging auf die Straße. Die Organe des Rechtsschutzes der Krim unterstützten das vollständig, und, am Wichtigsten, auf der Krim gab es die gesetzliche und legitime Macht, die sich auf die Seite des Volkes stellte, und nur diese drei Faktoren zusammen konnten dazu führen, dass Russland den politischen Willen zeigte, von Seiten seiner Führung, und die grünen Männchen auf der Straße auftauchten.

Strelkow: Nikolai, wann waren Sie auf der Krim?

Starikow: Ich war dort am 16. März zum Referendum.

Strelkow: Und ich war auf der Krim seit dem 21. Februar. Und, wissen Sie, was Sie mir erzählen ist einfach nur absoluter Quatsch. Von welchen Organen des Rechtsschutzes, die auf Seite der Bevölkerung übergingen, reden Sie überhaupt? Auf die Seite der Bevölkerung, ich unterstreiche, der Bevölkerung, nicht der Machtorgane, ist nur der Berkut übergegangen. Alle anderen Organe des Innenministeriums befanden sich unter der Kontrolle von Kiew, und erfüllten Befehle aus Kiew. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen. Ja, sie erfüllten sie ohne Begeisterung, ja, sie erfüllten sie mit runtergelassenen Ärmeln, ja, irgendwo simulierten sie Krankheiten und sabotierten einfach nur. Aber sie erfüllten weiter die Befehle aus Kiew, und führten nicht die Befehle aus, die ihnen die neue Macht gab. Weiter, ich habe, leider, überhaupt nichts gesehen von einer Unterstützung durch die Organe der staatlichen Macht in Simferopol, wo ich mich konkret befand. Ich hab sie nicht gesehen. Es gab sie nicht. Die Deputierten haben die Milizionäre eingesammelt – um sie in den Saal zu treiben, damit sie abstimmen, was soll man da noch sagen. Ja, ich war einer der Kommandeure dieser Milizen, ich hab das alles von innen mit eigenen Augen gesehen. Also, zwei Ihrer Bestandteile funktionieren so einfach nicht. Und ich spreche gar nicht erst von der Armee, der ukrainischen. Die bewaffneten Kräfte sind was, vor allem? Die Armee. Die Armee war Kiew unterstellt, und gehorchte auch weiterhin Kiew. Auch sie ohne jede Begeisterung, auch sie sabotierte, es gab auch verschiedentlich Aufruhr, ich habe persönlich Verhandlungen geführt, mit dem Stab der Flotte, Schwarzmeer, ich habe sie begonnen. Aber sie gehorchte. Mehr noch, die Mehrheit der Abteilungen blieb treu, Kiew, und zog ab vom Territorium der Krim.

Starikow: Das Parlament der Krim hat sich aber versammelt, einen Beschluss gefasst, und Axjonow wurde zum Führer. Genau solch einen Beschluss nahm auch das Parlament von Sewastopol an. Frage. Wenn Sie auf die Annahme dieser Beschlüsse eingewirkt haben, sowohl auf der Krim als auch in Sewastopol, warum haben Sie dasselbe nicht auch im Donbass gemacht. Warum hat sich der Sowjet des Donezker oder Lugansker Gebiets nicht versammelt und einen neuen Führer gewählt, der legitime Sowjet, vollständig, alle Deputierten, warum ist das nicht gelungen.

Strelkow: Weil es am Rand von Sewastopol, und direkt in Sewastopol selbst, es keine, Entschuldigung, standen russische Truppen, und es gab die Hoffnung, dass sie unterstützen. Wenn in Donezk und Lugansk russische BTR und Marineinfantrie, russische, gestanden hätten, glauben Sie mir, es wäre dort ganz genau so gelaufen. Alles ganz genau so. Mehr noch, ich unterstreiche das noch, auch in Charkow wäre genau dasselbe, und in Nikolajew, und Odessa, und überall. Der einzige Faktor, der fehlte von dem, was sie genannt haben, und der auf der Krim vorhanden war, war das Vorhandensein russischer Truppen, die eindeutig die Position der Unterstützung der Volksmassen eingenommen haben. Hätte es diese Unterstützung in den anderen Regionen gegeben, hätte es genau so einen, unblutigen, überwältigenden Sieg gegeben wie auf der Krim.


Nun dazu wie man damit Propaganda macht. Und dazu haben wir eine konkurrierende “Übersetzung” von der Seite “Euromaidanpress.com”. Ich werde nicht weiter auf Perlen aus dem Rest des Textes wie “Obwohl er freimütig über die von ihm verursachten Gräueltaten spricht” oder “Was aber nicht zu leugnen ist, dass Girkin nicht allzu gerne wieder zu seiner “Rebellion” in der Ukraine zurückkehren will” eingehen – einfach nur Hetze ohne jede Basis – sondern mich auch die angebliche Übersetzung beschränken, wobei ich die offensichtlichen Entstellungen und Lügen fett hervorgehoben habe:

