Ich bin NICHT Charlie

Der Saker, 08.01.2014

 

I am NOT Charlie

Okay, damit das klar ist. Ich bin kein Moslem. Ich bin gegen Terrorismus. Ich bin nicht einmal für die Todesstrafe. Ich verachte Takfirismus. Ich lehne Gewalt als politisches oder ethisches Argument ab. Ich unterstütze voll und ganz die Freiheit der Rede, kritische Rede und Humor eingeschlossen.

Aber heute morgen bin ich ganz sicher NICHT Charlie.

Tatsächlich bin ich angewidert und voller Ekel angesichts der kranken Aufführung kollektiver Heuchelei zu den Morden in Frankreich. Hier sind die Gründe:

Charlie Hebdo für die Darwin Awards

Die Leute bei Charlie Hebdo haben es heraufbeschworen. Das habe ich über sie im September 2012 geschrieben, als sie ihre berühmten Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichten: “Das hat die Darwin Awards verdient, wenn Ihr mich fragt. Bestens, der “Genpool” der französischen “Kaviar-Linken” braucht dringend eine Bereinigung.” Heute stehe ich ganz zu diesen Worten.

Nur eine dumme Herausforderung?

Ich möchte Euch dies fragen: was wäre der Sinn darin, etwa ein Nickerchen auf den Bahngleisen einzulegen? Ihr müsst dem Zug, der Euch überrollen wird, nicht “zustimmen”, er wird es trotzdem tun, oder? Was, wenn das Nickerchen auf dem Bahngleis gerade als Argument dienen soll? Um zu beweisen, dass der Zug schlecht ist? Ihn herauszufordern? Wäre das nicht der Gipfel der Dummheit? Und doch ist das *genau*, was Charlie Hebdo getan hat. Ich würde sogar behaupten, genau so hat Charlie Hebdo sein Geld verdient, indem es den “moslemischen Zug” herausforderte, es zu überfahren. Glaubt Ihr, ich übertreibe? Seht Euch die Karikatur an, die einer der Leute, die gestern ermordet wurden, gerade gepostet hatte. Der Text lautet: “Noch immer kein terroristischer Angriff in Frankreich – Wartet, wir haben noch bis Ende Januar, um unsere besten Wünsche zu schicken.” Die irre Gestalt, die in der Zeichnung gezeigt wird, hat eine Kalaschnikow auf dem Rücken und trägt einen afghanischen “Pakol” – der typische “irre Moslem” in der Welt von Charlie Hebdo. Wenn man von einer dummen Herausforderung redet…

“Den Menschen in die Seele spucken”

Es gibt eine Redewendung im Russischen: jemandem in die Seele spucken. Hier trifft das voll und ganz zu. Moslems auf der ganzen Welt waren klar und unmissverständlich, was das angeht. Sie nehmen Blasphemie sehr, sehr ernst, auch den Namen des Propheten und den Koran. Wenn Ihr einen Moslem wirklich beleidigen wollt, macht Euch über seinen Propheten oder über den Koran lustig. Das ist gar kein Geheimnis. Und als Charlie Hebdo seine Karikaturen des Propheten veröffentlichte, und als sie sich in einer absichtlich groben und provokativen Weise über ihn lustig machten, wussten sie, was sie taten: sie hatten absichtlich 1,6 Milliarden Muslime weltweit zutiefst beleidigt. Und, habe ich nicht erwähnt, dass im Islam auf Blasphemie die Todesstrafe steht? Nun, es hat sich gezeigt, dass von den 1,6 Milliarden Moslems weltweit genau drei beschlossen haben, die Gerechtigkeit in die eigene Hand zu nehmen und die sehr absichtlich blasphemischen Franzosen zu töten. Man muss kein Moslem sein, oder der Todesstrafe für Blasphemie zustimmen, um zu erkennen, dass das unvermeidlich war, und das das nichts mit dem Islam als Religion zu tun hat. Gleich welche Gruppe von Menschen Ihr beleidigt, die 1,6 Milliarden gross ist, früher oder später finden sich 1.5 Leute, die bereit sind, Gewalt zu gebrauchen, damit Ihr dafür zahlt. Das ist statistisch unvermeidlich.

