T. Wojewodina – Das Kind des Niedergangs

Ein Text von von Tatjana Wojewodina u.a. vom Starikow blog, übersetzt (und gut ausgesucht!) von unserem Artur (Quelle)

Tatjana Wojewodina, Kolumnistin der Zeitung „Zavtra“ [AdÜ.: Russisch für „Morgen“] und des Blogs N. Starikows

Vor kurzem traf ich eine Kindheitsfreundin. Wir fingen an uns zu erinnern, wer macht jetzt was und wo. Und es stellte sich eine einfache Tatsache heraus, die heute niemanden überrascht: nicht einer unserer Freunde arbeitet in einer Fachrichtung. Dabei nicht mal unbedingt in einer, welche man an einer Hochschule erhält – einfach in irgendeiner konkreten Spezialisierung. Alle sitzen nur irgendwo rum; machen irgendwas, was man auch nur schwer beschreiben kann: Jemand handelt, jemand sitzt im Büro… Es ist fast unmöglich, sich an jemanden zu erinnern, der etwas bestimmtes in seinem Leben gemacht, an sich gearbeitet hätte, ein Meister geworden wäre, Bekanntheit im Berufsumfeld erworben, Schüler aufgenommen hätte – völlig unabhängig davon, ob nun ein Professor oder ein Fräser. So etwas war charakteristisch für die Generation unserer Eltern; wir hingegen – diejenigen, welche heute langsam anfangen in die Rente zu gehen, haben in unserem Leben das und jenes probiert, manche haben dabei sogar richtig Geld verdient, aber niemand wurde ein Professioneller. Diejenigen, die welche wurden, sind eine Seltenheit, eine Ausnahme unter Ausnahmen.

Zu wem sind wir geworden? Zu niemandem.

Ja, unsere Generation wurde von der kapitalistischen Revolution des Jahres 91 entzwei gerissen. Wir haben es vor ihr nicht geschafft, uns endgültig zu formen; danach zerfiel das Leben und man musste anfangen, irgendwie für sein Überleben zu strampeln.

Das Interessante dabei ist jedoch: die Generation unserer Kinder ist in genau der selben Situation! Und das, und jenes, manche haben einen Hochschulabschluss, manche zwei, und manche haben sogar ganze drei; viele sind Postgraduenten irgendwelcher Wissenschaften, aber im Grunde sind sie – niemand. Man kann das ganze Feld absuchen und nichts finden; sie sind das, was früher „Person ohne konkrete Beschäftigung“ genannt wurde.

Interessant, dass zwischen Besitzern verschiedenster Diplome und denjenigen, welche diese nicht haben, keine wirklichen Unterschiede beobachtet werden können.

Das ist nicht nur bei uns so; man findet ein sehr ähnliches Bild in den Ländern, bei denen wir uns daran gewöhnt haben, ein Vorbild an ihnen zu nehmen. Meine ehemaligen italienischen Zimmergenossinnen und, was schlimmer ist, ihre Kinder – sie alle befinden sich in der selben Zwickmühle. Immer nur irgendwelche Fetzen an Arbeit: befristet, unbestimmt, unverständlich, perspektivlos.

Dabei ist alles verständlich: im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts verschwand und verschwindet bis heute der Begriff des Berufs. Jemand verlor seinen Beruf, jemand hat einfach keinen, und letztendlich ist niemand ein Professioneller, sondern ein… was? Na so ein, irgend so ein… Für dieses „so wie ein…“ wurde sogar ein Wort erfunden: das „Prekariat“. Das Wort setzt sich aus zwei zusammen: „proletariat“ und „precarious“. „Precarious“ ist Englisch und bedeutet „unzuverlässig“, „zwielichtig“, „gefährlich“, „waghalsig“, „wankelmütig“, „labil“, „unregelmäßig“, „instabil“ und „unbeständig“.

Solche Arbeiterchen haben wir also, „unverständliche“ und „unzuverlässige“. In der Art solcher, über welche mein Sohn als Besitzer eines kleinen Baugeschäfts oft erzählt. Zuerst bitten sie dich unter Tränen um Geld für die Fahrt zur Arbeit, und sobald sie es haben, verschwinden sie oftmals, manchmal auch nachdem sie irgendwas von den Elektrogeräten mitgehen ließen. Das alles erzählt mein Sohn in humorvollsten Tönen; allerdings ist dieses Thema ein ernstes und keinesfalls lustig.

Soziologen fingen schon in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts an, das Wort „Prekariat“ für die unqualifiziertesten Werktätigen zu benutzen, deren soziale Position wechselhaft und unklar war, etwas in der Art von Saisonarbeitern. Mit den Jahren sind die Instabilität und die Verschwommenheit vorangekrochen und haben heute fast den gesamten Arbeitsmarkt ergriffen.

Über diese Erscheinung wird heute viel gesprochen. Es gibt sogar ein fast schon klassisches Werk von Guy Standing: „Das Prekariat – die neue, gefährliche Klasse“, 2011 veröffentlicht („The Precariat: The New Dangerous Class“).

„Es ist an der Zeit, das Problem des Weltprekariats zu erkennen, und das so schnell es geht. In ihm reift die Unzufriedenheit und Unruhe“, schreibt der Autor.
„Neben den fehlenden Sicherheiten bei Arbeit und beim gesellschaftlichen Einkommen fehlt dem Prekariat die Selbstidentifizierung auf Basis einer Arbeitstätigkeit. Beim Antreten eines Dienstes nehmen diese Menschen eine Funktion ein, welche perspektivlos im Sinne des Karrierewachstums, ohne Tradition eines sozialen Gedächtnisses ist; sie gibt keine Möglichkeit, seine Angehörigkeit zu einer Arbeitsgemeinschaft mit bereits geronnenen Praktiken, sowie ethischen und verhaltensorientierten Normen zu verspüren; sie gibt kein Gefühl eines gegenseitigen Zusammenhalts und der Kameradschaft.“

„In den 1960er Jahren“, schreibt Standing, „konnte der typische Arbeiter, welcher den Arbeitsmarkt in einem industriell entwickelten Land betrat, erwarten, dass er bis zum Renteneintrittsalter seinen Arbeitsgeber vielleicht vier mal wechseln wird. Unter den Bedingungen der genannten Zeit machte es Sinn, sich mit der Firma, in welcher man tätig war, einzulassen. Heutzutage wäre das eine große Dummheit. Heute kann der typische Arbeiter, höchstwahrscheinlich eine Frau, darauf zählen, dass er neun Arbeitgeber wechseln wird, bevor er ein Alter von 30 Jahren erreicht. So groß sind die Ausmaße der Veränderungen, welche die Flexibilität der Menge mit sich trägt.“ Die Flexibilität der Menge bedeutet: sinkt die Arbeitsmenge ein bisschen, kündige ich Angestellte; steigt diese ein wenig, stelle ich ein. Die Wahrheit ist, man kann keinen anständigen Arbeiter einfach mal so einstellen, dafür aber eher einen billigen und wütenden.

Nach den Berechnungen des Autors gehört ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in den sogenannten zivilisierten Ländern zum Prekariat. Marine Le Pen beschreibt in ihrem vor kurzem veröffentlichten Büchlein „Im Namen Frankreichs“, dass ein Drittel der in Frankreich getätigten Arbeit von den Händen eben solcher Arbeitstätigen ausgeführt wird, welche dauerhaft als Vogelfreie leben müssen. Und das sind noch nicht mal besonders viele: in Südkorea, so besagen manche Daten, beträgt der Anteil solcher Menschen 50%.

Das Prekariat leidet an etwas, was Standing die „Vier A’s“ nennt. Das erste „A“ – „anxiety“ – ist die Unruhe aufgrund der Unentschlossenheit. Das zweite „A“ – „alienation“ – das Entfremdungsgefühl wegen der Notwendigkeit, sich nicht mit dem zu beschäftigen, was man möchte. Das dritte „A“ – „anomie“ – die Unmöglichkeit der Selbsterkenntnis wegen des Zerreissens von sozialen Kontakten. Das vierte „A“ – „anger“ – die Wut als Resultat der vorherigen „A’s“.

Wer sind wir? Wozu sind wir?

Die Agitprop-Künstler sagen dazu zuallererst: so muss alles sein. Der Beruf – das ist das vergangene Jahrhundert. Sogar den Kindern wird heute in den Schulen beigebracht: du musst dazu bereit sein, dass du im Leben eine Vielzahl an Berufen haben wirst. Heutzutage wird erwartet, dass man mobil, dynamisch ist; dass man sich mutig den Herausforderungen der Zeit stellt. Nur früher wurden die Sklaven des Systems angepriesen, welche nur zwei Einträge in ihren Arbeitsbüchlein besaßen: „Angenommen durch den Lehrer so-und-so der Schule № dies-und-das (angenommen durch den Schlösser ___ , Briefkasten-№ ___ )“, sowie „gekündigt aufgrund des Rentenantritts“. Heute sind es ganz andere Zeiten! Heute strebt des Mensch andauernd zum Besseren, konkurriert, fügt sich den Anforderungen des Marktes. Kaum trittst du deinen Arbeitplatz an, beginne sofort mit dem Verschicken von Resumés an alle Enden mit der Suche einer neuen Stelle! Für das Schreiben von Resumés gibt es sogar besondere Kurse; das stellt leider auch die einzige professionelle Fertigkeit dar, welche vom Großteil der modernen Arbeitnehmer beherrscht wird. Was denn für eine Loyalität des Betriebes? Das ist das letzte Jahrhundert, eine Rückständigkeit. Heute muss der Mensch sich andauernd auf der Suche nach Arbeit befinden: that’s the market, baby! Ich erinnere mich, wie während der 90er Jahre solch eine Weisheit weit verbreitet war, die als amerikanisch und folglich unantastbar galt: an einem einzigen Arbeitsplatz unter einem Profil und länger als vier Jahre arbeiten darf man nicht. Ansonsten bist du ein Verlierer. Nach vier Jahren hast du schon alles bekommen, was du von dieser Stelle hättest bekommen können. Aber vier Jahre – das ist noch gar nichts. Die Mehrzahl der Arbeitenden, welche in unsere Firma angeworben werden, haben davor an anderen Stelle für ein halbes bis zu anderthalb Jahre gearbeitet. (Bei uns verbleiben sie aber komischerweise länger, was nicht sehr typisch ist.)

„Die Propagierung der Flexibilität lehrt die Menschen, dass Unveränderlichkeit der Feind der Flexibilität ist. Die Erfahrung der Aufklärung sagt uns darüber, dass der Mensch sein Schicksal selbst bestimmen muss, und kein Herrgott oder die Naturmächte. Dem Prekariat wird erzählt, dass er den Anforderungen des Marktes entsprechen und sich andauernd anpassen muss.

Die Verschiebung des Schwerpunkts in Richtung der Zeitarbeit ist ein Symptom des globalen Kapitalismus“, schreibt Standing.

Der Markt als leitendes Weltbild stellt ein gewisses Absolut dar, welches man nicht diskutieren, sondern sich nur bemühen sollte, ihm zu entsprechen. Wer ihm entspricht, für ihn gibt es Respekt und Verehrung; ehrlich gesagt, nur in Worten. Die moderne Welt hat sich überhaupt darauf eingestellt, seine Probleme nur mündlich zu lösen. Man konnte die Migranten nicht integrieren, also erklärte man den Multikulturalismus. Man konnte die Probleme der Schwarzen nicht lösen, benannte sie also in Afroamerikaner um. Alles, was ist, wird als normal und sogar geschätzt dargestellt. Wenn du nicht den neuen Trends entsprichst, bist du ein Loser. Und das Losertum soll versteckt werden, wie eine anrüchige Krankheit.

In der neuen Welt werden alle Probleme mündlich gelöst, durch das Umbenennen unangenehmer Erscheinungen in angenehme oder in wenigstens neutrale.

Was dafür für Begriffe von der globalen Marktwirtschaft geschaffen wurden! Der winzige Händler, welcher aus Hoffnungslosigkeit seinen Stand zwischen den Türen der Markthalle platziert, wird Unternehmer genannt. Den Eintreiber von Lieferscheinen im Lager nennt man einen Manager, wenn nicht sogar einen Senior-Manager. Den intelligenten Schieber, welcher mit Werbeanzeigen zusammen mit Übersetzungen von sonst was über die Runden kommt – einen Freelancer. Viele Beschäftigungen, welche zu früheren Zeiten Teilzeitarbeit während der Freizeit darstellten, haben sich in die einzigen und höchst unsicheren Beschäftigungen von Menschen verwandelt. Zum Beispiel verdienten früher manche Lehrkräfte mit Hausunterricht dazu, aber trotzdem war ihr Hauptwerk das Unterrichten an Schulen und Hochschulen, mit was sie ihre professionelle und soziale Identität verbanden. Heute ist alles anders. Heute hat sich eine Art „Teufelskreis“ etabliert: eine junge Frau büffelt bei einem Nachhilfelehrer Englisch, immatrikuliert triumphierend in irgendeine linguistische Universität, lernt dort fünf Jahre dasselbe Englisch, um dann ebenfalls eine Hauslehrerin zu werden, da ihr keine angemessene Arbeitsstelle blüht.

