Hat Washington sich gerade selbst in den öligen Fuß geschossen?

Freude, schöner Götterfunken …
Fracking-Landschaftsgestaltung

 

William Engdahl
6. November 2014
Jetzt spricht sogar schon die New York Times offen über die geheime Strategie der Obama-Verwaltung, zu versuchen Russland in den Bankrott zu treiben, indem sie ihren öl-getränkten Beduinen-Busen-Kumpel Saudiarabien benutzt, um den Öl- Weltpreis zum kollabieren zu bringen. Doch es fängt an so auszusehen, als ob die neo-konservatinven Russenhasser und Möchtegern-Kalten-Krieger-Falken um Barack Obama sich selbst in ihren öligen Fuß geschossen haben. Wie ich bereits in einem früheren Artikel andeutete, ist ihre Ölpreis-Stratigie im Grunde dumm. Dumm, weil nicht alle Konsequenzen bedacht worden sind. Nehmt nur die Auswirkungen auf die US-Ölproduktion, als die Preise fielen.

Der Kollaps der US-Ölpreise kann sehr bald die US-Ölsand-Blase zum Platzen bringen und die Illusion zerfetzen, dass die USA Saudiarabien und Russland als größter Ölproduzent der Welt übertreffen wird. Diese Illusion, die durch gefälschte Ressourcen-Schätzungen des US-Energie-Ministeriums erzeugt wurde, ist der Dreh-und Angelpunkt von Obamas geopolitischer Strategie.
Jetzt jedoch beginnt das Finanz-Ponzi-Schema hinter der Zunahme der heimischen US-Ölproduktion in einer Wolke fiktiven Rauches zu verdampfen. Die grundlegende Ökonomie der Ölsand-Produktion wird zerstört durch den 23 % – Ölpreisfall seit dem geheimen Treffen von John Kerry und dem saudischen König Abdullah am Roten Meer Anfang September, wo sie sich auf einen saudischen Ölpreis-Krieg gegen Russland einigten.

Die Wallstreet-Analytiker von Goldman Sachs haben gerad eine Vorherschau für 2015 veröffentlicht, wo es heißt, dass die US-Ölpreise, gemessen an der WTI-Maßstab (West Texas Intermediate), auf 70 $ pro Fass fallen wird. Im September 2013 lag der WTI bei 106 $. Das bedeutet  einen scharfen 34 %-Preissturz in wenigen Monaten. Wieso ist das kritisch für die US-Ölsand-Produktion? Weil, anders als bei konventionellen Rohöl-Lagerstätten, der Ölsand oder Teer-Öl, wie die Industrie es nennt, dramatisch viel schneller abnimmt.

Eine umfassende neue Analyse, die gerade von David Hughes herausgegeben wurde, ein kanadischer geo-Wissenschaftler mit 30-jähriger Erfahrung bei der geologischen Untersuchung Kanadas, in der er bestehende US-Daten über Ölsand-Produktion benutzte, die gerade erstmals publiziert wurden (die Ölsand-Story ist sehr neu), zeigt ein dramatisches Absinken der US-Ölsand-Quellen.

Der dreijährige Durchschnitt des Absinkens von sieben Ölsand-Becken, die im Report gemessen wurden, weisen erstaunliche 60 bis 91 % auf. Das heißt, dass die Ölmenge, die in diesen drei Jahren aus den Quellen gekommen ist, um diese Menge gesunken ist. Das bedeutet 43 – 64 % ihrer geschätzten Ölgewinnung in den ersten drei Jahren ihrer Existenz. Vier der sieben Gas-Becken stehen bereits in der Endphase ihrer Produktivität: die Haynesville Shale, Fayetteville Shale, Woodford Shale und die Barnett Shale.

Eine tägliche Öl-Abnahme von zwischen 60 und 91 % in diesen besten Ölsand-Regionen bedeutet, dass die Öl-Gesellschaften noch tiefer bohren müssen, um die Produktion zu halten, von einer Zunahme ganz zu schweigen.

Laut Hughes hat das Energie-Ministerium unkritisch die rosigen Vorhersagen übernommen, die ihm von den Öl-Gesellschaften gegeben wurden, um den Mythos aufzublasen. Seine Berechnungen zeigen einen künftigen Ölausstoß von nur 10 % der für 2040 berechneten Produktion 2040.

Hughes beschreibt das gegenwärtige Dilemma der Ölsand-Gesellschaften als eine “Bohr-Tretmühle”. Sie müssen mehr und mehr bohren, um nur die aktuelle Produktion aufrechtzuerhalten. Die Öl-Gesellschaften haben sich bereits die vielversprechendsten Gebiete, die sogenannten “süßen Punkte” vorgenommen, um ihre Produktion auf das Maximum zu treiben. Jetzt, wo die Produktion endgültig zu sinken beginnt, müssen sie in Gebieten zu bohren anfangen, die viel weniger Ölsand enthalten. Er fügt hinzu, “wenn die US-Ölsand und Naturgas-Produktion von den Ressourcen in den tiefen Ölsand-Lagerstätten abhängig ist … werden wir eine große Enttäuschung erleben.”

