Lazanski – Einblicke in die NK Realität

Im folgenden ein Interview mit Lazanski, der als einziger Journalist akkreditiert war bei der Militärparade und der Propaganda-Märchen selbst Gesehenes und Erlebtes aus Nord-Korea berichtet. Übersetzt von sloga, (Quelle).

Lazanski in Nordkorea (erster Teil … exklusive bzw. einmalige Informationen für Saker.de-Freunde). Er war der einzige(!) ausländische Journalist, der bei der Militärparade akkreditiert war. Das Interview bei Sputnik mit Tatjana Trikic unmittelbar nach seiner Rückkehr vom achttägigem Besuch (Anmk: übrigens; passt wunderbar zum Artikel [Anm. „Pareto Prinzip“/R]; von wegen: Das Pendant zu oben angeführtem betr. „Gesellschaft zerstören“).

Anmerkung: Ich habe in weiterer Folge ausschließlich das Wort „Freund“ anstatt „Genosse“ verwendet. Aus vielerlei Gründen: 1. Es trifft eher den Kern („Drug Tito“ war vielmehr Freund als Genosse) ; 2. Das Wort „Genosse“ ist vom wertewesten dermaßen besudelt worden …; 3. Im serb. Sprachgebrauch ist es heute noch (bzw. war dies auch vor dem Kommunismus/Sozialismus) durchaus üblich, zu einem Bekannten „drug/druze“ zu sagen, OHNE es gleichzeitig mit Sozialismus in Verbindung zu bringen.

T: Die heutige Sendung findet in einer etwas modifizierten Form statt; statt „Im Fadenkreuz von Lazanski“ – „Lazanski im Fadenkreuz“. Wie Sie im Vorspann schon hören konnten, ist Hr. Lazanski gerade aus Pyöngyang zurückgekehrt, wo er die Exklusive hatte, als einziger ausländischer Journalist an der Parade teilnehmen zu können. Was waren für Sie die stärksten Eindrücke während der acht Tage?

L: Der erste Eindruck stellte sich bereits beim Betreten des Flugzeuges (Air-Korea) ein. Es ist zwar ein Flugzeug älteren Types (Tupolev-204) und die nordkorean. Fluggesellschaft hat zwar eine Genehmigung, um z.B. nach Peking (drei Mal pro Woche) oder Wladiwostok (ein Mal pro Woche) zu fliegen, allerdings nicht für z.B. Moskau, da das Flugzeug sehr laut ist und die strengen Moskauer Kriterien nicht erfüllen kann. Wenn sie also dieses Flugzeug betreten, sehen sich höchste Sauberkeit, hübsche Stewardessen mit weißen Handschuhen oder ein phantastisches Service.

Dann die Ankunft in Pyongyang bei Eiseskälte und Schneefall. Nun könnte man Schneeräumfahrzeuge am Flughafen erwarten; weit gefehlt. Es wird Treibstoff gespart. Soldaten räumen den Schnee mit Schaufeln. Der Flughafen an sich ist sehr modern. Da ich erwartet wurde – Vertreter des NK-Verteidigungsministeriums, ein Fernsehteam und (nennen wir ihn einmal so) „ein wichtiger Freund“ aus den Zentralkomitee) – war die Grenzkontrolle unspektakulär. Dann ging es mit dem Auto in die Stadt. Natürlich sah ich dabei unbeleuchtete Straßen am Stadtrand (Anmk: stromsparende Maßnahmen); allerdings im Zentrum war alles hell beleuchtet. Das Hotel, mit seinen 77 Stockwerken, setzte sich aus zwei Türmen aus Marmor, Glas und Beton zusammen. Auf dem Dach des Gebäudes haben sie ein Restaurant, welches sich im Kreis dreht. Das Hotel kann locker mit westlichen mithalten; mit Sauna, Massage, Nachtbar usw.

Man hat mir immer wieder erzählt, sie würden keine dollar annehmen. Jedoch habe ich festgestellt, dass man sogar in gewöhnlichen Lebensmittelgeschäften, um z.B. Brot, Bier oder Fisch zu kaufen, mit dollar bezahlen kann … oder euro oder chin. Yuan … sie nehmen alle Fremdwährungen.

T: Was war, im Gegensatz zu Ihren Erwartungen, anders, als Sie es sich vorgestellt haben? Wo wurden Sie überrascht?

L: Ich habe mich nicht allzu großartig vorbereitet. Für mich war in erster Linie interessant, ob die „Nachrichten“ und Thesen, die sich durch die wertewesten-Medien ziehen, eine Basis haben, oder nur das Produkt von „spinning“ bzw. Vorurteilen ist.

Erstens haben ich festgestellt, dass der Straßenverkehr funktioniert, als ob es keine Treibstoff-Sanktionen gäbe. Was soviel heißt wie, dass sowohl Russen als auch Chinesen Treibstoff „durchlassen“. Ein Diplomat hat mir erzählt, dass sie eine alte/lange bestehende Pipeline aus China hätten, über die täglich rd. 50.000 t Treibstoff kommen. Benzin ist also vorhanden. Autobusse fahren regelmäßig. Die Straßenbahn ist – wie unsere in Belgrad – tschechischen Ursprungs. Die Strom betriebenen Busse sind Gelenksbusse; der Innenraum der Busse wird beheizt. Die Leute warten bei Haltestellen geordnet (nicht wie bei uns … dort weiß man ganz genau, welche Tür für den Einstieg und welche für den Ausstieg ist).

Die Straßen sind „klinisch“ sauber; kein einziges Papierchen – ganz zu Schweigen von: Plastiktüten, Plastikflaschen o. ä.). Die Verkehrs-Politessen sind sehr interessant. Selbst wenn gerade keine Fahrzeuge in die Kreuzung fahren wollen, wenden sie sich in bestimmten Intervallen, um für die andere Fahrtrichtung „frei Fahrt“ zu geben (Anmk: so etwas würde in Serbien in 1.000 Jahren nicht funktionieren … ein Verkehrs-Regler ohne Verkehr würde „schlafen gehen“ oder „Eine rauen“). Dann die Metro. Sie fährt mit 100 Sachen durch die Stadt; zwei große Linien. NK hat seine erste Metro 1967(!) eröffnet. Sie haben z.B. ihr Kulturzentrum, welches doppelt so groß, wie unser Sava-Zentrum ist, in 7 Monate gebaut.

Das Zentrum Pyongyangs – mit seinen Wolkenkratzern – erinnert an Dubai. Das neueste Hotel („Pfeil“ – ein Symbol für ihre Raketen), welches im Sommer fertiggestellt werden wird, wird mit Sicherheit um die 100 – 140 Stockwerke haben.

T: Was unterscheidet Pyongyang von anderen Metropolen?

L: Wenn ich jetzt einschlafen und – sagen wir einmal – in Pyongyang aufwachen würde, dann würde ich die Stadt nur an ihren Menschen erkennen. Alle sind unifiziert; braune oder schwarze Mäntel; keine grellen Farben … und auch keine Blondinen. Keine Blondinen! Die Frauen sind sehr modern angezogen; die Taille betonende Mäntelchen, enge Hosen, Stöckelschuhe … wie gesagt; keine Blondinen dafür aber „natürlich prall gefüllte Lippen“ – kein Silikon. Sie sind sehr elegant gekleidet und äußerst schüchtern. Sie mögen es z. B. nicht, wenn man fotografiert oder aufnehmen möchte, da wenden sie sich oft ab.

T: Haben sie Geschäfte, wo moderne Kleidung für Frauen verkauft wird?

L: Ja. Das sind private Geschäfte. Sie haben in NK einen kleinen privaten Sektor. Ich habe z. B. mehrere Restaurants besucht, die in privater Hand sind. Sie haben Fast-Food, welches auf den Straßen in Kiosken verkauft wird; wie Sandwiches, Kuchen, Brezeln. Die Kioske arbeiten bis 23.00 Uhr. Sie haben sogar Stände, wo Obst verkauft wird. Ich bin in einige private Geschäfte und Kaffeehäuser gegangen. Die Lokale sind vielleicht nicht wie unsere in Belgrad; aber ich habe z.B. eines besucht, welches mit seiner Inneneinrichtung an den Innenraum eines Flugzeuges erinnert (mit runden Fenstern). Die Besitzerin dieses Lokals ist eine ehem. Journalistin, die mich mit meinem Vor- und Nachnamen begrüßte. Ich war geschockt! Ich dachte mir: „Der Geheimdienst wird sie wohl vorbereitet haben“. Allerdings war dem nicht so, denn sie meinte: „Ich habe sie vor ein paar Tagen im Fernsehen gesehen.“

Ich muss an dieser Stelle einfügen: Es hat mich von meiner Ankunft bis zur Abreise ständig ein Fernsehteam begleitete und jeden Abend wurde im NK-Fernsehen ein Beitrag gesendet, was ich gesehen und besucht habe. Ich war ja der einzige ausländische Journalist auf der Parade! Nun fragen sich hier in Belgrad einige, womit ich das verdient hätte?

