A. Fursow – Die finalen 30 Jahre des Kapitalismus (2)

Der zweite Teil einer Übersetzung eines Artikels von Prof. A. Fursow durch Artur (Quelle)

3.

Mitte / Ende der 1970er Jahre nahm für eine gewisse Zeit der zweite Ansatz Überhand, die Anhänger des ersten wichen von ihren Positionen zurück. Größtenteils (aber bei weitem nicht nur) war das eine Folge von Prozessen innerhalb der sowjetischen Gesellschaft und seiner Spitze. Faktisch gesehen war es in der zweiten Hälfte der 1960er die Absage des Sprungs in die Zukunft auf Basis des wissenschaftlich-technischen Progresses, welcher die Positionen bestimmter Segmente der Nomenklatur sowie der herrschenden Gruppe des systemischen Anti-Kapitalismus bedrohte; es gab einen Kampf innerhalb der sowjetischen Führung sowohl auf Klan-, als auch auf Behördenebene (vereinfacht gesagt: Segmente des KGB und der Armee gegen Segmente der KPdSU); die Erstarkung pro-westlicher („liberaler“, „pro-marktwirtschaftlicher“) Tendenzen und Gruppen in der sowjetischen Verwaltung vor dem Hintergrund des Abrutschens sozialistischer Methoden des Planens und Regierens einerseits, und dem Auftauchen von sowjetischen Straßenhändlern im Laufe der 1970er mit einer ausschließlichen Marktwirtschafts- und Konsumorientierung (das letztere war eine Reaktion auf die Krise offizieller Werte und der offiziellen Ideologie) andererseits. Das alles führte zum Auftauchen von Gruppen und Strukturen innerhalb der UdSSR, welche an kardinalen Veränderungen des Systems in eine (quasi-)kapitalistische Richtung interessiert waren.

Es geschah das, was L. Trotzki noch in den 1930er Jahren vorhersagte und wovor Stalin sich so in Acht nahm, als beide das Anwachsen des Klassenkampfes proportional zum Fortschritt des Sozialismus feststellten. Die Gruppen und Strukturen, welche erwähnt wurden, stellten objektiv gesehen Verbündete (Komplizen) der Stellvertreter der zweiten Herangehensweise der westlichen Machtspitze an die UdSSR dar. Und eine Reihe von Fehlern der sowjetischen Verwaltung und Zufälle, – ohne welche, so schrieb Marx, die Geschichte sehr mystischer Natur wäre, – zusammen mit einem bis ins Armselige niedrigen Niveau der spätsowjetischen Führung (man muss sich nur an Gorbatschow, Ryschkow, Schewardnadse und Krutschkowa erinnern) spielten eben jenen Kräften in die Hände und begruben dabei die Hoffnungen der Anhänger des ersten Ansatzes. „Schurken und Gesindel (und in der UdSSR auch noch die Idioten; die Idiotisierung der Machtelite der USA begann sofort nach dem Zerfall der UdSSR) der Spitzen des Westens und der UdSSR, vereinigt euch!“, so könnte die Losung des Clusters lauten, welcher das System und die UdSSR in den 1980ern zerstörte und auf diese Weise der Lebensverlängerung des Kapitalismus zuspielte.

Die Krise konnte aufgrund der Zerstörung und Ausraubung des Soz-Systems für gerade einmal zwei Jahrzehnte aufgeschoben werden. 2008 war sie mit dem Schritt eines Offiziers wieder da, dabei zeigend, dass die Dynamik, gestützt durch die Plünderung der Länder des ehemaligen Ostblocks und die damit zusammenhängende Druckausübung auf nun schutzlose, schwachentwickelte Länder, ausgeschöpft war. Übrigens, eben genau deswegen brauchte man die russländischen vier Jahre 2008-2012 [AdÜ.: Präsidentenamtszeit von Medwedew], welche mit ihren (zum Glück aus verschiedenen Gründen nicht realisierten) Projekten entsprechende Korrelationen zu Obamas Amtszeit hätten werden sollen; allerdings klappte es nicht und fiel letztendlich auch durch. Aufgrund einer zusammenhängenden Reihe gewisser Umstände, über welche hier zu reden den Rahmen sprengen würde, war Russland sogar in seinem ausgeraubt-zersplitterten Zustand, genauso wie in den 1920er Jahren (allerdings, nochmal, aus anderen Gründen), ein zu großer Brocken für das große System „Kapitalismus“, – ein sterbendes, aber deswegen noch lange nicht weniger, oder sogar gerade deswegen, gefährliches.

4.

Die Zeitlinie 2008-2014 trennt die auslaufende Phase der spätkapitalistischen Entwicklung auf eine evolutionäre (ungeachtet aller Kriege und Revolutionen) und auf eine revolutionäre – im Sinne einer terminalen, letalen, welche das Finale des Kapitalismus darstellen wird. Wenn man davon ausgeht, dass die vorangehenden Geschichtsepochen des kapitalistischen Systems 130 Jahre dauerten (plus-minus ein Jahrzehnt), so sollte logisch anzunehmen sein, dass das terminale Stadium noch 30 Jahre andauern wird, also bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts, und dass der „Austritt“ aus dem System ein Spiegelbild seines „Eintritts“ sein wird. Der „Eintritt“ in den Kapitalismus war der „erste Weltkrieg“, genauer gesagt der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), welcher sich prinzipiell sowohl von den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts, als auch von den ihm darauffolgenden, globalen Siebenjährigen und Napoleonischen Kriegen unterscheidet. Es war ein mit Unterbrechungen 30 Jahre dauernder und über den gesamten europäischen Raum ausgebreiteter Konflikt. Im Grunde entstand in diesem eine ganze Gesellschaft in Militäruniform, dessen wichtigste Subjekte das Kapital und der Staat waren. Höchstwahrscheinlich werden die nächsten 30 Jahre auch durch Kriege gezeichnet; allerdings wird der Krieg nicht global im Sinne des 20. Jahrhunderts, sondern weltumfassend, und der Schauplatz kriegerischer Handlungen natürlich nicht auf Europa beschränkt sein. Eigentlich läuft bereits der Epochenkrieg des Weltuntergangs, allerdings nicht des allgemeinen, sondern des Untergangs der kapitalistischen Welt: der Nahe Osten (Syrien, Irak), Europa (östliche, also russische Ukraine), Nigeria. Ich denke, dass Brände bald auch woanders entstehen werden: in Zentralasien, in Westchina. Dazu noch der Konflikt zwischen Migranten und Westeuropäern, welcher sich weiter ausbreiten wird, – ist das etwa kein neuer Typus des Krieges? Normalerweise sind Eintritt und Austritt in dieses oder jenes System gespiegelt; nur nimmt der Eingang einen Rubel, wo der Ausgang zwei Rubel hergibt. Oder auch zehn.

