2015: Das Jahr der militaristischen Neocons: Drohende globale Finanzkrisen und Kriege?

 Rodrigue Tremblay

Erschienen als 2015: “Year auf the Militaristic Neocons”: Looming Global Financial Crisis and Wars? auf globalresearch.ca, übersetzt von Ullrich F.J. Mies

„Der gefährliche Patriot: Derjenige, der in den Chauvinismus abgleitet und blinden Enthusiasmus für Militäraktionen zeigt. Er ist Verteidiger des Militarismus und seiner Ideale, für Krieg und Ruhm. Chauvinismus ist die stolze und kriegerische Form des Patriotismus, … die eine Vielzahl von Feinden identifiziert, mit denen man nur durch militärische Macht fertig wird, und die die nationale Ehre mit militärischen Siegen gleichsetzt.“ – James A. Donovan (1916-1970), amerikanischer Anwalt und Kommandeur in der Marine- Reserve der USA!

„Dort, wo es eine Konzentration der Macht in wenigen Händen gibt, übernehmen viel zu häufig Männer mit der Mentalität von Gangstern die Kontrolle.“ – Lord Acton identisch mit John E. Dahlberg (1834-1902), englisch-katholischer Historiker, Politiker und Autor

„Wenn du Krieg willst, musst du eine Doktrin mästen. Doktrinen sind die schrecklichsten Tyrannen, die es je gegen Menschen gibt.“ – William Graham Sumner (1840-1910), amerikanischer Wissenschaftler

„Die große Verhaltensregel im Hinblick auf fremde Nationen liegt darin, unsere Wirtschaftsbeziehungen auszudehnen und so geringe politische Verbindungen wie irgend möglich zu haben … Es ist unsere wahre (auswärtige) Politik, beständigen Allianzen mit irgendeinem Teil der auswärtigen Welt aus dem Wege zu gehen.“ – George Washington (1732-1799), Erster Präsident der USA, (1789-1797), Farewell Address, 1796

Heutzutage haben die militaristischen Neokonservativen oder Neocons die nahezu  vollständige Kontrolle über die amerikanische Regierung übernommen, wer auch immer unter deren Fassade der Präsident ist. Sie bestimmen über die US-Politik im Außenministerium, im Pentagon, im Finanzministerium und in der FED. So befinden sie sich in der Position, die amerikanische auswärtige Politik, die Militärpolitik, die Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie die Geldpolitik zu beeinflussen und zu formulieren.

Das war vor der Ronald Reagan Administration (1981-1989) nicht der Fall. Letzterer übernahm eine von den Neocons inspirierte auswärtige Politik der Stärke auf der Grundlage militärischer Interventionen, des permanenten Krieges, willkürlicher Regimewechsel und einer imperialen weltweiten Herrschaft in allen Angelegenheiten, die im amerikanischen Interesse oder ihrer Alliierten zu sein schienen. Obwohl es ihnen unter der Regierung von George H. Bush (1989-1993) nicht so gut ging, als man sie für die „Verrückten im Keller“ hielt, gelang ihnen der Wiederaufstieg in die amerikanische Regierung unter der Bill Clinton Administration (1993-2001) mit dem von den USA geführten Kosovokrieg und der verantwortungslosen Demontage des Glass-Steagall Gesetzes (1), um auf diese Weise den Weg für die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 zu bereiten.

Der größte Erfolg der Neocons kam jedoch mit der Georg W. Bush und Dick Cheney Administration (2001-2009) als sie diese dazu überredeten, die (illegale) von den USA geführte Invasion in den Irak los zu treten, ein Krieg, in dem wir noch immer stecken und der sich aktuell ausweitet – und das zwölf Jahre später. Die Neocons entwarfen auch die so genannte „Bush Doktrin“ (illegaler) präemptiver Kriege und gewaltsamer politischer Regimewechsel in anderen Ländern.

Dies war eine Ideologie, die die Neocons schon lange entwickelt hatten, zum einen als Paul Wolfowitz stellvertretender Verteidigungsminister in der George H. Bush Administration (1989-1993) war, auch wenn er dies öffentlich zurückwies, und zum anderen in verschiedenen Essays, die von einem neokonservativen Think Tank veröffentlicht wurden, der sich „The Project for the New American Century (PNAC)“ nannte und
von William Kristol und Robert Kagan  gegründet wurde.