“Waren Sie eigentlich auf der Krim während des Referendums? Nun, ich war dort. Ich war dort seit dem 20. Februar. Was Sie hier beschreiben, ist absoluter Unsinn. Es gab keine Polizisten, die zu diesem Zeitpunkt zu unserer Seite hielten. Die einzigen Sicherheitskräfte, die sich damals unseren Reihen angeschlossen hatten, waren die Berkut. Der Rest der Strafverfolgungsbehörden blieb unter der Kontrolle des ukrainischen Innenministerium und hielt sich an die Befehle des Innenministeriums. Ja, manchmal haben sie diese Befehle ein wenig sabotiert, aber alles in allem blieben sie unter ukrainischer Kontrolle. Ich habe keine Unterstützung durch offizielle Regierungsvertreter in Simferopol gesehen. Unsere Truppen mussten die Abgeordneten in den Plenarsaal des Regionalparlaments regelrecht zwingen, damit sie für unsere Initiativen abstimmten. Ich weiß das, weil ich zu der Zeit das Kommando über eine solche Kampftruppe hatte, und ich habe alles von innen gesehen. Wir hatten überhaupt keine Unterstützung von den Menschen, ganz zu schweigen von der Armee. Die ukrainischen Armeeeinheiten hielten nach wie vor zu Kyiw. Und für den größten Teil der Armee blieb das auch so. Es war einzig und allein die die Präsenz der russischen Armee, die das möglich gemacht hat, was wir auf der Krim erreicht haben.

Gehen wir mal Punkt für Punkt die Falschübersetzungen durch. Strelkow hat nicht danach gefragt, ob Starikow während des Referendums dort war, sondern das tauchte nur in Starikows Antwort auf die Frage auf, wann er da war. Ziel dieser Lüge war es, überhaupt einen Bezug zum Referendum herzustellen, von dem gar nicht die Rede war, was aber suggeriert wird in der Überschrift “Girkin: Das Krim-Referendum war eine Farce” sowie im Kommentar selbst: “Girkin beschrieb ganz offen die Systematik, wie das illegale Referendum auf der Krim im Frühjahr 2014 durchgeführt wurde, das später als Vorwand für die Annexion der Halbinsel durch Russland verwendet wurde.” Das falsche Datum (20. statt 21.) könnte Flüchtigkeitsfehler sein, aber auch seinen Sinn als Fälschung haben, aber geschenkt. Dass es darum gehen muss, dass sich der Berkut nicht der Bevölkerung (население) sondern lediglich “unseren Reihen” anschloss, nunja, das will man halt suggerieren.

Auch besteht ein erheblicher Unterschied zwischen “unsere Truppen” und “ополченцы”, also den Freiwilligenmilizen, die dort aus der lokalen Bevölkerung gebildet wurden, und die anfangs nur zu einem geringen Teil auch bewaffnet waren. Dann, “regelrecht zwingen”? “собирать” ist einfach nur sammeln, einsammeln, versammeln. “загнать в зал” klingt zwar nicht allzu freundlich, das kann man durchaus mit “in den Saal jagen” oder “treiben” übersetzten. Aber hierbei geht es eindeutig darum, dass sie in den Saal reingetrieben werden. Nicht darum, wie sie dort abstimmen. Dazu muss man allerdings den Kontext kennen – und der ist, dass es Probleme gab, das Quorum zusammenzubekommen, also die Minimalzahl von Abgeordneten, die nötig ist, damit die Abstimmung rechtsgültig ist. In Kiew beim Putsch wurde das damit gelöst, dass ein und dieselben Leute mit mehreren Abstimmungskarten von verschiedenen (nicht anwesenden) Abgeordneten abstimmten. Entsprechende Behauptungen, das wäre auf der Krim genauso gelaufen, gab es auch. Faktisch sagt uns Strelkow hier, dass man auf der Krim anders vorging, nämlich die Anwesenden zusammenkarrte und in den Saal jagte, zur Abstimmung, und das Quorum seinerzeit auf diese Art zustande kam.

Schlimmer noch ist die Fälschung, dass es darum gegangen wäre, irgendjemanden dazu zu zwingen “für unsere Initiativen” zu stimmen. Das hat Strelkow nicht gesagt. Meine Übersetzung “damit sie abstimmen” ist, zugegeben, auch etwas ungenau, das Original “чтобы они приняли” ist einfach grammatisch nicht korrekt, “damit sie annahmen” wäre es wörtlich, ja, aber was denn?

Die krasseste Lüge ist jedoch das “wir hatten überhaupt keine Unterstützung von den Menschen”. Hier ist nicht einmal klar, welcher Satz hier “übersetzt” worden sein soll, es ist einfach nur eine Lüge.

Auch dass die Armee zu Kiew hielt, wurde nicht gesagt – es wurde hingegen gesagt, dass sie lustlos, sabotierend, gehorchte. Wohl doch etwas ganz anderes.

Und der letzte Satz – “Es war einzig und allein die die Präsenz der russischen Armee, die das möglich gemacht hat, was wir auf der Krim erreicht haben” – mag zwar als freie Zusammenfassung eines Gedankens von Strelkow durchgehen, hat aber mit dem wörtlichen Text nichts zu tun, in dem es um das “Vorhandensein russischer Truppen, die eindeutig die Position der Unterstützung der Volksmassen eingenommen haben” ging.

Soweit die Lügen und Verzerrungen in der angeblich wörtlichen Übersetzung – und dies trotz mitgeliefertem Originalton. Erstaunlich eigentlich: Wie kann ein Medium so offen und leicht nachweibar lügen – und die Beweise für die Lüge gleich noch selbst mitliefern? Was ist das für ein Grad von Unverschämtheit? Für mich ist es nicht nachvollziehbar.