Auf diese Weise stellt die Zeitzone 2008-2014, – dabei sowohl die gegenwärtige Phase der spätkapitalistischen Epoche abschließend, als auch die Epoche und die Phase in einen terminalen Zustand überführend, – ein Spiegelbild zur Periode 1962-1968 dar, einen Randbereich zwischen zwei Phasen innerhalb der eigentlichen spätkapitalistischen Epoche. Zwischen 1962 und 2014 (bzw. 1968 und 2004) lief das Leben einer ganzen Generation ab, sowohl bei uns, als auch überall auf der Welt, inklusive des Westens. Die letzten fünfzig Jahre sind eine Epoche enttäuschter Hoffnungen, wobei der Höhepunkt dieser Hoffnungen eben jene 1960er waren, Zeiten des unbegrenzten Optimismus, als im Westen, so schien es, der kapitalistische Traum realisiert wurde („der amerikanische Traum“, „das deutsche Wirtschaftswunder“, und andere), während in der UdSSR jeden Moment wenn schon nicht die Jefremow’sche Ära [AdÜ.: Iwan Jefremow, sowjetischer Science-Fiction-Autor] des Großen Ringes [AdÜ.: Kommunikationsgemeinschaft der Erde und außerirdischer Zivilisationen] oder, noch besser, die „Ära der sich treffenden Hände“ [AdÜ.: Beginn der interstellaren Erschließung und Erstkontakte], so doch etwas in der Art von der „Welt des Mittags“ [AdÜ.: Sci-Fi-Zyklus über eine interstellar forschende, kommunistische Menschheit] von A. und B. Strugazki beginnen sollte. Nichts davon wurde jemals Wirklichkeit: der sowjetische „Halbtags“- (bzw. Morgen-) Kommunismus, als „Vormittagsprogramm der Nomenklatur“ in die Geschichte eingehend, ist zerstört; der US-amerikanische Traum wurde geklaut; in Deutschland erfreuen sich diejenigen der Früchte des „deutschen Wirtschaftswunders“, welche im Dritten Reich als Untermenschen durchgegangen wären, und welche nun selber die Deutschen als Untermenschen ansehen, und die deutschen Frauen – als zur sexuellen Nutzung gebrauchsfertiges, wehrloses weißes Fleisch.

5.

Was geschah mit der Welt in den letzten 50 Jahren? Wie ging sie kaputt? Dieser Absturz erinnert an denjenigen 1875-1925, welchen der holländische Historiker J. Romijn eine „Wasserscheide“ nannte. Unsere „Wasserscheide“ endete 2008-2014, wonach die Welt in etwas gänzlich Unbekanntes eintrat; allerdings wurden die Karten der Geschichte, welche zu wilden Spielen, oder besser gesagt, zur wilden Jagd des 21. Jahrhunderts aufrufen, im vorangegangenen 50-Jahre-Zyklus verteilt. Die Karten sind verteilt, die Figuren oder, wenn man sich weiter der Terminologie des Spiels bedient, „die Spielsteine“ sind alle auf ihren Plätzen. Um die möglichen Entwicklungsvarianten der Ereignisse in den finalen 30 Jahren des Kapitalismus und des Westens als Zivilisation zu verstehen (hoffen wir, dass nur sie, und nicht die gesamte Weltzivilisation, Homo Sapiens und die Biosphäre betroffen sein werden), lohnt es sich zu schauen, wer, wie und welche Karten verteilt hat, welche „Spielsteine“ wo, wann und wie aufgestellt wurden.

Das alles ist auch aus folgendem Grund unerläßlich: der Soziologe B. Mur bemerkte einst: „Sollte es den Menschen der Zukunft bestimmt sein, irgendwann die Ketten der Gegenwart / der Wirklichkeit [AdÜ.: „цепи настоящего“ lässt sich mehrdeutig übersetzen] zu sprengen, werden sie die Kräfte verstehen lernen müssen, welche diese Ketten schiedeten“. Die Ketten, in welche bestimmte Kräfte versuchen die Menschheit im 21. Jahrhundert zu bannen, – diese Ketten sind unsichtbar und sogar auf gewisse Weise angenehm-narkotisch. Sie wurden vor langer Zeit geschmiedet, die Zeit des entscheidenden Beschlagens allerdings waren die letzten 50-60 Jahre. Eben hier liegt das Geheimnis der Koschtschei’schen Sterblichkeit [AdÜ.: „Koschtschei der Unsterbliche“ – Hexenmeister der russischen Mythologie, welcher seine Seele außerhalb seines Körpers aufbewahrte] der heutigen Herren des Weltspiels begraben.

