Kategorie-Archiv: Analyse

Analyse

Putins Russland und die Synthese der öffentlichen Ideologie

Padraig McGrath

The Synthetic Public Ideology of Putin’s Russia

Auf diesen Artikel stiess ich auf dem Umweg über ein Video von Graham Philips mit dem Autor. Padraig McGrath lebt auf der Krim; er blieb dort nach der Wiedervereinigung mit Russland und ist seitdem dort so etwas wie ein “geduldeter Illegaler”. Graham hatte ihn interviewt. Danach suchte ich ihn auf Facebook und entdeckte darüber diesen interessanten Artikel über die Kombination zwischen sowjetischer und christlich-orthodoxer Symbolik, die jedem auffällt, der russische Videos betrachtet. Padraig erlaubte mir, den Artikel zu übersetzen und hier zu veröffentlichen. D.H.

00-yalta-crimea-russia-cathedral-of-st-aleksandr-nevsky-16-05-15Die Rekonstruktion der Kathedrale St. Alexander Newski ist ein Mikrokosmos einer breiten sozialen Wirklichkeit. Direkt neben dem Parlamentsgebäude der Krim in Simferopol gelegen, ist die wiederaufgebaute Kathedrale St. Alexander Newski ein prächtiger Bau. Vergoldete Zwiebeltürme, griechisch-römische Säulen und Ziergiebel – sie sieht in jeder Hinsicht so edel aus, wie eine gut finanzierte orthodoxe Kathedrale aussehen sollte. Beim Betreten kommt mir jedoch eine Frage in den Sinn – warum sind die Ikonen nicht völlig flach? Die Darstellungen der verschiedenen Heiligen wirken beinah krypto-katholisch, dreidimensionaler als man es erwartet, nicht wie byzantinische Ikonografie. Das ist nicht Nowgorod.

Mein Freund Nikita erklärt, der örtliche Bischof sei ein Westukrainer, also schiene ihm dieser Stil der Ikonografie schlicht natürlicher. Einheimische nennen das „Disney-Stil“. Ich lächle auf diese Antwort – sind da noch verbliebene Reste eines Versuchs der „Ukrainisierung“ an der Arbeit? Nikita glaubt das nicht – jeder orthodoxe Bischof, der auf der heutigen Krim einen Plan der „Ukrainisierung“ verfolgte, gleich auf welcher Ebene, würde sich sehr schnell ohne Amt wiederfinden – manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre.

Der Wiederaufbau dieser Kathedrale hatte einen langen Vorlauf. Angefangen im Jahr 2000, stieß das Projekt auf finanzielle Schwierigkeiten, aber als im März 2014 di Krim mit Russland wiedervereinigt wurde, war es beinahe vollendet. Zu jenem Zeitpunkt gab es eine Geldspritze des Bundes, um die letzte Phase zu beschleunigen, und es wurde die Genehmigung erteilt, Präsident Wladimir Putin als politischen Unterstützer des Projekts zu nennen. Die meisten Renovierungen oder Rekonstruktionen kulturell bedeutender Gebäude in Russland haben einen politischen Förderer benannt. Die geplante Kathedrale St. Katherina von Alexandria im Viertel Ak-Mechet in Simferopol beispielsweise wird vom jetzigen Gouverneur der Republik Krim, Sergej Aksjonow, gefördert. Putins Russland und die Synthese der öffentlichen Ideologie weiterlesen

Das Ergebnis von 25 Jahren unabhängiger Ukraine (I)

Interview von Boris Kostenko mit Rostislaw Ischtschenko

Rostislav Ishchenko: The outcome of 25 years of the Ukrainian independence (MUST SEE!!)

Das folgende Interview ist im Original eine Fernsehsendung von einer Stunde Dauer. Auf dem englischen Saker steht es als untertiteltes Video wie auch als Transkript. Ob ich zusätzlich zur Übersetzung des Transkripts auch noch die Untertitel für das Video mache, weiß ich noch nicht. Es war mir erst einmal wichtig, dieses Interview schnell auf Deutsch verfügbar zu machen. Teil II folgt am Donnerstag. D.H.

