Kategorie-Archiv: Saker auf deutsch

Artikel vom Saker ins Deutsche übersetzt

Beliebte Klischees über moderne Kriegsführung zerstören

vom Saker

Debunking popular clichés about modern warfare

„Wie würde ein Krieg zwischen Russland und den USA aussehen?“

Das muss die Frage sein, die mir am häufigsten gestellt wird. Das ist auch die Frage, auf die ich die fremdartigsten und schlechtinformiertesten Antworten höre. Ich habe mich in der Vergangenheit mit dieser Frage befasst, und wer an diesem Thema interessiert ist, kann folgende Artikel lesen:

Es wäre nutzlos, das alles hier zu wiederholen, also will ich mich dem Thema aus einem etwas anderen Blickwinkel annähern, aber ich würde jenen, die daran interessiert sind, sehr empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, diese Artikel zu lesen, die, auch wenn sie überwiegend 2014 und 2015 geschrieben wurden, immer noch weitgehend gültig sind, vor allem, was die Methodologie angeht, mit diesem Thema umzugehen. Alles, was ich heute vorschlage, ist, einige beliebte Klischees über moderne Kriegsführung im Allgemeinen zu zerstören. Ich hoffe, dass ich euch, indem ich sie zerstöre, mit dem Werkzeug versehe, um den Unsinn, den uns die Konzernmedien gerne als „Analyse“ präsentieren, zu durchschneiden. Beliebte Klischees über moderne Kriegsführung zerstören weiterlesen

Bereitet Putin eine Säuberung der Regierung vor?

vom Saker

Is Putin preparing a governmental purge?

Wie er es einmal im Jahr zu tun pflegt, verbrachte Präsident Putin letzte Woche über dreieinhalb Stunden damit, 80 von über drei Millionen eingegangenen Fragen zu beantworten. Die Show, die live auf Kanal 1, Rossija-1 und Rossija-24 gezeigt und von Majak, Vesti FM und Radio Rossii übertragen wurde, war ein nie dagewesener Erfolg, den Millionen Russen sahen und kommentierten. Man kann das volle (englische, A.d.Ü.) Transkript hier lesen, und das Transkript eines Gesprächs zwischen Putin und dem Journalistenkorps nach der Show hier.

Der wichtigste russische Fernsehsender Rossija 1 brachte nicht nur eine, sondern zwei Talkshows, die sich nur damit befassten, Putins Auftritt zu diskutieren. Diese Talkshows liefen unter dem Format „Abend mit Wladimir Solowiew“ – die bei weitem meistgesehene Talkshow des russischen Fernsehens. Nur als Randbemerkung, Rossija 1 ist das Kronjuwel der mächtigen und staatlich kontrollierten Allrussischen Fernseh- und Radiosendegesellschaft (VGTRK) Medienholding. Mit der Anrufsendung mit Putin (3 Stunden 40 Minuten), der ersten Talkshow (2 Stunden 12 Minuten) und der zweiten Talkshow (1 Stunde 44 Minuten) wurden dem russischen Publikum verblüffende siebeneinhalb Stunden Diskussionen geboten. Einige mögen das „Propaganda“ nennen, und das negativ oder positiv sehen, aber das ändert wenig. Der entscheidende Punkt ist hier, dass das ein wichtiger, großer Einsatz war, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Was war also die Botschaft, die mit all dem vermittelt wurde? Ich will das für euch zusammenfassen: Bereitet Putin eine Säuberung der Regierung vor? weiterlesen

Der Selbstmord der EU durch Wirklichkeitsverleugung

vom Saker

The EU’s “suicide by reality denial”

Was geschehen musste, ist geschehen. Die EU, die Kette aus schwachen Gliedern, die sie ist, gab letztlich nach, und die Holländer waren die ersten, die gegen die Assoziierung mit der Ukraine stimmten. Natürlich können die Eurobürokraten jetzt irgendeinen Grund finden, die Abstimmung für ungültig zu erklären, sie können erklären, dass irgendein Gesetz verletzt wurde, sie könnten sogar einige kleinere Änderungen an der Assoziierungsvertrag aushandeln, oder sie könnten entscheiden, dass sie diese Abstimmung schlicht ignorieren. Aber nichts davon wird irgend etwas ändern: die Wahrheit ist nicht zu leugnen, dass die Ukrainer in der EU nicht willkommen sind, nicht als Assoziierte, und noch weniger als Mitglieder. Also keine EU, keine NATO, keine „europäische Zukunft“ für die Ukraine. Der ganze Heißluftballon, der die naiven und hässlichen Hoffnungen der Euromaidaner genährt hat, ist geborsten, und das euro-ukrainische Projekt ist abgestürzt und ausgebrannt wie die Hindenburg.