Das Prekariat hat kein wahrnehmbares Selbstbewusstsein oder wenigstens ein stabiles Selbstgefühl. Wer bin ich? Was ist mein Platz im Leben? Was habe ich für einen Wert und habe ich überhaupt einen Wert, oder bin ich nur Staub, verweht vom Wind? Vielleicht bin ich aber auch ein moderner, ambitionierter Profi von internationalem Niveau: ich habe schließlich diesen Übersetzungsauftrag aus Kanada bekommen… All diese unangenehmen Fragen bleiben in den meisten Fällen unbeantwortet. Oder eher, die Herren des Diskurses geben darauf beruhigende Antworten, welche den Schmerz der Sinnlosigkeit leicht unterdrücken; wie eine Analgin-Tablette gegen Zahnschmerzen.

Und wem diese Tabletten nicht helfen, dem wird ein Wickel helfen.

Das Brand [engl. „bekannte Marke“] – ein Wickel für die Selbsteinschätzung

Ein Brand ist eine relativ langlebige und gut wiedererkennbare Marke einer Ware; aber nicht nur. Das Brand ist ein Schlüsselwort unserer Epoche; heute spricht man von der Schaffung eines persönlichen Brands, also eines Brands aus sich selbst. Es werden Seminare „Die Formierung eines persönlichen Brands“ abgehalten (ich habe, ehrlich gesagt, noch nie an so einem Seminar teilgenommen). Logisch: der Mensch ist selbst schon lange zu einer Ware geworden, warum sollte er dann nicht auch eine Brand-Ware werden? Der moderne Konsument strebt schließlich danach, nur exklusive Markenartikel zu erwerben.

Eine Brand-Ware kostet um ein Vielfaches mehr als ein No-Name-Artikel mit genau den selben Verbrauchs- (und allen anderen) Eigenschaften. In den meisten Fällen werden sie sowieso in ein und der selben Fabrik produziert. Und ihre Komponenten werden erst recht und ohne Zweifel aus ein und dem selben „Fass gegossen“. Nichtsdestotrotz kostet eine Markenware deutlich mehr. Glauben Sie das einer Händlerin mit Erfahrung.

Selbstverständlich verneinen Händler die Gleichheit von Marken- und Nichtmarkenartikeln, allerdings weniger beharrlich, als viel mehr rituell, aus Gewohnheit. Heutzutage finden generell Gespräche viel weniger über die realen physischen Eigenschaften der Waren statt. Wen interessiert schon, ob die Jacke warm hält, wenn so eine Jacke von Dima Bilan [AdÜ.: russischer Popstar] getragen wird? Über die physischen Eigenschaften von Artikeln diskutiert man nur noch im niedersten Bodensatz: darüber spricht man vielleicht noch mit Omas auf Flohmärkten oder in Fußgängerunterleitungen [AdÜ.: in Russland Ort von kleinen, illegalen Marktständen]; die glamouröse Öffentlichkeit braucht jedoch Marken und Prestige.

Heute gibt es immer weniger Werbung, welche sich auf reale Eigenschaften des beworbenen Gegenstands stützt („süß“, „lecker“, „warm“, „schnell“); das ist alles aus dem letzten Jahrhundert. Heute spricht man vom „richtigen Bier“, von der Zukunft, welche „nur von dir abhängt“; also über virtuell-prestigehaltige Gegenstände. Wer mag es schon, das falsche zu trinken oder seine Zukunft nicht im Griff zu haben? Eben! Somit müssen Sie kaufen.

Gerade deshalb ziehen es die Hersteller vor, viel mehr ins Brand zu investieren, als in die eigentliche Ware. Es entsteht so ein Gefühl, dass die Ware selbst sich immer mehr in eine Beigabe zum Brand entwickelt. Erfolgreiche Unternehmer sind solche, welche es geschafft haben, das folgende Schema zu verwirklichen: ein Brand populär machen, und danach dieses verkaufen. Und danach faulenzen. Und das ist auch logisch; eine populäre, starke Marke kostet heutzutage deutlich mehr als die Fabrik, welche die entsprechenden Waren produziert. Die Fabrik, welche irgendwann mal Pfannen und Sonstiges unter der Marke „Teflon“ produzierte, ist schon lange geschlossen, die Firma selbst ist, so scheint es, Bankrott gegangen. Das Brand wurde jedoch verkauft und setzt fort, seinen Besitzern Geld einzubringen.

In heutigen Tagen wird gewissermaßen alles gebrandet; Dinge eingeschlossen, welche an sich eine reine Funktion repräsentieren, wie etwa Wischmops, Toilettenschüsseln oder Kochtöpfe. Nichtsdestotrotz gibt es in diesen Bereichen Favoriten und Außenseiter des Prestiges. Eines Tages habe ich eine glamouröse Dame kennengelernt und sie zu Hause besucht. ALLE Gegenstände im Bad und in der Küche waren bei ihr teuerste Marken. Als sie bemerkte, dass mein Blick an etwas haften geblieben ist, kommentierte sie: „Ich bemühe mich, damit alles, was meine Hände berühren, nur von den besten Marken stammt.“

Der moderne Mensch bezahlt nicht, wenn er kauft, für die Eigenschaften der Ware, sondern für das Plus an Selbstachtung, an Selbstschätzung. Zu gewissen Teilen war das auch früher so, aber heute ist diese Erscheinung angewachsen und global führend.

Warum brauchen die Menschen gerade heute so dringlich Brands?

Es ist ein Surrogat des Respekts. Und Respekt wird vom Menschen sehr benötigt, er braucht ein Gefühl irgendeiner Bedeutung seiner selbst, einen Wert; ohne diesen ist es unerträglich zu leben. Nicht umsonst klären Säufer die ewige Frage: „Respektierst du mich?“ Was der Nüchterne im Sinn hat, hat der Betrunkene auf der Zunge: Respekt braucht jeder, aber während der Nüchternheit redet man nicht darüber.

Wofür sollte man ihn respektieren, diesen unbekannten Bürohocker, dieses Staubkorn im Wind? Und wer sollte ihn respektieren? Er ist doch für alle völlig unbekannt; er lebt in einem kleinen Käfig eines riesigen Wohnblocks, dabei kennt er weder seine Nachbarn, noch die Bewohner seiner Straße, niemanden. Er gehört keiner Wohngemeinschaft an – das ist ein sehr, sehr bekannter Fakt. An seinem Wohnort übernachtet er nur: nicht umsonst nennt man die Viertel von riesigen Wohnblocks „verschlafen“. Er hetzt zur Arbeit, dabei den Verkehrsmitteln einen Teil seiner Kräfte abgebend, und die Arbeit verleiht nur selten einen Hauch an Bewunderung. Für viele, für die überwältigende Mehrheit ist Arbeit etwas zufälliges und zeitlich begrenztes. Er hat auch meistens keine richtige Profession, viel mehr irgendein „finanz-juristisches“ Diplom. Du saßt ein bisschen hier rum, geh jetzt dort hin… Aber man möchte doch respektiert werden, irgendeinem Kreis angehören, einer Gemeinschaft, allerdings nicht irgendeinem Kreis, sondern einem von Geschätzten und Bedeutungsvollen. Damit man respektiert wird…

Und hier kommt das Brand zur Hilfe. Es kommt auf sanften Pfoten, mit dem Aussehen eines Freundes. Wie Alkohol, wie Fluoxetin [AdÜ.: ein Antidepressivum]. „Kaufe X“, flüstert das Brand, „und du wirst respektiert werden“. Und der Mensch kauft. Zuerst fängt selbstverständlich unser Held an, sich selbst mehr zu respektieren, da er den anderen völlig egal ist. „Trotzdem“, flüstert das Brand, „wirst du zum Kreis der Auserwählten gehören, welche ebenfalls X kaufen. Na gut, vielleicht nicht zum Kreis der Auserwählten, aber wenigstens nicht zu dem der Zurückgebliebenen; den Unansehlichen, dem Niedersatz, den Hinterwäldlern. Du bist nicht mehr allein, du gehörst zu uns. Du bist mit denen, die X haben.“

Das gibt Hoffnung. Hoffnung auf was? Na, dass der junge Kerl, welcher X besitzt, in seinem Leben nicht verloren geht. Letztendlich ist alles Coca-Cola. Und Hoffnung, das wissen Sie selbst, kostet viel.

Das alles ist in seiner Natur eine krankhafte Anpassungsreaktion an das Grauen vor einem leeren Leben – sinnlos, ohne Ziel, ohne Selbsterkenntnis.

Deshalb braucht der Mensch das Brand.

Das Prekariat: eine andere Perspektive darauf

Guy Standing, wie auch die Mehrheit der Autoren, betrachtet das Prekariat aus einer, wie soll man sagen, umsichtigen Position: vorausschauend betrachtet wird das Prekariat seiner Meinung nach rebellieren und die bestehende Ordnung in Stücke reißen. Dementsprechend muss die Konzeption eines bedingungslosen Mindesteinkommens realisiert werden, also eine vom Staat garantierte monetäre Beköstigung eines jeden Bürgers. Einfacher gesagt, die Verwandlung der unklaren Fälle der Zeitarbeiter, aber letztendlich dennoch Arbeiter, in vollkommen legale Faulenzer; das direkte Analogon der römischen Proletarier aus der Epoche des Niedergangs, welchen aus der Staatskasse Brot und Spiele bezahlt wurden.

Man darf so einen Ausgang nicht ausschließen: das marxistische Proletariat hat wortwörtlich nichts zu verlieren; sie wurden vom globalistischen Kuchen ausgeschlossen. Aber im Gegensatz zu diesem Proletariat sind die Menschen des Prekariats uneinig, unsolidarisch; sie verstehen die Geschehnisse nicht und und werden andauernd von nebulösen Hoffnungen geleitet: gleich wird mir etwas gelingen, ich werde irgendwo angestellt, werde reich werden… Und sollte ich keine Arbeit finden, selbst schuld, habe ich mich dem Markt also nicht genug angepasst. Diese Klasse wird also wahrscheinlich noch lange keine „Klasse für sich selbst“ sein, um es mit einem marxistischen Terminusi auszudrücken.

Über das Prekariat wird viel aus dem Sozialmitleidsaspekt geschrieben: wie die armen Tröpfe zu leiden haben. So deutet Le Pen im Rahmen aller möglicher Sozialprobleme darauf hin, dass die „Zahl der kurzbefristeten Arbeitsstellen auf 30 % angewachsen ist“. Übrigens ist das keine wirklich gigantische Zahl: in Südkorea, so schreibt Guy Standing in seinem Büchlein, ist die Hälfte aller Beschäftigten in zeitweiligen, „irregulären“ Arbeitsstellen gebunden.

Das Phänomen des Prekariats hat aber auch einen anderen, wichtigen Aspekt. Sie, diese Unglücklichen, sind ein mächtiges Werkzeug zur Degradierung aller Lebensaspekte. Sie sind linksärmige Trottel; nicht aus eigener Schuld, aber ein Faktum bleibt ein Faktum: sie sind Trottel. Dabei füllen diese „professionellen“ Trottel sämtliche Lebensbereiche aus. Der Anspruch der Arbeitsausführung in beliebigen Bereichen sinkt immer mehr, er rollt förmlich bergab.

Heute einen gebildeten Spezialisten und kompetenten Arbeiter zu finden ist ein unglaubliches Glück. Egal mit wem man redet, von der Hausfrau bis zum Unternehmer, alle atmen auf und breiten ihre Hände aus: es ist unmöglich, einen kompetenten Menschen zu finden. Wenn du einen triffst – Glück gehabt; aber allen ist so ein Glück nicht beschieden. Kompetent bei was? Völlig egal: vom Tapezieren bis zum Lehren von Mathematik in der Schule. Der Schuldirektor meiner Tochter ist besorgt: mit keinen Kräften der Welt ist es möglich, einen gekonnten Pädagogen aufzufinden. Dabei sind die Löhne für Lehrer in Moskau recht anständig; das Problem liegt jedoch nicht im Lohn.

Ein Angestellter der Weltraumbranche gab vor kurzem zu: es ist nicht klar, was passieren soll, wenn die Alten sterben, welche noch etwas konnten. Es geht hier nicht um Geld; die Sache ist die, dass der Mensch auf seine Arbeit eingestellt sein muss, und nicht auf das Totschlagen von Zeit am Arbeitsplatz, bis man etwas Besseres findet. Ein Mensch mit bescheidenen Fähigkeiten und einer sogar vernachlässigbaren Vorbildung kann vieles erlernen, wenn er zu einem Resultat strebt und an sein Werk glaubt. Aber um etwas zu erlernen muss man in diese Sache einen Teil seiner Lebenszeit investieren; anders geht es nicht. Es existiert die Vorstellung, dass einen Menschen 10.000 Arbeitsstunden zum Spezialisten machen. Rechnen Sie erst gar nicht nach: das sind fünf Jahre Teilzeitarbeit. Wer kann schon damit angeben? Sogar wenn der Mensch fünf Jahre an einem Arbeitsplatz verbringt (was nicht oft passiert), dabei nach links und rechts Resumés verschickend, wird er dabei gewissenhaft Mühe in seine Arbeit investieren? Höchstwahrscheinlich nicht. So trifft man das auch in der Realität an.

Überhaupt ist die verbreitete Vorstellung „zahle mehr, und der Mensch wird gut arbeiten“ falsch. Der Mensch arbeitet genau so gut, wie er kann. Wenn er nichts kann, wird man auch nichts erreichen, egal wie viel man ihm zahlt.