Nach dem Fall des sowjetischen Empires 1991 argumentierten die kriegstreiberischen Neocons, dass es für den amerikanischen Steuerzahler keine „Friedensdividende“ geben sollte, vielmehr sollten die USA die Gelegenheit ergreifen, die einzige militärische Supermacht der Welt zu werden und darum die Militärausgaben erhöhen und nicht absenken. Die Intention war die Gründung eines militärischen Neuen amerikanischen Empires für das 21. Jahrhundert analog zum britischen Empire im 19. Jahrhundert.

Tatsächlich, nach den Ereignissen von 9/11 und der Ankunft von Georg W. Bush im Weißen Haus 2001 befand sich Paul Wolfowitz als stellvertretender US Verteidigungsminister unter Donald Rumsfeld in einer besseren Position, die US-Militärausgaben zu erhöhen und eine neue aggressive US-Außenpolitik zu befördern. Was am Besorgnis erregendsten war, ist die Tatsache, dass das PNAC im Jahr 2000 ein Papier mit dem Titel „Rebuilding America’s Defenses“ (mit Paul Wolfowitz als Unterzeichner) produzierte, das rätselhafterweise anmerkte, dass nur ein „neues Pearl Harbour“ die Amerikaner dazu bringen würde, die militär- und verteidigungspolitischen Transformationen zu akzeptieren, die die Neocon-Gruppe vorschlug. Schließlich, im September 2001, wandelte sich das „neue Pearl Harbor“ zufällig und günstig in die Angriffe von 9/11.

Der Krieg gegen Afghanistan, wo die 9/11 Terroristen trainierten (und die aus Saudi-Arabien und einigen wenigen anderen Ländern kamen), sowie der Krieg gegen den Irak, ein Land, das nicht einmal im Entferntesten mit den Ereignissen von 9/11 verbunden war, folgten.

Zu Beginn des Jahres 2015 besetzen die Neocons Schlüsselpositionen innerhalb der Barack Obama Administration und es sollte keine Überraschung sein, dass sich die US-Außenpolitik von der Georg W. Busch Administration kaum unterscheidet. Die Neocons befördern fortgesetzt Provokationen, Konfrontationen, Konflikte und Kriege. Tatsächlich könnte das Jahr 2015 das Jahr werden, in dem viele der Feuer, die sie entzündeten, in Flächenbrände ausarten.

Lassen Sie uns einen Blick auf einige von ihnen werfen.

1. Die Gefahr einer weiteren größeren Finanz- und Wirtschaftskrise

Am 21. Juli 2010 unterzeichnete Präsident Obama eine bereits verwässerte Version des Dodd Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act, um die Finanzkorruption zu regulieren, die die Finanzkrise 2008 verursachte. Das neue Gesetz war dazu gedacht, Teile des 1933er Glass-Steagall Gesetzes wieder in Kraft zu setzen, das von der Clinton Administration 1999 abgeräumt wurde, um Mega-Banken und Versicherungskonzerne daran zu hindern, Regierungs-abgesicherte Einlagen zu benutzen und für sich selbst eine Pyramide von riskanten Schulden auf dem Derivaten-Markt zu kreieren. (credit default swaps, commodity swaps, collateralized-debt obligations und andere riskante Derivat-Finanz-Produkte, etc.)! Aber raten Sie! Nur vier Jahre später, am 16. Dezember 2014, überredeten Lobbyisten und Anwälte, die in Vollzeit für die Mega-Banken tätig sind, Präsident Obama, einen massiven 1,1 Billionen (1 100 Milliarden, AdÜ) Sammel-Gesetzentwurf zu unterzeichnen, getarnt als Budget-Gesetzentwurf.  Dieser enthält die Bestimmung, eine Regelung zu entfernen, die als „swaps push out“ Regelung bekannt ist. Die letztere verlangt von versicherten Banken, nicht-versicherte Tochtergesellschaften zu etablieren, um ihre spekulativen Derivat-Handels-Aktivitäten durchzuführen.

In der Konsequenz sind amerikanische Mega-Banken nun zurück im Geschäft, mit von der Regierung abgesicherten Einlagen zu spekulieren. Wann das gesamte Finanz-Kartenhaus erneut in die Luft fliegt, ist unbekannt. Aber Sie können sicher sein, dass es geschieht, insbesondere, wenn die Wirtschaft ein ernsthafter politischer oder ökonomischer Schock trifft.