Letztendlich stellt die heutige Situation, – eine Situation, in der eine Epoche, ein System dahingeht, fast fort ist, und die andere noch nicht angebrochen ist; wo die Welt (und wir mit ihr) ein Leben zwischen den Zeiten, zwischen den Systemen führt, welches andauernd der Gefahr des Absturzes in den Brunnen der Zeit bzw. in sein „schwarzes Loch“ ausgesetzt ist, – eine einmalige Möglichkeit des Lüftens der Geheimnisse der Vergangenheit, des Aufdeckens der Geheimnisse der Zukunft, und durch ihr Zusammenführen des Verstehens der anbrechenden Gegenwart dar. So schrieb darüber im „Zweiten Buch“ [AdÜ.: „Generation ohne Tränen. Erinnerungen.“] N. Mandelstam: „In der Periode des Gärens und des Verfalls wird der Sinn der kürzlichen Vergangenheit plötzlich klar erkennbar, da es noch nicht die Gleichgültigkeit der Zukunft gibt, die Argumentation des gestrigen Tages allerdings schon zerfallen ist, und die Lüge sich nun stark von der Wahrheit unterscheidet. Man muss Schlüsse ziehen, wenn die Epoche, welche in den Tiefen der Vergangenheit heranreifte und nun keine Zukunft hat, vollständig ausgeschöpft ist, die neue allerdings noch nicht begonnen hat. Dieser Moment wird fast immer nicht genutzt, und die Menschen gehen in die Zukunft, ohne die Vergangenheit bewusst verstanden zu haben.“

Wir dürfen diesen Moment nicht ungenutzt verstreichen lassen; auch eben deshalb sollte man heute aufmerksam auf die Welt der 1960er – 2010er Jahre als Ganzes schauen, und auf deren regionale und kulturhistorische Blöcke:

die UdSSR / Russländische Föderation bzw. das historische Russland, völlig gleich, wie es heißt und in welch miserablem Zustand es sich befindet;

die Anglosphäre;

die Germanosphäre;

die Romanosphäre (inklusive des Vatikan);

Osteuropa;

die arabische Welt;

der Mittlere Osten und Zentralasien („Iran und Turan“);

Süd- und Südostasien

Ostasien

Afrika südlich der Sahara;

Lateinamerika.

Es geht hier nicht um eine genaue und hochspezialisierte Sicht auf die Welt und ihre Bestandteile, sondern um das, was A. Asimow [AdÜ.: russischer Biochemiker und Sci-Fi-Autor] „die Übersicht“ nannte. Asimow schrieb über den Nutzen, auf den Garten der Wissenschaften wie aus einem Heißluftballon herunterzuschauen. Jede Vielfältigkeit verschwindet dabei, doch verbleiben dabei, so der bekannte Wissenschaftler und Fantast, „andere, besondere Vorteile: wenn ich auf den Garten aus einer Höhe schaue, so erblickt man von Zeit zu Zeit… ein erkennbares Fragment der Komposition, welches auf der Erde möglicherweise nicht erkennbar gewesen wäre“. Ich denke, dass ist das beste Mittel, um sich eine Übersicht der Welt zu verschaffen, der es bestimmt ist, in den nächsten 30 Jahren zu verschwinden. Damit diese jedoch so verschwindet, wie es uns, den Russen, nützlich ist, und um nicht zusammen mit ihr zu verschwinden, brauchen wir eine reale Karte der Welt, – die Basis dafür, was K. Polanyi [AdÜ.: österreichisch-ungarischer Wirtschaftswissenschaftler] die „sinistre intellektuelle Überlegenheit“ nannte.

Diejenigen, welche A. E. Edrichin-Vandam unsere „globalen Eroberer und unsere Lebensrivalen“ nannte, die Briten und die US-Amerikaner, verlieren anscheinend keine Zeit. Unter anderem haben anglo-amerikanische Geheimdienste und die Geschichtsfakultäten einiger starker Universitäten der Anglosphäre damit begonnen, Historiker neuen Profils vorzubereiten; im Grunde ist das die Schaffung neuer Berufe im Bereich der Geschichtsforschung (die Schule der Geschichtsfakultäten Oxfords, Cambridges und Darhams wurde generell von der Mehrheit der britischen Regierungselite absolviert) und der aufklärungsanalytischen Beschäftigung. Erstens ist das die Profession eines Systemhistorikers, eines Spezialisten für historische Systeme, und folglich auch für ihre Unterwanderung und Zerstörung oder auch andersherum, ihren Schutz; der heutige Interessenanstieg zur imperialen Problematik ist durchaus kein Zufall. Zweitens ist da die Profession des „Entdeckerhistorikers“ (investigative historian). Wenn der „Systemling“ in erster Linie ein Theoretiker ist, so arbeitet der „Entdecker“ auf der Ebene der empirischen Verallgemeinerungen, dabei die Gesamtheit der indirekten Zeugnisse analysierend und aktiv die historischen Prozesse mithilfe der Analyse von Big Data lesend.

Die nächsten 30 Jahren werden ohne Frage ähnlich eines Sprungs in die Dunkelheit oder, man erinnere sich an die berühmte russische Geschichte [AdÜ.: „Конёк-Горбунок“ – „das Buckelpferdchen“ von P. Jerschow], in einen Kessel mit kochendem Wasser sein. Und bei weitem nicht alle werden aus diesem wieder als gute Jungspunde entspringen, unter lauten Rufen: „Was für ein Wunder! … / Wer hätte sich vorstellen können, / Dass man sich derart verjüngern kann!“. Dem Großteil der „Springer“ ist höchstwahrscheinlich ein anderes Schicksal beschieden: „Plansch, in den Kessel – und dort gekocht…“. Um eben nicht gekocht zu werden, um die Temperatur im Kessel zu kennen, oder noch besser, um sie zu regulieren, braucht man die „sinistre intellektuelle Überlegenheit“, deren Fundament eine reales Bild der Welt und des eigenen Landes ist. Zudem ist es sicherlich keine Sünde, sich der letzten Erkenntnisse der ausländischen „Systemlinge“ und „Entdecker“ zu bedienen; solche Möglichkeiten bestehen. Über die Tschechen steht bei K. Leontjew [AdÜ.: russischer Schriftsteller]: eine Waffe, welche die Slawen von den Deutschen eroberten und gegen sie selbst richteten. Ein richtiger Schachzug, vor allem, wenn es um die Frage der Sicherheit geht – der staatlichen, der psychohistorischen und der zivilisatorischen.

6.