Von hier aus wird bis zur Gänze klar, warum Bildungsreformen immer solch ein bleiches, und oft auch direkt lachhaftes Aussehen besitzen. Wenn haben wir vor vorzubereiten? Zu welchem Zweck? Ah, einen gebildeten Menschen? Für was – für weltmännisches „Smalltalk“? Würden wir Volkswirtschaftler vorbereiten, könnte man auch klären und entscheiden, wer was lernen soll; so wie das jetzt läuft, ist das unmöglich. Schon aus Prinzip. Es hat keinen Sinn, die Aufgabe zu lösen, wie man gehen soll, wenn man nicht weiß „wohin“?

Ich kann noch mehr sagen. Selbst wenn unsere Schulen, die Hoch- und Mittelschulen, aus unerfindlichen Gründen anfangen würden, hervorragend, wunderbar, besser als alle anderen in der Welt zu unterrichten, würden unsere Schüler trotzdem nichts lernen. Buchstäblich nach dem alten Studentenspruch: „Man gab ihm gute Bildung, aber er nahm sie nicht an.“ Sie werden sie nicht annehmen! Denn sie immatrikulieren und lernen letztendlich für Nichts. Sie lernen einfach so: um ihre glückliche Kindheit zu verlängern, weil die Eltern das so wollten, weil alle es tun, weil man ansonsten zum Wehrdienst abgeholt wird. Aber nicht, um etwas zu erlernen und ES dann zu tun. Sie sehen, wie alles im Leben läuft, wie ihre Eltern und Bekannten arbeiten. Wozu noch zusätzlich lernen, wenn niemand dann nach seinem erlernten Beruf arbeitet? Und letztendlich gibt es sie doch nicht, die Spezialisierung; so steht’s schließlich im Diplom geschrieben. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, man trifft Menschen, welche ihr Wissen lieben und schätzen, aber ich schreibe hier über Massenprozesse.

Nun komme ich zur delikatesten Frage: was soll man nun mit all dem tun?

Ich habe bereits geschrieben, dass wir, unser Land, unser Volk, uns am Anfang großer Umbrüche befinden; sie hängen in der Luft. An der Tagesordnung steht der Übergang vom Zerfall zur Schöpfung, zur Schaffung neuer Werte. Kein Aufteilen von Erdöleinkommen mehr, sondern das Entwickeln einer unserem Volk und Land standesgemäßen fortschrittlichen Industrie und Landwirtschaft. Das war gestern, sagen Sie? Heute herrscht die Ökonomie des Wissens? Nun, was soll’s, Wissen ist Wissen. Allerdings schmiert sich das rückständige Volk morgens nicht Wissen aufs Brot; es bemüht sich immer um Butter und Käse. Wissen wird natürlich trotzdem benötigt; dafür, um im Land die Produktion für all das aufzubauen, was das Volk benötigt. Für solch ein großes Land wie unseres ist das eine vollkommen realistische Aufgabe.

Sobald wir von der Zersetzung und dem Flicken von Löchern zu lebendem Garn, zur Erschaffung und Entwicklung übergehen, wird vor uns in voller Größe das Problem des Kaderdefizits aufragen. Was sage ich da „Defizit“ – ein regelrechter Hunger. Es wird ein sehr, sehr ernstes Problem sein. Dass Kader alles entscheiden ist eine absolute Wahrheit, welche jeder versteht, der sich heute mit einer beliebigen, praktischen Sache beschäftigt. Und jeder, der an eine Sache rangeht, versteht sofort, in was für einer Kaderwüste er sich befindet. Tja… da müssen wir irgendwie raus. Ich werde ein paar wichtige Wege vorzeichnen:

* Mobilisierungswirtschaft: der Staat nimmt sich der beruflichen Vorbereitung aller Gesellschaftsschichten an. Man muss dieses Thema als wichtigste gemeinstaatliche Sache betrachten. Vorbereitet werden müssen Berufe, die man wirklich braucht, und keine Philologen-Politologen. Neun von zehn der „humanitären Spezialisierungen“ müssen eingestellt oder in den Status von Volksuniversitäten für Kultur überführt werden.

* Die Ausbildung verläuft streng auf Staatskosten mit Auszahlen von Stipendien, mit denen man seine Lebenskosten decken kann. Unbedingte Vermittlung nach dem Studium. Es wäre gut, wenn der Mensch beim Einschreiben (ungefähr) wüsste, wohin man ihn schicken wird. Für viele ist die Garantie einer Arbeitsstelle eine große Freude und Erleichterung. Für wie lange muss der Mensch an der Arbeitsstelle nach der Vermittlung verbleiben? Ich finde, nicht weniger als fünf Jahre: in eben diesen fünf Jahren wird der Mensch zum Spezialisten, schlägt Wurzeln in seinem Beruf. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er dort bleiben wird, wohin man ihn geschickt hat.

Es gilt das Prinzip: je besser du lernst, umso bessere Vermittlungen. Es ist interessant, dass dieses Prinzip der Abgängerverteilung an einer Junkerschule in der Erzählung Kuprins [AdÜ.: russischer Schriftsteller] „Die Junker“ beschrieben wird. Das selbe Prinzip galt auch in den 50er Jahren, als mein Vater das Institut [AdÜ.: die Fachhochschule] beendete. Er war ein Musterschüler, und er war priviligiert, seinen Arbeitsplatz aus der kompletten Liste der Vakanzen auswählen zu dürfen, woraufhin er die Kolomensker Maschinenwerkhalle wählte. Alle Studenten waren nach ihren Leistungen rangiert und wählten ihre Arbeitsplätze nach der Reihe der abfallenden Erfolge im Studium. Ich finde, das ist einfach, praktisch und gerecht. Und man muss sagen, dass die Menschen damals genuin lernten; einfach deshalb, weil sie eine klare Perspektive sahen. Meine Eltern erzählten mir, dass diejenigen, welche sich vor der Vermittlung drückten, es regelrecht mit der Miliz zu tun bekommen konnten. Aber innerhalb unseres Bekanntenkreises gab es solche nicht: die Verteilung wurde als Lebensnorm angesehen – wie denn auch sonst?

Interessant, dass heutzutage mal hier, mal da zaghaft angefangen wird, diese Ordnung herzustellen. Ein Freund meiner Tocher, ebenfalls ein Abgänger einer Hochschule, genau wie sie, in Nischni Tagil lebend, hat vor, sich ins pädagogische Insitut einzuschreiben. Die örtliche Verwaltung findet, dass in den Schulen nicht genug Männer vorhanden sind und stimuliert die Immatrikulation von Jungen in pädagogische Studiengänge. Ich kenne nicht alle Bedingungen, weiß aber, dass die Teilnehmer danach fünf Jahre dort abarbeiten müssen, wohin sie geschickt werden. Das alles sind aber nur örtliche Initiativen. Es muss aber zur Norm werden.

Es ist überhaupt an der Zeit, dass das Verreisen in die Ferne durch eine Vermittlung zur Lebensnorm wird; es muss propagandiert, anerzogen, romantisiert, und natürlich auch materiell stimuliert werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass die heutige Generation der jungen Menschen dies mit Enthusiasmus aufnehmen würden. Wir müssen unser Land erschließen, und uns nicht zu ein paar Millionenstädten komprimieren. Offensichtlich, dass man für solche Vorhaben einen Volkswirtschaftsplan braucht. Ich erinnere daran, was ein Plan ist: es sind Aufgaben, Fristen, Ressourcen, Verantwortung, der Zusammenhang mit anderen Plänen. Ein Plan hat nichts mit nationalen Programmen, Straßenkarten oder ähnliches zu tun – das alles ist ein anderes Genre.

* Der Hauptmasse einen mittleren, spezialisierten Schulabschluss.

Wenn heute die Aufgabe zu sein scheint, die Jugend so lange wie möglich mit einem Studium zu beschäftigen, damit sie keinen Unsinn macht und mit irgendwas beschäftigt ist, so wird beim Übergang zur Schöpferwirtschaft im Gegenteil der Beginn der Berufslaufbahn ungefähr schon mit 20, und nicht erst mit 23 Jahren benötigt. Das ist durchaus zu bewerkstelligen, wenn die Menschen in ihrer Mehrheit einen spezialisierten, mittleren Schulabschluss erhalten werden. Was das heißt, habe ich schon oft geschrieben. Einen Hochschulabschluss müssen nur ungefähr 10 Prozent erhalten, aber es muss in diesem Fall wirklich hohe Bildung sein, ausgerichtet auf die Schaffung von neuem Wissen. Alles, was die Verwendung von bereits erworbenen Wissen betrifft, liegt in der Kompetenz der spezialisierten mittleren Bildung. Solche Arbeit gibt es in der Volkswirtschaft immer am meisten.

Es wäre vorteilhaft, wenn man professionelle „Dynastien“ fördern und unterstützen würde; damit würden Kinder die Berufe ihrer Eltern übernehmen und ihr Werk fortführen. Das optimiert die Qualität der Arbeitsvorbereitung enorm. Indem es in einer Atmosphäre eines bestimmten Berufs aufwächst, nimmt das Kind schon von Kindheit an vieles auf, was andere erst viel später mithilfe von Arbeitserfahrung, oder sogar niemals verstehen. Nicht umsonst sagt man, ein guter Arzt ist ein Arzt aus dritter Generation; ähnlich ist es auch bei militärischen und diplomatischen Berufen. Diese Berufe als Neuling zu durchdringen ist nicht sehr einfach.

Nicht umsonst wurden im Mittelalter, und auch später, Berufe vererbt. Geschlossene Berufsgilden, Werkstätten, die Abwesenheit von Konkurrenz half bei der Ausarbeitung von Qualitätsarbeiten, eben dieses Können, welches uns beim Betrachten von antiken Stücken entzückt. Unser Volk hatte diese Erfahrung nie, da die Qualität unserer Arbeit immer niedriger war; unsere unfreiwillig gehetzte, zusammengeknüllte Industrialisierung hat nicht den Massentyp eines gekonnten Arbeiters und Meisters geschaffen (obwohl es sie natürlich gab). Unsere sowjetische Führung verstand dies: von hier stammt auch diese „Fünfjahresplan-Qualität“; sie verstand zwar alles, sorgte sich aber nicht um ein besseres Resultat, und danach ging eh alles den Bach runter. Nun müssen wir nicht nur wieder von Null, sondern von einem großen Minus aus anfangen.

Zurück in die Zukunft?

Ich habe nicht nur einmal geschrieben, dass das Lebenssystem, welches uns beim Verlassen der heutigen Smuta [AdÜ.: „Zeit der Wirren“] und überhaupt beim Verlassen des Kapitalismus erwartet, höchstwahrscheinlich gleichzeitig dem Mittelalter und dem sowjetischen Sozialismus in seinen Hauptaugenmerken ähneln wird. Das Mittelalter zeichnet sein ständischer Gesellschaftsbau aus. Irgendwann erwuchs das Ständesystem aus praktischer Notwendigkeit, als Mittel zur Arbeitsaufteilung. Indem sich die Menschen Aufgaben einer konkreten Art widmeten, erlangten sie in diesen Bereichen Virtuosität. Es dünkt mir, dass so etwas ähnliches auch heute in irgendeiner Form nützlich wäre. Falls wir unser Land aufbauen und einen Schritt nach vorn machen wollen, brauchen wir dringend eine gewisse „Kaderfestigung“ – eine geografische und soziale. Damit das Volk im Ganzen geschickt und produktiv wird, darf es nicht sein, dass die Leute einfach so ohne Hindernisse durchs Leben schweben: heute mache ich dies, morgen das, aber letztendlich – nichts. Natürlich, es gab immer talentierte Menschen, welche die Rahmen ihres Standes, ihrer Klasse und sogar ihres vorbestimmten Schicksals sprengten; für den durchschnittlichen Menschen als absoluten Mehrheitsfall stellt es jedoch eine große Erleichterung dar, nichts ausdenken zu müssen, sondern einfach der vorgezeichneten Linie zu folgen. Für das Volk stellt das ebefalls einen großen Nutzen dar.

Interessanterweise schrieb 1907 der damals bekannte Publizist Michail Menschikow über genau das selbe. Dabei schrieb er unter dem Einfluss von Revolutionseindrücken, seine Gedanken verlassen jedoch den Rahmen der direkten Bösartigkeit des Alltags und richten sich, so scheint mir, an die Zukunft. Ich sage dazu nur so viel: es ist es wert.

„In den Mittelaltern organisierte sich die europäische Gesellschaft organisch, wie ein lebendiger Körper, auf werktätige Weise. Die Gesellschaft war ein Ständesystem, aber die Stände waren keine leeren Titel wie heute, komplett sinnlos, sondern lebendige und standfeste Erscheinungen. Die Stände waren werktätige Professionen, Gilden einer durchaus realen, von allen gebrauchten Arbeit. Die Aristokratie war das Organ der Volksverteidigung und der Verwaltung. Es führte real Krieg. Für den Krieg geboren, starb es auch meistens im Krieg. Der Klerus kontrollierte in der Tat den Volksgeist; der Beweis dazu ist die tiefe Religiosität der damaligen Zeit und der Respekt vor den Heiligen. Die Kaufmänner handelten und taten nichts weiteres; Handwerker tätigten ihr Handwerk, Landwirte ihre Landwirtschaft. Wie ein lebendiger Körper war die Gesellschaft streng auf Organe und Gewebe aufgegliedert; bei aller Unwissenheit und Armut, welche von anderen Gründen abhingen, ermöglichte diese Ordnung das Erblühen einer wundersamen Zivilisation, deren Zerfall wir nun miterleben.