T: Wieso waren zumindest keine russ. oder chin. Journalisten vor Ort? Das wäre zu erwarten gewesen …

L: Ich bin ebenfalls davon ausgegangen. Allerdings haben die NK-Generäle entschieden … es war ja schließlich eine MILITÄR-Parade … die chin. – und auch die russ. – Journalisten, die in NK akkreditiert sind, sind keine besonderen Militär-Fachleute … weiters haben wir vor Ort „associated-press“ und „united-press“; auch die haben keine Einladung erhalten … ich war der einzige, der für diese Parade eine Akkreditierung bekommen hat … ob andere auf zukünftigen Paraden Einladungen erhalten werden … vermutlich: „Ja“ … diesmal war ich der Einzige. Darüber hat der Generalstab der NK-Armee entschieden.

Sie beobachten sehr genau, wer, was, wann geschrieben hat. Sie wissen, dass ich bereits 1994 geschrieben und meine These damals auch in Japan vertreten habe, dass NK „in 10 Jahren mind. zwei A-Bomben haben wird“. Meine Vorhersage ist in weiterer Folge eingetroffen. Alle Anderen (Anmk: Kollegen) waren skeptisch … alle sprachen von „NK – Steinzeitalter – hungernde Menschen – keine Kleidung vorhanden usw.

NK hat eine Einheit (Einheit 121) für den Syber-Krieg. Die gibt es seit 1998 und sie soll die stärkste auf der Welt sein. Sie sind Weltmeister im Computer-Hacken. Mir erklärten Leute aus militär. Strukturen in Peking (also Chinesen): „Sie sind stärker als wir!“ Weiters; auf ihrem Institut für Atomphysik studieren Studenten aus Frankreich, den vsa und britannien. Atomphysik! Es gibt einen Studentenaustausch. Natürlich ohne Einblick in ihre A-Programme; aber Ausländer studieren in NK.

Weiters; Bildung in NK. Die 10-jährige Grundschule funktioniert nicht wie bei uns. Ab einer bestimmten Stufe, werden die Jugendlichen aufgeteilt: eine Klasse lernt nur Physik, eine andere nur Mathematik oder nur Geographie. Aus der Quantität schöpft man Qualität. Generell ist der Wissenschafts-Sektor extrem gut entwickelt. Außerdem bezahlen sie ihre Wissenschaftler sehr gut. Die Professoren leben alle in den Wolkenkratzern unter sehr guten Bedingungen.

T: Auf der Parade haben sie sich mit einer „Sajkaca“ (Anmk: traditionelle serb. Kopfbedeckung) fotografieren lassen?

L: Eigentlich habe ich die Sajkaca mitgenommen, um sie herzuschenken, ohne vorab genau bestimmt zu haben, wer sie bekommen soll. Da es an dem Tag extrem kalt war (Minus 20) und ich keine Kopfbedeckung mitgenommen habe, habe ich kurzerhand die Sajkaca aufgesetzt. Andererseits wusste ich, dass man mich zu den div. Militär-Attaches setzen wird, die alle militär. Kopfbedeckungen tragen werden. Wieso soll dann „Laza“ ohne Militär-Mütze herumlaufen? Sie glaubten alle, dass ich der Militär-Attache Serbiens wäre. Der nigerianische Attache fragte mich: „Was haben Sie da? Ist das eine Militär-Mütze?“ Ich antwortete: „Das ist eine traditionelle serb. Kopfbedeckung. Militärisch? Wie man es nimmt. Das hängt von der Situation ab …“. Generell hatte die Sajkaca Aufmerksamkeit erregt und wurde im Fernsehen erwähnt.

T: Haben Sie die Sajkaca letztlich verschenkt?

L: Nein! Das ist nun eine „historische Sajkaca“; die einzige, die auf der Parade zum 70-jährigen Jubiläum der NK-Armee war.

Zur Parade: Sie fiel diesmal bescheidener aus als letztes Jahr. Man wollte die Atmosphäre um die olympischen Winterspiele in SK nicht stören. Kim hat ja seine Schwester zu Verhandlungen nach SK gesandt. Sie haben daher absichtlich, vor allem im Bereich der Flugabwehr, ein bescheideneres Programm gefahren. Sie zeigten ihre Systeme mit kurzer Reichweite und von den Raketen: Hwasong-14 und Hwasong-15; ihre tödlichsten Waffen bez. Träger und Reichweite. Dann haben sie noch eine Rakete gezeigt, wo alle um mich herum aufgesprungen sind und ich gesehen habe, wie die Militär-Attaches ihre Blöcke zückten. Zwei Raketen in einem LKW waren so angeordnet, dass wir aus unserer Position heraus nicht sehen konnten, ob es sich um ein Fahrzeug handelt, von welchem aus man die Raketen lancieren kann oder es sich lediglich um ein Transportfahrzeug handelte. Sie ähnelten den russ. Iskander … oder eine Version der ukrain. Rakete „Tacka“ (Anmk: übersetzt: „Punkt“). Als die Parade zu Ende war, habe ich den russ. Militärattache, der neben mir saß, gefragt: „Hr. Oberst! Das sieht mir verdammt nach einer Iskander aus. Habt ihr den NK die legal oder illegal „zugesteckt“?“

T: Das wollte ich als nächstes Fragen. Haben sie eine eigne Militärindustrie, oder …?

L: Sie haben eine ausgezeichnete Militärindustrie! Sie bauen all diese Raketen selbst!

NK produziert Diesel-Lokomotiven, Elektro-Lokomotiven, Waggons, Züge, Metro, Schiffe, Kriegsschiffe (außer den Raketen auf den Kriegsschiffen; die kaufen sie von den Russen), Raketen jeglicher Reichweite (bis Interkontinental) … sie sind extrem stark in der Computer-Industrie … das wissen wir alles nicht. Wo sie schwach sind, ist die Flugzeugindustrie; da hinken sie hinterher. Aber man nicht alles gleichzeitig, gleich gut entwickeln. Sie haben ihren Fokus auf Raketen. Artillerie, Panzerfahrzeuge, Waffen für die Fußtruppen … das alles machen sie selbst.

Nordkorea ist ein seriöser/ernsthafter Staat mit 25 Mio. Einwohnern, wo der Einzelne nicht unbedingt „wunderbar“ – bezogen auf einen gewissen Standard – lebt. Jedoch können sie nicht „wunderbar leben“ und eine A-Bombe haben, bei gleichzeitiger Isolation, die nun schon 50 Jahre andauert. Irgendwo muss „etwas fehlen“. Sie haben sich für die A-Bombe entschieden, um nicht Territorium zu verlieren. Mit der A-Bombe kann ihnen niemand etwas anhaben; nicht einmal die amis.

Ich habe die Parade in meinem Artikel als „Friedensangebot“ bezeichnet. Der „Große Anführer“ – wie er genannt wird – hat seine Macht gezeigt und gleichzeitig den Auftritt von einigen Elementen militär. Macht augenscheinlich reduziert, was sich in diese Richtung deuten lässt. Bisher hat er vier A-Bomben und zwei Hydrogene ausprobiert. Das Programm um Hwasong-15 (mit einer Reichweite von 15.000 km) wurde abgeschlossen. Sechs solcher Projektile sind bei der Parade an mir vorbeigefahren. Wenn sechs vorbeigefahren sind, haben sie mind. noch zwölf in Reserve; das ist schon eine beachtliche Zahl. Übrigens war der „Große Anführer“ auf der Parade rd. 5 – 6 m Luftlinie von uns entfernt. Ich konnte ihn und die „Erste Freundin des Staates“ (seine Ehefrau), die eine sehr schöne Frau ist, sehen. Koreanerinnen sind generell „die schönsten Frauen Asiens“, da sie – im Gegensatz zu Chinesinnen – nicht so zierlich und klein sondern hochgewachsen sind.

T: Man konnte die Schwester von Kim bei den olymp. Spielen sehen. Sie wirkt „a-typisch“, wenn man die – sonst übliche – Berichterstattung in den Medien heranzieht. Sehr charmant, ein schönes Lächeln, gut gekleidet etc.

L: Ich sagte es bereits. Die Damen sind generell sehr gut gekleidet.