Boris Kostenko, Moderator (BK): Guten Tag, liebe Zuschauer. Hier ist unsere traditionelle Serie „Die ukrainischen Fragen“. Sie wurde Tradition nach dem Putsch in der Ukraine. Jetzt begehen wir (man kann schwerlich sage, feiern) den 25. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit. Nicht nur den Zerfall der Sowjetunion, sondern auch die unabhängige Ukraine. Im August 2016 drängte sich die Geopolitik wieder herein, also nennen wir diese Folge „Wieder Geopolitik – Ukraine“. Wir senden live, also können sie anrufen und wir werden Ihre Fragen mit unserem Gast, dem Politikwissenschaftler Rostislaw Ischtschenko, beantworten.

Wie ich bereits sagte, Militärparade in Kiew, in Anwesenheit einiger Gäste, ein formelles Datum. Viele Leute versuchen, die Ergebnisse zu bewerten… Es ist eine Sache, die Ukraine zu beobachten, und eine andere, als das ukrainische Thema so wichtig wurde, angefangen mit dem Maidan, die letzten zweieinhalb Jahre lang beobachten wir die heiße, oder akute, oder kritische Phase, oder den Sonnenuntergang der Ukraine. Schwer zu sagen, wie man es nennen soll, aber das scheint unvermeidlich.

Rostislaw Ischtschenko (RI): Ich denke, obwohl aus meiner Sicht das Problem der Dringlichkeit der ukrainischen Krise nicht so sehr in der scharfen Verschlechterung der ukrainisch-russischen Beziehungen liegt, nicht einmal in der Tatsache, dass im Grunde eine terroristische Regierung in der Ukraine an die Macht kam. Wir hatten stets allerlei Nachbarn, und Polen, beispielsweise, war den größten Teil seiner Geschichte Russland gegenüber unfreundlich. Es gab Perioden der Freundschaft, aber die waren relativ kurz. Die meiste Zeit war der polnische Staat entweder offen feindselig oder unfreundlich Russland gegenüber. Dennoch reden wir nicht von einer permanenten polnischen Krise, noch diskutieren wir polnische Themen. Der Grund dafür ist, ob gut oder schlecht, freundlich oder nicht, der polnische Staat ist stabil, also können wir mit ihm stabile berechenbare Beziehungen aufbauen. Wir können sie auf einem festen Fundament errichten, entweder auf wechselseitigem Vorteil, oder auf Versuchen, Punkte der Übereinstimmung zu finden. Das Ergebnis von 25 Jahren unabhängiger Ukraine (I) weiterlesen

Die jüngsten Entwicklungen in Nordsyrien

Aram Mirzaei

Mit vielfachen Interventionen und vielfachen Offensiven ist die Situation in Nordsyrien ziemlich schmuddlig, freundlich gesagt. Es gibt mehrere Frontlinien mit unterschiedlichen Parteien, die um das selbe Stück Land kämpfen.

Vor zwei Wochen marschierte die türkische Armee in das nördliche Umland von Aleppo ein, in die kleine, von ISIL kontrollierte Grenzstadt Dscharablus. Die sogenannte Offensive „Euphrat-Schild“ zielte darauf, eine neue Tasche islamistischer Rebellen in Nordsyrien zu schaffen, zusätzlich zu der Tasche von Asas im nordwestlichen Teil der Provinz Aleppo. Mehr noch, die Offensive zielte nicht nur darauf, den Islamischen Staat des Iraks und der Levante (ISIL) von der türkisch-syrischen Grenze zu entfernen, sondern ebenso darauf, die kurdisch geführten „Demokratischen Syrischen Kräfte“(SDF) davon abzuhalten, den Bezirk Afrin mit dem Rest ihres Gebiets in Nordostsyrien zu verbinden.