Der Niedergang des Gesellschaftsaufbaus begann vor einer langen Zeit. Vor mehr als hundert Jahren vor der Revolution verwandelten sich die Ritter und Richter in Hofadel; ihre tragische Berufung wurde durch profane Ausschweifungen und Müßiggang ersetzt. Der Klerus verlor seinen Glauben an Gott. Die mittleren Stände, die ihre Arbeit fortsetzten, sonderten eine arbeitslose Gilde von Sophisten ab, welche mit Voltaire und Rousseau als Köpfe die heiligsten Schreine der Gesellschaft anzündeten. Durch die Ablehnung von Arbeit durch solch wichtige Organe, durch die Perversion der Ständefunktionen führte das alles zur Erschöpfung der Schultern der Nation, den Bauern. Das hungrige Gewebe hat die atrophischen Organe aufgesaugt – das ist der eigentliche Sinn der Revolution. Das Volk hat die unnützen Beigaben in sich aufgenommen und versucht nun, diese zu verdauen, um schließlich neue zu schaffen. Passiert nicht das selbe nun bei uns?

Was Russland jetzt retten könnte, ist nicht die Rückkehr zur „alten Ordnung“, welche wir kennen, sondern zur alten Ordnung, welche wir nicht kennen, welche vor langer Zeit existierte. Russland könnte durch einen Gesellschaftsaufbau gerettet werden, welcher sich nach dem Arbeitstypus orientiert. Man muss der Gesellschaft den organischen Aufbau wiedergeben, welchen wir heute verloren haben. Die Arbeitsregierung muss andauernd erneuert und durch ein Arbeitsparlament reguliert werden, also durch eine Versammlung von Arbeitsständevertretern des ganzen Landes. Die unnützen, heutigen Stände, falsch und sinnlos, müssen durch echte Stände, durch berufliche Professionen ersetzt werden; diese Professionen müssen, wie bei Organen und lebendem Gewebe eines Körpers, miteinander verschränkt sein. Die gesamte Bevölkerung muss sich auf die Arbeitsschichten verteilen; alle Berufszweige müssen dabei so unabhängig sein, wie es die Natur eines jeden Berufs erfordert. Anfangen muss man hier mit dem wichtigsten Standbein der Revolution – mit der ständelosen Schule.“

Man muss nicht die Gedanken Menschikows übertrieben wortwörtlich verstehen, wie eine Instruktion. Eine große Wahrheit beinhalten seine Gedankengänge dennoch.

Charles de Gaulle sagte einst: “Stalin ist nicht in der Vergangenheit verblieben – er hat sich in der Zukunft aufgelöst!“ Dasselbe gilt, so scheint mir, auch für die Arbeitsgilden: sie sind nicht Vergangenheit, sie sind eine Sache der Zukunft. In ihnen liegt der Samen zukünftiger Erfolge unseres Volkes. Es ist die Chance, das Prekariat in Werktätige und wahre Könner zu verwandeln.

56 Gedanken zu „T. Wojewodina – Das Kind des Niedergangs“

  1. Dieser Text ist hervorragend. Kann dazu nix sagen, muss ihn noch 3x lesen, um ihn erstmal sacken zu lassen, aber dieser Text geht wie ein Kamel durch das Nadelöhr. Vielen Dank dafür.

  2. Und genau da schließt sich ein Kreis.

    Die kapitalistischen Bonzen haben in ihrer Profitgier die arbeitende Klasse so sehr ausgebeutet und in die Enge getrieben, daß sie gefährlich wird: Das Prekariat, die neue gefährliche Klasse.

    Und was macht man als Bonze, um diese neue Klasse zu zähmen?

    Man lenkt sie ab. Man wirft ihr einen Knochen hin. Man beschäftigt sie.

    Konkret: man siedelt hunderttausendfach kriminelle Ausländer in den Gebieten des Prekariats an, gerne in der Nähe von Kindergärten und Grundschulen, und gibt der Justiz/Polizei Anweisung, diesen Kriminellen weitestgehend freie Hand zu lassen.

    Schon hat man das Problem mit der „gefährlichen Klasse“ gelöst oder zumindest entschärft.

    Denn das Prekariat hat dann so sehr mit diesen „Neubürgern“ und den eingeschleppten Problemen (Vergewaltigung, Schlägereien, etc.) zu tun, daß sie ganz vergessen, sich um ihren eigentlichen Feind zu kümmern.

    Die Bonzen im eigenen Land.

    Der Kampf „Ausländer gegen Deutsche“ ist in Wahrheit ein Kampf „Oben gegen Unten“, denn die Ausländer wurden/werden von den Oberen als Waffe gegen die Unteren verwendet.

    Nix „Flüchtlingskrise“, sondern leidlich gut getarnter Klassenkampf.

    1. @killerbee

      Ist die „Flüchtlingskrise“ gewollt und wenn ja, warum?

      Dazu sind mir bisher folgende Theorien bekannt…

      – Lohndumping-Theorie (Flüchtlinge sollen als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, um so die Löhne für alle Arbeitnehmer zu drücken)

      – Entvölkerungs-Theorie (z.B. Syrien sollen die Leistungsträger (junge, gut ausgebildete, wehrfähige Männer) entzogen werden, um das Land auszubluten)

      – Europa-Zerstörungs-Theorie (Europa soll mit gewaltbereiten Flüchtlingen geflutet werden, um so mit Chaos und Zerstörung Europa als Weltmarktkonkurrent auszuschalten)

      – Klassenkampf-Theorie (Die Flüchtlingsproblematik wird genutzt, um das Volk zu beschäftigen und so vom Aufbegehren gegen die sich verschlechternde soziale Situation abzuhalten)

      Alle diese Theorien haben Stärken und Schwächen, eine zuverlässige Beantwortung der Frage nach dem „Warum“ kann ich da aber nicht erkennen. Könnte sein, könnte auch nicht sein, alles nur Vermutungen, nichts konkretes.

      Konkret lässt sich aber (nicht erst seit gestern) eines feststellen, es geht immer um Geld und Macht.

      Bezüglich Syrien geht es um den Bau einer Pipeline, die das arabische Öl nach Europa transportieren soll und somit gleichzeitig das russische Öl vom Zugang nach Europa abzuschneiden bzw. die Absatzchancen für das russische Öl zu verschlechtern. Was den finanziellen Profit angeht, würden vor allem US-Investoren profitieren, während die Zionisten jubeln, weil Russland geschwächt werden würde. Assad hat nein zu einer solchen Pipeline gesagt, deshalb soll er weg, deshalb der seit Jahren andauernde Krieg in Syrien, der von den, vom CIA und den Saudis aufgebauten und unterstützten Dash-Proxys, geführt wird.

      Wenn wir diese recht konkreten Informationen einmal im Zusammenhang mit der „Europa-Zerstörungs-Theorie“ betrachten, müsste man sich doch die Frage stellen, warum es Sinn machen sollte, den Bau einer Pipeline nach Europa, unter größtem Aufwand und immensen Kosten durchzusetzen, wenn man doch beabsichtigt, Europa zu destabilisieren und zu zerstören. Ein zerstörtes Europa käme doch als zahlender Kunde für das arabische Öl gar nicht mehr in Frage.

      In ähnlicher Weise könnte man versuchen, die anderen Theorien zu überprüfen. Einfach die bekannten Fakten den Theorien gegenüber stellen. Jeder kann das mal für sich selbst versuchen. Auf die Resultate wäre ich wirklich gespannt.

      Herzliche Grüße

      1. @leo

        Jede Theorie ist für sich valide, weil es verschiedene Interessengruppen gibt.

        Der Immobilienmakler, der seine Schrottimmobilien für teuer Geld an den Staat vermieten will, damit er diese für „Flüchtlinge“ nutzen kann, interessiert sich sicher nicht für Pipelines, eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur oder dergleichen, sondern nur für seinen Profit.

        Den Politiker von der CDU interessiert wiederum nicht primär der Profit, sondern daß möglichst viele Kriminelle unter den Ausländern sind, so daß das Volk nach mehr Überwachung plärrt.

        Das junge Mädchen, dessen Gehirn man in der Schule mit allerlei Mist verkorkst hat, will einfach nur helfen und „nicht rechts sein“.

        Es gibt also nicht „DIE Theorie“, die alles erklärt, sondern die Siedlungspolitik bietet für viele verschiedene Menschen aus vielen verschiedenen Gründen einen Benefit.

        Sonst würden sie die Siedlungspolitik nämlich nicht so vehement fordern oder sie zum Teil freiwilllig unterstützen.

        1. „sondern die Siedlungspolitik bietet für viele verschiedene Menschen aus vielen verschiedenen Gründen einen Benefit.“

          Mir scheint, es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, ob das, was heute unter dem Begriff „Mensch“ zusammengefasst wird, nicht auch begrifflich differenziert werden sollte.

          Immerhin ist doch offensichtlich, dass zwischen einem Menschen und jemandem, der profitgierig auf der „füchtlings“ Welle reitet, ganz erhebliche Unterschiede bestehen…

          1. Ja das seh ich auch so.
            @killerbie , sie schreiben hüben wie drüben die bonzen wären die „bösen“ und auf die soll mensch wütend sein.
            Nur ganz ehrlich, wenn diese kriminellen kriminelle sind und hier sogar häuser bekommen pluss den ganzen andeen versorgungskladeradatsch, dann frag ich mich, was sie damit sagen wollen?

            Gib mir hartz4 , ein haus , familiennachzug in (ihr beispiel) spanien und ich nehme, bin ein vorzeigeneubürger, lerne die sprache und bring mich ein wo es nur geht.

            Ich zünde abe keine obdachlosen an, greife die polizei an, oder vergewaltige omas oder jungs im schwimmbad.

            Beide , die bonzen und die ausnutzenden kriminellen unwerten sind es die raus müssen.
            Alle die da aus vorteilsgründen mitspielen, machen sich gemein als un-menschen.

          2. „Mir scheint, es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, ob das, was heute unter dem Begriff zusammengefasst wird, nicht auch begrifflich differenziert werden sollte.“

            Ja, das halte ich auch für eine hervorragende Idee. Und könnte sehr hilfreich sein in dem ganzen Durcheinander im politischen Gespräch, wo man zusehends nur noch aneinander vorbeiredet.

            Gedanken dieser Art habe ich erstmals vor ein paar Jahren kennengelernt, als das Mitglied der russ. Akademie der Wissenschaften Arkady Petrov (und Mitarbeiter) seine Einsichten in Buchform und in seinen Instituten und bei Vortragsreisen veröffentlicht hat.

            Er stellte u.a. – was für mich damals fast eine schockierende Erkenntnis war – fest, dass nicht alles, was mit einer humanoiden Form hienieden herumkreucht und Menschenrechte beansprucht, auch ein Mensch im Sinne des Schöpfers ist. Mit seinem Blick in die feinstofflichen Strukturen unserer Lebenswelt konnte/kann er die Unterschiede zwischen diesen „seelenlosen“ Typen und „wirklichen“ Menschen erkennen…

            Für mich inzwischen ziemlich plausibel, und irgendwie führt es natürlich auch dazu, nicht mehr allzu zimperlich zu sein, wenn es um die ausufernde Plage durch „schutzsuchende Menschen aus VON UNS kaputtgemachten“ Ländern“ (was für eine irre Wortwahl) geht – die mittlerweile, wie ich immer wieder höre, per NGO-finanzierten maritimen Shuttlediensten vor der libyschen Küste abgeholt und nach bella Italia verfrachtet werden.
            Vielleicht hört man ja vielleicht hier bei Gelegenheit etwas Belastbares zu dieser grauenvollen Entwicklung, um nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien aufzusitzen?

        2. Alle oben genannten sind nur Fußsoldaten, die getrieben von ihrer Gier und Dummheit den Völkermord unterstützen und in ihrem Wahnsinn glauben, sie könnten diesen Albtraum überleben, während „nur“ alle anderen abgeschlachtet werden.

          Die Ziele hinter diesem größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte kann man erahnen, wenn man die Strippenzieher erkennt und ihre Äußerungen.

          Als Beispiel sei Soros genannt, der einer der mächtigsten Erfüllungsgehilfen dieses Umvolkungsterrors ist, der sich nicht nur auf Europa begrenzt, sondern ebenfalls in Australien, Kanada und selbst in Ami-Land stattfindet.

          Und so kirre es sich auch anhört: Ziel ist die Auslöschung der weißen Rasse, mit Ausnahme der Wachmannschaften des weltgrößten Freiluft-KZ’s im nahen Osten.

        3. @killerbee

          Ich kann alles was Sie auf meinen Kommentar erwidern unterstreichen, man muss aber aufpassen, sich nicht im Klein, Klein zu verlieren. Wenn es mir gelingt meinem kleinen Bruder einzureden, dass er seine Apfelsine schon gegessen hat (obwohl ich sie ihm schon vorher weggefuttert hatte), habe ich mir einen Vorteil verschafft, aber wen interessiert das (außer meinem kleinen Bruder)? Es geht um die Relevanz, oder anders ausgedrückt, ist eine Interessensgruppe stark genug, um z.B. unser Land ins Chaos zu stürzen.