T: Sie sei „die Ivanka Trump Nordkoreas“ … „die mächtigste Frau Nordkoreas“ …

L: Ist sie nicht. Das ist die Frau von Kim. Seine Frau wird in der Öffentlichkeit weniger erwähnt … aber sie „teilt das Bett mit ihm“; das ist Macht. Seine Frau ist eine ausgesprochene Schönheit. Ich habe das meinen NK-Begleitern ins Gesicht gesagt: „Bisher haben wir in Serbien „unsere Schwiegertocher Melanie“ angefeuert; nun – als ich das gesehen habe – werden wir eure „Erste Freundin“ anfeuern.“ Sie haben geschmunzelt. Die Nordkoreaner sind übrigens nicht so todernst und verschlossen, wie sie dargestellt werden. Auf den einen oder anderen Scherz unter der Gürtellinie haben sie normal reagiert. Ich dachte, dass sie viel schärfer reagieren würden; aber das war nicht der Fall.

Dann haben sie mir erzählt, wie die NK-Cheerleader (in rot gekleidete Mädchen im Rahmen der Charme-Offensive) bei den Spielen von den Südkoreanern aufgenommen wurden. „Haben Sie den Gesichtsausdruck und die weit geöffneten Augen bei den männl. Südkoreanern bemerkt?“, wurde ich gefragt. Natürlich wurde die Truppe speziell zusammengestellt und besonders ausgewählt.

Wissen Sie, was die NK in der Vergangenheit gemacht haben? Einige Soldaten der amis haben im Korea-Krieg die Seite gewechselt und in weiterer Folge sich in NK niedergelassen; folglich geheiratet und Familien gegründet. Jetzt würde man meinen, die hätten damals die hübschesten Koreanerinnen erhalten. Weit gefehlt! Mein Betreuer meinte: „Wir haben ihnen Japanerinnen und Indonesierinnen besorgt.“ Der Geheimdienst fährt in der Welt herum; kauft ein; Sache erledigt!

T: Die Schwester vom Kim hat den südkor. Präsidenten nach NK eingeladen. Erwarten Sie, dass sich das Verhältnis endlich vom „toten Punkt“ bewegen wird? Wie real ist eine Wiedervereinigung?

L: Ich habe meine Betreuer gefragt, ob sie denn Leibchen mit aufgedrucktem Kim hätten. Sie haben mich verdutzt angesehen. Was für Leibchen? Das kommt nicht in Frage! Sie haben aber Leibchen mit einem Gesamt-Korea. Sie selbst bezeichnen sich auch nicht als Nordkorea; sondern als Korea. So gesehen; eine Vereinigung: „Ja“; nur: unter wessen „Oberbefehl“? Sie sprechen nicht einmal von einer „Rivalität der beiden Korea“. Sie sagen: „Die Elite in Seoul ist eine Marionette.“ Ohne die amis würde der Prozess einer Wiedervereinigung viel schneller vorankommen. Die amis bremsen einen unmittelbaren Kontakt aus.

T: NK verlangt hauptsächlich eine generelle Entfernung des nuklear. Potentials von der korean. Halbinsel. Das scheint mir ziemlich unwahrscheinlich …

L: Aber es ist doch vollkommen logisch. Wenn die amis nuklear. Mittel in Südkorea haben und gleichzeitig verlangen, dass Nordkorea von nuklearen Mitteln Abstand nehmen soll, dann ist der Vorschlag ja offensichtlich logisch. Mein potentieller Gegner hat auf seinem Gebiet A-Bomben und will mir gleichzeitig verbieten, sie überhaupt zu haben. Wo ist da die Logik? Natürlich wird sich NK darauf nicht einlassen. Sie sagen: „Gut! Wir werden uns mit den amis an einen Tisch setzen, um direkt zu verhandeln. Wenn die andere Seite bereit ist, auf nukleare Mittel zu verzichten, werden wir dies ebenfalls tun.“ Nur; die amis werden sich darauf nicht einlassen wollen. Das ist das Problem. Wenn sich diesbez. nur die Südkoreaner fragen würden, würden sich sicherlich ein Weg finden, die Situation in erster Linie zu beruhigen und in weiterer Folge sich wieder zu vereinigen.

Das geht leider nicht. Warum? Was glauben Sie, wie sich die amis in Japan gebärden? Die ami-Japan okkupierenden-Streitkräfte werden nicht vom Pentagon bezahlt; sondern von der Regierung Japans. Einfach alles! Alle 44.000 Mann, ihre Familien, die Bildung der Kinder, jede Kugel, die bei Übungen abgefeuert wird, jeder Liter Öl und Benzin (Anmk: wird in D nicht viel anders sein …). Warum ist das so? Na, weil Japan besiegt worden ist! … „Ihr habt WW2 verloren … jetzt müsst ihr zahlen.“ Wo die amis einmal militär. Eingedrungen sind, wird man sie so schnell nicht los; Ausnahme: nur dort, wo sie militär. geschlagen wurden, wie z.B. Vietnam. Sie auf friedliche Art loszuwerden, ist – eher – sehr schwierig …

T: Zurück zum Besuch. Wie weit gingen die Freiheiten? Fragen, was Sie interessiert, sich frei zu bewegen. Wie weit gingen da die Einschränkungen?

L: Grundsätzlich konnte ich alles fragen. Ich hatte zwei Übersetzer; eine junge Dame und einen Herren vom Komitee, die sich offensichtlich gegenseitig kontrollierten. Alleine bin ich kein einziges Mal herumgegangen. Ich wollte gar nicht. Wozu auch? Die Nordkoreaner können kein Serbisch bzw. großteils kein Englisch. Wie hätte ich kommunizieren sollen oder mir z.B. für die Metro ein Ticket kaufen sollen? Außerdem kenne ich die Stadt nicht …

Ein weiteres Problem ist das Internet. Für die paar Tage habe ich im Hotel über 500 euro an Gebühren bezahlt. Sie bezahlen bereits Gebühren, wenn das Internet-Kabel an ihr Gerät angeschlossen ist; selbst dann, wenn sie gar nicht im Internet sind. Als man mir das am dritten Tag erklärte, habe ich nicht nur das Kabel ausgesteckt, sondern auch meine Geräte komplett vom Strom genommen. Hier läuft das Taxi-Meter erbarmungslos! Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zum Schluss noch Teller waschen müssen, da ich die Rechnung nicht bezahlen kann … Da die Resolution nicht gut genug war, habe ich zwei Photos von einem Postamt aus der Redaktion gesandt: Jedes Photo = 100 euro! Ich konnte jederzeit google verwenden, ob die Einheimischen das können, kann ich Ihnen nicht sagen. Meine Begleiter meinten, dass die Bevölkerung das könnte. Genauso haben sie mir gesagt, dass sie Lokale hätten, was ich ihnen nicht geglaubt habe. Daraufhin sind sie mit mir in einige Lokale gegangen.

Was die Freizügigkeit beim Internet betrifft; dazu kann ich nicht viel sagen. Was ich allerdings gesehen habe, dass Computer in den Schulen massenhaft eingesetzt werden. Konkret: Ich war in einem Ferienlager in Wonsan. Ein wunderschönes Ferienlager für 1.000 Kinder mit einem olymp. Schwimmbecken; einer Basketball-Halle; einer Tennis-Halle; einem Fußball-Stadium, um welches einige unserer 1.Liga-Vereine die Nordkoreaner beneiden müssten. Jedes Klassenzimmer: Computer neben Computer. Sie lernen englisch und russisch als Fremdsprachen. Ich habe gesehen, dass die Kinder offensichtlich – kenne mich diesbez. zu wenig aus – westl. Computerspiele spielen.

Weiters haben sie mir eine Augenklinik gezeigt. Die Klinik ist enorm groß und hat eine Fassade in Form eines menschl. Auges; super-moderne Geräte. Es warten über 100 Menschen auf die Behandlung; alles sehr gesittet. Jetzt könnte man meinen: „Das sind doch alles Potemkische-Dörfer!“ Das kann man nicht alles improvisieren; das war wirklich real. Ich bin sogar in die Behandlungsräume gegangen und habe den Ärzten bei der Behandlung zugesehen. Das Gesundheitswesen ist in NK kostenlos. Im Rahmen der Klinik haben sie sogar ein Geschäft, wo sie sich „bessere Brillen“ kaufen können; allerdings – eine Ray-ban-Sonnenbrille: 400 dollar, was sich vermutlich nicht viele leisten können … ABER: die Möglichkeit so eine Brille zu kaufen, besteht.

T: Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen? Konnten Sie mit gewöhnlichen Menschen kommunizieren ? Für gewöhnlich ist bei solchen Programmen ein Besuch bei einer Familie vorgesehen …

M: Das stand nicht auf dem Plan. Mich interessierte auch viel mehr die militär.-polit. Objekte. Eines vorweg: DIE haben das Programm zusammengestellt; nicht ich. Wie hat das ausgesehen?

