Griechenland half Deutschland – Deutschland trat Griechenland

 Einar Schlereth
31. Januar 2015

Es ist schon eigenartig, wie Deutschland die übelsten Eigenschaften der USA übernimmt. Alles versprechen und sofort alles vergessen. Nun, natürlich meine ich nicht alle Deutschen – obwohl ich sicher bin, dass es genügend Leute bei uns gibt, die dies Verhalten der Regierung billigen. Hier will ich nicht von Dankesschuld reden – das wäre ja absolut zu viel verlangt – sondern von dem hinterfötzischen Verhalten, gute Taten mit Tritten zu vergelten.

Hermann Josef Abs (Mitte) besiegelt die Entschuldung
Deutschlands. Foto: dpa

Griechenland verhalf also Deutschland zu seinem ‘Wirtschaftswunder’. Russland verhalf Deutschland zu seiner Wiedervereinigung. Und wie war das mit Jugoslawien, das Deutschland seinen Überfall verzieh? Das hat sich wohl auf die deutsche Floskel ‘nie mehr Krieg von deutschem Boden und schon gar keinen Angriffskrieg’ verlassen. Hahaha. Pustekuchen. Deutschland gab den Startschuss zur fröhlichen Jagd durch die Anerkennung Kroatiens, wo man auch gleich seine alten Ustascha-Faschisten-Freunde an die Regierung brachte.

Und was da im deutschen Grundgesetz steht, dass keine Waffen an kriegführende Länder geliefert werden dürfen, dazu kann man mal die Palästinenser, die Timoresen, die Iraker und ganz aktuell die Bevölkerung im Donbass befragen.  Nun ja, nicht umsonst ist Deutschland zum drittgrößten Waffenproduzenten der Welt geworden. Statt Wiedergutmachung, Dolchstöße in den Rücken.

Aber wir waren ja bei den Griechen. Wie es zu der Story kam, könnte ihr unten genauer lesen. Aber vergesst nicht, dass es ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau ist, die es mit der Wahrheit nicht so penibel nimmt. Die es auch nicht lassen kann, sich bei jeder Gelegenheit an die USA anzuschmieren. Auch hier wieder. Nehmt das mit dem ‘Dank der USA’ und der Marshall-Plan-Hilfe nicht zu genau. Dazu gäbe es eine Menge zu sagen.

Aber hier fiel mir ein anderer Passus besonders auf:

“Nicht Teil des Schuldenabkommens von 1953 war die Frage der Reparationen für die von Nazi-Deutschland besetzten Länder.
Dazu zählten auch Verrechnungsschulden des Dritten Reiches, die laut Ritschl 100 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung des Jahres 1938 ausmachten. Diese Zahlungen sollten nach einer Wiedervereinigung in einem Friedensvertrag geregelt werden. Auch dies sollte sich als
Glücksfall für Deutschland erweisen. Denn die Reparationsfrage wurde im 2+4-Vertrag ausgelassen, die Ansprüche gelten daher als untergegangen.”

Tja, ist das nicht goldig? ‘Glücksfall’ nennt es die FR. Normalerweise nennt man so etwas ‘ordinären Betrug’. Nun, liebe Griechen, nehmt den Stift zur Hand und zieht einen dicken Strich durch eure Schulden an Deutschland. Man hat euch gezeigt, wie man das macht. Man vergisst die Schulden und dann “gelten sie als untergegangen”. Und lasst euch von dieser Bullenbeißeren in Berlin nicht ins Bockshorn jagen. Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Was soll Berlin denn machen? Es kann ja versuchen, einem nackten Mann in die Tasche zu greifen. Oder soll es die Armee schicken? Das ist zweifelhaft, da die ja demnächst ihren Faschisten-Freunden in der Ukraine helfen muss und gegen die Russen antreten soll. Darauf muss sich die Bundeswehr gut vorbereiten und vor allem auch warm anziehen.

Ignoriert einfach das Gekeife aus Berlin, setzt euch die Kopfhörer auf und hört Theodorakis.