          Letztlich ging es mir darum, aufzuzeigen, dass man nicht gleich eine Theorie als Tatsache akzeptiert, bloß weil sie auf den ersten Blick plausibel erscheint und um die Beantwortung der Frage, was zum Teufel die Merkel dazu bewogen hat, unsere Grenzen für praktisch ‚Jeden‘ zu öffnen. Das war wirklich ein einschneidendes Ereignis, wofür es einen ganz konkreten Grund geben muss.

          Sicher gibt es da unter vielen Profiteuren z.B. den Vermieter, der seine elenden „Dreckslöcher“ überteuert an „Flüchtlinge“ vermietet und so profitabel auf der „Flüchtlingswelle“ schwimmt, oder den Schleuser, der ebenfalls profitiert oder der Bauunternehmer, der von billiger Arbeitskraft profitiert. Aber all das erklärt nicht die Öffnung der Grenzen, dafür sind diese Interessensgruppen nicht stark genug.

          Stark genug wäre z.B. ein Soros, der, aus welchen Gründen auch immer, Europa destabilisieren will. Dem widerspricht aber die große Politik, die wir z.B. in Syrien beobachten können (Pipelinebau). Auch das Seidenstraßenprojekt macht auf jeden Fall mehr Sinn mit einem intakten Europa (@skogen), wenn man das Ganze unter der Prämisse optimalen Profits betrachtet. Denn das ist das Einzige was sicher ist, es geht um PROFIT.

      2. @leo

        „Wenn wir diese recht konkreten Informationen einmal im Zusammenhang mit der „Europa-Zerstörungs-Theorie“ betrachten, müsste man sich doch die Frage stellen, warum es Sinn machen sollte, den Bau einer Pipeline nach Europa, unter größtem Aufwand und immensen Kosten durchzusetzen, wenn man doch beabsichtigt, Europa zu destabilisieren und zu zerstören.“

        Man kann das „Migrantenproblem“ auch als Plan B sehen.
        Sollten sich Russland und China nicht brechen lassen, sondern sich behaupten und die Seidenstraße 2.0 auf den Weg bringen, werden die jetzt installierten Minen (Migranten) getriggert, d.h. Europa angezündet.

        Werden Russland und China jedoch zu Kreuze kriechen, wird dasAsylantenproblem so schnell gelöst wie es geschaffen wurde.

        Grüße
        skogen

      3. Schließe mich killerbees Komentar zur Validität der verschiedenen Theorien an. Dazu möchte ich aber noch auf die Theorie von der Migration als Waffe verweisen (Kelly H. Greenhill) http://www.cornellpress.cornell.edu/book/?GCOI=80140100627270
        Die deutsche Übersezung ist im pööhsen Kopp-Verlag erschienen. Das würde auch mit dem nächstn Artikel korrespondieren. Migration wird als waffe eingesetzt, um die Deutschen auszurotten, die allerdings wehren sich nicht, ja erkennen den Sachverhalt noch nicht einmal.

    2. @ killerbee

      „Nix „Flüchtlingskrise“, sondern leidlich gut getarnter Klassenkampf.“

      ! ! ! S U P E R ! ! !

      (Natürlich nur so lange, bis die Dschihad-App klingelt und die geheimen Gladio-Waffenlager für die „ausländischen Fachkräfte“ geöffnet werden, der Sturm losbricht und wir Aleppo in Hamburg erleben werden. Was hoffentlich nie passieren wird.)

      1. Ich finde, die Flüchtlingsunterkünfte, wo sich also größere Mengen an potentiellen Kämpfern (Jungfrauenspekulanten) aufhalten, müssten permanent beobachtet werden. Sobald sich eine gewisse Anzahl von Männern gemeinsam zu einem bestimmten ziel aufmacht, gäbe es Alarm. In dieser Phase, also kurz bevor die feindlichen Gruppen ihre Waffen ausgehändigt bekommen, genügt ein rascher und harter SEK-Einsatz. Der ist überall in kurzer Zeit möglich. Die Frage ist: Wer beobachtet?

    3. „Die Bonzen im eigenen Land.“

      Das ist nun wieder sehr Pauschal. (Kann es gute „Bonzen“ geben?)
      Meinen sie nach Storfer, Tucholski oder einen Mix aus beiden.

      Leben wir jetzt wieder in einer Bonzokratie ?

      Kritik.
      Die Flüchtlingskrise als Klassenkampf über Niedriglohn?
      Halte ich so für nicht haltbar. Zudem bekannt ist, Zitat, Klaudia Roth, „die Flüchtlinge sind überwiegend (mehr als 90%) für die Wirtschaft nicht verwertbar.“
      Was aber, meiner Meinung nach, sicher kommen wird, muss, ist eine Revision des Sozialstaates und wie die aussieht, kann man sich aufgrund sprudelnder Steuerkassen (Wegezoll/Maut) vorstellen.
      Ob sich dann die Unterschicht gegnseitig das Leben schwer macht? Fragwürdig. Aber dass die Terroristen der Unterschicht aufmischen, das halte ich für wahrscheinlich.

      Eigentlich gehört die BRD vom Konstrukt her Reformiert oder gänzlich eingestampft, sie ist nicht mehr Zeitgemäß, nur das wird keiner wagen.

      Das alles ist Spekulativ. Aber, das Spekulative ist der Intransparents der Bundesregierung geschuldet. Eine Regierung die dermaßen verschleiert ist Schuldig und nicht glaubwürdig.

  3. Danke an Artur!

    Ein Text einer respektvollen Gemeinschaft.
    Arbeit und Mühe – Entwicklung – als Teil des Glücks.
    Leben, Wachsen und Kooperieren.

    Wir aber sind eingehüllt in Lügen, Ängsten, Dummheit, Versprechen, Seifenblasen, „Profit“.
    Im Krieg höhnischer Gieriger.

    Hinweg damit!

  4. wird vor uns in voller Größe das Problem des Kaderdefizits aufragen. Was sage ich da „Defizit“ – ein regelrechter Hunger.

    So ist es… wobei ich unter Kader auch ausgewiesene Handwerksmeister verstehe.

    Dieses Problem besteht nicht nur in Russland sondern findet sich auch, in schon apokalyptischem Ausmass in Brasilien.

    Da müssen handwerkliche Spezialisten und sonstige Kader in der gesammten Welt zusammen gesucht werden, wenn irgendwo zum Beispiel in Pecem (Ceara) eine Industriezone gegründet werden soll.

    Die einheimischen cearensische Bevölkerung entsprecht voll und ganz dem Artikel und kann allenfalls fürs grobe bauliche verwendet werden.

    Es ist wie der Artikel beschreibt. Wenn nicht bald etwas einschneidendes in der beruflichen Qualifikation der Menschen geschied, dann werden wir wohl heftige Rückschritte in allen Richtungen erleben.

  5. Dieses Phänomen gibt es nicht nur in Russland sondern weltweit.
    Deutschland ist da keine Ausnahme. Schon die Kinder werden systematisch verdummt. Das Handy bzw. smartphon mit flinken Fingern zu bedienen, dass können sie . Ich sehe sie jeden Tag zur Schule gehen. Die registrieren nix, entweder haben sie einen Knopf im Ohr oder sie trampeln mit Handy vor sich haltend zur Schule. Weiters habe ich Abiturienten kennengelernt, wo man sich fragt, wie sie das geschafft haben.
    Auch in der Arbeitswelt herrscht vielerorts Leih und Zeitarbeit, dass man auch als modernes Sklaventum bezeichnen kann. Hinzu kommt noch das suggerieren einer Party und Spassgesellschaft. Kurzum, man kennt Menschen, die eine Arbeit bekommen und nach 3 Wochen die Fliege machen, weil sie es entweder nicht schaffen oder arbeitsentwöhnt sind. Viele finden sich dann in Hartz IV wieder und gewöhnen sich daran. Auch Deutschland verblödet immer mehr und als Ablenkung gibt es TV-Verdummungsserien ,Fußballturniere und Vereinsdeppen ohne Ende. Komisch ist daran nur: Es funktioniert !

  6. Ein aussergewöhnlicher und wertvoller Beitrag, dem ich vollkommen zustimme.
    Ich bin davon überzeugt, das der genannte Weg der richtige ist um viele Dinge, -und auch echte Probleme, -zu lösen.
    Was mich, verwundert ist, dass man vielleicht das grösste Problem sieht, aber es in seiner Kernfrage nicht lösen kann.
    Natürlich braucht der Mensch eine Identität, (ICH).
    Diese, ohne Zweifel liegt im Bereich der Generationserfahrungen, (Grosseltern, Eltern, Kinder, usw., auf
    allen Ebenen).
    Man spricht von der organischen Natur der menschlichen ökonomie des Nützlichen für die Menschheit.
    Der Notwendigkeit in dieser, -um mit ihr, in die Zukunft zu fliessen…
    Welche Zukunft?
    Die der Menschheit?
    Offensichtlich.
    Da haben wir einen ziemlich statischen Punkt, -nicht einen unveränderlichen, aber ser soliden.
    Könnte über vier Milliarden Jahre weiter auf diesem Planeten leben.
    Was ist es denn, was diese organische Ökonomie in etwas giftiges für die Menschheit verwandelte?
    Die Laxitud der Erziehung?
    Sicherlich nicht.
    Diese ist das Resultat einer faktischen Spaltung des Begriffs Ökonomie.
    Das „Organische“ trat in Konkurrenz mit der „Idee“.
    Diese „magna idea“ eines ICH, das nie und nimmer erkannte von der organischen Ökonomie ernährt zu werden, und diese bekämpfe, in allen Fronten, eines stumpfsinnigen Autismus wegen, der glaubte das ICH nicht organischer Natur ist, produzierte ein „modernes Konstrukt“ von Ökonomie.
    Das Wertsystem, vollkommen inorganischer Natur und einfach nicht geeignet der Menschheit nürtzlich zu sein.
    Diese systemische Strukturierung die die Ewigkeit anstrebt, kann einer freien und glücklichen Menschheit nur Kriege, Hunger und Armut gewähren.
    „Ewige“ Konkurrenz, bis der Mensch ausstirbt, -und mit ihm, das systemische Denken.
    Wir sind organischer Natur und müssen uns organisch organisieren wenn wir überleben wollen.
    Natürlich hat das auch mit Erziehung zu tun, aber diese kann ihr „wohin“ nur finden wenn sie in eine organische Ökonomie einfliessen will.
    Staaten, wie wir sie heuten kennen, werden nicht überleben können.
    Nationen waren immer organischer Natur.

  7. Seht interessant, etwas langatmig. Danke für die Mühe.
    Wer sich für das Thema echter Wert schöpfender Arbeit interessiert, jenseits von UBER und vergleichbaren Dreck, kann ich
    Matthew B. Crawford
    „ich schraube, also bin ich“
    Vom Glück, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen
    höchstens empfehlen.
    Ein Think-Tank Leiter, repariert zum Lebensunterhalt Motorräder, und wird intellektuell damit mehr gefordert als in seiner alten Arbeit. Es gibt ein schönes Bild, was wir von den Think-Tanks halten können, und all den Sesselwärmern, die da für uns denken, und umgekehrt gibt es uns ein Bild wie leicht es ist, auf der Klaviatur der Bequemlichkeit spielend, das Individuum zur Bestandteil einer willenlosen und formbaren Masse zu machen.
    Jeder Staat, dem wirklich was an seinen Bürgern liegt, und der sie als seine Stützen betrachtet, würde Wert darauf legen, dass jeder seiner Bürger eine „Meisterschaft“ in etwas erlangt.

    1. „Jeder Staat, dem wirklich was an seinen Bürgern liegt, und der sie als seine Stützen betrachtet, würde Wert darauf legen, dass jeder seiner Bürger eine „Meisterschaft“ in etwas erlangt.“

      Leider ist für die meisten Erdbewohner ein solcher Staat (noch) Utopie. Die beobachtbare Realität zeigt das leider nur all zu deutlich…
      Wir alle werden leider immer noch nur als bald überflüssiger Produktionsfaktor wahrgenommen.

  8. Eine tiefe Analyse und zukunftsweisende Analyse.
    Danke, Artur, für die gute Arbeit!
    Im Deutschen gibt es die schönen Worte Beruf und Berufung.
    Um ein erfülltes Leben führen zu können, ist es für den Einzelnen wichtig zu erkunden, wohin ruft es ihn ruft. Und diesem Ruf zu folgen.

    Heute haben wir Jobs. Und Karriere. Noch vor dreißig Jahren waren diese Worte den Deutschen [wesens]fremd.
    Zu Job und Karriere bekommen die Bessergestellten:
    Mein Haus, mein Auto, mein Boot – alles selbstverständlich erstklassige Marken.
    Der Rest bekommt das Existenzminimum.
    Aber alle bekommen [Ver]Bildung, Hellywood, Trash-TV, Lügenmedien, Chemtrails, Political Correctness, Sex hoch drei– und jede Menge Streß umsonst dazu.

    Es braucht eine umfassende gesellschaftliche Umgestaltung.
    Dazu ist eine Rückbesinnung auf die geistigen Werte und spirituellen Gesetze unbedingt notwendig. Wir sind inmitten des Prozesses, der in diese Richtung geht.
    Der Artikel von T. Wojewodina ist ein Teil davon – mit guten Ideen für eine nachhaltige Umgestaltung.

  9. Bei n24 sitzt ein brandmeister, der sagt; das WTC musste einstürzen weil betonplatten auf stahlträgern lagen. Vor allem wenn ein flugzeug teinfliegt.
    Das wäre beim hochhaus in london anders.

