Glasjew – Die organische Natur Eurasiens

Übersetzung eines Interviews mit Sergej Glasjew (Quelle)

Sergej Glasjew: „Wir stehen an der Schwelle eines grundsätzlich neuen Modells weltwirtschaftlicher Beziehungen“

Die Wahl Donald Trumps und die Absage der USA an die Transatlantische Partnerschaft können die EU oder mindestens den Teil ihrer selbständigsten Mitglieder an die Seite Russlands – in das Euroasiatische Bündnis – führen. Darüber, was bei uns im Allgemeinen geschieht, worin die Unterschiede bestehen und welche Perspektiven es gibt, redete der „Militär-Industrielle Kurier“ mit dem Berater des russischen Präsidenten, Sergej Glasjew.

„Es gibt Lokomotiven des Wirtschaftswachstums, die außerhalb der Grenzen unseres Landes liegen, aber sehr wichtig für uns sind.“ Glasjew

– Sergej Jurjewitsch, können wir die Wirtschaften des Euroasiatischen und des Europäischen Bündnisses heute vergleichen?

– Es gibt nichts Einfacheres. Nehmen Sie die Statistik, stellen Sie die Parameter gegenüber. Der wesentlichste Unterschied ist die Höhe der Prozentsätze für Kredite. In der Europäischen Union sind sie bei Null mit offenem Zugang zur Kreditwirtschaft. Bei uns sind die Sätze auf weltweitem Rekordniveau. Deshalb dauert dort in der EU – ungeachtet bestimmter Schwierigkeiten – die Modernisierung an, neue Technologien finden den Eingang in die Wirtschaft und die Ingenieurschulen entwickeln sich aktiv. Und bei uns – nur wegen der überhöhten Prozentsätze – sitzt die forschungs- und kostenintensive Industrie immer noch nur in den Startlöchern und wartet auf ihre Budget-Zuweisungen, was natürlich einen anwachsenden technologischen Rückstand zur Folge hat.

In Europa ist die Haushalts-Politik darauf angelegt, die Entwicklung voranzutreiben, es gehen zum Beispiel drei Viertel der Gelder weg zur Unterstützung der Bildung, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Wir leben leider bis jetzt in einem Modell von hundertjähriger Dauer, in dem die Hauptmittel für die Bürokratie verbraucht werden und dafür, was man einen Polizeistaat nennt. Für die Entwicklung bleibt nicht mehr als ein Viertel der Ausgaben übrig.

Gerade in der Kredit- und Finanzwirtschaft und in der steuer- und haushaltsmäßigen Ebene steckt der Schlüsselunterschied zwischen der EU und der EAWU, der Euroasiatischen Wirtschaftsunion. Wobei in Europa die Steuern hauptsächlich auf die Superreichen, eigentlich auf den Superkonsum, und bei uns auf die Produktion erhoben werden. Unser realer Sektor lebt unter um vieles schlimmeren Bedingungen, als die Konkurrenten. Deshalb gibt es ein solches Gleichgewicht des Handels mit Europa: wir exportieren den Rohstoff und bekommen die fertigen Waren zurück. Denn bei uns zu produzieren ist teuerer, die Kredite sind faktisch unzugänglich und die Steuern sind höher.

– Wie viel sollte man – Ihrer Meinung nach – für die bewaffneten Strukturen ausgeben und dabei speziell für die Verteidigung?

– Man muss nicht einfach das Budget in die funktionalen Richtungen verteilen und mit den Entwicklungszielen koordinieren. Wenn die Gelder für den Inhalt des bürokratischen Apparates verbraucht sind – dann ist das eine Sache. Eine andere Sache ist – wenn man es für die defensive Wissenschaft ausgibt. Dafür muss man mehr verbrauchen, viel mehr als jetzt – um konkurrenzfähig zu sein und außerdem finanziert man doch damit den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Bei uns gibt es überschüssige Kosten für die Bürokratie, die Zahl der Beamten je Einheit des Bruttosozialproduktes ist wahrscheinlich die höchste in der Welt, zehn Prozent mehr, als es in der Sowjetunion gab. Hier muss man verringern und die Kosten für die Entwicklung vergrößern. Sie sollten nicht weniger als zwei Drittel des Budgets bilden. Und heute sind sie ungefähr ein Viertel. Vor allem wird die Erhöhung der Haushaltszuweisungen für die Wissenschaft gefordert – etwa um dreimal – um den weltweiten Standards zu entsprechen. Für die Bildung sollten wir ungefähr anderthalb Mal mehr als jetzt und für das Gesundheitswesen ungefähr doppelt so viel verbrauchen. Dann werden wir uns dem durchschnittlichen Niveau in der Welt annähern.

– Kann sich die Euroasiatische Wirtschaftsunion ohne die Ukraine realisieren?

– Sie realisiert sich auf jeden Fall. Mit der Ukraine hätte sie, natürlich, mehr Wirtschaftsraum, sie wäre konkurrenzfähiger, die Synergieeffekte wären höher.

– Welche Rolle spielt die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) heute in der Welt?

– Was, Sie wollen sofort über die Welt reden?! Ihre Rolle ist in erster Linie in unserer Wirtschaft groß. Das ist ein riesiger allgemeiner Markt, der Anteil Russlands beträgt ungefähr 80 Prozent nach dem Produktionsumfang. Jeder Teilnehmerstaat – Kasachstan, Weißrussland, Armenien, Kirgisien – hat starke Seiten.
Ihre Kombination ermöglicht es uns, jene Kooperation wieder herzustellen, die es früher gab und die notwendig war, um neue gemeinsame Projekte zu bauen und Investitionen im allgemeinen Interesse und derart zu realisieren, dass die Wirtschaftsaktivität steigt.
Das gibt zusätzliche Konkurrenzvorteile.