Wir haben eine Fabrik besucht und ich konnte mir die Produktionslinie für Elektro-Geräte ansehen; ansehen und aufnehmen; soweit alles in Ordnung. Als sie nun von mir verlangten, sich dieselbe Linie von der anderen Seite anzusehen, habe ich gesagt: „Nein! Das ist doch dasselbe. Wozu?“. Es steht jedoch im Protokoll. Sofort wurde von den Anwesenden ein kleines Krisen-Partei-Kollegium einberufen. Die Direktorin war mit ihren Nerven am Ende und war nahe daran, sich die Haare auszureisen. Dann kam einer von ihnen auf mich zu und flehte mich an:“Freund Lazanski! Ich bitte Sie, flehe Sie an! Bitte gehen sie die Linie ab!“ Dann bin ich sie halt abgegangen …

Nächste Szene: Wir sind auf einem Denkmal in 170 m Höhe und schauen über Pyongyang. Oben weht der Wind wie verrückt bei -20 Grad. Die Direktorin erzählt mir die wichtigsten Details. Nun müssen wir eine VOLLE Runde auf dem Dach gehen. Nach der Hälfte wollte ich abbrechen und in die Innenräume flüchten. Das ging nicht. Ich wurde zurückgehalten, da im Protokoll steht, dass eine volle Runde zu gehen ist.

Nach dem zweiten Tag habe ich es kapiert: „Wenn du dich darauf eingelassen hast, dann musst du es bis zum Ende mitmachen. Lass dich führen und mach keinen Aufstand!“ Man macht den Leuten damit nur Ärger, da sie dann Berichte schreiben müssen, „was denn vorgefallen wäre“ …

Teil 2

T: Sie hatten die Gelegenheit, viele Museen zu besuchen. Haben Sie dabei den Eindruck gewonnen, dass „die Geschichte“ mit der Revolution und der Arbeiterklasse beginnt oder auch Perioden davor behandelt werden?

L: Museum der Revolution, Museum der Arbeiterklasse, Museum des Sieges … ich weiß, ehrlich gesagt, nicht mehr, wie viele Museen ich besuchte. Die haben SOLCHE Museen, dass wir uns bis über beide Ohren zudecken sollten.
Was vorangegangene Perioden betrifft, haben sie den ersten Konflikt mit den amis von 1866, als das ami-Schiff „Sherman“ in den Wonsang-Hafen einfuhr, ausgestellt. Die Betonung liegt natürlich auf dem 15-jährigen Krieg mit Japan, dem 3-jährigen Korea-Krieg und die Vermeidung einer kompletten Okkupation durch die amis; mit Kim-Il Sung an der Spitze.

Im „Museum der Revolution“ haben sie eine Abteilung, die sich ausschließlich mit der Geschichte des atomaren Programms befasst. Vom ersten Versuch bis zur Gegenwart; sehr interessant. Übrigens leitet diese Abteilung die Schwester meines Übersetzers, ständigen Begleiters, „Aufpassers“; wie immer Sie ihn bezeichnen wollen. Ein Mann des Geheimdienstes …

T: … was zu erwarten war …

L: Für mich stellte das kein Problem dar. Im westen ist ebenfalls überall der Geheimdienst anwesend. In NK war es wenigstens offen. Die machen das direkt, während die anderen subtiler vorgehen; im Grunde: kein großer Unterschied.

T: Soweit Sie es sehen konnten: Besteht ein Persönlichkeitskult?

L: Ja. Ich würde ihnen das nicht übel nehmen. Es ist schwierig, zu ihren Seelen vorzudringen; das ist Asien. Ich würde sogar soweit gehen, das NK „ein Asien in Asien“ ist. Was z.B. die Moral betrifft: Sie meinen, dass die Moral keine – durch Lebensumstände und/oder den Lauf der Zeit – veränderbare Kategorie darstellt. Die Moral ist fix und wird über Generationen weiter vermittelt. Aus unserer Sicht betrachtet, ist es ein Personenkult. Sie sehen es aber als Zeichen der Dankbarkeit für ihre Anführer, die ihnen ihre Unabhängigkeit erhalten haben und ihnen ein ruhiges Leben ermöglichen (hohe Standards – hin oder her).

Wir sollten hier nicht boshaft sein. Gerade wir! Hatten wir einen Personenkult? Ja! Hatten ihn die Russen. Ja! Ein Leser meinte: „Sie verneigen sich vor Kim (Anmk: im Sinne von: kriechen).“ WIR haben uns vor Tito verneigt! Auch die Serben! Sind nicht 20 Mio. Jugoslawen nach Titos Tod, in den darauffolgenden Jahren, zu seiner Grabstätte gepilgert? Haben sich die Serben vor Milosevic verbeugt? Verbeugen sich die Japaner vor dem Kaiser? Ja! Verbeugen sich die amis und der westen vor dem dollar? Sie verbeugen sich. Verbeugen wir uns alle vor Gott? Ja! Jeder verbeugt sich vor etwas … der eine verbeugt sich vor seiner Frau … der andere vor etwas anderem. Das ist doch nichts neues.

Natürlich ist es etwas seltsam, wenn sie Gebäude betreten und überall hängen Bilder der beiden (Anmk: Vater und Großvater). Kim Jong-un hat es nicht erlaubt, dass seine Bilder aufgehängt werden. Er will das nicht.

T: So gesehen, haben wir, was Kim Jong-un betrifft, offiziell keinen Personenkult …

L: Jein. Wenn sie die Zeitungen durchsehen … mit dem Platzieren von Photos oder den Kommentaren und Zitaten. Ein gewisser Kult ist da, jedoch wird er von den Einheimischen nicht als solcher gesehen. Jede Nation muss letztlich mit ihren Herausforderungen zu Rande kommen. Das ist etwas, wo sie durch müssen. Was dabei herauskommen wird, ist die große Frage. Ich fürchte mich davor, dass es bei ihnen zu einem radikalen Ereignis kommt, welches eine nationale Tragödie auslösen würde und letztlich in einer „Massen-Vergeltung“ münden könnte. Soweit ich es sehen konnte, sind sie davon überzeugt, dass ihr Weg der einzige und richtige ist.

Zum Thema Moral: Bei meiner Ankunft wollte ich meine Übersetzerin, wie bei uns üblich, drei Mal auf die Wangen küssen (Anmk: der allseits bekannte „Bruderkuss“; in Serbien bei Freunden, Verwandten und sonst nahe stehende Personen üblich … selbstverständlich auch bei „Kontakt“ mit unseren russ. Brüdern … in diesem Fall – typisch Lazanski; Balkan-style – übertrieben und unangebracht). Sie hat es nicht zugelassen. Der Übersetzter/Aufpasser meinte: „Welches Küssen? Bis Du verrückt?“ Bei der Begrüßung verbeugen sich die Einheimischen lediglich. In weiterer Folge habe ich insistiert, Frauen zumindest per Handschlag begrüßen zu dürfen … einer habe ich sogar – ganz im Wiener-Stil – die Hand geküsst … daraufhin haben alle die Augen verdreht und sich gefragt: „Was macht denn der da?“.

T: Im westen wird behauptet, dass NK das am stärksten isolierte Land der Welt wäre. Sie sprachen vom Internet-Zugang. Vermutlich ist es ihnen jedoch verboten, ins Ausland zu fahren …

L: Ist es nicht! Sowohl bei der Hin- als auch Rückreise von Peking aus, waren die Flugzeug voll mit Nordkoreanern. Natürlich haben wir hier zu einem bestimmten Punkt. Sie meine, wenn sie sich zu weit öffnen würden (in Richtung westen, ngos usw), wäre die Möglichkeit eines Landesverrates wesentlich höher. Unter den gegebenen Umständen und dem Kampf betr. Beibehaltung der Souveränität, meinen sie, dass bei ihrer Selbstverteidigung eine begrenzte Bewegungsfreiheit von Ausländern unumgänglich ist. Nach NK kommen sie nicht so leicht.

Andererseits bin ich nahe Wonsong Ski gefahren und habe dabei einige Russen kennengelernt. Ein super modernes Ski-Zentrum; mit einer Art Rolltreppe (wie auf Flughäfen), die sie die Piste hochbringt; oder die Ski-Gondeln: sie sind beheizt; der Ski-Pass funktioniert wie im westen: per Code. Ich habe dort rd. 100 Kinder gesehen, die Eis gelaufen sind und mehrere Hundert, denen das Ski fahren beigebracht wurde. Auf der Piste ist ein Arzt durchgehend anwesend, sollte ein Kind stürzen … Sie haben einen ausgesprochenen Kinder-Kult!!!