Und nun bitte ich alle meine griechischen Leser, dies hier schleunigst zu übersetzen, damit eure Landsleute Zündholz bekommen, um allen, die euch von eurem souveränen Weg politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit abbringen wollen, Feuer unterm Hintern zu machen. Achtet besonders auf ‘trojanische Pferde’, die von außen ins Land geschleust werden und auf die ‘Fünfte Kolonne’, die sich in euren Reihen befindet. Und denkt dran: Ihr habt jetzt eine Chance und wenn ihr die versaubeutelt, dann wird sie nicht so bald wiederkommen. So viel müsst ihr aus eurer eigenen und der aller anderen Völker gelernt haben.

Und hier nun der Artikel von Stephan Kaufmann, den Hartmut Bart-Engelbarth dankenswerter veröffentlicht hat.

Wie Griechenland bei der Rettung Deutschlands half
Von Stephan Kaufmann

Nach dem Zweiten Weltkrieg erließen 65 Staaten der
Bundesrepublik einen Großteil der Schulden, unter ihnen auch
Griechenland. Der Erlass machte das deutsche
Wirtschaftswunder möglich.

Die Verhandlungen über einen Schuldenerlass für Griechenland
sind in der letzten Runde. Auf 100 Milliarden Euro sollen
Athens Gläubiger verzichten. Es ist eine gigantische Pleite.
Um einen ähnlich großen Erlass zu finden, muss man 59 Jahre
zurückgehen. Damals war die Bundesrepublik Deutschland der
Profiteur. Das Londoner Schuldenabkommen vom Februar 1953 –
bei dem auch Griechenland verzichtete – ermöglichte den
wirtschaftlichen Aufstieg Westdeutschlands.

Finanzminister Fritz Schäffer hatte den deutschen
Verhandlungsleiter Hermann Josef Abs gewarnt: Mit den
Verhandlungen über die Regelung der Altschulden übernehme er
eine undankbare Aufgabe. „Herr Abs“, sagte Schäffer, „wenn
Sie es schlecht machen, werden Sie an einem Birnbaum
aufgehängt und wenn Sie es gut machen, an einem Apfelbaum.“

Heute ist jedoch klar: Die Bundesrepublik erzielte einen
außergewöhnlichen Erfolg, spendiert von den USA. „Seine
heutige finanzielle Stabilität verdankt Deutschland Amerika,
das nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg auf viel Geld
verzichtet hat“, sagt Albrecht Ritschl,
Wirtschaftshistoriker an der London School of Economics. Zum
einen ging es 1953 um die Regelung der Vorkriegsschulden im
Ausland, die zum großen Teil aus nicht geleisteten
Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg bestanden.

Bereits in den 20er und 30er Jahren hatten die Gläubiger auf
Druck der USA ihre Forderungen um viele Milliarden Mark
gesenkt. Dennoch konnte Deutschland nicht zahlen, die
nationalsozialistische Regierung beendete ab 1933 den
Schuldendienst weitgehend.

Londoner Abkommen reduziert Deutschlands Schulden

Im Londoner Abkommen wurde zunächst die
Vorkriegsschuldenlast um 15 Milliarden D-Mark reduziert,
indem die Gläubiger auf entgangene Zinszahlungen ab 1934
verzichteten. Es blieben jedoch noch rund 14 Milliarden
übrig. Dazu kamen Nachkriegsschulden über rund 16 Milliarden
D-Mark. Zusammen ergab sich eine Forderung von 30
Milliarden, der eine Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik
von 70 Milliarden gegenüberstand. Die daraus resultierenden
Belastungen seien „unmöglich zu erfüllen“, so Abs.

Die 65 Gläubigerstaaten hatten ein Einsehen. Am Ende
gewährten sie dem Rechtsnachfolger des Dritten Reiches einen
Erlass von 50 Prozent der gesamten
Auslandsverbindlichkeiten. Dazu kam die massive Senkung der
Zinsen. Zum Vergleich: Die gesamten Auslandsschulden
Griechenlands dürften durch den derzeit verhandelten Erlass
nur um 18 Prozent sinken. Das Abkommen enthielt noch weitere
Vorteile. Die Rückzahlung der Schulden wurde gestreckt bis
zum Jahr 1988.

