Kategorie-Archiv: Analyse

Analyse

Wie Russland sich auf den dritten Weltkrieg vorbereitet

vom Saker

How Russia is preparing for WWIII

Ich habe vor kurzem einen Artikel gepostet, in dem ich versuchte, einige beliebte Mythen über moderne Kriegsführung zu zerstören. Wenn ich nach den Kommentaren gehe, die ich in Erwiderung auf diesen Text erhalten habe, muss ich sagen, dass die besagten Mythen immer noch bei bester Gesundheit sind und dass es mir offenbar nicht gelungen ist, viele Leser zu überzeugen. Was ich heute vorschlagen will, ist, zu betrachten, was Russland wirklich als Antwort auf die wachsende Bedrohung aus dem Westen tut. Aber zuerst muss ich den Kontext dazu aufbauen, oder, genauer, den Kontext, in dem Russland agiert, wieder aufbauen. Fangen wir damit an, die anglozionistische Politik Russland gegenüber in den Blick zu nehmen.

Die Handlungen des Westens

Das erste auf dieser Liste ist unverkennbar die Eroberung ganz Osteuropas durch die NATO. Ich rede von Eroberung, weil es sich genau darum handelt, aber eine Eroberung, die nach den Regeln der Kriegsführung des 21. Jahrhunderts erreicht wurde, die ich als „80% auf dem Feld der Information, 15% auf dem der Wirtschaft und 5% auf dem des Militärs“ beschrieben habe. Ja, ich weiß, die guten Leute in Osteuropa haben nur davon geträumt, von USA/NATO/EU etc. unterworfen zu werden – und wenn? Jeder, der Sun Tsu gelesen hat, erkennt sofort, dass dieser tiefe Wunsch, von den anglozionistischen „Borg“ assimiliert zu werden, nichts anderes ist als das Ergebnis einer zerstörten eigenen Identität eines tief sitzenden Minderwertigkeitskomplexes und daher eine Kapitulation, die nicht einmal mit militärischen Mitteln herbeigeführt werden musste. Letztlich macht es keinen Unterschied, was die Ortsansässigen zu erreichen glaubten – jetzt sind sie Untertanen des Empire und ihre Länder sind mehr oder weniger irrelevante Kolonien am Rande des anglozionistischen Empire. Wie üblich schäumt die örtliche Kompradorenelite über vor Stolz, jetzt von ihren neuen Herren als gleichrangig akzeptiert zu werden, wie sie denken (stellt euch dabei Poroschenko, Tusk oder Grybauskaite vor), und das gibt ihnen den Mut, Moskau hinter dem NATO-Zaun heraus anzukläffen. Gut für sie.

Das zweite ist die jetzt vollständige Kolonisation Westeuropas durch das Empire. Während sich die NATO nach Osten bewegte, haben die USA auch eine weit tiefere Kontrolle über Westeuropa ergriffen, das jetzt für das Empire durch jene verwaltet wird, die der ehemalige Londoner Bürgermeister einmal „großes formloses rückgratloses protoplasmisches Gelee“ nannte – gesichtslose Bürokraten wie Françoise Hollande oder Angela Merkel. Wie Russland sich auf den dritten Weltkrieg vorbereitet weiterlesen

Beliebte Klischees über moderne Kriegsführung zerstören

vom Saker

Debunking popular clichés about modern warfare

„Wie würde ein Krieg zwischen Russland und den USA aussehen?“

Das muss die Frage sein, die mir am häufigsten gestellt wird. Das ist auch die Frage, auf die ich die fremdartigsten und schlechtinformiertesten Antworten höre. Ich habe mich in der Vergangenheit mit dieser Frage befasst, und wer an diesem Thema interessiert ist, kann folgende Artikel lesen:

Es wäre nutzlos, das alles hier zu wiederholen, also will ich mich dem Thema aus einem etwas anderen Blickwinkel annähern, aber ich würde jenen, die daran interessiert sind, sehr empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, diese Artikel zu lesen, die, auch wenn sie überwiegend 2014 und 2015 geschrieben wurden, immer noch weitgehend gültig sind, vor allem, was die Methodologie angeht, mit diesem Thema umzugehen. Alles, was ich heute vorschlage, ist, einige beliebte Klischees über moderne Kriegsführung im Allgemeinen zu zerstören. Ich hoffe, dass ich euch, indem ich sie zerstöre, mit dem Werkzeug versehe, um den Unsinn, den uns die Konzernmedien gerne als „Analyse“ präsentieren, zu durchschneiden. Beliebte Klischees über moderne Kriegsführung zerstören weiterlesen

Falsche Freunde

Am Samstag sollte in Leipzig eine Veranstaltung mit einem Vertreter von Borotba stattfinden, um über die Lage in der Ukraine zu informieren. Inzwischen wurde sie abgesagt; der Vertreter von Borotba, der dort sprechen sollte, fühlt sich mittlerweile nicht mehr sicher dort.