Als die von der kurdischen YPG geführten „Demokratischen Kräfte Syriens“ letzten Monat die ISIL-Hochburg Manbidsch einnahmen, begannen Spekulationen, was ihr nächstes Ziel sein würde. Es schien, als hätten die SDF einen Blick auf die beherrschende Grenzstadt Dscharablus geworfen, die nördlich von Manbidsch liegt, mit der Absicht, ISIL von der türkischen Grenze abzuschneiden und dadurch weiter zu isolieren. Ein Erfolg hierbei hätte der SDF auch die Kontrolle über einen zweiten Grenzübergang in die Türkei verschafft, etwas, was die türkische AKP-Regierung alarmierte, da sie sich beständig gegen die Bildung eines kurdischen Bundesstaats an ihrer südlichen Grenze gestellt hat. Wichtig anzumerken, dass die Türkei die YPG als Terroristen betrachtet, da sie Verbindungen zu der als Terroristen bezeichneten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hat. Die jüngsten Entwicklungen in Nordsyrien weiterlesen

Wird die Ukraine zerbrochen?

vom Saker

The case for the breakup of the Ukraine

So, wie die Konzernmedien nicht berichten, dass sich die USA und Russland auf einem Kollisionskurs befinden, der in einem Atomkrieg enden kann, berichten sie auch nicht, dass die Ukraine in Stücke fällt. Das heisst jedoch nicht, dass dies nicht geschieht. Tatsächlich tut es das schon seit einiger Zeit, aber da der Kollaps durch den Mangel an militärischem Handeln und durch die politische Unterstützung des Empire etwas abgepolstert wird, scheint er keine Katastrophe zu sein (in dem Sinne, dass ein plötzlicher dramatischer Wechsel ausgelöst wird). Aber die Zeichen sind überall, angefangen von dem völlig bizarren Angriff von Ukronazi-Saboteuren auf die Krim (woran, außer der Gruppe, die festgenommen wurde, mindestens zwei weitere Gruppen beteiligt waren, die gewaltsame Aufklärung als Diversion im Nordosten der Halbinsel durchführten) bis zu den beinahe täglichen Berichten über einen „unmittelbar bevorstehenden“, aber anscheinend nie beginnenden Ukronazi-Angriff auf den Donbass. An der politischen Front wird der ukrainischen Jeanne d’Arc, Nadeschda Sawtschenko, jetzt vorgeworfen, eine Agentin Putins zu sein weil sie für Verhandlungen mit der DNR/LNR eintritt, während das Regime in Kiew versucht, seine Bedeutung für die NATO-Falken zu erhalten, indem es anbietet, sie zu lehren, „wie man gegen die Russen kämpft“. In Wirklichkeit ist natürlich die finanzielle Unterstützung aus dem Empire für die Ukraine inzwischen fast völlig versiegt, unter anderem Dank der Erkenntnis, dass die Ukies alles Geld, das sie bekommen können, stehlen, und dass niemand mehr die Ente kauft „die Russen kommen“. Offen gesagt, das Ukronazi-Projekt hat seine Nützlichkeit überlebt und niemand gibt einen Pfifferling darauf, was mit dem ukrainischen Volk passieren wird.

Und das ist ein riesiger Fehler.

Somalia in der EU

Man kann unmöglich schätzen, wie viele Menschen heute in der Ukraine leben, aber die meisten Experten glauben, die Zahl läge irgendwo zwischen 35 und 40 Millionen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen muss kämpfen, um zu überleben, und ihre Zukunft sieht sehr, sehr düster aus. Erinnert ihr euch an Dmitri Orlows fünf Stadien des Zusammenbruchs? Es sind: Wird die Ukraine zerbrochen? weiterlesen

Erdogan ruft Putin an – Russland schäumt über den türkischen Einfall in Syrien

Alexander Mercouris

Erdogan Calls Putin as Russia Seethes at Turkey’s Syrian Incursion

Kommentar vom Saker: Ich muss zugeben, dass ich immer noch ziemlich über die türkische „Invasion“ in Syrien rätsle. Es gibt mehrere Hypothesen darüber, was die Türken wirklich vorhaben und was ihr wirkliches Ziel ist. Da meine Freunde Alexander Mercouris und Mark Sleboda ein wesentlich besseres Verständnis von dem zu haben schein, was geschieht, als ich, richte ich eure Aufmerksamkeit lieber auf ihre Analyse, statt euch meinen verwirrten Ratereien auszusetzen.