Anders als im Fall Griechenlands wurde der Erlass nicht von
der Umsetzung von Sparprogrammen abhängig gemacht, sondern
sah wachstumsförderliche Maßnahmen vor. Mit ihnen wurde
sichergestellt, dass Deutschland die Rückzahlung aus seinen
Exporteinnahmen decken konnte und nicht – wie heute Athen –
durch die Aufnahme neuer Schulden. Die vom Ausland
geforderten Rückzahlungen betrugen in keinem Jahr mehr als
3,5 Prozent der deutschen Exporterlöse. Zum Vergleich: Athen
musste 2011 allein für Zinsen rund elf Prozent seiner
Exporteinnahmen ausgeben.

Letzte Tranche 1988

In Griechenland haben die Krise und die Sparbemühungen zu
einer katastrophalen Schrumpfung der Wirtschaftsleistung
geführt. Infolge dessen kann Athen die Forderungen von EU
und Internationalem Währungsfonds (IWF) nicht einhalten –
und wird daher von IWF und EU zu immer schärferem Sparen
gezwungen. Dies hätte der Bundesrepublik nicht passieren
können: Denn laut Abkommen durfte „der Plan die deutsche
Wirtschaft nicht aus dem Gleichgewicht bringen“.

Dies hat funktioniert. Angetrieben von Marshall-Plan-Hilfen
und globalem Nachkriegs-Boom wuchs die westdeutsche
Wirtschaftsleistung nach dem Schuldenschnitt jährlich
zwischen neun und acht Prozent. Die Schulden sanken nach der
vollen Umsetzung des Abkommens 1958 auf sechs Prozent der
Wirtschaftsleistung. 1988 konnte die letzte Tranche
zurückgezahlt werden.

Dieser Erfolg war vor allem ein Werk der US-Regierung – die
jedoch ihre eigenen Ziele verfolgte: Westdeutschland sollte
als Frontstaat im Kalten Krieg aufgebaut werden. Zudem
hoffte Washington, das zu jener Zeit den Korea-Krieg führte,
dass eine wiederbewaffnete Bundesrepublik einen Beitrag zum
Kampf gegen den Ostblock übernehmen würde.

Nicht Teil des Schuldenabkommens von 1953 war die Frage der
Reparationen für die von Nazi-Deutschland besetzten Länder.
Dazu zählten auch Verrechnungsschulden des Dritten Reiches,
die laut Ritschl 100 Prozent der deutschen
Wirtschaftsleistung des Jahres 1938 ausmachten. Diese
Zahlungen sollten nach einer Wiedervereinigung in einem
Friedensvertrag geregelt werden. Auch dies sollte sich als
Glücksfall für Deutschland erweisen. Denn die
Reparationsfrage wurde im 2+4-Vertrag ausgelassen, die
Ansprüche gelten daher als untergegangen. „Es wurden nur
kleinere Beträge gezahlt“, so Ritschl.

Mitte der 90er Jahre unternahmen einige Griechen jedoch
einen neuen Anlauf. Die Erben der von der SS ermordeten
Bewohner des Dorfes Distomo verklagten Deutschland auf
Entschädigung. Das höchste griechische Gericht gab ihnen im
Mai 2000 recht.

Doch die Bundesregierung intervenierte: Privatpersonen
dürften nicht gegen Staaten klagen, dies verletze den
Grundsatz der staatlichen Immunität. Das griechische
Justizministerium verweigerte die Vollstreckung des Urteils
und richtete ein Sondergericht ein. Kurze Zeit später wurde
Griechenland in die Euro-Zone aufgenommen. Die Klage der
Distomo-Erben wurde im September 2002 abgewiesen. Am
vergangenen Donnerstag scheiterte eine Klage der
Hinterbliebenen des Massakers im toskanischen Civitella
1944.

Die Etappen der Euro-Krise

Die Auswirkungen der Finanzkrise ebben 2009 ab, da rollt die
Euro-Krise auf Europa zu. Im Oktober 2009 korrigiert die
griechische Regierung die Angaben über die Staatsschulden
drastisch nach oben. Der Euro bricht ein. 25. März 2010: Die
Eurogruppe sagt Athen ein Hilfspaket aus Krediten zu, der
IWF macht mit. Eine Taskforce unter Leitung von
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy wird eingesetzt, um den
Stabilitätspakt zu reformieren. 23. April 2010: Griechenland
beantragt das Hilfsprogramm. Das Land hat Schulden in Höhe
von 300 Milliarden Euro angehäuft. Schnell ist klar: Allein
können sich die Hellenen nicht retten.
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