Wir hatten auf dieser Seite bereits einige Texte von und über Borotba (z.B. „Der tödliche Kampf Antimaidan“). Unter den Opfern des Massakers von Odessa finden sich ebenso Vertreter dieser linken ukrainischen Organisation wie unter den Kämpfern im Donbass. Es sollte schwer sein, ihnen abzusprechen, Antifaschisten zu sein. Und dennoch geschieht es.

Alexej Dankwardt, der mittlerweile parteilose Leipziger Stadtrat, der die Linkspartei nach monatelangem Mobbing durch maidanfreundliche ‘Antideutsche’ verlassen hat, hatte die Veranstaltung organisiert. Im Dachgeschoss des Karl-Liebknecht-Hauses in Leipzig, in dem er mit seiner Kanzlei selbst Mieter ist, und in das er eingezogen war, weil die Linkspartei das Haus, in dem Karl Liebknecht geboren wurde, sonst nicht mehr hätte finanzieren können. Als die Veranstaltung bekannt wurde, begannen immer massivere Angriffe aus der Ecke der ‘Antideutschen’, vorgetragen unter anderem von der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel, die nicht beim Versuch eines Verbots der Veranstaltung in diesen Räumen endeten (das daran scheiterte, dass die Gemeinschaftsräume des Hauses durch die Miete aller Mieter finanziert werden), sondern sogar in einer Kündigung der Büroräume Dankwardts gipfelten.

Juliane Nagel ist eine typische Exponentin der ‘Antideutschen’. Sie ist der festen Überzeugung, wichtige Arbeit gegen Faschisten zu leisten, und beschäftigt sich in ihrer Arbeit im sächsischen Landtag so gut wie ausschließlich mit dem, was sie für Antifaschismus hält, und mit dem Komplex Migration/Flucht. Die letzte Anfrage aus dem Büro Nagel, die eine soziale Thematik hatte, stammt aus dem Jahr 2014. Diese Dinge sind ihr nicht wichtig. Falsche Freunde weiterlesen

Wie Erzählungen das syrische Volk töteten

Sharmine Narwani

How narratives killed the Syrian people

Am 23. März 2011, ganz am Anfang dessen,was wir jetzt den ‘syrischen Konflikt’ nennen, wurden zwei junge Männer – Sa’er Yahya Merhej und Habeel Anis Dayoub – in der südsyrischen Stadt Daraa niedergeschossen.

Merhej und Dayoub waren weder Zivilisten, noch standen sie in Opposition zur Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Sie waren reguläre Soldaten aus den Reihen der syrischen arabischen Armee (SAA).

Merhej und Dayoub, die von unbekannten Schützen erschossen wurden, waren die ersten von achtundachzig Soldaten, die im ersten Monat dieses Konflikts in ganz Syrien getötet wurden – in Daraa, Latakia, Douma, Banyas, Homs, Moadamiyah, Idlib, Harasta, Suweida, Talkalakh und in den Vororten von Damaskus.

Der unabhängigen internationalen Untersuchungskomision der UN zu Syrien zu Folge, betrug die Gesamtzahl der Opfer aus den syrischen Regierungstruppen bis März 2012, im ersten Jahr des Konflikts, 2 569. Zu jener Zeit zählte die UN in Syrien insgesamt 5 000 Opfer politischer Gewalt. Wie Erzählungen das syrische Volk töteten weiterlesen

Die Ruhe vor dem kommenden globalen Sturm

Pepe Escobar

The Calm Before the Coming Global Storm, geschrieben für Sputnik News

Größere Turbulenzen scheinen das Spiel 2016 zu bestimmen. Doch die gegenwärtige Turbulenz kann man als die Ruhe vor den nächsten, zerstörerischen geopolitischen/finanziellen Sturm deuten. Betrachten wir den augenblicklichen Stand des Spiels, über die Dilemmata, die das Haus Saud, die EU und die BRIC-Mitglieder Russland, Brasilien und China betreffen.

Öl und das Haus Saud

Nicht viele Menschen sind mit dem Baltic Dry Index (BDI)vertraut. Dennoch ist dieser Index der Schlüssel zur Beobachtung der Rohstoffnachfrage. Vor zwei Monaten wurde er auf einem Allzeittief gehandelt. Seitdem ist er um 130% gestiegen. Edelmetalle haben sich in fast allen Währungen nach oben bewegt. Warum ist das wichtig? Weil es uns sagt, dass der Glaube an Fiat-Währungen – insbesondere an den US-Dollar – massiv zurückgeht.