Es wäre logisch, mit Russland zu beginnen, aber wir haben schon viel zu diesem Thema gesprochen. Deshalb beginnen wir mit der Anglosphäre, mit ihrem amerikanischem Teil, den USA. Also mit denen, welche man hier bei uns verlegen „Partner“ nennt, mit welche aber uns ohne jegliche Scham als „Gegner“ und „Bedrohung“ bezeichnen, und ähnliches. Nun, enttäuschen wir lieber nicht unsere „Partner“, sie wissen es ja in diesem Fall (aber nur in diesem Fall!) offensichtlich besser. Wie d’Artagnan in einem Gespräch mit dem Kardinal Richelieu [AdÜ.: in „Die drei Musketiere“ von A. Dumas] bemerkte, sei der Höchste derart mächtig, dass es gleich ehrenvoll sei, sein Freund oder sein Feind zu sein. Ehrlich gesagt ist das heutige US-Amerika bei weitem nicht mehr so machtvoll wie in den 1950ern / 1960ern oder sogar wie in den 1990er Jahren, als Russland besonders schwach war; das Prinzip bleibt jedoch erhalten, zumal die Russländische Föderation auch bei weitem nicht mehr die UdSSR ist.

Nun gut, wir fangen also mit Amerika an. Dabei ist für uns im aktuellen Kontext wichtig, was die US-Amerikaner (und auch die Westeuropäer) über sich selbst schreiben, was ihr empirisches Material ist. Das Recht auf Verallgemeinerungen und Interpretationen behalten wir uns vor.

Es macht Sinn, anderthalb Dutzend nützlicher Bücher in die Hand zu nehmen und durch ihr Prisma (oder aus ihrer Übersicht) auf die US-amerikanische Gesellschaft des letzten halben Jahrhunderts zu schauen. Ich möchte dabei ein paar Bücher hervorheben, welche seriöse, wissenschaftliche Studien oder ernsthafte, unengagierte Publizistik darstellen, zur selben Zeit jedoch auch Bestseller wurden. Das sind „Das Auseinandergehen. Der Zustand des Weißen Amerika, 1960-2010“ von Ch. Murray (Murray Ch. Coming Apart. The State of White America, 1960–2010. N.Y., 2013); „Amerika als Dritte Welt“ von A. Huffington (Huffington A. Third World America. N.Y., 2011); „Amerika der Dunkelalter. Die finale Phase des Imperiums“ von M. Berman (Berman M. Dark Ages America: The Final Phase of Empire. N.Y., L., 2007); „Generation Soziopath. Wie die Baby-Boomer Amerika verrieten“ von B. Cannon-Gibney (Cannon-Gibney B. A Generation of Sociopaths. How the Baby Boomers Betrayed America. N.Y., Boston, 2017); „Der Aufstieg und Fall des amerikanischen Wachstums. Der amerikanische Lebensstandard seit den Zeiten des Bürgerkriegs“ von R. Gordon (Gordon R.J. The Rise and Fall of America Growth: The U.S. Standard of Living since the Civil War. Princeton, 2016); der Bestseller „Wer klaute den amerikanischen Traum?“ von H. Smith (Smith H. Who Stole the American Dream? N.Y., 2012); „Trauriges Amerika. Das wahre Gesicht des USA“ des Franzosen M. Floquet (Floquet M. Triste Amérique. Le vrai visage des États-Unis. P., 2016) – es ist offensichtlich, dass Floquet hier den Titel des berühmten Buches „Traurige Tropen“ des Sozioanthropologen C. Lévi-Strauss, dieses Indien und Brasilien gewidmet, parodiert.

Also, uns erwartet ein Amerika, – eben jenes, über welches „Nautilus Pompilius“ [AdÜ.: sowjetische Rockgruppe] vor langer Zeit in seinem „Good bye America, oh, wo ich werde niemals sein“ sang. „Wo ich werde niemals sein“, weil dieses Amerika, welches die sowjetische Einbildung zeichnete, überhaupt niemals existiert hat, und das real existierende Amerika der 1980er / 1990er Jahre unwiederbringlich verschwunden ist. Nachdem ich 2007 in Amerika gewesen bin, – nach einer fünfzehnjährigen Pause, – habe ich deutlich gefühlt und verstanden, dass ich in einem anderen Land gelandet bin, als in dem, welches ich 1993 besucht habe (und nochmal ganz anders, welches ich 1990 besuchte). Übrigens, auch die Russländische Föderation des Jahres 2007 ist eine völlig andere Welt, als die RF 1993. Umso interessanter ist der Blick auf die Metamorphosen und der Versuch des Verstehens ihrer Gründe. Churchill irrte sich nicht, als er behauptete, wie wichtig und interessant alles ist, was in der Welt geschieht. Besonders, wenn diese Welt die letzten Zölle vor der Ziellinie hinkt und vor unseren Augen knirscht wie eine leere Nussschale, und bösartige Nussknacker sich auch weiterhin bemühen, diese endlich zu zerbeißen. Man schaut auf sie und erinnert sich an die Phrase Lew Sadows in der brillianten Verkörperung durch den Schauspieler W. Belokurow im Dreiteiler „Leidensweg“: „Versteck deine Zähne – oder ich reiß’ sie aus!“ Eine der Aufgaben zur Sicherstellung der staatlichen psychohistorischen Sicherheit ist das rechtzeitige Rausreißen der Zähne der Wolfshunde, dabei der klassischen Antwort auf die Frage zuvorkommend, warum sie solch große Reißzähne haben.