    Sagt ein „brandmeister“,
    Nicht zu fassen.
    Kotz

  10. Erst einmal herzlichen Dank an Artur für das Auffinden des Artikels und seine Übersetzungsmühen. Wo wären wir, ohne die Möglichkeit, uns über russische Quellen austauschen zu können.
    Was den Artikel selbst betrifft, so sehe ich ihn als eine Art Zweiteiler, in dem die Schilderung der subjektiven Wahrnehmung ihrer Umwelt durch die Autorin, ein interessantes und authentisches Zeitdokument hat entstehen lassen. Ich denke diesen Teil des Artikels sollte man sich in 5, 10 oder 15 Jahren noch einmal vornehmen, um das Entstehen einer dann (hoffentlich) gewandelten Welt nachzuvollziehen.
    Was den zweiten Teil betrifft, d.h. die Analyse und Entwicklung von Handlungsempfehlungen, so begibt sich Tatjana Wojewodina aber vollständig auf das Glatteis des uninformierten Schwadronierens und Rosinenpickens in der Geschichte, der Literatur, der Wirtschaftsplanung und des Schulwesens.
    Geschichtlich betrachtet, will sie selbstverständlich den Staats-Sozialismus des 20. Jahrhunderts nicht zum Ideal stilisieren, denn sie selbst und ihre Leser wissen nur zu gut um dessen Schwächen – oder glauben zumindest es zu wissen. Stattdessen bastelt sie sich eine 700 Jahre aufsummierende Sicht des Mittelalters zusammen, vermischt Soziales, Wirtschaftliches und Politisches, welches weder im mittelalterlichen Russland noch sonst irgendwo jemals nebeneinander existiert hat. Bloß weil das „Mittelalter“ für uns weit zurück liegt, darf man doch nicht das 8te bis 15te Jahrhundert einfach mal in ein willkürliches Standbild zusammenpressen, den Adel des Früh-, die Zünfte des Hoch- die Kirche des Spätmittelalters zusammenrühren, ein wenig frühneuzeitliche Sonnenstaat-Romantik darüber gießen und es mit dem uralten Gleichnis von Staat=Körper garnieren. Zugegeben, die Autorin begeht damit einen Fehler, dem auch viele „gelernte“ Historiker immer wieder aufsitzen, nämlich, bei weitzurückliegenden Epochen, das Vor- und Nachher, die Dynamik der Entwicklung und die Kausalitäten außer Acht zu lassen. Hinzu kommt, dass die von ihr aufgeführten sozialen, wirtschaftliche und politischen Verhältnissen keineswegs ihren Ursprung in einem irgendwie klügeren, weiseren, unverdorbenen, organisch-fühlenden Menschsein haben sondern relativ praktikable Anpassungen an die Umwelt darstellten, besonders an die Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten bestimmte Dinge angesichts der räumlichen Bedingungen und technischen Voraussetzungen zu organisieren. Die frühmittelalterlichen Könige/Kaiser ritten doch nicht von Pfalz zu Pfalz, von Klosterschule zu Klosterschule und verbrachten ihr Leben im Sattel, weil das irgendwie natürlich und organisch war. Es war angesichts der Gegebenheiten die einzig praktikable Form der „Verwaltung“. Der Ritterstand fiel doch nicht einfach von den Bäumen, weil die Menschen damals besonders edel dachten, sondern entsprang einem ziemlich genialen Einfall, wie König unter gegebenen Verhältnissen ein trainiertes und „schnell“ verfügbares Heer aufbauen und in einer Naturalwirtschaft unterhalten konnte. Ohne die Ritter, die ummauerten Flecken (später Burgen) wären die Städte des Hochmittelalters nicht denkbar gewesen, hätten sich nicht in Handelszentren verwandelt – nicht zuletzt im ständigen Kampf gegen „den Adel“ und „den Klerus“ – und hätten sich Gilden und Zünfte auch nicht herausbilden können. Usw., usw. usw.

    Was die Autorin über die Rückkehr zu gewissen Methoden und Errungenschaften der Zentralplanwirtschaft andeutet ist mMn nicht grundsätzlich falsch aber doch erheblich verallgemeinernd und vereinfachend bis zur Substanzlosigkeit. Auch hier gilt, Rosinenpickerei in einer angeblich organisch-heilen Vergangenheit bringt gar nichts. Sinnvoll wäre an dieser Stelle z.B. die Analyse der konkreten Maßnahmen und Erfolge/Misserfolge der russischen Regierung beim Versuch, den Chaos-Kapitalismus durch staatliche Planung und Lenkung in ein der gesamten Gesellschaft dienliches Wirtschaftsmodell zu überführen, gewesen. Leider tut Tatjana Wojewodina ebendies nicht, sondern ergeht sich in oberflächlichen Andeutungen.

    Was die Ursachen für den Verfall des Bildungswesens angeht, so unterschätzt sie nach meiner Auffassung den Einfluss des Primats der „Pädagogik“ über die fachliche Kompetenz der Lehrenden, der sich seit den 70ern nun schon über mehrere Lehrergenerationen vererbt und verstärkt. Gute Lehrer sind aus meiner Erfahrung Experten auf ihrem Fachgebiet mit einiger praktischer Arbeitserfahrung auf diesem Gebiet (um ihnen die akademischen Flausen auszutreiben) und der Fähigkeit, sich auf die Lernenden und ihre Bedürfnisse einzustellen – keinesfalls Pädagogie-Spezialisten, die mal eben nebenher am aktuellen Geschichts-, Mathe-, Bio- oder Englischlehrbuch abgeprüft wurden.
    Wer darauf zielt, dass Bildung auch angenommen wird, der muss zunächst etwas leisten, nämlich den Schülern/Studenten Orientierung anbieten und deren Neugier wecken. Der sicherste Weg hierzu ist nach meinen Erfahrungen der fächerübergreifende Unterricht, will sagen das Verzahnen der unterschiedlichen Fachgebiete, die es dem Lernenden ermöglicht das Studienobjekt Welt zeitnah aus unterschiedlichen Perspektiven (Geschichte, Mathe, Bio, Sprachen, Physik, Sozialkunde/PW, etc.) zu begreifen. So erzeugt man Motivation für den Bildungserwerb und nicht durch den Wunsch nach guten Noten oder nach der sicheren gutbezahlten Stellung.

    Dass ebenfalls einige Bildungsmethoden aus sozialistischer Zeit es wert sind, wiederbelebt zu werden, darin gebe ich der Autorin Recht. Der 2-3-5-jährige Sozialdienst, währenddessen der Absolvent gleichsam die Kosten des staatlich finanzierten Studiums an die Gesellschaft zurückzahlt, gehört ebenso dazu, wie die Kombination von Universitätsstudium und betrieblicher Ausbildung – 2 Tage Uni, 3 Tage Betrieb erwiesen sich hier als erfolgreicher Rhythmus. Beide Maßnahmen erfordern jedoch auch eine durchdachte Planung, Erfolgsrechnung und kontinuierliche Anpassung/Verbesserung, um wiederum das Entstehen einer erdrückenden Bildungsbürokratie zu verhindern. Nicht ganz einfach, aber machbar.

    Was die „Vererbung“ von Berufen angeht, nun da ist sicherlich etwas dran, aber auch wieder nicht. Zweifelsfrei nimmt das Kind des Soldaten, Tischlers, Buchhalters, Taxifahrers viel praktisches Wissen über den Beruf der Eltern gleichsam mit der Muttermilch auf, welches andere erst mühsam und langwierig erlernen müssen. Auf der anderen Seite aber stehen Nepotismus und Fachblindheit, die Fortschritt verhindern.
    Man betrachte einmal den Beruf des niedergelassenen Arztes, in dem Vererbung weitgehend realisiert ist oder etwa das Auswärtige Amt in Deutschland, dass seit Generationen von den degenerierten Sprösslingen früherer Diplomaten, die mit dem allzu großen Selbstverständnis der „elitären Berufung“ ausgestattet waren, systematisch in einen ineffizienten und selbstherrlichen Sauhaufen verwandelt wurde. Ich stelle dem mal folgende Überlegung entgegen: Fortschritt ist nur durch Dilettantismus möglich, nicht durch Spezialistentum.

    Insoweit wir nicht die Absicht haben, durch vollständige Zerstörung unserer Welt wieder frühmittelalterliche Lebens-, Transport- und Gesellschafts- und Produktionsverhältnisse herbeizuführen, mag es angeraten sein, in bestimmten Bereichen, die „Vererbung“ von Berufen voranzutreiben, sie jedoch in anderen eher abzubauen. Auch auf diesem Gebiet hilft keinesfalls das Romantisieren/Idealisieren einer vorgeblichen „Verweile-doch-du-bist-so-schön-Vergangenheit“, eines quasi Naturzustandes. Ich bitte zu bedenken – ohne auch dies noch detailreich ausführen zu wollen – , dass ein Naturzustand in der Staatstheorie zwar durchaus einen Platz als hypothetische Annahme besitzt, jedoch, wann immer er für bare Münze genommen und zum Entwicklungsziel erklärt wurde, entweder in völligen Absurditäten oder aber in mörderischen Säuberungswellen und Zerstörungen endete.

    Trotzdem oder gerade deswegen ein wichtiger Artikel für das Dorf.

    1. Herr Bilito, ich habe den Eindruck, man bräuchte eigetlich nur die geniale Idee haben, ihnen eine Blankovollmacht für die Korrektur der Welt zu erteilen und schwupps wäre sie doch gleich wieder in Ordnung.
      Natürlich *kann* man immer nach den Haaren in eiuner Suppe suchen, aber man muss es nicht.
      Oftmals ist es gerade eine leicht verfälschende Vereinfachung, die ein Autor verwendet um Aspekte seines beschriebenen Gegenstandes und seiner Absicht hervorzuheben.
      Man kann nun wohlwollend über die Verfälschungen hinwegsehen oder sich gerade diese vornehmen und daran herumkritteln.
      Kaum Einer wird erwarten, dass jedes verwendete Detail exakt so zutrifft, wie verwendet. Wer es dennoch tut, sollte sich vielleicht eher mit Gebrauchsanleitungen befassen…

      1. Ich finde nicht, daß billitos Kommentar „bekrittelt“. Im Gegenteil, der Kommentar ist eine gelungene Analyse der Stärken und Schwächen des Artkels. Auch ich habe die zweite Hälfte des Artikels deutlich schwächer empfunden als die erste.

      2. „eher mit Gebrauchsanleitungen befassen…“

        Lese ich bei Bellito nicht heraus, dass eben diese „Gebrauchsanleitungen“ fehlen.

        Also ich finde eine Gebrauchsanleitung viel nutzvoller als z. B. die Werbung. auch im Kontext zu Kommentar, billito, und Artikel.

    2. @ Bilito

      „Was die Ursachen für den Verfall des Bildungswesens angeht, so unterschätzt sie nach meiner Auffassung den Einfluss des Primats der „Pädagogik“ über die fachliche Kompetenz der Lehrenden, der sich seit den 70ern nun schon über mehrere Lehrergenerationen vererbt und verstärkt. Gute Lehrer sind aus meiner Erfahrung Experten auf ihrem Fachgebiet mit einiger praktischer Arbeitserfahrung auf diesem Gebiet (um ihnen die akademischen Flausen auszutreiben) und der Fähigkeit, sich auf die Lernenden und ihre Bedürfnisse einzustellen – keinesfalls Pädagogie-Spezialisten, die mal eben nebenher am aktuellen Geschichts-, Mathe-, Bio- oder Englischlehrbuch abgeprüft wurden.“

      Es gibt zwei Sorten von Pädagogik. Einmal die vorherrschende, eine theoretische, welche man getrost in Anführungszeichen setzen kann -> „Pädagogik“

      Und einmal die, ich nenne sie mal die natürliche Pädagogik, welche aus sich aus Erlebten und Erfahrenen des jeweiligen Menschen (hier die Lehrer) entwickelt hat.

      Ich stimme zu, das die heutige Lehrerschaft, wenn sie pädagogisch überhaupt geschult ist (was sie meistens nur rudimentär ist), nur die erste Form, die theoretische „Pädagogik“ beherrscht.

      Die zweite Form der Pädagogik, um die zu erlernen, müssten diejenigen, die den Beruf des Lehrers ergreifen wollen, als allererstes eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen (damit sie überhaupt erst einmal die Arbeitswelt (40 Std. Woche) kennen lernen und wissen auf was sie die Kinder vorbereiten müssen), sowie einen Auslandsaufenthalt von mindestens 2 Jahren.

      Aber nicht von der Schule an die Uni und dann wieder an die Schule! So entwickelt man Fachidioten, die zwar als Hauptschullehrer Wahrscheinlichkeitsrechnung exakt beherrschen, aber menschlich völlig ungeeignet sind, Schüler zu unterrichten.
      Aber da das gehobene Bürgertum gerne seine Töchter im Schuldienst parkt, und die Töchter natürlich solche Anforderungen überhaupt nicht auf Reihe kriegen würden, sind solche Anforderungen logischerweise nicht vorgesehen…

    3. Sabine Czerny: Strafversetzt wegen guter Noten.
      Dire Lehrerin hatte ihre Schüler TATSÄCHLICH gefördert und bekam eine Strafversetzung aus „Dank“ von der Schulbehörde:
      „Man habe als Lehrer eher die Aufgabe einer „SOZIALEN FILTERUNG BZW AUSWAHL“
      ANTSTATT SCHÜLER DER UNTERSCHICHT ZU FÖRDERN.“
      Jedweden aus der Unterschicht mit Wissen auszustatten ist wohl nicht so ganz das Ziel der Schulbehörden.

      https://www.youtube.com/watch?v=sO8_8E4ZMfU

      Na ja, zu einem Lauten Aufschrei der Elternschaft hat die jedenfalls nicht geführt

      1. Schulen dienen genau 2 Zwecken: 1) Vermittlung des erforderlichen Wissen, um als Arbeits-, Steuerzahler-, und Wählervieh (Anscheinsdemokratie) nutzbar zu sein. 2) Indoktrination.