Der Anstieg des BDI deutet einen Anstieg der Ölnachfrage in Asien an v- insbesondere in China. Fallendes Angebot und steigende Nachfrage nach Öl wird den Preis pro Barrel in der zweiten Hälfte 2016 vermutlich nach oben treiben.

Das heißt nicht, dass das Haus Saud das Vertrauen der USA und Russlands zurückgewinnt. Gut informierte Quellen bestätigen, dass das Haus Saud, soweit es Washington und Moskau angeht, verzichtbar ist. Beide sind wirklich enerieunabhängig (sollten die USA es sein wollen). Mächtige Fraktionen in Washington werfen Riad offen „Terror“ vor – nun, das ist etwas komplizierter -, während Moskau davon ausgeht, dass das Haus Saud US-Befehlen folgt, Russland in einem Ölpreiskrieg zu zerstören.

Der kränkelnde König Salman – auf dem Weg zur Demenz – und der junge Kriegerprinz Mohammed wären am Ende, wenn diese berühmten 28 Seiten über 9/11 veröffentlicht würden und die Saudi-Verbindung unwiderlegbar ist. Was dann? Regimewechsel. Ein CIA-Putsch. Ein „vertrauenswürdiger“ CIA-Freund aus dem Saudi-Militär wird an die Macht gehoben.

Was dem Haus Saud übrig bleibt, ist, auf Zeit zu spielen. An der Spitze in Riad besteht der Eindruck, dass sich die Beziehungen zu Washington nicht bessern werden, solange Obama Präsident ist; der nächste Präsident – ob Hillary oder Trump – wird ein besseres Angebot sein. Also ist der jetzige Plan A, als für Washington im „Krieg gegen den Terror“ unverzichtbar zu posieren; das heißt, dass sich King Salman stärker auf Mohammed bin Nayef verlässt, den Kronprinzen, der mehr Geschick darin besitzt als der Kriegerprinz, der den desaströsen Krieg im Jemen führt. Die Ruhe vor dem kommenden globalen Sturm weiterlesen

Neun Thesen über den Krieg, den wir führen

Rostislaw Ischtschenko

Девять тезисов о войне, которую мы ведем, übersetzt auf Grundlage der englischen Übersetzung

Am 27. und 28. April hielt das russische Verteidigungsministerium eine internationale Konferenz über Sicherheit ab. Ich nahm an einem Diskussionspaneel zu „Farbrevolutionen“ teil.

Die Zeit, die den Rednern (5 Min.) und den Diskussionsteilnehmern (1 Min.) gegeben wurde, war zu kurz, um das ganze Konzept der Farbrevolutionen in der modernen Politik und ihre Auswirkungen auf die allgemeine und die militärische Sicherheit des betroffenen Staates darzustellen. Daher präsentiere ich meine Sicht in Stichworten. Ich werde mich kurz halten, weil dameine mehrbändige Studie der „Farbrevolutionen“ und des hybriden Kriegs im Allgemeinen schreiben kann, und selbst dann wäre das Thema womöglich nicht vollständig erfasst.

These eins. Allein die Tatsache, dass sich das Militär für dieses Thema interessierte (es nahmen tatsächlich Vertreter mehrerer Dutzend Verteidigungsministerien verschiedener Länder an dieser Diskussion teil) belegt, dass „Farbrevolutionen“ von modernen Staaten nicht als eine innere Bedrohung gesehen werden (wofür sich Polizei und Sicherheitsdienste interessieren würden), sondern als eine äußere Bedrohung. Sie zeigen die Merkmale einer militärischen Aggression, also ist das Entgegenwirken ein Job für das Militär. Neun Thesen über den Krieg, den wir führen weiterlesen

„Wir wollen ein würdiges Leben!“

Protest BrasilienÜber die Ereignisse im brasilianischen Parlament wurde hierzulande ja einigermaßen wahrheitsgetreu berichtet – dass die große Mehrheit der Abgeordneten für ein Amtsenthebungsverfahren (impeachment) gegen Präsidentin Dilma Rousseff gestimmt hat; dass die meisten dieser Abgeordneten selbst Verfahren wegen Korruption (und Schlimmerem) am Hals haben, allen voran der Anführer des Putsches, Eduardo Cunha, während Rousseff ein simpler Haushaltstrick vorgeworfen wird, der keine Straftat ist.