Der Saker

Russland schäumt über den türkischen Zug, eine „sichere Zone“ innerhalb Syriens zu schaffen, um dort den dschihadistischen Rebellen zu helfen, was die jüngst verkündete „Normalisierung der Beziehungen“ zwischen Russland und der Türkei in Gefahr bringt.

Unmittelbar nach der türkischen Einnahme von Dscharablus in Syrien telefonierte der türkische Präsident Erdogan am Freitag, den 27. August 2016, mit seinem „Freund Putin“.

Der Bericht des Kreml über das Gespräch ist selbst nach seinen Standards bemerkenswert knapp:

„Die zwei Staatschefs diskutierten die Entwicklung des russisch-türkischen Handels und der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit gemäß der Übereinkünfte, die am 9. August in St. Petersburg getroffen wurden.
Wladimir Putin und Reccep Tayyip Erdogan tauschten Meinungen über die Entwicklungen in Syrien aus und betonten die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen bei der Bekämpfung des Terrorismus. Sie stimmten überein, ihren Dialog zu bilateralen und internationalen Themen fortzusetzen.“

Das wahre Thema der Diskussion wird tatsächlich die türkische Einnahme von Dscharablus in Nordsyrien gewesen sein. Erdogan ruft Putin an – Russland schäumt über den türkischen Einfall in Syrien weiterlesen

Das russische Militär als Machtinstrument (II)

vom Saker

Assessing the Russian military as an instrument of power
erster Teil

Die wirkliche Bedeutung von A2AD
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Der amerikanische Alptraum

Die USA und die NATO sind sich dessen natürlich sehr bewusst. Und, typisch für sie, verbergen sie diese Realität hinter einer obskuren Abkürzung: A2AD, was für anti -access area denial (nicht-Zugang Gebietsverwehrung) steht. Nach US-Strategen planen Russland, China und sogar der Iran, A2AD-Strategien gegen die USA zu verwenden. Was das in normalem Englisch bedeutet, ist einfach: einige Länder dort draußen können sich tatsächlich wehren und verteidigen (daher der brennende Flugzeugträger auf dem Titel dieses Buches). Die Arroganz des Ganzen ist schlicht verblüffend: es ist ja nicht so, als würden sich die USA Sorgen um A2AD durch den Iran in Paraguay, durch Russland in Afrika oder gar durch China im Golf von Mexiko Sorgen machen. Nein, die USA machen sich Sorgen darüber, dass diese Länder ihre eigenen Grenzen verteidigen. Wirklich, wie können sie es wagen?

Zum Glück für die Welt kann Onkel Sam hier nur herumjammern, aber kann nicht viel dagegen tun, außer, diese Realitäten vor der Öffentlichkeit im Westen zu verbergen und die Gefahren zu übertünchen, wenn man sich unter der Abkürzung A2AD mit den falschen Ländern anlegt. Und das bringt mich wieder zur Ukraine.

Ein kurzer Blick auf die Karte mit den 1 000 km zeigt sofort, dass die Ukraine weit innerhalb der gedachten „Russkie-Land“-Zone liegt (nochmal, nehmt die 1 000 km nicht wörtlich, und denkt daran, das ist ein Maximum, ein paar hundert Kilometer sind weit realistischer). Das bedeutet ganz und gar nicht, dass Russland die Ukraine angreifen oder in sie einfallen wollte oder sollte (oder in die baltischen Staaten und Polen, was das betrifft), aber es bedeutet, dass ein solcher Einsatz durchaus im Bereich der russischen Fähigkeiten liegt (zumindest, wenn wir die öffentliche Meinung in Russland vergessen) und dass es einen wirklich enormen Aufwand benötigen würde, dagegenzuhalten, wozu niemand im Westen die Mittel besitzt. Das russische Militär als Machtinstrument (II) weiterlesen