Ich würde dies als „gefährlichen finanziellen Poker“ bezeichnen und Obamas Unterwerfung unter die Mega- Banken als „politische Feigheit“. Und, wer glauben Sie, wird für die ökonomische Bescherung bezahlen, wenn sie eintritt? Selbstverständlich nicht die Mega-Banken, die ihre insolventen asset-backed Sicherheiten in frisch gedrucktes kaltes Bargeld nach der 2008er Finanzkrise transformierten, sondern die Allgemeinheit.

Die US-Ökonomie und viele andere Ökonomien wanken immer noch unter den Folgen der 2008er Finanzkrise, die von korrupten Politikern und Banken mit ihren schlaffen oder nicht-existierenden Regulierungen und exzessiven Spekulationsprojekten verursacht wurde. Solche Ökonomien sind empfindlich und verletzbar gegenüber unvorhersehbaren Finanzschocks, da die Schuld-zu-Einkommens- Raten in vielen Ländern immer noch sehr hoch sind, einschließlich der USA, wo die Verschuldungsrate in der Spitze kurz vor der Rezession von 2008-2009 bei 177% lag und noch immer bei hohen 152% liegt (Historisch lag die Schuld-zu-Einkommens-Rate einiges unter 90%). Eine plötzliche Anhebung der Zinsen könnte daher in vielen Ländern die Ökonomien ruinieren.

Die Europäische Union, die größte Weltökonomie, wankt am Rande der Rezession und leidet unter verschiedenen von Regierungen auferlegten Austeritätsprogrammen, unter einer überbewerteten Eurowährung (für die Länder in der Eurozone) und unter der Auswirkung ihres Konfliktes mit Russland hinsichtlich der Aufnahme der Ukraine in die NATO. Europa befindet sich tatsächlich in der Mitte einer verlorenen Dekade mit hoher Arbeitslosigkeit, einem geringen ökonomischen Wachstum und sich verschlechternden sozialen Bedingungen. Und, es gibt kein Licht am Ende des Tunnels.

Chinas Ökonomie, die drittgrößte Weltökonomie, schwächt sich mit einer exzessiven Produktionskapazität ebenfalls schnell ab, während seine Exporte seit 2004 unter einem 25%igen Rückgang des chinesischen Renminbi leiden, sowie unter einer schwachen Weltnachfrage. Darüber hinaus ist der chinesische Finanzsektor ebenfalls verwundbar aufgrund der Tatsache, dass Chinas Schuld-Niveau auf 176 % seines Bruttosozialproduktes angestiegen ist. Die chinesische Ökonomie ist auch mit strukturellen Veränderungen konfrontiert, da die chinesische Regierung Politiken durchführt, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Märkten zu verringern und von einem exportorientierten Modell hin zu einem mehr auf einheimische Wachstumskräfte basierenden Modell zu wechseln.

Für die US-Ökonomie gilt: Sie ist noch schwach und unfähig, neue Arbeitsplätze zu generieren, trotz einer Verbesserung im Laufe der letzten Monate, wobei die Erwerbsquote vor der Rezession 2008/2009 von 66,5% auf heute 62,7% gesunken ist. Es ist eine Tatsache, dass Millionen Amerikaner Teilzeitjobs haben, aber gerne Vollzeittätigkeiten hätten. Auch stagnieren oder fallen sogar die tatsächlichen Arbeitseinkommen derjenigen, die arbeiten. Das sind auch Indikatoren, dass die Dinge nicht normal laufen.

Da von der US-Regierung keine Fiskal- und auch keine Industriepolitik ausgeht, ist die FED gezwungen, mit der aggressivsten Geldpolitik ihrer Geschichte einzuspringen. Tatsächlich hat die FED ihre Bankkredite seit2008 auf 4,5 Billionen US-Dollar (4500 Milliarden, U.M.) vervierfacht und hat eine riskante Null- und Niedrigzinspolitik betrieben.

In der Konsequenz hat die FED eine gigantische Finanz-Vermögenswert-Blase geschaffen. Das Abwickeln derartiger monetaristischer Großartigkeit ist keine leichte Aufgabe. Darüber hinaus wird die US-Regierung durch die festgefahrene Situation für die kommenden zwei Jahre gelähmt. Des Weiteren wird sie von einem durch die Republikaner kontrollierten Kongress paralysiert, der gegen den demokratischen Lahme-Ente- Präsidenten in Stellung gebracht wird. Auf diese Weise wird es der US-Regierung schwer gemacht, auf eine neue Finanzkrise adäquat zu reagieren.