Ölpreis-Kollaps

Was Hughes beschreibt, war der Zustand von Ölsand vor dem Beginn des Kerry-Abdullah Ölkrieges. Jetzt sind die WTI-Ölpreise in sechs Wochen um 25 % gefallen und fallen weiter. Andere große Öl-Produzenten wie Russland und der Iran überfluten ihrerseits den Weltmarkt mit ihrem Öl, um die Einnahmen ihrer Staats-Budgets zu erhöhen, womit sie zum globalen Öl-Überfluss beitragen. Das wiederum drückt noch mehr auf die Preise.

Die Ölsand-Bonanza der vergangenen 5 Jahre in den USA beruhte auf Null Prozent Zinsraten der FED und riesigen spekulativen Investitionen der hungrigen Wallstreet-Firmen und Fonds. Wegen der ultra-rapiden Ölquellen-Abnahme wird die gesamte Ökonomie der Darlehen für die Ölbohrer ebenfalls kollabieren wie die Ölpreise auf dem Markt. Das Geld wird plötzlich verschwinden und die mit Schulden beladenen Ölgesellschaften werden wirkliche Probleme bekommen.

Laut Philip Verleger, ehemaliger Chef von Präsident Carters Büro für Energie-Politik und jetziger Energie-Berater von North Dakota’s Bakken Shale, eine der wichtigsten neuen Ölsand-Becken, wird ein Ölpreis von 70 $ die Produktion um 28 % auf 800000 Fass pro Tag im Februar von 1.1 Mill. Fass täglich im Juli senken. “Der Geld-Fluss wird sinken mit dem Sinken der Preise, die Geldmenge, die diesen Leuten vorgeschossen wurden, um mit dem Bohren fortzufahren, wird völlig vertrocknen, so dass wir eine deutliche Verlangsamung beim Bohren erleben werden,” sagte Verleger.

Mythen, Lügen und Ölkriege

Das Ende der Ölsand-Blase könnte der US-Geopolitik einen verheerenden Schlag versetzen. Heute kommen etwa 55 % der Produktion und die gesamte Produktions-Zunahme der vergangenen Jahre vom Fracking. Bei Finanzierungs-Einstellung wegen des ökonomischen Risikos inmitten fallender Ölpreise werden die Ölbohrer gezwungen, neue Bohrungen einzustellen, die benötigt werden, um einen kontinuierlichen Ausstoß aufrechtzuerhalten.

Die aggressive US-Außenpolitik im Nahen Osten – ihr Krieg gegen Syriens al-Assad Regime, ihre rücksichtslosen Öl-Sanktionen gegen Iran, ihre Sanktionen gegen russische Ölprojekte, ihre zynische Tolerierung der ISIS in Iraks Ölgebieten, ihre Weigerung zu intervenieren, um Libyens Öl-Wirtschaft zu stabilisieren und stattdessen das Chaos zu tolerieren – dies alles setzt eine übermütige Auffassung Washingtons voraus, dass die USA wieder König in der Öl-Welt ist und es sich leisten kann, eine hochriskante Öl-Geopolitik zu betreiben. Die offizielle Regierungs-Behörde, die verantwortlich ist, die CIA, das Außenministerium, das Verteidigungsministerium und das Weiße Haus in Energie-Fragen zu beraten, hat Projektionen herausgegeben über das US-Ölsand-Wachstum, die auf Mythen und Lügen basierten. Das hat Obama verleitet, die Ölkriege zu starten – auf Basis von Mythen und Lügen.

Diese Öl-Arroganz wurde versinnbildlicht durch eine Rede von Obamas nationalem Sicherheitsberater Tom Donilon. In seiner Rede an der Columbia Universität sagte er öffentlich: “Amerikas neue Energie-Stellung erlaubt uns, aus einer Position größerer Stärke zu agieren. Die Erhöhung der US-Energie-Lieferungen wirken als Kissen, das dazu beiträgt, unsere Empfänglichkeit für globale Liefer-Unterbrechungen und Preisschocks zu vermindern. Es ermöglicht uns auch, unsere internationalen Sicherheitsziele kräftiger zu verfolgen und durchzusetzen.”

Die nächsten drei Monate oder so in der US-Ölsand-Domäne werden strategische Bedeutung haben.

F. William Engdahl ist Berater und Dozent für strategische Risiken; er hat Politik-Diplom der Princeton Universität und ist Bestseller-Autor über Öl und Geopolitik exklusiv für das Magazin “New Eastern Outlook”.