Das russische Militär als Machtinstrument (I)

vom Saker

Assessing the Russian military as an instrument of power

Das Ende der Sowjetunion ist ein Vierteljahrhundert her, und dennoch lebt die Erinnerung an die sowjetischen Streitkräfte noch immer im Denken vieler, die den Kalten Krieg erlebt haben oder sich sogar noch an den zweiten Weltkrieg erinnern. Die von der NATO finanzierten Eliten Osteuropas erschrecken weiterhin ihre Bürger mit einer Warnung vor der Gefahr, dass „russische Panzer“ durch ihre Straßen rollen, als ob sowjetische Panzer dabei wären, wieder gegen Deutschland vorzurücken. Eine Zeit lang war das allgemein akzeptierte Bild eines russischen Soldaten im Westen das eines halbgebildeten, betrunkenen und vergewaltigenden Iwan, der in ungeheuren Horden angreifen würde, mit geringem taktischen Geschick und unter einem Offizierskorps, das nach politischer Loyalität und geringer Vorstellungsgabe ausgewählt wurde. Dann änderte sich die propagandistische Erzählung, und jetzt ist das neue russische Schreckbild der „kleine grüne Mann“, der plötzlich auftauchen wird, um irgendwelche Teile des Baltikums an Russland anzugliedern. Vermeintlich pro-russische „Experten“ steigern die Verwirrung, indem sie öffentlich von einem russischen Einsatz in Syrien und im Mittelmeer halluzinieren, der die ganze Region dem Griff von Onkel Sam entreißen und zuversichtlich gegen die gesamte Luftwaffe und Marine der NATO/CENTCOM kämpfen würde. Das alles ist natürlich Unsinn, und was ich hier gerne tun möchte, ist, ein paar sehr grundlegende Hinweise geben, was das moderne russische Militär 2016 tun kann und was nicht. Das wird keine hoch technische Debatte, sondern eher eine Liste von einigen grundlegenden, einfachen Ermahnungen. Das russische Militär als Machtinstrument (I) weiterlesen

Nach Bidens Besuch: Serbien am geopolitischen Kreuzweg

Stephen Karganovic

In the wake of Biden’s visit: Serbia at the geopolitical crossroad

US-Vizepräsident Joseph Biden hat gerade einen „dreitägigen Besuch in Serbien“ beendet. Die Formulierung in Anführungszeichen ist die Geschichte, die die serbische Marionettenregierung in Belgrad darum herumspinnt. Tatsächlich hat er nur einige Stunden in Belgrad verbracht, gerade genug, um Anweisungen zu übergeben. Von dort aus flog er nach Prishtina, um den Hauptteil seiner Zeit auf serbischem Gebiet in der von der NATO besetzten Provinz Kosovo zu verbringen, mit seinen wahren Freunden, die im Ergebnis der Aggression 1999 gegen Jugoslawien dort installiert wurden.

Es wird vermutet, dass Bidens Besuch der letzte eines führenden Vertreters der Obama-Regierung auf dem Balkan sein wird, also könnte er eine mehr als nur nebensächliche politische Bedeutung haben. Welche Art Botschaft brachte Biden nach Serbien und in die besetzte Provinz Kosovo? Nach Bidens Besuch: Serbien am geopolitischen Kreuzweg weiterlesen

Putin: Njet zu den Neoliberalen, Da zur nationalen Entwicklung

F. William Engdahl

Putin: Nyet to Neo-liberals, Da to National Development

 

Nach über zwei Jahren sich verschlechternden Wirtschaftswachstums und einer Wirtschaft, die mit einer von der Zentralbank verhängten Zinsrate von 10,5% ringt, die neuen Kredit zur Stärkung des Wachstums wirklich unmöglich macht, hat der russische Präsident Putin ein internes Patt zwischen Fraktionen endlich durchbrochen. Am 25. Juli beauftragte er eine Ökonomengruppe namens Stolypin Club, ihre Vorschläge zur Wiederherstellung des Wachstums im vierten Quartal dieses Jahres der Regierung vorzulegen. Damit hat Putin zwei einflussreiche liberale oder neoliberale Fraktionen abgewiesen, die Russland mit ihrer liberalen westlichen Ideologie des freien Marktes in eine politisch und wirtschaftlich gefährliche Rezession geführt haben. Das ist eine bedeutende Entwicklung, eine, die ich erwartet habe, seit ich im Juni in Petersburg auf dem jährlichen St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum die Möglichkeit hatte, Ansichten auszutauschen.