Ein weiteres unheilvolles Zeichen ist der Zusammenbruch der Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA, genauso wie in den späten 1920er Jahren, kurz vor Beginn der großen Depression. Und sie ist aktuell auf dem tiefsten Stand seit etwa 20 Jahren. Dass beide, der amerikanische politische sowie der Finanzsektor krank sind, sollte für die kommenden Jahre beunruhigend sein.

2.  Die reale Gefahr eines Nuklearkrieges und das Wiederaufleben des Kalten Krieges mit Russland

Eine waghalsige Politik in Finanzfragen ist eine Sache; eine Politik am Rande des Abgrundes zum Nuklearkrieg eine andere. Traurigerweise ist die Neocon-inspirierte US-Regierung heute in beide verwickelt.

Tatsächlich engagiert sich die US-Regierung seit vielen Jahren in einem aggressiven geopolitischen Krieg gegen Russland. Erstens im Hinblick auf die Durchführung einer Politik der geopolitischen und militärischen Einkreisung durch die Integration der Ukraine in die NATO und ihre Ausweitung an Russlands Grenzen und zweitens durch die Implementierung einer Politik des Wirtschaftskrieges gegen Russland, um dessen Ökonomie zu unterminieren und gegebenenfalls einen Regimewechsel im Land zu provozieren. Das ist ein Spiel des „Wagst Du Dich?“

Einige der noch geistesgestörteren Neocons rufen öffentlich zum neuen 3. Weltkrieg auf, vermutlich mit Russland, einem Land gegen das sie persönliche Aversionen zu hegen scheinen. Das sind einige der Wahnsinnigen, auf die Präsident Obama hört.

3. Öl als geopolitisches Werkzeug!

Der 50%ige Einbruch des Ölpreises im Jahr 2014 könnte Teil eines weiteren US-geführten Wirtschaftskriegs-Planes sein, die russische Wirtschaft zu destabilisieren und einen Öl-Preissturz zu provozieren. Dies im vollen Bewusstsein, dass 50% des russischen Staatseinkommens auf die Exporte von Öl und Gas zurückgehen. Ferner wollen die politischen Führer in Washinton D.C. die Gazprom-EU-Energieabhängigkeit aufbrechen, um Russland zu schwächen und die Kontrolle über die EU durch amerikanische Alliierte wie Saudi-Arabien Katar zu behalten.

Der künstliche Fall des Ölpreises scheint eine Ergänzung zu den bereits bekannten Entscheidungen zu sein, Russland scharfe, von Amerika geführte Wirtschafts- und Finanzsanktionen aufzubürden. Diese wurden vom U.S. Treasury’s Office of Terrorism and Financial Intelligence (2) (eine Einrichtung,  die 2004 nach intensivem Lobbying durch AIPAC) entwickelt. Sie stehen in Verbindung mit weiteren Versuchen der USRegierung, das Vertrauen der EU in russisches Öl oder Gas zu schwächen.

Seit September hat Saudi-Arabien, ein Land mit überschüssigen Öl-Kapazitäten und geringen Produktionskosten (und in einer Position, die internationalen Ölpreise zu manipulieren), plötzlich und dramatisch entschieden, Öl zu tiefen Discountpreisen zu verkaufen sowie die Ölproduktion auf einem hohen Niveau zu halten und dies angesichts einer zurückgehenden Welt-Ölnachfrage.

Das ist das Gegenteil von dem, was Saudi-Arabien und die anderen OPEC Länder im Herbst 1973 machten, als sie plötzlich den Ölpreis vervierfachten und eine weltweite Wirtschaftsrezession provozierten.

Außerdem ist dies eine umgekehrte Strategie, die Saudi-Arabien 1986 verfolgte, als es die Welt mit billigem Saudi-Öl überschwemmte und so den internationalen Ölpreis nach einer Übereinkunft mit der US-Regierung auf weniger als 10 Dollar pro Barrel zusammenbrechen ließ. Das Ziel war, die Ökonomien der Sowjetunion und ihres früheren Alliierten Irak zu unterminieren, auch wenn andere Länder wie zum Beispiel die kanadische Wirtschaft massiv unter einem derartigen Schachzug litten.