T: Können sich das alle leisten? Haben sie Reiche und Arme? Sieht man das?

L: Das kann ich nicht wissen. Was ich weiß, dass eine vierköpfige Familie in einem Fünf-Sterne-Hotel (und DAS war ein Fünf-Sterne-Hotel) mit Skipass, essen, schlafen – also alles zusammen – für eine Woche 70 dollar zahlt. Ob es sich dabei um ihre Elite handelt oder es generell vom Staat diesbez. Subventionen gibt, konnte und wollte ich nicht hinterfragen.

In dem Hotel sehe ich fünf Blondköpfe … elegante Herrschaften … ins Gespräch gekommen: es sind Russen aus Wladiwostok. Sie brauchen mit dem Flugzeug rd. eine Stunde hierher. Auf meine Frage, ob es denn in Wladiwostok keine Ski-Zentren gäbe, meinten sie: „Nicht von dieser Art!“ Dabei ginge es nicht um „Kohle“, sondern Ordnung und Qualität. Die Pisten sind in der Tat in einem hervorragenden Zustand. Die Russen kommen alle 14 Tage und fühlen sich wohl.

Wie gesagt: Wer, wie viel Geld in NK hat/verdient, kann ich nicht sage. Das Leben ist unter den gegebenen Umständen nicht leicht. Ich kenne aus der Weltgeschichte keine Situation, wo ein Land unter ähnlich brutalen Sanktionen war. Allerdings; mit welcher Disziplin und erhobenen Hauptes sie alles bewältigen und unter welchen Umständen der Staat funktioniert: Das ist aller Ehren wert!

Sie „improvisieren“ viel (im Sinne von: schauen, wie man zu den Dingen kommt). So kann man in der Augenklinik medizinische Geräte aus Japan oder in der Kinderklinik Siemens-Geräte finden.

T: Woher kommen das Geld, um die Geräte zu kaufen?

L: Schauen Sie. Das ist kein Geheimnis. In der Grenzregion zu China bestehen ganze Industriezonen, die funktionieren. So werden z.B. Textilien produziert, wo die Chinesen lediglich ihre Markenzeichen aufnähen; das geht dann als Export über die Grenze. Weiters exportieren sie qualitativ hochwertige Steinkohle nach China; außerdem Gold, Zink, Kupfer, Blei.

T: Sie haben sich, wie der engländer sagen würde, ein „self-sufficent“ (Anmk: sich selbst genügendes) Land aufgebaut?

L: Genau das. Die Philosophie von du Che, die als Grundprinzip hat: „Verlasse dich nur auf deine eigenen Stärken; sei es in der Wirtschaft, der Politik oder dem Militär.“ Der Begründer der du Che-Philosphie ist in einer gewissen Weise Kim Il-Sung. Sie waren von Beginn ihres Bestehens an unter Sanktionen. Ihre offizielle Religion ist die „himmlische Moral“. Den Akt einer kirchlichen Trauung kennen sie nicht. Gegenüber anderen Religionen sind sie nicht so rigide, wie es oft dargestellt wird.

T: Folglich sind sie nicht so isoliert, wie es dargestellt wird …

L: Nein, weil sie Chinesen und Russen neben sich haben. Putin hat erklärt, dass man nicht erlauben werde, dass das nordkorean. Volk stirbt. Wenn wir diesbez. von Sanktionen sprechen. Sanktionen treffen immer die breiten Bevölkerungsmassen. Sanktionen treffen niemals die Eliten. Wenn die amis meinen, sie würden das Regime durch Sanktionen stürzen können, dann irren sie gewaltig. Dieses Volk hat sich bereits daran gewöhnt, in bescheidenen Verhältnissen zu leben. Dieses Volk kann sehr viel ertragen. Die Elite wird immer gut leben und sich alles besorgen, was sie benötigt. Diese Grenze wurde noch nicht erfunden, die China oder Russland von NK hermetisch trennen könnte. Da irren die Herrschaften im westen sehr.

T: Welche Vorurteile, die ständig aufkommen, können sie noch entkräften?

L: Alle! 1. Es stimmt nicht, dass sich alle wie Kim die Haare schneiden. 2. Dann die Gerüchte, dass er seinen Onkel und seine Tante umgebracht hätte oder einen Offizier gar töten ließ und den Hunden zum Fraß vorwarf, weil der bei einem Vortrag eingeschlafen wäre.
Ob sie Lager für politische Gefangene haben? Vermutlich; ja. Ich habe sie nicht gesehen. Aber auch wir hatten „Goli Otok“ (Anmk: berüchtigte Insel für polit. Gefangene der SFRJ). Die Russen hatten „ihr Sibirien“. Die Deutschen hatten VOR WW2 Lager für politische Gefangene. Die amis haben Guantanamo.

Generell ist die Demokratie in Asien eine relative Angelegenheit. Der größte Irrglaube des westens ist, zu meinen, die eigene Vorstellung von Demokratie 1 : 1 in Asien anwenden zu können. Das geht nicht; bestes Beispiel: Afghanistan. NK ist ein – sagen wir einmal – vor-demokratische Gesellschaft. Da können sie nicht so einfach hergehen und Axiome einer europ. Demokratie anwenden. Das ist schlichtweg unmöglich. Genauso wollten die amis in Afghanistan einen bürgerlichen Staat schaffen und sind dabei gescheitert.

Was einen Krieg im Fernen Osten anbelangt. Ohne die amis gibt es keinen Krieg auf der korean. Halbinsel. Das Dilemma ist: Können Russen und Chinesen tatsächlich verhindern, dass die amis im Fernen Osten einen Krieg heraufbeschwören. Das ist die große Frage. Wir haben hier aber auch eine weitere, wesentliche Bremse für die amis: der Standpunkt Südkoreas, welches klar gesagt hat: „Ihr könnt ohne unser Einverständnis nicht in einen Krieg mit NK ziehen.“ Die Vergeltung würde SK als erstes zu spüren bekommen. SK und NK werden von sich aus niemals einen Krieg anfangen, nur weil die einen kommunistisch und die anderen kapitalistisch sind. Es ist dasselbe Volk und als solches verstehen sie sich sehr eindringlich. Jetzt ist halt nur die Frage, wie weit die amis hier etwas zu Stande bringen können … jetzt einmal hypothetisch betrachtet … ich glaube, dass im Ernstfall die Japaner die ersten wären, die einen Vergeltungsschlag der Nordkoreaner abbekommen würden und somit für ihre unbeschreiblichen Gräueltaten an der Bevölkerung Nordkoreas während WW2 bezahlen würden. Da ist eine Rechnung noch offen. Was SK betrifft, so meine ich, dass sie auf jeden Fall in erster Linie die ami-Basen in SK zerstören würden.

Allerdings glaube ich, dass die Tatsache, dass der Große Anführer seine Schwester in den Süden geschickt hat, der Anfang einer Entspannung in den Beziehungen sein wird.

T: Vielleicht auch zw. NK und den amis?

L: Das kann ich nicht sagen. Ich hätte vielleicht „unsere Schwiegertochter Melanie“ fragen sollen, ob sie eine Botschaft ihres lieben Gatten für den Großen Anführer hätte, die ich überbringen könnte. Wer weiß, in welcher Mission ich dort war … (Anmk: ein herzhaftes Lachen von beiden; Min. 51:17).

T: Glauben Sie, dass Kim Jong-un gegenüber Trump auf medialer Basis derzeit auf der Siegerstraße ist?

L: Ja. Absolut! Er ist der Sieger dieser Etappe! Er hat eine A-Bombe und eine Rakete mit 13.000 km Reichweite gebaut und lanciert. Dann sagte er: „Nun habe ich mein Atomprogramm zu Ende gebracht und kann jetzt meine liebe Schwester mit einigen Cheerleadern zu Besuch in den Süden schicken.“ Was soll der in washington machen? Er kann nur zusehen …

T: Die Schwester war nur ein paar Meter von Rex Tillerson entfernt und sie haben sich nicht getroffen …

L: Also ich bin mir ziemlich sicher, dass Hr. Rex auf sie aufmerksam wurde … Sie haben sich nicht offiziell getroffen, was nicht heißt, dass sie sich nicht insgeheim trafen. Ich bin überzeugt, dass die Olympiade benutzt wurde, um aus der angespannten Situation auszubrechen. Keiner hat nachgegeben, keiner hat sein Gesicht verloren und gleichzeitig rückte ein Konflikt in weitere Ferne, was für den Weltfrieden an wichtigsten ist.