25 Gedanken zu „A. Fursow – Die finalen 30 Jahre des Kapitalismus (2)“

  1. „Schurken und Gesindel (und in der UdSSR auch noch die Idioten; die Idiotisierung der Machtelite der USA begann sofort nach dem Zerfall der UdSSR) der Spitzen des Westens und der UdSSR, vereinigt euch!“, so könnte die Losung des Clusters lauten, welcher das System und die UdSSR in den 1980ern zerstörte und auf diese Weise der Lebensverlängerung des Kapitalismus zuspielte.“

    Von der von Fursow so treffend beschriebenen Idiotisierung können wir uns ja in Medien, Politik, öffentlichem Diskurs, sowie im realen Lebensalltag täglich überzeugen (wir leben in einem Land, in dem an 500 Meter Straße zehn Jahre gebaut wird – während in China innerhalb weniger Monate ganze Hochgeschwindigkeitszüge und Autobahntrassen aus dem Boden gestampft werden. Auch was mit Medien und öffentlichem Diskurs hier geschehen ist, brauche ich wohl keinem weiter zu schildern. Man muss nur mal eine Tagesschau oder einen Zeitungsartikel von vor 30 Jahren anschauen und mit seinem heutigen Pendant vergleichen, um zu verstehen, was ich meine.

    Ob der Untergang der SU für unser kapitalistisches System lebensverlängernd wirkte, oder doch eher verkürzend, das ist eine interessante Frage, vielleicht auch eine der Ansicht. Fursow merkt an, dass es die USA der 80er Jahre nicht mehr gibt. Genauso verhält es sich doch auch mit unserem Land. Man denke an das Deutschland der 80er, teilweise auch noch 90er Jahre, in denen durchaus noch „soziale Errungenschaften“ aus der Zeit des Kalten Krieges existierten, dessen kapitalistisches Schaufenster wir hier waren. Mit der Zeit jedoch, als es auf der anderen Seite niemanden mehr zu beeindrucken gab, wurde das Schaufenster immer leerer, bzw. mit wertloser B-Ware aufgefüllt. Und gerade erleben wir, wie Vandalen sich über die Reste hermachen und die Scheiben einwerfen.

    Fursow schrieb einmal, dass die Sowjetunion ende der 80er vor einem gewaltigen technologischen und gesellschaftlichen Boost stand. Wie dem auch sei, ich kann mir vorstellen, dass es im weiteren Verlauf zu einer Fortsetzung der Annäherung zwischen Ost und West bei Beibehaltung des systemischen Wettkampfs gekommen wäre. Und ich bin mir sicher, dass man *auf beiden Seiten* ohne das, was als „Wende“ in die Geschichte eingegangen ist, heute wesentlich besser fahren würde. Ich denke, dass die Menschheit mit dem Niedergang des Kommunismus eine anstehende Entwicklungsstufe zumindest aufgeschoben, wenn nicht gänzlich verpasst hat.

  2. Das Leben ist kurz & beschissen wie ne ‚ Hühnerleiter, aber hart & gerecht, denn alles was Voruns ist, ist Inuns!
    Und da ich nun selbst bei GOOGLE hin & wieder auf der Ersten Seite lande, ein kleiner richtungsweisender Hinweis, so Sie gestatten: “ Theorie der Paradigmen“ via ‚Paradigmengenese‘ zum ‚-/+0.4 Orbit Zivilisations-/ Vetogenese‘.
    Mit sach-/fachlichen Respekt
    RRD

  3. Die Ausführungen von Herrn Fursow, rufen bei mir Erinnerungen an die Abende und Gespräche , mit dem damaligen Botschafter der UdSSR, Valentin Falin hervor. Bei ihm war ich auch schon begeistert, ob seiner Sehr breit angelegten Gedanken, da spielten Asspekte der Bildenden Kunst, des Theaters, des Films, der Musik, der Russischen Mythen, der Literatur, der Dichtung, der Trink und Ess Kultur und zwar von der Kultur, der ganzen Welt in das Gedankengebäude ein, so das es immer wieder ein Quell der Anregung war. Ich habe ihn damals Bedauert und Bewundert, das er, die Treffen, mit den Tumben Egoisten, den Politikern, die bei Kulturveranstaltungen, nur Anwesend sind, UM GESEHEN ZU WERDEN, so gelassen Absolviert hat. So wie er sagte, gab es aber auch in der BRD, Menschen, Poltiker, Geschäftsleute, Wissenschaftler, mit denen er Fruchtbare Gespräche führen konnte, die anderen waren, halt SEINE Pflicht.

  4. Nun ja … große weitreichende Aussagen, lauter Schlussfolgerungen ohne Darlegung von Grundlagen. Erinnert mich an Dugin und seine Vierte Theorie. Das ist mir zu mystisch.

  5. Moin Moin lieber Artur,danke für diesen 2teiler,schön,passend,zutreffend,herausgesucht übersetzt .
    Sitzen wir nicht im realen Historischen Schauermärchen?
    Die ganze Geschichte der ‚BLÖKENDENDE MASSE‘ beruhte immer auf Basis der Lüge,gestern wie heute.
    Hier geht es nicht um Menschen,sondern immer nur um Eliten,die ‚Gottverdammten Schweine‘ bekommen Perlen vor die Schnauze gesetzt und dürfen sich diese heraussuchen nach Gutdünken!
    Das Schizophrene daran ist,sie kontrollieren HEUTE
    + 7MILLIARDEN OBJEKTE für 0,1 Promille an Eliteopfern…..
    Reales Theater,kontrolliert durch ein verneinendes System von Egomanen und wir ‚mehr oder weniger‘ nehmen daran täglich Teil……
    Wie erwähnt,Herr Artur, Respekt für Ihr Gemeinwohl und nochmals DANKE

    1. @ JB

      das Zitat heißt richtig „Perlen vor die Säue werfen“ und mir wird keineswegs klar, was sie mit diesem Zitat und dem Rest ihres kryptisch anmutenden Kommentars der ihrer Meinung nach „blökendern Masse“ eigentlich mitteilen wollen.

      Entweder haben sie ein paar Nächte durchgemacht oder sie können nicht richtig deutsch, ich vermute fast beides, nunja.

      ————————————
      Unterlassen Sie persönliche Attacken! – Russophilus

      1. Z.B. SIE,sind ein perfektes Bild von ‚blökender Masse‘.

        „so sagte die Mutter zum Sohne: Sagt er Dir wo er herstammend,so sage ich ihm wer Er ist.
        Ehre deine Wurzeln, sie begleiten dich ein Leben lang.“
        Für Sie nicht kryptisch…..