Sind einige Opfer gleicher als andere?
The Empire's freedom fighter
Die Freiheitskämpfer des Empire

Also 12 absichtlich “in die Seele spuckende Blasphemiker” wurden ermordet, und ganz Frankreich trägt tiefe Trauer. Die Medien weltweit tun so sehr ihr Bestes, es als weltumspannendes Unglück darzubieten, dass viele Tausende rund um den Globus erklären: “Ich bin Charlie”, schluchzen, Kerzen entzünden und eine “mutige” Haltung für die Meinungsfreiheit einnehmen.

Krokodilstränen, wenn Ihr mich fragt.

Tatsächlich haben die AngloZionisten die irren Takfiris sorgfältig und liebevoll genährt, organisiert, bewaffnet, finanziert, ausgebildet, ausgestattet und gar gelenkt, über Jahrzehnte. Vom Krieg in Afghanistan bis Syrien heute waren diese mörderischen Psychopathen Dutzende Jahre die Fußtruppen des AngloZionistischen Empire. Aber offensichtlich schert sich niemand um ihre Opfer in Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien, im Kosovo, in Libyen, in Kurdistan, im Irak oder anderswo. Dort sind diese blutdürstigen Mörder “Freiheitskämpfer”, die volle Unterstützung erhalten. Auch durch die selben Medien, die heute wegen Charlie Hebdo Trauerflor anlegen. Offensichtlich sind nach dem westlichen Ethos einige Opfer gleicher als andere.

Und wann war es das letzte Mal, dass irgendwer in Europa eine einzige Träne für die täglichen Morde an unschuldigen Menschen im Donbass vergossen hat, deren Ermordung von den westlichen Regimes bezahlt und direkt gelenkt wird?

Für wie dumm halten sie uns?

Und dann das. Selbst ein sabbernder Idiot wusste, dass Charlie Hebdo DAS beste Ziel für einen solchen Angriff war. Und ich verspreche Euch, die französischen Polizisten sind keine sabbernden Idioten. Dennoch waren sie an diesem Tag aus irgendeinem Grund nirgends zu sehen. Nur ein Wagen mit zwei (oder einem?) Polizisten war in der Nähe geparkt (nicht gerade ein ernster Schutz vor Terroristen), und ein armer Polizist wurde angeschossen und dann mit einem Schuss aus der AK in den Kopf getötet, während er um Gnade bettelte. Ist das das Beste, was der französische Staat zu bieten hat?

Kaum.

Also was geht da vor? Ich sage Euch was – die europäischen 1%er nutzen jetzt diese Morde, um gegen die eigene Bevölkerung hart durchzugreifen. Sarkozy hat sich schon mit Hollande getroffen, und sie waren sich einig, dass jetzt ein neues Niveau an Festigkeit und Wachsamkeit eingeführt werden muss. Riecht das nicht nach einem französischen 9/11?

Deshalb nein, ich bin heute morgen ganz entschieden NICHT Charlie, und ich bin sprachlos vor Ekel angesichts der obszönen Aufführung der doppelplusgutdenkenden “Solidarität” mit einer Gruppe von “Kaviar-Linken”, die ihr Geld damit verdienten, Milliarden von Menschen in die Seele zu spucken und sie dann herauszufordern, dagegen etwas zu unternehmen. Und ich habe keinerlei Illusionen darüber, dass die Frage des Cui Bono deutlich darauf hinweist, dass das französische Regime dies entweder organisiert hat, oder es geschehen liess, oder, zum Mindesten, daraus maximales politisches Kapital schlägt.

Aber am allermeisten bin ich von jenen angewidert, die mitspielen und es sorgfältig vermeiden, die richtigen Fragen zu stellen. Ich denke, sie sind alle wirklich “Charlie”.

Ich bin es nicht.

Der Saker