Konkret auf den Punkt gebracht: Der Große Anführer hat die Etappe gewonnen. Das ist außerdem nicht meine Einschätzung; sondern die von Präsident Putin, der sagte: „Kim Jong-un hat geschafft, was er wollte.“ Er hat NK den Status einer nuklearen Macht erhalten bzw. sogar ausgebaut und den Fakt, dass die amis NK nicht anrühren dürfen, geschaffen.

T: zum Schluss: Was wissen die Nordkoreaner über Serbien?

L: Sie kennen Novak Djokovic. Sie wissen, dass wir im Basketball gut sind. Sie kennen alle Tito. Serbien erleben sie als Jugoslawien. Belgrad kennen sie aus dem Fernsehen als schöne Stadt. Während meines Besuches haben sie sogar ein Spiel unserer Basketball-Nationalmannschaft live im Fernsehen gezeigt! Die Nordkoreaner sind generell verrückt nach Sport.

Was sie uns vorwerfen: Ich habe mit dem stellvertr. Außenminister gesprochen. Wir haben in der Vergangenheit, wenn es um Abstimmungen betr. Menschenrechte in NK ging, entweder den Saal verlassen oder dagegen gestimmt. Beim letzten Mal haben wir gegen NK gestimmt. NK hat den Kosovo nicht anerkannt. Der stellvertr. AM sagte zu mir: „Als die Wahl für die Aufnahme des Kosovo in die UNESCO anstand, haben drei Stimmen den Ausschlag gegeben: Serbien, Syrien und Nordkorea. Ihr hättet nicht gegen uns Stimmen müssen …“

Ich versuchte zu erklären, dass unsere Stimme dabei nicht ins Gewicht fiel, da sich am Ergebnis nicht viel geändert hätte (die Abstimmung war zu eindeutig) und wir uns dabei nur weitere Probleme des wertewestens eingefangen hätten … Er sagte darauf: „Das verstehe ich alles, allerdings gilt in bilateralen Verhältnissen das Prinzip der Reziprozität.“ Es geht hier ums Prinzip.

T: Außerdem haben sowohl Russen als auch Chinesen für Sanktionen gegen NK gestimmt …

L: Nur eines, Kollegin! Jetzt Spaß beiseite. Russen und Chinesen haben für Sanktionen gestimmt, die sie in der Realität nicht einhalten/anwenden. Die würden in kurzer Zeit sterben, wenn ihnen Russen und Chinesen die Hähne abdrehen würden. Woher würde NK Treibstoff erhalten? Sie haben keinen. Wie würde die Infrastruktur funktionieren? Sie haben keine Energieträger.

T: Werden sie erneut nach Nordkorea reisen?

L: Sollte es erneut ein militär. Großveranstaltung geben; warum nicht. Ganz ehrlich, mit hat das Ski fahren sehr gut gefallen. Ein friedliches Land … kein Tohuwabohu … das Fernsehen ist angenehm … es tauchen der Große Anführer und die Erste Freundin und einiges an Sport auf … sie können sich psychisch von allen Verrücktheiten, die wir in unseren Medien täglich lesen können, wunderbar erholen … alles ist klar und vorhersehbar … und sie nennen einen: „Freund aus Serbien“.

20 Gedanken zu „Lazanski – Einblicke in die NK Realität“

  1. In einem Punkt zweifle ich, nämlich was die vermuteten geheimen Gespräche zwischen NK und usppa anlässlich der olympiade angeht.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es diesbezüglich Versuche der amis gegeben hat; mehr noch, ich denke, dass pence so ostentativ abweisend war, weil er abgewiesen wurde.

    Aus Sicht der NKner sind amis nicht Teil der Gemeinschaft der zivilisierten homo sapiens. Darüber hinaus sind die amis keinesfalls Teil einer Lösung sondern das Problem; im übrigen wissen die genau, dass Vereinbarungen mit amis weniger wert sind als gebrauchtes Klopapier.

    Und warum sollten sie auch mit amis verhandeln? Kim hat militärisch den Punkt erreicht, ab dem die amis noch niemals jemanden angegriffen haben, der Atomwaffen hat. Darüberhinaus sind die amis – wenn man mal das bla bla beiseite lässt und die Realität betrachtet – politisch weitgehend bedeutungslos. Ihr einzige Bedeutung in der Region beschränkt sich auf die zahlreichen Militärbasen in sk; diesbezüglich nimmt man im Norden etwas Rücksicht, drängt die süd-Koreaner aber zweifellos zu Souveränität.

    Ich gehe sogar so weit zu vermuten, dass die Wirklichkeit die ist, dass NK in etwa sagt „Befreit euch von dem Schmutz! Wenn nötig, dann helfen wir euch militärisch“.

    Ansonsten gilt: Maßgeblich sind Russland und China.

    1. „Und warum sollten sie auch mit amis verhandeln? “

      Wer heutzutage noch mit den Amis zusammen gesehen wird, riskiert doch vor allem seinen Ruf. Und in Anbetracht dessen, was Verträge mit ihnen wert sind (der sehr treffende Begriff Klopapier ist hier bereits gefallen), wird Kim wohl darauf verzichten, all zu sehr auf die Amis zuzugehen. Mich hat das am meisten gewundert, da ich wirklich zu Beginn der Trump-Ära davon ausging, dass man vorhandenes pro-amerikanisches Potenzial in der NK-Führung (denken wir z.B. an Kims Mickey-Mouse oder Dennis Rodman Momente) dazu nutzen wird, um das Land gegen China zu positionieren. Offenbar war man jedoch in Washington bemüht, lieber das NK-CN Verhältnis zu stärken, NKs Waffenprogramme zu pushen und sich in der Region weiter zu isolieren, sowie global als irrationalen Kriegsfanatiker darzustellen. Vor dem Hintergrund einer möglichen gezielten Demontage der USA auf globaler Ebene durch Trump, macht das sogar Sinn.

      Also warum noch mit den Amis rechnen? Oft fragen sich Leute, warum NK angesichts der Sanktionen nicht auf Kohleverflüssigung setzt (Lazanski irrt ein wenig bei dem Punkt, NK besäße keine Energieträger). Mittlerweile jedoch denke ich, dass man in NK sehr gut weiss, dass die Sanktionen mit der Restlebensdauer des Ami-Imperiums einhergehen und dass es sich einfach nicht mehr lohnt, für diese kurze Zeit noch besonderen Aufwand zu betreiben.

  2. Besten Dank an den Übersetzer für diesen Artikel!

    „So werden z.B. Textilien produziert, wo die Chinesen lediglich ihre Markenzeichen aufnähen; das geht dann als Export über die Grenze.“

    Das ist ein sehr interessanter Punkt: gestern sah ich auf WDR eine durchaus gute Doku (auch das gibt es gelegentlich im deutschen TV, leider die absolute Ausnahme!), in der die Direktorin einer Näherei in Wonsan sagte, die vor Ort hergestellte Ware ginge sogar in die USA, jedoch wegen der Sanktionen immer erst über China. Darum dürfe man auch kein Label „Made in Korea“ auf die Kleidung kleben.

    Die Doku einer koreanischstämmigen Journalistin ist noch für einige Tage auf der Mediathek zu sehen und ich werde sie mir heute nochmal in ruhe ansehen:

    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/doku-am-freitag/video-meine-brueder-und-schwestern-in-nordkorea-100.html

    1. Es gibt auch noch einen 2015 entstandenen, sehr interessanten Film über Nordkorea:
      http://www.bpb.de/mediathek/245969/im-strahl-der-sonne ,
      der von der Bundeszentrale für politische Bildung so beschrieben wird:
      „Der russisch-ukrainische Regisseur Vitaly Mansky hat Zin-mi ein Jahr lang begleitet. Er erhielt dafür zwar eine offizielle Drehgenehmigung, stand aber unter permanenter Kontrolle des Regimes. Das gab ein genaues Skript für den „Dokumentarfilm“ vor, suchte Drehorte und Interviewpartner aus und postierte Aufpasser am Set, die die Szenen dirigierten. Der Staat wollte Propaganda: ein vorbildhaftes Kind in einem musterhaften Umfeld. Doch Mansky ließ die Kamera auch während der sorgsamen Einrichtung der Einstellungen laufen. So dokumentiert der Film in Wirklichkeit eine allgegenwärtige Inszenierung, gewährt aber auch faszinierende Einblicke ins öffentliche Leben in Nordkorea.“
      Laut Abspann handelt es sich um eine tschechische Produktion. Ob die deutsche Fassung des MDR und vor allem der deutsche Kommentar, der von einem Denis Kliewer stammen soll, dem Original entspricht, da habe ich angesichts eines deutlichen Propagandatenors meine Zweifel. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Koreaner so dumm waren, das angeblich heimliche Drehen nicht zu bemerken. Mir scheint eher, dass sie nichts dagegen hatten, auch zu zeigen, *wie* die Dokumentation zustande kam.