  6. Was will er uns eigentlich sagen, der господин Fursow? Das die Sowjets nach Stalin nichts mehr auf der Pfanne hatten, ist ja ganz offensichtlich, deswegen braucht man das Kind aber nicht mit dem Bade ausschütten.

    Sehr mystisch, möglicherweise aber auch nur grotesk, dieser Aufsatz.

    ———————————
    Wunschgemäß editiert – Russophilus

    1. Ich finde schon, daß die Sowjets noch was auf der Pfanne hatten, auch in der Nach-Stalin-Ära:

      auf der Plusseite:
      + Fußballeuropameister 1960
      + Erster Hund im Weltraum Laika (Sibirische Huskyhündin?)
      + Erster bemannter Weltraumflug von Juri Gagarin
      + Erste Frau im Weltraum Valentina Tereschkowa
      + Olympische Bilderbuchspiele 1980 in Moskau
      + KGB-Agent Wladimir Putin in Dresden von ca. 1980-1990

      auf der Minusseite:
      + Einmarsch in Ungarn 1956
      + Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968

      fragwürdig:
      + Einmarsch in Afghanistan 1979
      + Tschernobyl Reaktorkatastrophe 1986
      + russische Besatzungssoldaten in der DDR bis 1991

      lustig:
      + Matthias Rust seine Landung auf dem Roten Platz 1988
      + Nu pagadi! (Na warte! sagte der Wolf dem Hasen, wenn der wieder mal entwischte)

  7. Danke Arthur für die weitere Übersetzung und danke Russophilus für die unermüdliche Moderation!
    Hier sind zwei Menschen am Werk die sich so gar nicht an das „Goldene Kalb“ des Westens halten (grenzenloser Egoismus und Selbstnutz…)
    Es ist spannend, gerade jetzt zu dieser Zeit, zu sehen wie der Kapitalismus sich selbst frisst. Die Vorgänge der letzten 100 – 200 Jahre beinhalten so viele Vorgänge und leider wird hierzu im Westen nur ganz wenig diskutiert und aufgearbeitet.
    Die Aufarbeitung aber, ohne Denkverbote und Geschichten der Siegermächte wäre die Grundlage daraus zu lernen und für kommende Generationen eine Welt zu schaffen, die aus gutem Grunde sagen kann, sie hat sich weiterentwickelt.

    1. Kapitalismus ist ja genau wie das Kapital selbst nicht per se schlecht, nur der Finanzkapitalismus transatlantischer Prägung würde sich letzenendes selbst zerstören, mal ganz abgesehen von dessen unsozialen Begleiterscheinungen in den Jahren seit der Rothschild’schen FED-Installation 1913.

      Ein großer unseres Volkes sprach einst in einer Rede davon, daß in den damaligen westlichen Demokratien „die Arbeit für die Wirtschaft und diese dann wiederum für das Kapital ausgebeutet würde“ und daß er „diesen Grundsatz eben genau umdrehen wolle“, so daß „das Kapital für die Wirtschaft und diese wiederum für das arbeitende Volk da sei“ (sinngemäß).

      Ich finde diesen Ansatz nachvollziehbar und finde auch das, was dieser Mann über die Dividendenerträge westlicher Finanzkapitalisten (Bankiers und Großktionäre) jener Zeit so sagte, genial. Auf youtube.ru gibts unzensierte Reden von jenem auch Wirtschaftskapitän.

  8. zur Geschichte, hier eine alte Volksanekdote aus Zeiten des Zarenreiches:
    Es kam einmal der Tschumak Iwan Perbendja nach Petersburg (Tschumak = ukrainischer Bauer, der in alten Zeiten mit einer Ochsenfuhre das Salz für Eigenbedarf und für den Verkauf oder Tausch aus der Krim holte. Monatelang blieb er unterwegs).
    In seiner Nationaltracht, mit langer Knute in der Hand, nach Wagenschmiere duftend, stolziert er durch die großartigen Straßen der neu erbauten Zarenstadt, nachdem er seine Ochsen in einem Gasthof untergebracht hat.
    Wie es das Schiksal will, sieht ihn der Zar, der unerkannt in seiner Stadt spazieren geht. Lange betrachtet er die markante Gestalt. Dann fragt er: „Sage mir, guter Mann, warum ist dein Haupt grau, der Schnurrbart aber pechschwarz?“
    „Das weiß doch jedes Kind: Der Schnurrbart ist um zwanzig Jahre jünger!“ Die treffende Antwort gefiel dem Zaren.
    Als Iwan zum Gasthof zurückkehrt, erwartet ihn dort ein prächtiges Gefährt mit acht schneeweißen Rossen, mit livrierten Kutschern und zwei betressten Dienern. Ohne lang zu reden packen sie den nichts ahnenden Tschumak, setzen ihn auf den weichen, samtenen Sitz und bringen ihn in den Zarenhof. Der Zar sitzt auf seinem Thron, von Ministern umgeben. Er zeig ihnen den Bauern und stellt ihnen die Frage über die Ursache des ergrauten Haares und des schwarzen Schnurrbartes.
    Lange beraten sich die Höflinge und kommen dann mit der Antwort, dieser Mensch sei sehr weise, er denke oft und angestrengt über schwierige Probleme und habe große Sorgen.
    „Stimmt das?“ fragt der Zar.
    „Ja, Zar, wenn ich in der Nacht auf meiner Fuhre liege und zu den Sternen schaue, dann denke ich darüber nach, wie hat der Herrgott die Sterne so gut befestigt, und doch fallen manche ab. Und Sorgen habe ich auch, wenn ein Ochse sich den Fuß verstaucht. Das hat aber mit dem grauen Haar nichts zu tun. Wenn der Schnurrbart zwanzig Jahre älter wird, wird er auch ergrauen.“
    Zur Belohnung befiehlt der Zar, neue, reiche Kleider zu bringen, sie dem Iwan anzuziehen und ihn in einen schönen, großen Sessel vor seinem Thron zu setzen. Er verleiht ihm den Adelstitel. Durch die Aufregung ist Perebendja so aus der Fassung geraten, dass er mit lautem Knall die schlechte Luft entweichen lässt. Befremdet macht ihm der Zar Vorwürfe. Ohne mit der Wimper zu zucken, erklärt darauf der Iwan: „Höre, Zar, das muss du doch verstehen! Was war ich bis jetzt? Mein ganzes Leben ein Bauer. Was bin ich geworden? Ein Adliger! Nun muss doch der Bauerngeist heraus! Jetzt ist er fort und hat für den edlen Geist Platz gemacht!…