Dieses Unglück musste nicht geschehen, es war gänzlich menschengemacht. In einer vernünftigeren Welt hätten die EU, Russland und die Ukraine einen Handel aus drei Parteien verhandeln können, der der Ukraine die Rolle gegeben hätte, die ihr Geografie und Geschichte vorgezeichnet haben: eine Brücke zwischen Russland und der EU zu sein. Aber die EU hat diese Möglichkeit kategorisch abgelehnt, mehrere Male, und schlicht erklärt, „die Ukraine ist ein souveräner Staat, und Russland hat in ukrainischen Angelegenheiten nicht mitzureden“. Dieses Nullsummenspiel wurde Russland gegen seinen Willen aufgezwungen, aber jetzt ist es die EU, die alles verloren hat, selbst, wenn das auch für Russland keineswegs ein Sieg ist. Es ist traurige Realität, dass alle verloren haben. Jetzt muss die EU die völlige Niederlage ihrer Ukraine-Politik akzeptieren, Russland blickt jetzt alleine auf einen sterbenden Staat gleich hinter seiner Grenze, während die Ukraine schlicht in Stücke fällt und schmerzvoll dahinscheidet. Werden die Eurobürokraten dieses Ergebnis akzeptieren? Der Selbstmord der EU durch Wirklichkeitsverleugung weiterlesen

Als Politiker war Mosgowoj gefährlicher

Roman Skomorchow

Еще одна версия убийства Мозгового, übersetzt nach der englischen Übersetzung Yet another version of Mozgovoi’s murder

Yet another version of Mozgovoi’s murder.

Manchmal geschieht es, dass eine Geschichte vorbei ist, und es keinen Sinn macht, zu ihr zurückzukehren. Man kann die Toten nicht wiederbeleben, und Fragen von Ehre und Gedächtnis sind mancherorts ohne Bedeutung, milde gesagt. Aber was diese Geschichte angeht, konnte ich mich nicht zufrieden geben. Es waren, offen gesagt, darin zu viele eigenartige und unerklärte Punkte.

Nach dem zweiten Anschlag auf sein Leben haben wir unsere Ansichten und Schlussfolgerungen veröffentlicht. Alexej Borisowitsch (Mosgowoj) lachte über sie. Auch wenn eine der Versionen nahe dran war. Nach dem dritten (erfolgreichen) Versuch mussten wir unsere Schlussfolgerungen ohne seine Kommentare ziehen. Beinahe blind. Um ehrlich zu sein, war keine unserer vier Hypothesen zutreffend. Schlicht, weil wir bestimmte Dinge nicht wussten. Dies hier ist also kein Versuch, es nach offensichtlichen Irrtümern in der Betrachtung zu korrigieren, sondern ein Versuch, zu zeigen, was wirklich geschehen ist. Das ist wichtig, weil die meisten Beteiligten am Leben und wohlauf sind, und weiter arbeiten und dienen.

Ich will es euch gleich sagen, ich habe in den ganzen zehn Monaten nach dem Ereignis weiter gegraben. Nicht mit dem Bagger, eher mit kleiner Schaufel. Ich redete mit Leuten, die mir etwas sagen konnten. Schrieb Briefe. Erhielt Antworten. Las unterschiedliche Meinungen und Erinnerungen. Aber es entstand kein schlüssiges Bild. Als Politiker war Mosgowoj gefährlicher weiterlesen

Analyse des Abzugs des russischen Militärs aus Syrien

vom Saker

Wladimir Putin hat gerade den Rückzug der russischen Truppen in Syrien angeordnet:

„Ich halte die Ziele, die dem Verteidigungsministerium gesetzt wurden, im Allgemeinen für erreicht. Darum befehle ich, den Rückzug des Hauptteils unserer Militärgruppe vom Gebiet der Syrischen Arabischen Republik zu beginnen, angefangen Morgen,“ sagte Putin am Montag während eines Treffens mit Shoigu und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. „In einem kurzen Zeitraum hat Russland eine kleine, aber sehr wirkungsvolle militärische Gruppe in Syrien geschaffen. Die wirkungsvolle Arbeit unserer militärischen Kräfte erlaubte dem Friedensprozess, zu beginnen,“ sagte Putin und fügte hinzu, „die russischen Regierungstruppen und die [syrischen]patriotischen Kräfte” hätten “die Lage im Kampf gegen den internationalen Terrorismus verändert und die Initiative ergriffen.“