Diesmal scheint es eine Übereinstimmung der Interessen der US-Regierung und des saudischen Königreichs zu geben. Aus der Sicht der US-Regierung ist das Hauptziel, dem russischen und iranischen Energiesektor zu schaden und die Finanzen von Präsident Vladimir Putins russischer Regierung zu beschädigen – bei gleichzeitiger Sicherung des saudi-arabischen Beistands, den islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien zu bekämpfen.

Aus saudischer Sicht nützt ein Welt-Öl-Preis-Krieg seinen regionalen und globalen Zielen auf drei Weisen. Erstens ist gut bekannt, dass die saudische Regierung den Öl- und Gasmarkt in der gesamten Region des Mittleren-Ostens dominieren und den reichen europäischen Markt sichern will und sich in Opposition zu Iran und Syrien befindet. Zweitens würde die saudische Regierung auch gerne Druck auf Russland ausüben, seine Unterstützung für die syrische Assad-Regierung zu beenden. Drittens möchte Saudi-Arabien Marktanteile zurückgewinnen, die es an die kostspieligeren Schiefer-Öle und Öl-Sande verlor. Durch die Absenkungen der Ölpreise hofft Saudi-Arabien die Konkurrenz zu vermindern oder sogar aus dem Geschäftzu drängen, in dem es deren Produktion weniger profitabel macht.

Dennoch ist ein solcher Schritt verbunden mit einer ernsthaften Schädigung der Schieferölproduktion in Nord Dakota/ USA und ölproduzierenden Staaten wie Texas. Diese könnten in die Rezession fallen, auch wenn die US-Ökonomie insgesamt von billigerem Öl profitieren wird. Die Ölproduktion aus Teersanden in Alberta/ Canada wird ebenfalls schwer leiden und das bedeutet einen Fall des kanadischen Dollars und möglicherweise eine Rezession in Kanada. Die Schiefer- und Teersand-Ölindustrien werden die unschuldigen Hauptopfer der gesamten geopolitischen Politik sein, die von der US-Regierung und ihren mittel-östlichen Alliierten verfolgt wird.

Da das Königreich Saudi-Arabien ein amerikanischer Klientel-Staat ist, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass ein solcher Schritt, die Öl-Märkte zu überschwemmen und einen starken Fall der Ölpreise herbeizuführen, ohne stillschweigende Übereinstimmung, wenn nicht auf der Grundlage einer offenen Zustimmung durch die US-Regierung entschieden wurde. Tatsächlich gibt es weitgehende Spekulationen,dass US-Außenminister John Kerry und König Abdullah bei ihrem Treffen im September 2014 vermutlich einen umfassenden Deal aushandelten.

4. Die Ukraine als geopolitische Schachfigur

Mit Blick auf die Destabilisierung von Russlands Nachbarn Ukraine30 hat Victoris Nuland, Assistant Secretary of State, hinreichend zugegeben, dass die US-Regierung in den Umsturz der legitimen und gewählten ukrainischen Regierung im letzten Februar tief verwickelt war, mit dem erklärten Ziel der Installation einer US-Marionettenregierung. Das macht aus der Demokratie eine Farce und demonstriert einzig, wie intensiv die US-Regierung im Ausland Machtpolitik betreibt und sich in die internen Angelegenheiten anderer Länder intensiv einmischt.

Die neokonservative Victoria Nuland, die von Präsident Obama zur Assistant Secretary of State ernannt wurde, hat öffentlich zugegeben, dass die US-Regierung 5 Milliarden $ investiert hat, um die Ukraine zu destabilisieren und einen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu schaffen. Es ist nicht schwer, schlusszufolgern, dass die Ukraine-Krise eine von Washingtons produzierte Krise ist. Ihre berühmte und beleidigende Bemerkung über Europa (Fuck the EU) ist ein weiteres klares Zeichen, dass die US-Regierung eine Krise mit Russland provozieren will, nicht um den Europäern zu helfen, vielmehr, um ihren eigenen beschränkten imperialen Zielen zu dienen – was auch immer die Kosten für die Russen oder die Europäer sein mögen.

Was am meisten verstört, ist die Verantwortungslosigkeit, mit der das US-Repräsentantenhaus die Resolution 758 am 4. Dezember 2014 durchgewunken hat. Dies ist in allen praktischen Absichten gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung gegenüber Russland auf der Basis von falschen Voraussetzungen, verdrehten Fakten und falschen Anschuldigungen. Mit dieser Art verantwortungsloser Führung befindet sich die Welt aktuell in sehr schlechten Händen.