      1. „Bundeszentrale für politische Bildung“ und „mdr“ (ein ard Teil) – mehr muss man dazu gar nicht wissen …

        Gibt es eine unzensierte und unverstümmelte Version des genannten Filmes?

      2. Haha..ich liebe es wenn solche Flaschen während der Standard-Touri Tour mit ihrer Handykamera filmen und es hinterher als die einemillionste „Enthüllungsdokumentation“ verkaufen…

        Da war der neulich im WDR gezeigte Film (siehe Link weiter oben) schon aus dem einfachen Grund besser, weil er von einer Koreanerin stammt. Die bekommt schon wegen ihrer Sprache einen ganz anderen Zugang zu den Nordkoreanern und ihren Begleitern und erhält dafür auch richtige Einblicke. Jedenfalls mehr, als das für einen Ausländer möglich je wäre. Denn egal wie man sich gegenüber den Nordkoreanern anstellt – man bleibt immer Ausländer und damit potenziell feindlich. Und was die Heerscharen von „Reportern“ angeht, die dieses Land schon unter Vorgabe von Journalismus besucht, aber hinterher Hass-Propaganda betrieben haben: die sollen sich mal nichts einbilden. Natürlich wissen die nordkoreanischen Guides da sofort bescheid und diese Leute kriegen dann genau das zu sehen, was sie sehen sollen: nämlich garnichts. So musste neulich ein westlicher Qualitätsjournalist mit einem Bericht über seinen Frust übers Hotelpersonal vorlieb nehmen, das seine Email vor dem verschicken erstmal überprüft hat.

        1. Na ja, kommt drauf an. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man durchaus sehr offen mit Koreanern reden kann ohne die „Wand des höflichen Lächelns“. Allerdings braucht das seine Zeit und es kommt sicher auch sehr darauf an, ob man von denen als vertrauenswürdig und als respektvoll (im Gegensatz zum verbreiteten „den Schlitzaugen kann man eh nicht trauen“) wahrgenommen wird.

          Entsprechend erscheinen mir die Unterschiede zwischen dem serbischen „Freund“ Journalisten und irgendeinem Touri oder wertewesten Reporter völlig offensichtlich und selbstverständlich.

          1. Das sowieso. Generell kommen mir die Koreaner -Nord wie Süd- als ziemlich sympathische und lebensfrohe Menschen rüber. Und trinken tun sie anständig, was schonmal Pluspunkte bei mir bringt 🙂

            Wenn man sich also richtig gebahrt, kommt man wohl schon zu einem gewissen Grad in diese Gesellschaft hinein (auch im Norden). Dazu fällt mir das Beispiel von Dresnok ein, einem amerikanischen Überläufer. Der lebte dort bis zuletzt sein Rentnerleben und angelte am Taedong-Fluss mit seinen koreanischen Altersgenossen.

            Am Rande lieber Russophilus, weil es mich interessiert: sie erwähnten, dass sie mal beruflich in Korea waren. Obwohl ich hier ganz fleissig mitlese, hab ich nur eine ungefähre Ahnung von ihrem Beruf (irgendwas mit Elektronik, irgendwas mit Sicherheit). Jedenfalls würde ich gerne mehr über ihre Erfahrungen in Korea lesen!

            1. Da wird’s eng, weil vieles sehr vertraulich war. Offiziell war ich da auf Anforderung der Ost-Asien Niederlassung einer weltweiten Unternehmensberatung (die (Koreaner) waren in Europa irgendwie aufmerksam geworden auf mich). Offiziell und als tatsächlich wesentlichen Teil meiner Aufgaben war ich Berater im Technologie-Bereich. Das deckte so einiges ab, u.a. übrigens Strategie, aber ich hatte den Eindruck, deren Hauptinteresse lag in aller Regel zumindest auch in der Frage „wie ticken die westler? Warum kriegen die geile Technologie hin?“. Mein zweiter und sehr inoffizieller Aufgabenbereich war „Probleme lösen“, was oft etwas von einem Wirtschaftskrimi hatte und manchmal wohl näher am Vorgehen von Diensten lag als an dem, was man gemeinhin so unter Wirtschaft subsumiert. Und es wurde alltäglich uns massiv bestochen; übrigens im westen weitaus mehr als im fernen Osten. So saß ich u.a. mal mit meinen Klienten in einem deutschen Ministerium u.a. mit dem persönlichen „Vertrauten“ des Ministerpräsidenten, wobei ich mit „Vertrauter“ den persönlichen Schmiergeldsammler (öfter mal im 6 stelligen und praktisch nie unter dem 5-stelligen Bereich) des oh so rechtsstaatlichen Landeschefs meine. Ähnliches und im Schnitt noch höherpreisiges erlebte ich persönlich im engsten Umfeld eines Bundesaussenministers. Übrigens sind es ganz wesentlich auch diese Erfahrungen, die mich dem Schwerpunkt Sicherheit im digitalen Bereich näher brachten und weitere Jahre meines Lebens bestimmten. Als Gegner sah ich dabei übrigens schon immer kaum Kriminelle und vor allem staatliche und staatsnahe Akteure. Gegen *die* müssen wir uns schützen; ich kann mich noch gut erinnern wie ich reagierte als die Snowden Geschichte passierte: Kühl und kein bisschen überrascht; mein Interesse war rein technischer Natur (wie genau machen die was genau) und nicht der Umstand als solcher, denn der war mir schon lange als völlig „normal“ bekannt. So, nun miss ich die Kiste aber wieder zu machen.

                1. Was die Korruption bei uns betrifft war mir schon lange klar, dass es hier so läuft- aber danke nochmal für die bestätigende Anekdote! Da sind die in Korea wirklich besser bestellt. Siehe jetzt ganz aktuell der Fall eines Samsung Managers, der sich wegen Korruption vor Gericht verantworten muss. Bei uns undenkbar! Geschweigedenn die Amtsenthebung einer kriminellen Präsidentin wie in SK neulich. Dafür bräuchte es neben einer wachen, kritischen Öffentlichkeit eine halbwegs unabhängige Presse und vor allen Dingen funktionierende rechtstaatliche Strukturen. Fehlt alles bei uns. Ich beneide diese Koreaner!

          2. Bitte, TaxiMan, erst mal ansehen und nicht gleich von vorneherein von Touri und Handykamera reden. Immerhin soll der Regisseur ein russischer Ukrainer sein und die Produktion ist tschechisch, kommt also aus einer Gegend, die vielleicht doch eine andere Einstellung zu Nordkorea hat als die hiesige. Die Koreaner kommen ausführlich und deutlich in ihrer Muttersprache zu Wort, was in deutschen Untertiteln wiedergegeben wird. Ob korrekt, weiß ich nicht, kann mir andereseits aber nicht vorstellen, dass man hier Verfälschungen angesichts der vielen Koreaner in Deutschland riskieren würde. (Ich selber habe meine koreanische Schwiegertocher danach gefragt, aber noch keine Auskunft erhalten.) Anders scheint es sich bei dem aus dem Off gesprochenen Kommentar zu verhalten. Ich fand übrigens die Doku vom Filmischen her gut gelungen, die Gesichter sehr charaktervoll und die Menschen – nicht nur die Kinder – sehr schön.

            1. PS. Der Film ist schon 2015 produziert worden, 1 Jahr lang soll in Nordkorea gedreht worden sein, im Jahr 2014 mehrmals 3 Wochen, wie am Anfang gesagt wird. Das war also gerade zur Zeit des Maidan-Umsturzes in der Ukraine und vor dem derzeitigen Nordkorea-Bashing.

            2. Verzeihen sie mir meine Voreingenommenheit, aber gerade bezüglich NK hab ich schon zuviel gesehen, dass es mich bei Stichworten wie „verstecktes Filmen“ nicht sofort vorsichtig werden liesse. Aber auf ihr Insistieren hin geb ich dem Film jetzt eine Chance 😉

              1. Nordkorea-Bashing gibts in der BRD schon seit eh und jeh, aber spätestens seit den 80ern. Hab heute mal in den Film reingeschaut. Wie ich es schon geahnt habe, kann man den Sprecher kaum ertragen. Aber wie soll es auch anders zu erwarten sein, wenn von der Bundeszentrale für politische Missbildung empfohlen. Wie gesagt: solche Filmemacher kriegen in NK genau das zu sehen, was sie sehen sollen.

                Ohne Kommentar ganz wertvoll, nur wegen der Bilder.