    Vadim Grom, „Der Weg vom Don zur Isar“

    Sowjetunion 1932, die Lebensgeschichte des Peter Gorew der mit 19 Jahren seine Heimat wegen einer drohenden Hungersnot verlässt. Er findet Arbeit im Kaukasus und erlebt als Landvermesser einen idyllischen Sommer in der Abgeschiedenheit der Berge. Dort wird er zum ersten mal mit den Spuren des Stallinistischen Terrors konfrontiert. Der lojale Sowietbürger zieht weiter auf der Suche nach Arbeit in das Donez-Gebiet. Dort steigt er schnell auf zum Chef der lokalen Drahtfunkanlage. Wegen eines unbedachten Wortes macht er zum ersten mal Bekanntschaft mit den menschenverachtenden Zuständen in Stalins Gefängnissen. Er bekommt eine zweite Chance und lebt unauffällig in ländlichen Gebieten. Als er unwissentlich ein Foto einer Hafenanlage macht landet er in einem Vernichtungslager. Von dort entflohen muss er fortan ein Leben in der Illegalität führen. Diese Erfahrungen lassen ihn die Freuden, die das Lebens ihn schenkt, besonders intensiv genießen. Nach neuerlicher Verhaftung und Flucht muss er in der Zeitung die Nachricht über seine Verurteilung und Erschießung lesen…

    Das erste Buch einer Autobiografie die ich nur jedem ans Herz legen kann, der diese Zeit in der Sowietunion unter Stalin miterleben will. Ein ungewöhnlich umfassendes Buch, was dieses einzigartige Land und seine Menschen in vielen verschiedensten Farben und Nuancen schildert. Lesen.

    @Russophilus: es war mir ein Bedürfnis die Annekdote zu teilen und dieses einzigartige, wertvolle Werk den Dorfbewohnern zu empfehlen. Wenns nicht passt, einfach verwerfen oder ins nächste Dies und Das packen.
    Danke und Gruß!

    1. Gerne. Ich fände es nur erheblich schöner, wenn Sie auch das prachtvolle Werk von Fursow und die Mühe Artur nicht einfach übergehen und sozusagen etwas drüber klatschen sondern das Ihre nach einem Danke für die Hauptaktiven dieses Artikel dazu stellen würden.

  9. Danke für die Fleißarbeit Artur…..Offensichtlich macht es Mühe dieses Werk von Fursow so aus dem kurzen Halt zu verstehen und tief zu durchdenken.
    Mit einmal lesen ist es nicht getan…..
    Was das Werk von Grom aus dem Anderwelt Verlag betrifft gibt es Band I KOTOWIII und Band II ACHASCHWEROSCH……
    spielt zwar nicht hinein in Fursows Werk, aber um Russland zu verstehen so wie wir es nicht kennen ist die Lektüre dieser Bände mehr als aufschlussreich….fast schon einmalig….
    ich dachte ich weiss schon einiges…aber hier sind Wahrheiten und Vorgänge enthalten die haben es in sich….Timur und sein Trupp oder wie der Stahl gehärtet wurde….kommen da was die Zeit des Wirkens der Erlebnisberichte betrifft sich nahe ….aber nur zeitlich und nicht sehr…..das Ganze autobiografisch…

    1. @ R.B.

      Also Timur und sein Trupp ist ein durchaus spannend zu lesendes Kinderbuch über die Zeit des russischen Bürgerkrieges zwischen Weißgardisten und Rotgardisten (als Spätfolge der kommunistischen Oktoberrevolution 1917), wobei die Sympathien des Autors und auch vom Timur eindeutig bei den Rotgardisten lagen.

      Historisch betrachtet fällt mir eine Beurteilung jener Geschehnisse schwer, das ist doch eher eine innerrussische Aufgabe, jene Zeit aufzuarbeiten und vielleicht mal einen objektiven Film über jene Zeit in die Kinos zu bringen.

    2. Weiters: „Wie der Stahl gehärtet wurde“ ist ein schwer zu verdauender Schinken, den wir im DDR-Schulunterricht der 8. oder 9. Klasse vorgesetzt bekamen. Handelte, glaube ich, von der Erbauung der Stadt Magnitogorsk um ein Stahlwerk herum (inmitten der Eis- und Schneewüste Sibiriens) durch Stalin persönlich befohlen natürlich.

      Hab damals nach drei Seiten aufgegeben es weiterzulesen, einfach zu schwerer Stoff. für einen 9. Klässler. Ganz im Gegensatz dazu erinnere ich mich noch gern an das Buch aus dem DDR-Deutsch-Unterricht „Die Abenteuer des Werner Holt“, welches die Endphase des 2. Weltkrieges ziemlich realistisch schildert, und zwar subjektiv betrachtet aus der Sicht des 1944 zur Wehrmacht eingezogenen Hitlerjungen Werner Holt. Lohnt sich zu lesen, definitiv.