Die Wahrheit ist: Waren sowjetische Raketen in Kuba, 90 Meilen vom US-Territorium für die US-Regierung im Jahre 1962 unakzeptabel, dann sind amerikanische Raketen in der Ukraine an den russischen Grenzen für die russische Regierung im Jahre 2015 auch nicht akzeptabel. Für alle, die sich in Geschichte auskennen, sollte es nicht so schwierig sein, dies zu verstehen.

Schlussfolgerung

Sollte sich das Weltgeschehen 2015 zum Schlechten wenden, dann sollte die Welt wissen, auf welche Täter sie mit den Fingern zeigen sollte. Manche Leute denken, dass Weltereignisse rein zufällig geschehen und dass es keine Planungen dahinter gibt. Sie liegen falsch, grundfalsch. Schlechte Regierungspolitiken, Verbrechen, Operationen unter falscher Flagge oder ganz einfache Fehlkalkulationen stehen oft im Zentrum vieler geopolitischer Krisen, seien sie finanzielle, ökonomische oder militärische. Manchmal geschieht es, dass die „Verrückten im Keller“ (die Neocons, AdÜ) an den Schalthebeln der Macht sitzen.

Es wird immer deutlicher – selbst für die Uninformierten und die Falschinformierten unter uns, dass die Wiederkehr der Kalten-Kriegs-Konfrontation mit Russland in Washingtons D.C. ausgearbeitet wurde und dass Russland nicht der Aggressor war (so wie die offizielle Propaganda es uns glauben machen möchte). Vielmehr hat Russland auf eine ganze Serie von US-geführten Provokationen lediglich reagiert.

Warum hat es so viele destabilisierende Interventionen durch die US-Regierung rund um die Welt gegeben und wer profitiert am meisten von dieser menschengemachten Instabilität? Das ist eine gute Frage, die sich die einfachen Amerikaner selbst stellen sollten. Sollte die US-Ökonomie zuhause weiter von Bankern geführt werden? Und international gesehen, sollte die US-Regierung ihre Politik des gezielten Versuchs fortsetzen,die russische Regierung in eine Ecke zu schieben und die russische Ökonomie zu zerstören? Das sind Kriegshandlungen. Stimmen die normalen Amerikaner mit einer solchen Politik überein? Wer wird am meisten profitieren, wer wird am meisten verlieren, wenn es einen Atomkrieg mit Russland geben sollte? Da die Europäer in einem solchen Konflikt ganz vorn an der Front wären, sollte diese Frage auch in Europa beantwortet werden.

Was die Welt jetzt so verzweifelt benötigt, ist eine vom Gesetz geführte, vom Gesetz regierte internationale Umgebung, nicht das hurra-patriotische und chauvinistische Vorgehen des Welt-Empire, das einzig und allein auf seine Eigeninteressen schaut.

Noch grundsätzlicher: Wir sollten die falsche Ideologie des Kampfes zwischen Nationen zurückzuweisen. Sie ist eine Besorgnis erregende und gefährliche Fehlentwicklung, die nur zu einem Welt-Desaster führen kann.

Fussnoten:

(1) „In the 1990s, super large American banks launched a $300 million campaign of lobbying efforts to have the Roosevelt-era-Glass-Steagall act repealed. That important 1933 law had prevented American banks from gambling with government insured money by merging risky and uninsured investment banks that underwrite securities and commercial banks that take insured deposits“ aus: http://www.thenewamericanempire.com/tremblay=1161.htm

(2) Bei dieser Regierungs-Agentur handelt es sich um eine Unterabteilung der insgesamt 17 Geheimdienste der „intelligencecommunity“, hier des Finanzministeriums.
http://en.wikipedia.org/wiki/Office_of_Terrorist_Financing_and_Financial_Crimes: “The Office of Terrorist Finance and Financial Crimes (TFFC) is an agency of the United States federal government in the United States Department of the Treasury. Under the supervision of
the Under Secretary for Terrorism and Financial Intelligence, the TFFC is policy development and outreach office for the Under Secretary and works across all elements of the national security community – including the law enforcement, regulatory, policy,
diplomatic and intelligence communities – and with the private sector and foreign governments to identify and address the threats presented by all forms of illicit finance to the international financial system.”