Die erste Frage, die man sich stellen muss, ist, ob dies zutrifft: haben die Russen ihre Ziele erreicht oder nicht? Um auf diese Frage zu antworten, müssen wir betrachten, was die ursprünglichen russischen Ziele waren. Ich habe das in meinem Artikel „Die dreizehnte Woche des russischen Eingreifens in Syrien: die Lügen aufdecken“ getan, in dem ich schrieb:

Das Hauptthema ist hier, welches Kriterium angelegt wird, um „Erfolg“ zu messen. Und das wiederum wirft die Frage auf, was die Russen ursprünglich mit ihrem Eingreifen erreichen wollten. Es erweist sich, dass Putin den Zweck des russischen Eingreifens klar und offiziell benannt hat. Am 11. Oktober erklärte er in einem Interview mit Wladimir Solowiew auf dem Fernsehsender Rossija 1 folgendes:
Unser Ziel ist es, die legitime Macht zu stabilisieren und die Bedingungen für einen politischen Kompromiss zu schaffen. Analyse des Abzugs des russischen Militärs aus Syrien weiterlesen

Die einundzwanzigste Woche des russischen Militäreinsatzes in Syrien: die Ruhe vor dem Sturm?

vom Saker

Week twenty-one of the Russian military intervention in Syria: the calm before the storm?

Die Waffenruhe in Syrien (die nicht wirklich eine Waffenruhe ist, sondern eher eine „Konzentration der Kampfhandlungen“) hält überraschend gut. Das ist vor allem der brillanten Taktik geschuldet, jede der kämpfenden Truppen in Syrien zu zwingen, sich selbst als entweder „gute moderate“ zu definieren und Sicherheit garantiert zu bekommen, oder als „böse terroristische“, und ein unstrittig legitimes Ziel zu werden, das jedermann ins Visier nehmen kann. De jure sind die einzigen, die legal irgendjemanden in Syrien angreifen können, nur die Russen und die Syrer, alle anderen, die US-geführte Koalition eingeschlossen, befindet sich dort völlig illegal, aber de facto erkennt die letzte Übereinkunft auch das Recht aller Parteien an, die „bösen Terroristen“ anzugreifen. Indem jede Gruppe gezwungen wird, sich selbst zu definieren, haben die Russen den eher wahnhaften Vorwürfen, sie würden die „guten Terroristen“ bombardieren, jede Glaubwürdigkeit genommen, und diese Kategorie ist im Grunde aus dem Konflikt verschwunden. Und um es ehrlich und völlig offen zu sagen, die USA wurden gewzungen, die russische Definition eines Terroristen als „jeder, der gegen die syrische Regierung kämpft“ zu akzeptieren. Ja, ich weiß, sie haben nie einer solchen Formulierung zugestimmt, aber da jene, die bis jetzt gekämpft haben, in eine „gute“ und eine „böse“ Opposition gegen die syrische Regierung geteilt wurden, und da jetzt die „gute Opposition“ den Waffenstillstand/die Waffenruhe akzeptiert, bedeutet das, dass all jene, die gegen die Regierung kämpfen, allein dadurch „böse“ sind. Daher ist jeder, der gegen die syrische Regierung zu den Waffen greift, „böse“, und ein legitimes Ziel völliger Auslöschung. QED. Die einundzwanzigste Woche des russischen Militäreinsatzes in Syrien: die Ruhe vor dem Sturm? weiterlesen

Die achtzehnte Woche des russischen Eingreifens in Syrien: eine dramatische Eskalation scheint sich anzubahnen

vom Saker

Week Eighteen of the Russian Intervention in Syria: a dramatic escalation appears imminent

Die Lage in Syrien hat einen Scheideweg erreicht und eine dramatische Eskalation des Kriegs scheint sich anzubahnen. Werfen wir noch einmal einen Blick darauf, wie wir an diesen Punkt gelangt sind.

Während der ersten Phase des Einsatzes waren die syrischen Streitkräfte außerstande, einen unmittelbaren strategischen Erfolg zu erzielen. Das ist wenig überraschend. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Russen in den ersten Wochen des Einsatzes den Syrern keine nahe Luftunterstützung gaben. Statt dessen entschieden sie, die ganze Infrastruktur von Daesh systematisch zu schwächen (Anmerkung: ich bezeichne *alle* Terroristen in Syrien als „Daesh“), eingeschlossen Kommandostellungen, Kommunikationsknoten, Öllager, Munitionslager, Nachschubrouten etc. Das war eine wichtige Arbeit, aber sie hatte keine unmittelbare Auswirkung auf das syrische Militär. Dann wandten sich die Russen zwei wichtigen Aufgaben zu: Daesh in der Provinz Latakia zurückzudrängen und den illegalen Ölhandel zwischen Daesh und der Türkei zu treffen. Das erste Ziel war nötig zum Schutz der russischen Einsatzgruppe und der zweite traf die Finanzen von Daesh. Dann wandten sich die Russen ernsthaft der Gewährung naher Luftunterstützung zu. Nicht nur das, die Russen wurden direkt in die Bodeneinsätze involviert.