      —————————————
      Bitte Themenbezug beachten! Arturs Arbeit sollte mehr als ein Stichwort-Lieferant sein! – Russophilus

  10. @M.Ballhorn
    Ganz einfach die beiden Bände lesen….was die beiden Beispiele betrifft die ich genannt habe sind sie halt ebenfalls aus dem alten Russland…nichts mehr und nichts weniger…Timur und sein Trupp u.a. sind noch immer Bestandteil meiner Bibliothek…

  11. „Was geschah mit der Welt in den letzten 50 Jahren? Wie ging sie kaputt?“
    Es ist wie es immer war: eine kleine Gruppe fragwürdiger Gestalten gibt den Ton an, die Welt folgt. Das Volk hat nichts zu entscheiden, trotz Wahlen wird eine Agenda verfolgt, die über Wahlen nicht gebremst oder verändert werden können. Nur in Ausnahmen. Wenn die Unzufriedenheit in den Völkern (hier ZB Europas) zu groß wird, dann findet tatsächlich (bei Wahlen) ein Richtungswechsel statt. Ob dieser dann auch von der Politik umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt. Entweder man lässt wählen bis das ERgebnis in die Agenda passt, oder die gewählten Parteien verabschieden sich ganz schnell von ihren Versprechungen und verfolgen mehr oder weniger die gleiche Linie wie die abgewählten Parteien (Griechenland, Italien?…)
    Die rote Linie wird dabei seit langer Zeit von transatlanitschen Kräften vorgegeben. Auch die Okkupation der ehem. Udssr, die Unterwanderung- und Zersetzungsbemühungen (die ja bis zu einem gewissen Punkt äußerst erfolgreich waren) gingen von diesen Kräften aus.
    Gut dass die RF die Wende hinbekommen hat (dank Putin und dem Kreis hinter ihm).
    So entwickelt sich ein stetig kräftiger werdender Gegenpol, der die Ziocons wahrhaft herausfordert.
    Ob die Änderung zum Besseren nun aus Wahlen hervorgeht oder über Kräfteverschiebungen im Bezug VSA – RF / China / Verbündete muss man abwarten.
    Wahrscheinlich ist es auch eine Mischung aus beiden, wobei eine Änderung über Wahlen für mich eher unwahrscheinlich ist. So kann man nur auf RF und Putin hoffen…
    Die Dekadenz, die Verlogenheit, die Menschliches Gewissen und Gerechtigkeitssinn mit Füßen tretende Handlungsweise des Westens spricht Bände.
    Das Gekreische der Medien, hier insbes. die der Öffentlich Rechtlichen hat ein Maß erreicht wie es deutlicher nicht sein könnte.
    Die Deutungshoheit geht mehr und mehr verloren. Man darf gespannt sein auf welche Weise die Gegner der Wahrheit nun reagieren werden. Wo ist die Grenze? Wie weit werden sie gehen?
    Aktuell werden ja schon Konten gesperrt, von Menschen die unliebige Meinungen vertreten. Der Arbeitsplatz ist ganz schnell weg, Zensur und Hetze, Verhinderung und Verbot von (missliebigen) Demonstationen usw… spannend…

  12. Danke für diese Mammut-Übersetzung, Artur!

    Das hier ist m. E. einer der Schlüsselsätze: „Die Ketten, in welche bestimmte Kräfte versuchen die Menschheit im 21. Jahrhundert zu bannen, – diese Ketten sind unsichtbar und sogar auf gewisse Weise angenehm-narkotisch. Sie wurden vor langer Zeit geschmiedet, die Zeit des entscheidenden Beschlagens allerdings waren die letzten 50-60 Jahre.“

    Und zu der (sinngemäßen) Behauptung eines Vorkommentators, „die Russen hätten nichts mehr drauf“: Welches Volk und welches Land sonst wäre in der Lage, so extreme Zerstörungswellen kurz hintereinander nicht nur zu überstehen sondern sogar blühend daraus hervorzugehen?

    – Die Herrschaft des IWF und der „Chicago Boys“ war in ihren Auswirkungen letztendlich sicher nur unwesentlich weniger zerstörerisch als der Angriff der Nazis und wo steht Russland jetzt, im Verhältnis zu den damaligen Siegern? Die Entwicklungskurve letzterer geht steil nach unten, die von Russland genauso steil nach oben. Dieses (Kurven-)Treffen „auf Augenhöhe“ ist schon vorbei.

  13. Artur
    Danke für Ihre Übersetzung.

    In Bezug auf die neuen „Geschichtsschreiber“:
    Man muss sich einmal die „Historiker“ genau anschauen. Was für einen Abschluß haben die? „Bachelor of *Arts* Geschichte“. Also im Prinzip einen *künstlerischen* Abschluß. Die „His-Tor-ie wird als Ge-schicht-et (aufschichten) be-richtet. Wenn man die Wörter, dessen Ableitungen und Bedeutungen einmal wirklich auseinander nimmt, wird es einem offenbart.

  14. Damit was Neues aufgehen kann, muss das Bisherige weichen.
    Wie in der Natur (die aber halt perfekt ist u. nicht egoistisch)
    Ist zwar unheimlich, aber trotzdem spannend.
    Zumindest für die, die das (zumindest ein klein wenig) Durchblicken. Die anderen wirds wie ein Schlag aus dem Nichts treffen, wenn sie ihre Könige (inkl. Geld) nackt sehen.
    Um zu überleben werden viele alles und jeden umrennen.

    (darum denke ich, man sollte seinen Vorteil nutzen, gehen, vielleicht sieht man durch die Ferne, was man in der Nähe nicht sehen kann, – was zu einem gewissen Zeitraum auch hilfreich sein kann)

    Lieber Artur,
    Hoffentlich hat Herr Fursow auch Näheres über die „Germanospäre“ geschrieben, und hoffentlich haben Sie Lust und finden Zeit es zu übersetzen.

    Der Artikel gefällt mir sehr gut. Obwohl er nicht wirklich positiv bzw. tröstlich ist, – weil mit „Fristen“ haben sich ja nur Menschen herumzuschlagen, aber nicht die Geschichte.
    Danke fürs Übersetzen.

  15. Hoch geschätzter Artur. Vielen Dank für Ihren Fleiss. Auch Übersetzungen sind Kampf in Worten. Ich spare mir derzeit Ihre aktuellen 2 Übersetzungen für einen tollen Tag mit jeder Menge Kaffee und Schoko auf. Sowas muss man mit Pausen gesamt lesen und sacken lassen. Bitte weiter so und vielen Dank !

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