Es wird gelegentlich sogar erwähnt, dass die Ölvorkommen vor der brasilianischen Küste einer der Gründe für diese Ereignisse sein könnten. Bisher hat nur die staatliche Ölgesellschaft Petrobras Zugriff auf dieses Öl, und es verblüfft nicht wirklich, dass es zufällig die NSA war, die Telefonate bei Petrobras abhörte, die zufällig zu einem „Skandal“ bei Petrobras führten, und dass ebenso zufällig US-Ölkonzerne gerne die Hände auf diese Vorkommen legen würden. „Wir wollen ein würdiges Leben!“ weiterlesen

Bereitet Putin eine Säuberung der Regierung vor?

vom Saker

Is Putin preparing a governmental purge?

Wie er es einmal im Jahr zu tun pflegt, verbrachte Präsident Putin letzte Woche über dreieinhalb Stunden damit, 80 von über drei Millionen eingegangenen Fragen zu beantworten. Die Show, die live auf Kanal 1, Rossija-1 und Rossija-24 gezeigt und von Majak, Vesti FM und Radio Rossii übertragen wurde, war ein nie dagewesener Erfolg, den Millionen Russen sahen und kommentierten. Man kann das volle (englische, A.d.Ü.) Transkript hier lesen, und das Transkript eines Gesprächs zwischen Putin und dem Journalistenkorps nach der Show hier.

Der wichtigste russische Fernsehsender Rossija 1 brachte nicht nur eine, sondern zwei Talkshows, die sich nur damit befassten, Putins Auftritt zu diskutieren. Diese Talkshows liefen unter dem Format „Abend mit Wladimir Solowiew“ – die bei weitem meistgesehene Talkshow des russischen Fernsehens. Nur als Randbemerkung, Rossija 1 ist das Kronjuwel der mächtigen und staatlich kontrollierten Allrussischen Fernseh- und Radiosendegesellschaft (VGTRK) Medienholding. Mit der Anrufsendung mit Putin (3 Stunden 40 Minuten), der ersten Talkshow (2 Stunden 12 Minuten) und der zweiten Talkshow (1 Stunde 44 Minuten) wurden dem russischen Publikum verblüffende siebeneinhalb Stunden Diskussionen geboten. Einige mögen das „Propaganda“ nennen, und das negativ oder positiv sehen, aber das ändert wenig. Der entscheidende Punkt ist hier, dass das ein wichtiger, großer Einsatz war, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Was war also die Botschaft, die mit all dem vermittelt wurde? Ich will das für euch zusammenfassen: Bereitet Putin eine Säuberung der Regierung vor? weiterlesen

Bitte noch zwei, drei Jahre an Sanktionen!

Yurasumy

Übersetzt von James B. nach der englischen Fassung von Julia Rakhmetova und Rhod Mackenzie vom 13.04.2016 auf Russia Insider

Nur billiges Öl ist nutzbringender für die russische Moral und die Wiedergeburt seiner Wirtschaft

karikatur
Erst kein Hemd! Jetzt, keine Hosen!

Karikatur: Hättet Ihr wohl gerne gehabt!

Als die USA, Kanada, die EU und sogar Japan Sanktionen gegen Rußland verhängten, als sie es aus den G8 ausschlossen und »Schwarze Listen« gegen personae non gratae veröffentlichten, als sie die Weltpreise von Öl und Gas heruntermanipulierten, erwarteten »unsere westlichen Partner« ganz andere Ergebnisse. Bitte noch zwei, drei Jahre an Sanktionen! weiterlesen

Ukraine-Zerfall: Europäer sind die US-Interventionen leid

Ron Paul

As Ukraine Collapses, Europeans Tire Of US Interventions, übersetzt von James B.

Am Sonntag trat der ukrainische Premierminister Arseni Jatzenjuk zurück, nur vier Tage nach dem holländischen Volksentscheid gegen das Assoziierungsabkommen mit der EU. Zusammengenommen ist dies ein deutliches Signal, daß der US-gestützte Coup in der Ukraine diesem Land weder Freiheit noch Demokratie brachte. Zudem wird eine tiefere Unzufriedenheit unter den Europäern mit Washingtons Interventionssucht suggeriert.

US- und EU-Regierungen zufolge – und blind von den Mainstream-Medien wiederholt – standen die Ukrainer 2014 von sich aus auf, um die Ketten einer korrupten Regierung abzuschütteln, die in der Gesäßtasche Moskaus saß, und um sich endlich ins pro-westliche Lager zu begeben. Diesen Leuten zufolge hatte kein amtliches US-Personal auch nur irgend etwas mit dem Putsch zu tun, als es in Kiew Plätzchen verteilte und sogar auf die Bühne trat und das Volk dazu aufhetzte, seine Regierung zu stürzen. Ukraine-Zerfall: Europäer sind die US-Interventionen leid weiterlesen