  3. Ich habe ganze Interwieu in Sputnik geschaut. Ich finde super, dass Lazanski versucht Vorurteile abzubauen. Aber Moderatorin habe in unmöglich gefunden. Ihr war wichtiger, welche Frisur Nordkoreaner tragen, als Waffensysteme welche Lazanski an Parade gesehen hat. Sie ist mehrmals in Wort gefallen und Gäst nicht aussprechen gelassen.
    Ich werde ein andere Sendung von Lazanski schauen müssen um genau über Parade zu erfahren.
    Ich wiederhole mich wieder, Lazanski ist ein Waffennkenner aber mehrere seine Analisen sind voll in Hose gegangen. Er kann sehr gut Kraft Verhältnis zwischen verschiedene Armeen definieren, aber politische Entscheidungen kann er nicht nachvollziehen. Deswegen, kann er nicht verstehen, dass Serbe Kriege in 90.er Jahren verloren haben. Er versteht heute nicht, dass Dubrovnik, Zadar, Bihac, Tuzla, Sarajewo… verschont geblieben sind weil JNA würde von Eigene Politiker verraten. Genau wie Kapitulation von Krajina.

    1. Lazanski ist schon zu lange mit Offizieren zusammen, dass er denkt und redet wie ein Offizier. Und wenn er sieht, dass seine Armee stärker ist als feindliche Armee, kann er nicht verstehen, dass er eine Waffenstilstand halten muss. Er kann nicht verstehen, dass seine Politiker in befehlen ein Bergmassiv zu verlassen, welche in Vorteil über Gegner ermöglicht. Er versteht nicht, wie Politik verlogen ist und Politiker bestechlich. Ich habe mehrere seine Analise betreffend Balkan Kriege geschaut und in militärischen liegt er immer richtig aber politisch hat er nichts verstanden. Ich mag ihn, weil er Russen gern hat und Amis verachtet, aber ich nehme in mit Reserve an, weil er in seine Ehrlichkeit Verlogenheit eigenen Politiker übersieht.

    2. @ Zgvaca

      Ich glaube nicht, dass die Moderatorin die Schuld hat, dass man nicht mehr über die Parade erfahren konnte. Eines ist klar: Hätte Lazanski mehr sagen wollen, dann hätte er dies auch getan.

      Man braucht sich ja nur einige Minuten – selbst ohne Sprachkenntnisse – den Beitrag anzusehen, um mit etwas Menschenkenntnis bzw. -erfahrung festzustellen: Im Vergleich zu Lazanski ist Trikic eine „graue Maus“ (im Sinne von: Gesamterscheinung/Persönlichkeit), die sich ihm gegenüber keinesfalls durchsetzen könnte bzw. überhaupt will.

  4. Zwei Bemerkungen zum Beitrag (habe mich im Beitrag mit „Anmerkungen“ zurückgehalten, um den Fluss nicht über Gebühr zu stören).

    1. NK würde ohne Russland und China „sterben“. Lazanski hat die – ich meine auch in D – übliche Redewendung: „Ohne mich würdest du sterben.“ genutzt. Das ist nicht buchstäblich zu verstehen. Gemeint ist eher: „Selbstverständlich wäre man physisch und psychisch stark genug, um als Eremit im Wald zu leben. Nur; ist es erstrebenswert?“

    2. NK hätte keine Energieträger. Ebenfalls nicht buchstäblich gemeint, sondern im Sinne von „unter halbwegs menschenwürdigen Bedingungen, im Bezug auf die Errungenschaften der Menschheit, leben“. Natürlich könnte NK wahrscheinlich ohne Hilfe überleben …

    3. Aber darum geht es mMn überhaupt nicht. Wir haben hier drei Freunde (A, B, C), die gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Da kann durchaus sein, dass A „am meisten leidet“, B „zwar A etwas Geld (Energieträger) zusteckt, aber insgesamt eher passiv ist“ und C „die Situation von A bis zu einem gewissen Grad sogar ausnützt“. Selbst im Falle, dass og. Argumente sogar stimmen, kostet es die drei Freunde nur ein müdes Lächeln, wenn Außenstehende darüber philosophieren. Sie haben ein gemeinsames Ziel. Punkt. War, was, wann, wo mehr oder weniger gemacht hat ist unter Freunden kein Thema. Nebenbei: Ein noch müderes Lächeln, wenn es – psychisch und physisch überlegen – mit div. Rauschkindern (nicht nur amis) spricht …

    Tritt man noch zwei Schritte zurück …

    Wie sieht das Dorf (die Welt) aus? Wir haben anständige Dorfbewohner, die die Oberhand zu gewinnen scheinen. Wir haben die Verrückten (notorische Lügner, Betrüger, Drogendealer, Rausch-Kinder). Dann haben wir noch eine sehr gefährliche Gruppe im Hintergrund: parasitäre Vereine, die die Verrückten unter Kontrolle haben.

    Welche Optionen stehen zur Wahl, um im Dorf halbwegs normale Verhältnisse zu schaffen?

    1. Die Verrückten erschlagen, um die parasitären Vereine ins Leere laufen zu lassen? Eine Option. Aber dann, bitteschön: ALLE Verrückten und Rauschkinder. Da bitte nicht gelten lassen: „Ja, aber ich bin nur süchtig, weil mich DER DA angestiftet hat …“ Da besteht die Gefahr, das die Anständigen selbst unter die Räder kommen. Außerdem: Was macht ein Dorf mit 20 Einwohnern und 100 Häusern für einen Sinn?

    2. Versuchen, dass Dorf gemeinsam gegen die parasitären Vereine zu verteidigen? Kann klappen … muss es nicht. Natürlich wird man dabei Rauschkindern, Lügnern und geistig Behinderten keine geladenen Waffen in die Hand drücken. Aber sie können – unter strenger Aufsicht und gelegentlichen Schlägen auf den Hinterkopf … es geht um Leben und Tod … da ist keine Zeit für „humanes Betreuen“ – Waffen reinigen oder Schützengräben ausheben. Oder jene, die zu nichts zu gebrauchen sind, sollen einfach nur zu Hause bleiben.

    3. Die parasitären Vereine, die die Rauschmittel zur Verfügung stellen, auslöschen? Das wäre die beste Lösung! Nur haben wir hier zwei kleine Probleme:
    a) Haben Sie sich unter den Dorfabschaum gemengt. Wer ist wer? Teilweise werden sie aus niedrigsten, primitivsten persönlichen Beweggründen von vielen dem Dorfabschaum zugehörigen sogar geschützt.
    b) Den parasitären Vereinen (nicht allen, aber doch einigen) sind die Dorfbewohner vollkommen egal. Da könnte es durchaus sein, dass eine Vereinspräsidenten meinten: „Der Abschaum, den wir beherrschen hatte in den letzten Jahrhunderten auch einige lichte Momente, deren Resultate wir (z.B. in geheimen Laboratorien) für unsere Zwecke nutzen könnten (eine Art „Notbremse“). Eines hatten die parasitären Vereine in der Vergangenheit im Überfluss: Zeit, Rauschmittel und jede Menge an Anhängern. Das ist alles vielleicht nicht so einfach …

    Den Kampf gegen die parasitären Vereine kann mMn das Dorf (mit all ihren „Versagern“) nur gemeinsam gewinnen, was unter den gegebenen Umständen „ein Wunschtraum“ sein mag.

  5. Gut die Sichtweise aus einem anderen Winkel zu erhalten,danke Sloga.
    Darüberhinaus sind die vielen kleinen Details vor Orts gerade eine PR für das zukünftige Korea.
    Herr Russophilus setzte schon vor kurzem etwaige Marker zu SK mit ihren KPOP,(KPOP ist bewusst kreiert worden um dem Land Inhalte zu geben!)
    Des deutschen ‚Brüder‘ sitzen in Asien,im täglichen sein gern unterdrückt,doch im Kampf gegen die Besatzung stehen sich alle als eins nebeneinander,beim betrachten vieler Veränderungen durch neue Präsidenten in der Welt,wird auch klar um was und wem es dabei geht….
    Japan hat zeitlich vor den Deutschen sich für die ‚Militarisierung‘ entschieden,hier ist für mich der Ansatzpunkt zu sagen,die bezahlten FREUNDE werden dort bald ganz verschwinden.NK als das klassische böse ist die Zündung dazu.
    China (Asien generell miteinbezogen)kann und wird es nicht dulden sich ständig mit einem Gegenderten idiotenstaat auseinanderzusetzen….
    Die Militarisierung steht eventuell für etliche als eine zurück gewonnene Souveränität vieler Länder.
    Da macht es auch Sinn das Lazanski ein etwas anderes Interview hinlegte bzw. gesteuert …

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