  11. Das mag ja als Nachwirkung, der bleiernen Jelzin Zeit, in einem, stark der Infiltration ausgesetzten und Entwurzeltem Miljö so sein. Aber die Erfolge, in Technologie und Landwirtschaft, sind ja Unübersehbar und nicht mit diesem Orientierungslosen und Verwirrtem Prekariat, zu Erreichen . Diesen Bodensatz, gibt es in allen Gesellschaften, aber in der Russischen, wohl genügend Gesunde Menschen, die das Land sichtbar nach VORNE bringen wollen. Nur ein Beispiel: Die Realisierung der Krim Brücke in Rekordzeit und hier in diesem, wirklich vom Geistigen Prekariat beherrschten Land, der Versuch, einen neuen Flughafen, für DIE Hauptstadt zu Errichten. Ein Projekt, wie die Krim Brücke, würde unter den hier Herrschenden Verhältnissen, solange brauchen, wie der Bau des Kölner Doms: Jahrhunderte

    1. Die Dinge sind oftmals nicht sie, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Möglicherweise ist das auch beim Flughafen Berlin Brandenburg so.
      Pure Unfähigkeit scheint mir zu kurz zu greifen. Es gibt sie immer noch – die deutsche Ingenieurkunst, Schaffenskraft etc.
      Hier ein Link zu alternativen Theorien über den seltsamen Bau:

      https://www.berlinonline.de/treptow/nachrichten/4388317-4015789-verschwoerungstheorien-zu-ber-niemand-ha.html

      Mir scheint die zweite Theorie vom Bau von geheimen unterirdischen Anlagen am besten ins Bild der Zeit zu passen.

      1. Ergänzung zur deutschen Ingenieur- und Erfinderkultur:
        Werter Herr Klinkenberg, da sind Sie und Ihre Firma doch ein gutes Zeugnis. Und Sie kennen da sicher Kollegen, die ähnlich schwingen.
        Also da ist noch längst nicht alles verloren. Unter entsprechenden Umständen würde sich das kreative Potenzial schnell entfalten.

        1. Sehr geehrter Ekstroem, ein Beispiel aus Duisburg, die neue Mercatorhalle war fertiggestellt und Eröffnet, als der Saal die erste Male mit Publikum gefüllt war, bemerkte man die mäßige Wirkungsweise, der Klimaanlage. Als Sachverständige die Deckenverkleidungen abnahmen, sahen sie vorschriftsmäßige Lüftungsrohre, bis jemand Auf viel, das ein Versatz der Rohre, an den beiden Seiten der Mauer ist, als man ein Rohr abnahm, stellte sich heraus, das die Rohre stumpf auf der Mauer endeten. Die Arbeiten wurden von Sub des Sub des Sub des Subunternehmens geliefert. Kein Bau Ingenieur, kein Architekt, kein Bauleiter, niemand von der Staatlichen Bauaufsicht, macht seine Arbeit. Hier Interessiert sich NIEMAND mehr dafür , was er macht, was seine Arbeit sein sollte, wofür er sein Gehalt bezieht. Und diese an-trainierte Mentalität, zieht sich quer durch die Schichten. Die Halle war natürlich, etliche Jahre, nicht zu Benutzen.

          1. Wie sagt man so schön: der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.
            Trifft für mich auch auf die Aussagen der Autorin zu.

            MMn vergisst die Autorin aber eines: die Stände und einfach alles war eine Entwicklung die sich über Jahrhunderte herausgebildet hatte. ob das einfach NEU zu verordnen ist wage ich zu bezweifeln.
            Auch Gallopiert ja das „Präkariat“. Nur leider in die falsche Richtung, zumindest in Mitteleuropa und usa.
            Russland nehmen wir jetzt mal aus.
            Die haben mMn WEIT höhere Chansen auf einen Neuanfang.
            Wer sollte den Neuanfang denn einstielen im werte-westen?
            Ferkel und Co??

          2. @ Felix Klinckenberg

            Danke für den Ausschnitt aus dem Leben der buntländischen Spaßgesellschaft.

            Die zweite und die letzte Todsünde
            2.Habsucht
            7.Trägheit und Überdruss, Acedia
            passt doch in das Bild

  12. Moin Moin Gemeinde,
    Schmunzelnd las ich den „klasse übersetzten “ Artikel,Danke Ihnen Artur.
    Das Russländische Bild passt fast auf die ganze Welt,da sah ich einiges in Real als Nomade zu besuche……
    Schaue ich da bewusst auf mein fam. Stammbaum,trifft der Artikel voll zu,vom Mitte 1600 Jahrhunderts bis zum Ende WKII war eine klare Standeszuordnung gesetzt und gelebt.
    Alle durch die Kriege Vergewaltigten Länder weisen den gleichen Sinnleeren Daseins Zustand aus,der einstige Stolz wurde gebrochen und als ‚persona non grata‘ alias Prekariat verdonnert.Jeder oder die meisten könnten ein Buch vollkritzeln zu diesem Tatbestand.
    Wir sind auf einem gewissen Grade selbst Verantwortlich für diesen Umstand….,
    jedoch gibt es Hoffnung ,das Dorf hier mag nicht immer homogen sein, doch dieses Dorf hier hat ein hervorragendes Potenzial um all die im o.g. Artikel Komponenten aufzubessern und vieles mehr!
    Einen guten Tach an die Leut hier und do in de ferne

  13. Herzlichen Dank für die Übesetzung dieses Artikels. Und auch ich bin überzeugt von der Richtigkeit des Inhaltes.
    Ich habe den deutlichen Eindruck, dass die beschriebene Entwicklung nicht zufällig entstanden, sondern herbeigeführt worden ist.
    Alles ist beliebig und austauschbar geworden und hat keinen wahrgenommenen inherenten Wert mehr an sich (z.B. Werbung „Geiz ist geil“, „Ich bin doch nicht blöd“).
    Geschlechtszugehörigkeit ist inzwischen beliebig.
    Ich hab nicht mitgezählt, aber inzwischen gibt es anscheinend schon eine unglaubliche zweistellige Anzahl von Geschlechtern, die ein Mensch (oder eine Person?) beliebig und ständig wechselnd annehmen kann. Heute Mann, morgen Frau, übermorgen eine Frau, die gerne in einem Männerkörper lebt usw. usw.
    Berufe wurden zu beliebigen Beschäftigungen.
    Unsere jungen Erwachsenen werden Generation Praktikum genannt, das angebliche „Hotel Mama“ ist für viele Erwachsene dadurch bittere wirtschaftliche Notwendigkeit.

    Wer sich die Fakten mit offenen Augen anschaut, fragt sich besorgt, was dahinter steckt.
    Mit fällt hierzu eine Menge ein, was ich in den letzten 40 Jahren beobachten konnte.
    – Menschen, die unsicher sind, kuschen besser.
    – Menschen, die viel Zeit für die Anreise zur Arbeit verplempern, sind mit einem acht Stunden Tag bereits in Zeitnot.
    – Menschen in Zeitnot, die mit viel unnützem Kram beschäftigt werden, lesen keine Blogs wie diesen hier, sind unkritischer und lenkbarer.
    – Ungebildete Menschen mit wenig geschultem Geist erkennen Zusammenhänge weniger und lassen sich in allen Bereichen leichter verarschen und lenken.
    – Menschen, die gewaltsam in einen anderen Kulturkreis verfrachtet werden, sind auf Führung und Hilfe angewiesen. Welche für sie dann auch noch schwieriger anzunehmen ist, wenn sie durch eine dogmatische, intollerante Version ihrer Religion und Überzeugungen zu den erwünschteren Menschen vor Ort hochstilisiert werden. Die Neuen lassen sich durch einen vermeintlich wohlwollenden Staat besser lenken, als vielfach belogene und betrogene Einheimische die die Erfahrung bereits gemacht haben, dass sie dieser Staat zu Tode betrügen wird.
    – Das Ausdrücken des Unmuts über staatlichen und bürokratischen Betrug ist bereits als Krankheitsbild in den umfangreichen Katalog psychatrischer Auffälligkeiten aufgenommen und kann im Einzelfall zu ähnlichen Geschehnissen wie vor einiger Zeit in Bayern führen – Zwangseinweisung droht für den „Wutbürger“.
    – Als Trend in den Hollywood Massenproduktionen und in einigen Verlautbarungen der ang. „Eliten“ ist ein massiver Push in Richtung Transhumanismus zu beobachten.

    Vereinheitlichung und Gleichmacherei begünstigen Standardisierung. Standardisierung begünstigt Rationalisierung und Mechanisierung. Mechanisierung begünstigt maschinelle Arbeit. Maschinelle Arbeit ersetzt Menschenarbeit.
    Gut lenkbare Menschen ohne Rückgrat lassen sich leicht freisetzen.
    Die Lebensumstände werden zusätzlich massiv negativ beeinflusst.
    In den USA lebt eine wachsende Anzahl Menschen mit mehreren Jobs bereits in ihrem Auto, weil sie sich trotz Überlastung durch zu viel Arbeit keine Wohnung mehr leisten können.
    Das ist die Zukunft einer Arbeitwelt und Gesellschaft, die die Ratschläge dieses übersetzten Textes nicht ernst nimmt.
    Das ist der Weg, den die uns bisher bekannte Art der Globalisierung eingeschlagen hat.
    Ohne Veränderung wird letzten Endes der Anteil an menschlicher Arbeit an der Produktion marginal, damit wird die Bedeutung des Menschen für den Produktionsprozess marginal und die Bedeutung der Menschenmassen für die „Eliten“ ebenfalls marginal.
    Die Produkte werden sich nur noch an diesen kleinen Abnehmerkreis der „Eliten“wenden, Produkte für die Menschenmassen und den Massenmenschen werden zunehmend giftiger werden.

    Beginnen wird dieser Prozess mit der Einführung von Massenimpfungen auch in Deutschland. Darin enthalten werden erst noch krankmachende Ingredienzen der bisher üblichen Art und in absehbarer Zukunft immer giftigere Bestandteile sein, bis der Massenmensch endlich seine 500 Mio erreicht hat.

    Das ist der Grund, warum mich einige Aussagen Trumps mit gewisser Freude erfüllt haben.

  14. Danke auch von mir an Artur und die anderen Kommentatoren.

    Jeder von den Älteren weiß sicher noch recht gut, wie er in einer Aufgabe förmlich „aufging“. Wo er hinterher selber staunte, was er hingekriegt hat.
    Man verbindet sich dabei so stark mit dem Tun, dem Arbeitsprozess, dass man gewissermaßen ein eigenes „Arbeitsuniversum“ erschafft, in dem die Zeit stillzustehen oder langsamer zu vergehen scheint.
    Das funktioniert nur mit entsprechender Motivation, Wissen, Ausdauer / Hartnäckigkeit und einem Mindestmaß an Arbeitsfähigkeit, die oft nur schrittweise, auf wachsendem Fähigkeitsniveau ausgebildet werden kann.

    Für die Entstehung des Prekariats gibt es sicher viele Ursachen. Leiharbeiter versus Stammbelegschaft ist eine davon, weil ein Teil der Unternehmer glaubt, dass ihm das einen Vorteil im Konkurrenzkampf bei der Reproduktion des Kapitals und der Erzielung von Profit oder Extraprofit verschafft.

    Ergonomie / wissenschaftliche Arbeitsorganisation gingen den physiologischen Bedingungen der Arbeitskraft nach und fanden allerlei über die „Leistungskurve“ heraus. („Nachmittags ist nicht mehr viel los.“ – „Lieber nur halbe Tage und zwei Jobs.“)

    Sogar religiöse Forschungen trugen etwas dazu bei! Nehmen wir das Thema „Inkarnation / Reinkarnation“ einmal ernst. Dann bedeutet das, dass jeder, der schon länger auf der Erde weilt, verschiedene Lebenszyklen in verschieden Rollen hinter sich hat. Mal war er Sklavenhalter, dann in karmischer Abwechselung mal Sklave usw. Später dann Fronbauer und auch mal Burgherr usf.
    All die Anstrengungen und Erlebnisse sind abgespeichert und werden unter bestimmten Umständen im aktuellen Leben wach „gerüttelt“.

    Das Gefühl von Erschöpfung hat genau darin seine Ursache. Seine Quelle sind unerfreuliche Umstände, die schon früher einmal walteten und mit Abneigung gegen die erzwungene Tätigkeit verbunden waren. Um dieser zu entgehen, beschloss die Person damals, schwach und unfähig zu sein oder sich so zu stellen.

    Deshalb kam aus solcherart Forschung in den USA die Empfehlung, durch zwei Jobs der etwa mittags eintretenden Erschöpfung zu entgehen. Für amerikanische Unternehmen war das natürlich „ein gefundenes Fressen“: Leute, die in zweimal vier Stunden frisch ans Werk gehen und kaum Ermüdungserscheinungen zeigen.
    Zum Glück gibt es andere Möglichkeiten, um der (vermeintlichen) Erschöpfung abzuhelfen! Jetzt nicht Thema!