Die zweite Phase wurde schrittweise eingeleitet, ohne große Fanfaren, aber sie machte sich am Boden deutlich bemerkbar: die Russen und die Syrer fingen an, eng zusammenzuarbeiten und bald schon hoben sie ihre Zusammenarbeit auf eine qualitativ neue Ebene, die es den syrischen Kommandeuren erlaubte, die russische Feuerkraft mit großer Effektivität einzusetzen. Mehr noch, die Russen fingen an, die Syrer mit moderner Ausrüstung zu versorgen, T-90 Panzer, moderne Artilleriesysteme, Anti-Artillerie-Radar, Nachtsichtgeräte etc. eingeschlossen. Schließlich wurden, gemäß verschiedener russischer Berichte, russische Spezialeinsatzkräfte (vor allem Tschetschenen) an Schlüsselpositionen eingesetzt, auch tief im Hinterland von Daesh. Als Ergebnis dessen gelang es dem syrischen Militär zum ersten Mal, vom Erringen taktischer Erfolge zu operationellen Siegen zu gelangen: erstmalig begannen die Syrer, Schlüsselstädte von strategischer Bedeutung zu befreien. Die achtzehnte Woche des russischen Eingreifens in Syrien: eine dramatische Eskalation scheint sich anzubahnen weiterlesen

Die siebzehnte Woche des russischen Einsatzes in Syrien: will Erdogan Krieg mit Russland?

vom Saker

Week Seventeen of the Russian Intervention in Syria: does Erdogan want war with Russia?

Die Lage in der Türkei entgleitet rasch der Kontrolle: die Türken haben nicht nur Artillerieschläge über die syrische Grenze hinweg durchgeführt, die Türkei hat sich geweigert, ihren Pflichten aus dem Open-Skies- Vertrag nachzukommen und sich geweigert, ein russisches Überwachungsflugzeug über die Türkei fliegen zu lassen. Das russische Militär hat jetzt erklärt, es habe Anzeichen türkischer Vorbereitungen auf einen Einmarsch entdeckt. Die türkische Weigerung, sich an den Open-Skies-Vertrag zu halten, ist eine extrem besorgniserregende Entwicklung, insbesondere in Verbindungen mit russischen Warnungen über die Vorbereitungen auf einen Einmarsch in Syrien, und die Russen legen ihre Worte nicht auf die Goldwaage:

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Technologie-SITREP: Wie russische Ingenieurskunst den jetzigen Einsatz in Syrien möglich machte

vom Saker

Die Intensität und die Wirksamkeit der russischen Luftwaffe (nun, technisch werden sie jetzt Luft-Raum-Kräfte genannt, oder LRK, also nenne ich sie ab jetzt RLRK) hat die westlichen Militärexperten erschüttert. Nicht nur die Anzahl der Einsätze pro Tag ist etwa dreimal so hoch wie das, was die USA oder NATO-Länder erreichen können, die russischen Luftschläge sind erstaunlich genau, obwohl die Russen in einer Höhe von 5 000 m fliegen, weit außerhalb der Reichweite jeder tragbaren Luftabwehr (MANPADS). Sie fliegen sogar nachts und bei schlechtem Wetter. Das ist noch verblüffender, wenn man in Betracht zieht, dass die meiste Arbeit von alten SU-24 (eingeführt 1974) und SU-25 (eingeführt 1981) verrichtet wird. Tatsächlich hätten die meisten Missionen in Syrien mit diesen beiden hervorragenden, aber, offen gesagt, antiken Flugzeugen durchgeführt werden können, und der Hauptgrund für die Anwesenheit der brandneuen und höchst fortgeschrittenen SU-34 ist, das Flugzeug und seine Systeme zu testen (und, seitdem die Türken die SU-24 abgeschossen haben, für glaubwürdige Luft-Luft-Verteidigung zu sorngen, wo das nötig ist). Also wie ist das möglich? Wie haben die Russen diese wie ein Wunder wirkenden Ergebnisse erzielt?

Mit etwas, das SWP-24 genannt wird. Technologie-SITREP: Wie russische Ingenieurskunst den jetzigen Einsatz in Syrien möglich machte weiterlesen