Mit sehr gedämpften Fanfaren brachte die russische Presse vor einigen Tagen eine Notiz, die sehr weitreichende positive Bedeutung für die Zukunft der russischen Binnenwirtschaft haben kann. Der russische Blog Katheon brachte die folgende kurze Notiz: „Der russische Präsident Wladimir Putin hat (die Stolypin-Gruppe von Ökonomen, W.E.) angewiesen, den Bericht des Stolypin-Clubs fertigzustellen und auf seiner Grundlage ein neues Programm der wirtschaftlichen Entwicklung vorzubereiten, als Alternative zum Wirtschaftsplan Kudrins. Das Programm selbst sollte dem Büro des Wirtschaftsrats im IV. Quartal 2016 übergeben werden.“ Putin: Njet zu den Neoliberalen, Da zur nationalen Entwicklung weiterlesen

Der Tag vor Deraa: wie der Krieg in Syrien ausbrach

Steven Sahiounie

The day before Deraa: How the war broke out in Syria

Passend zur neuen Kampagne der Bundesregierung und der Medien, die am treffendsten mit dem Titel #saveISIS versehen würde, hier ein Artikel, der die Anfänge dessen schildert, was uns heute als der Krieg in Syrien bekannt ist.

Der Tag vor dem 11. September 2001 war wie jeder normale Tag in New York City. Der 10. September 2001 ahnte nichts von den erderschütternden Ereignissen, die am nächsten Tag geschehen sollten.

Man mag denken, dass der Tag, ehe im März 2011 in Deraa, Syrien, die Gewalt ausbrach, ebenfalls ein ereignisloser Tag gewesen ist, nichts ahnend von dem Aufstand, der beginnen sollte.

Aber das war nicht der Fall. Deraa wimmelte vor Aktivität und vor ausländischen Besuchern in Syrien, lang ehe der Eröffnungsakt des inszenierten Aufstands begann.

Die Omari-Moschee war der Ort der Vorbereitungen hinter der Bühne, der Kostümwechsel und Proben. Die libyschen Terroristen, frisch von den Schlachtfeldern des US-NATO Angriffs zum Regimewechsel auf Libyen, waren schon weit vor der Gewalt des Aufstands im März 20122 in Daraa. Der Kleriker der Omari-Moschee war Scheich Ahmad al Sayasneh. Er war ein älterer Mann mit ernsten Augenproblemen, die ihn zwangen, spezielle dunkle Brillen zu tragen, und seine Sicht ernsthaft beeinträchtigten. Er war nicht nur sehbehindert, sondern auch lichtempfindlich, was ihn dazu brachte, sooft möglich im Gebäude zu bleiben, oft isoliert. Er war es gewöhnt, die Menschen, mit denen er sprach, nach ihrem Akzent und ihrer Stimme zu beurteilen. Der Dialekt von Deraa ist klar zu erkennen. Alle Männer, die die Omari-Moschee besuchten, waren Einheimische, alle mit dem üblichen Akzent von Deraa. Die Besucher aus Libyen stellten sich jedoch dem Kleriker nicht vor, weil das ihre Tarnung hätte auffliegen lassen. Stattdessen arbeiteten sie mit Einheimischen; einige der wichtigen Spieler, die sie versuchten, zu ihren Partnern und Vertrauten zu machen. Die Teilnahme der örtlichen Anhänger der Muslimbruderschaft, die den ausländischen libyschen Söldnern/Terroristen helfen sollten, war ein entscheidender Teil des CIA-Plans, der gut ausgedacht war und aus Jordanien dirigiert wurde. Der Tag vor Deraa: wie der Krieg in Syrien ausbrach weiterlesen