    Bei Bilitos Überlegung“ Fortschritt ist nur durch Dilettantismus möglich, nicht durch Spezialistentum“ habe ich leichte Bauchschmerzen.
    Hier ein Beispiel für eine „Dynastie“. 1998 ließ ich mich endlich zu einer Exkursion einladen, die mich zur Friedr. Ischebeck GmbH nach Ennepetal – am Rande des Ruhrgebiets – führte. Ischebeck ist in Traggerüsten, Schalungs- und Verbausystemen usw. aktiv. Damals wurde das Unternehmen in der vierten Generation von einem rüstigen, über 70-jährigen Herrn Ischebeck als Inhaber geführt. Er nahm sich die Zeit, den Exkursanten persönlich die Produktpalette und den historischen Werdegang des Unternehmens vorzustellen und uns beim Betriebsrundgang zu führen.
    Seine technische und soziale Kompetenz war frappierend. Ein „mittelständisches Unternehmen“, das ohne jeglichen Fremdkredit wirtschaftete und sämtliche Investitionen aus eigenen Rücklagen und laufenden Erlösen finanzierte. (1998 war gerade die Planung und Errichtung einer Halle für Fertigprodukte und Logistik im Gange.)

    Doch als er berichtete, wie damals – nach dem „Gründerkrach“ – Friedrich Ischebeck gemeinsam mit dem Pfarrer und dem Bürgermeister von Ennepetal zusammensaß und mit ihnen beriet, wie der schlimmen Arbeitslosigkeit im Ort abgeholfen könne, Pfarrer und Bürgermeister in F. Ischebeck drangen, mit ihrer Unterstützung ein eigenes Unternehmen zu gründen, da schien mir der einstige Gründer vor uns zu sitzen. Ein Mann, der sein „Erbe“ an zwei nachfolgende Generationen als gute Sachwalter übergeben hatte, um es in vierter Generation wieder selbst übernehmen und weiter zu führen.
    Unter seiner Führung gab es keinen Stillstand, allerdings ein Festhalten an erprobten wirtschaftlichen und sozialen Prinzipien, die mir (trotz meiner DDR-Sozialisation) geradezu vorbildlich erschienen.

    Deshalb meine ich, dass man nichts verabsolutieren soll – weder Arbeiter-, Handwerker- oder Unternehmerdynastien oder Dilettantismus. Wem eine dynastische Verpflichtung zur Bürde wird, der sollte sich etwas anderes suchen u dgl., aber nicht das Erbe schädigen oder verspekulieren.
    Derjenige, der in Reinkarnation das Erbe fortführt, wird stets die Augen für Neues offen halten und nach höherer Kompetenz und Meisterschaft streben.

    1. Lieber HPB, das „Ding“ mit dem Dilettantismus ist natürlich hart und in Zeiten, da Jedermann sich selbst frank und frei zum Spezialisten für alles Mögliche/Unmögliche kürt, auch schwer verdaulich. Überdies stammt es nicht von mir sondern von Jürgen Kuczynski – im Zusammenhang nachzulesen in „Dialog mit meinem Urenkel“. Ein bisschen Koketterie steckt natürlich darin, aber was könnte es Schlimmeres für den wissenschaftlichen Fortschritt geben als die Nischenbildung, wenn ein Jeder nur dort verweilt, wo er der einzige, alleinige, unumstrittene Experte ist – womöglich noch dort sitzend aufgrund der Verdienste der Eltern*. Nun, vielleicht die „moderne“ Gewohnheit, sich nach einmaliger, oberflächlicher Ansicht einer ZDF-Doku als Experte für alles und jedes zu fühlen und völlig unbedarft überall mit zu quatschen.
      Für diejenigen, die nicht mehr das Privileg hatten, Jürgen Kuczynski persönlich kennenzulernen, hier eine kurze Vita und Würdigung: http://www.triller-online.de/k0122.htm

      *P.S.: Um Missverständnissen vorzubeugen, sei klargestellt, dass hiermit wirklich nicht Thomas Kuczynski gemeint ist, der seine eigenen Verdienste besitzt.

      1. @ Bilito

        Jürgen Kuczynski ist mir bestens bekannt, auch seine Schwester, Ruth Werner („Sonja’s Rapport“).

        Soviel ich weiß, übernahm J. Kuczynski nach Günter Reimann in der „Roten Fahne“, der KPD-Zeitung, den publizistischen Bereich zur politischen Ökonomie usw.
        Ein marxistischer Wissenschaftler und Propagandist, der neben seiner Forschung die Aufgabe darin sah, den Arbeitern ökonomische und politische Bildung beizubringen. Gewissermaßen Klassen-Bewusstsein, was heute eher als „Teufelszeug“ gilt.

        Kunczynskis Werke zierten den Bücherschrank meines Vaters. Bis zu meinem 18. Geburtstag hatte ich das Eine oder Andere von ihm schon gelesen.
        Besonders spannend fand ich seine Untersuchungen zum Verlauf des Krisenzyklus‘ in der BRD. Das „Wirtschaftswunder“ hatte ja nur leichte „Dellen“ im Wirtschaftswachstum bewirkt.
        Aber 1966 war die „Delle“ schon nahe am „Nullwachstum“, und Arbeitslosigkeit gab es auch wieder in der BRD (vielleicht wegen der türkischen Aufbauhelfer?).

        Kuczynski prognostierte die erste Krise nach dem „Wirtschaftswunder“ für Anfang der 70-er Jahre.
        Das schien mir völlig logisch, und ich wartete gespannt auf die Folgen . Selbst die exorbitanten Lohn- und Gehaltssteigerungen der ersten Jahre unter der SPD-FDP-Koalition Willy Brandts konnten die Krise nicht verhindern (stattdessen entstand die berüchtigte „Lohn-Preis-Spirale“, die inflationäre Entwertung der Lohn- und Gehalts-Einkommen).

        Heute kann ich feststellen, dass mir als Jugendlichem diese Lektüre allerhand an Erkenntnissen geboten hat. Zumindest
        wusste ich 1989/1990 Bescheid, nach welchen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten die bundesdeutsche Wirtschaft läuft und wie ich mich darauf einstellen muss.

        Aber kein Schwarz-Weiß, wie das Ischebeck-Beispiel zeigt.
        Auch Dr. Jürgen Schneider, der Immobilien Tycoon aus Frankfurt a. M. (den lernte ich ebenfalls kennen), war auch nicht nur ein „Handwerker-Schreck“.

  15. Hab mir auch so meine Gedanken gemacht, hat mich sehr nachdenklich gestimmt (danke an Arthur)
    Kann auch wenig dazu beitragen, es werden zwar Lösungen von ihr angeboten, aber sie schwelgt in Erinnerungen der alten Sowjetunion, aber seltsam,…ich auch in Erinnerungen der 70er Jahre in unserem land.
    Ich weiß es selbst aus eigenem Erleben, wie die Leute in den restaurationsbedürftigen Breschnew- und den noch älteren Crutschow-Häusern händeringend nach fähigen Installateuren suchen und wenn sich einer tatsächlich mal findet wird dessen Name durch Mund zu Mund-Werbung sofort weiterempfohlen.
    In einem anderen Artikel der Autorin, soweit ich es für mich selbst bescheiden übersetzen konnte, beklagt sie auch den Abriss der vorgenannten Häuser statt einer preisgünstigen Restauration. Stattdessen Neubau ganzer Massensiedlungsbauten.
    Ich bin mir nicht sicher ob es Sinn macht das Handwerk neu zu beleben, aufzubauen. Einzelne geschickte Handwerker werden sich, in der Regel sind es sogar „Ausländer“, hier für eine begrenzte Zeit eine goldene Nase verdienen.
    Aber für die Zukunft sehe ich schwarz. Wie vereinbart sich das mit dem Massenbilligimporteur aus China. Den Billigscheiß kann man dort an jeder Ecke kaufen. Da ist eine neue Tür billiger als das Neulackieren von einem Fachhandwerker. In BRD nicht viel anders. Letztens sah ich einen Bericht, wo in Russland kleine Häuser mit dem 3d-Drucker errichtet wurden.
    Die Autorin hat wirklich gesunde nostalgische Gedanken, halt nicht mit der Realität vereinbar.
    Ihre Idee ist ja, aus dem Moloch des Prekariats die Guten auszusortieren und wenn ich mich recht entsinne war es Putin, der seinerzeit das deutsche Handwerk zum Vorbild erklärte.

  16. Guter Artikel, die Autorin kleidet ein diffuses Gefühl, das viele des „Prektariats“ und (übelwollend-genannt:) „Bodensatzes“ kennen.

    Wer auf Brand verzichten kann (davon gibt es viele, auch Junge), wird von anderen zum Trottel deklariert, selbst weiß man ja bestens, warum man verzichtet.
    So wie jeder weiß/ahnt, weshalb er aus marktkonformen Gründen „abgehängt“ wird/werden musste.
    Meine Kenntnis ist, Jeder Mensch (jedes Lebewesen) will seinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten; ist dem nicht/nicht-mehr so, ist es die Summe der gemachten Lebenserfahrungen.

    Die Autorin geht von einem sich selbst versorgenden Russland aus (was dort nicht als „abtrünnig“ tabuisiert ist).
    Deutschland könnte sich wegen seiner Größe und hohen Anteil von Menschen nicht aus eigener Kraft erhalten, zumindest nicht im Wichtigsten: Ernährung.
    Von daher wäre der demokraphische Wandel eher Glück als Problem.
    Und zu den verfehlten „Vorbildern“ für Bewohner Deutschlands, fehlt für „gesunden“ Handel mit Nachbarländern die richtige Politik, heißt: die richtigen Mitarbeiter dort. Fällt mir grad ein, uns bläut man ein: Saisonware zu kaufen, während sie es auch nur wagen drüber nachzudenken, sich flüssiggas via Schiffstanker importieren zu lassen.

    Danke für die Übersetzung. Ich werde diese einigen Menschen zum Lesen reichen. Viele wird Artikel gut tun.

  17. Beim Lesen des Artikels dauerte es eine Weile, bis ich realisierte, dass er von den Zuständen in Russland handelt. Denn er beschreibt perfekt die Situation vieler Menschen, die ich kenne.

    Die Lösungsansätze erinnerten mich an die DDR. Während heutzutage jeder ein Abi haben soll, waren es zu meiner Zeit aus jeder Klasse etwas mehr als 10 Prozent. Wer dann studierte, konnte nicht ewig rumtrödeln, denn sein künftiger Arbeitsplatz stand schon so gut wie fest.

    Während ich also gerade dabei war, mich mit den Gedanken der Autorin anzufreunden, grätschte mir gradischnik mit seinen Argumenten „billige China-Ware und Häuser aus 3-D-Drucker“ dazwischen.

    1. Abitür bekommt hier im bunten Land jeder, der stolperfrei seinen Namen tanzen kann – bei Mihigru reicht bereits der gute Wille.

      So ein Pamphlet reicht dann, um Geschwätzwissenschaft zu „studieren“ mit Nebenfach Sülzologie oder Lumpologie (Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Volkszertreter).

  18. Ja, guter Text.

    Das Problem liegt hierbei allerdings in der Überschneidung zwischen staatlicher Planung und Marktwirtschaft.

    Es ist, meine ich, offensichtlich, dass Marktwirtschaft sehr innovativ und fehlertolerant ist (bzw. unter den richtigen Bedingungen sein kann), staatliche Planung ist eher das Gegenteil.

    Wie aber schafft man die Quadratur des Kreises und vereint Sicherheit, Planbarkeit, und Expertise mit der Innovativität von Marktwirtschaft? Diesen Punkt sehe ich in obiger Beschreibung nicht ausgeleuchtet bzw. beachtet.

    Aus bundesrepublikanischer Sicht, ist der Blick auf die Geschichte ein ganz anderer. Hier liegt die Blütezeit in der Wirtschaftswunderzeit, ging bis in die siebziger und achtziger Jahre und bündelte schon weitgehend das, was Russland erreichen möchte: Expertentum, Zuverlässigkeit, Planbarkeit und gleichzeitig hohe Innovationskraft.

    Wenn ich die Gründe nennen müsste, warum es nicht mehr so ist, würde ich spekulieren:
    Freihandelsverträge (Kostenoptimierungen über Lohndifferenzen, statt Innovationen, sinkende Arbeitsplatzsicherheit, stagnierende Einkommen, weniger Rechtssicherheit und Planbarkeit bei Produkten) , sinkende Staatsausgaben (=sparen wegen Stagflation etc.), mittlerweile hat sich das beschleunigt, durch das Aufblähen und die Dominanz des Aktienkapitals bzw. der Börse und deren Hire & Fire-Mentalität, die Aufhebung von Kapitalverkehrskontrollen und Kapitalsteuern usw.

    Für mich ist das Fazit daraus: eine Volkswirtschaft ist dann stark, wenn sie auf nationale (!) private Wirtschaft setzt, diese aber massiv flankiert, lenkt, die Exzesse rechtzeitig abschneidet, zu starke Kapitalkonzentration verhindert, überhaupt eine optimale Infrastruktur bereit stellt (Bildung, Verkehr, Sicherheit, Justiz etc.).

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