Ich kann zum Beispiel darauf verweisen, dass sofort nach der Schaffung des Zollbündnisses und der Abnahme der entsprechenden Barrieren der Umfang des gegenseitigen Handels um anderthalb Mal in nur einem Jahr gewachsen ist. Und heute bleibt vor dem Hintergrund des allgemeinen Fallens des Warenumsatzes diese Tendenz erhalten und ist für uns weiter eine perspektivische und wichtige Richtung der Entwicklung.

Es gibt die Lokomotiven des Wirtschaftswachstums, die außerhalb des Landes liegen, aber sehr wichtig für uns sind, beispielsweise der weißrussische landwirtschaftliche Maschinenbau, der mit russischen Motoren und anderen Bestandteilen vervollständigt wird. Dieses Beispiel führt uns vor, dass ein beliebiger Erfolg in jedem unserer Staaten ein Plus für uns alle ist.

– Für Russland ist es vorteilhaft, mit den Mitgliedern der EAWU zu handeln, und auch bei ihnen zu kaufen?

– Bei uns hier ist ein großer Raum für die Arbeit, weil der Anteil des gegenseitigen Handels, wenn wir nur über Russland reden, nur 13% ausmacht, bei Weißrussland – ist es ungefähr die Hälfte. Und dieses Wirtschaftsmodell führt uns vor, wie man die Vorteile der euroasiatischen Integration und die Abwesenheit von Zollgrenzen verwenden kann.
In der russischen Wirtschaft bleibt die viel zu hohe Neigung zur Seite der Förderindustrie der chemischen Rohstoffe erhalten, auf deren Anteil ein großer Teil des Warenumsatzes nicht nur im Außenhandel, sondern auch innerhalb der EAWU fällt. Deshalb muss die Betonung auf der Entwicklung des Maschinenbaues und anderer forschungsintensiver Zweige liegen, wo noch eine ausgeprägte Basis existiert, die auf die ganze ehemalige Sowjetunion ausgerichtet ist. Nur wegen des Fallens der Maßstäbe der Produktion konnten sie die erwünschte Rentabilität nicht erreichen.

Sagen wir, unsere Flugzeugindustrie arbeitete auf einem Drittel der Welt, und heute, wie Sie sehen können, kann sogar solch ein großes Territorium, wie die Russische Föderation, die Produktionskapazitäten nicht auslasten. Die moderne Wirtschaft ist auf den Weltmarkt ausgerichtet, aber darauf muss man sich erst einen eigenen Raum erobern, in dem man dann versucht, Konkurrenz zu vermeiden. Und dafür müssen wir in erster Linie in dem allgemeinen Wirtschaftsraum trainieren.

Und überhaupt können wir feststellen, dass die Epoche der liberalen Globalisierung zu Ende geht. Der gewählte amerikanische Präsident hat die Unterzeichnung des Abkommens über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft mit der Europäischen Union abgesagt, er hat auch den Austritt der USA aus dem TTP erklärt. Das heißt, sie geben weitere Versuche, Grenzverläufe anzupassen auf. Gleichzeitig unterlassen sie es, die Standards des IWF über alle Wirtschaften zu stülpen – sie haben endlich begriffen, dass das keinen Effekt mehr bringt. Wir stehen an der Schwelle der Bildung eines grundsätzlich neuen Modells von weltwirtschaftlichen Beziehungen, die erlauben, die Bedeutung der nationalen Souveränität wieder herzustellen und wo jeder Staat versuchen kann, ein Maximum an Konkurrenzvorteilen zu realisieren.

Bei uns in der EAWU bleibt eine in erster Linie juristische Konkurrenz erhalten, weil die europäische Integration, nach deren Beispiel wir begannen, das Bündnis zu bauen, heute wie ein hartes bürokratisches Imperium erscheint. Diese Härte führt zur Zerbrechlichkeit, der Abwesenheit von Flexibilität, der Nichtachtung der nationalen Besonderheiten. Der Versuch, alle über einen Kamm zu scheren, hat dazu geführt, dass Großbritannien gerade die Europäische Union verlässt. Und das ist nur der Anfang. Die Europäische Union wird entweder dezentralisiert auseinander fallen, oder sogar zerstört werden.

Vor diesem Hintergrund ist unsere euro-asiatische Integration organischer, sie berücksichtigt die Originalität der Länder, wir vereinigen nur die Wirtschaftsräume und versuchen nicht, die politischen Systeme zu vereinheitlichen. Wir dringen nicht in die Steuer- und Haushaltspolitik ein und wir schaffen kein Währungsbündnis. Wir vereinigen nur jene Funktionen zur Regulierung der Wirtschaft, von denen ein allgemeiner Vorteil für die Kosten durch die Größe des Maßstabes der Produktion, der Kooperation, der Kombination der Konkurrenzvorteile angenommen werden kann. Dieses euroasiatische Modell ist heute attraktiver und perspektivischer, als die harte bürokratische Struktur der EU, die nur auf Nötigung gegründet ist.

P.s. Am WE tagte die EAWU-Führung in Peter. Lukaschenko fehlte, als eines von drei Gründungsmitgliedern. Er pokert mit WWP um die Gaspreise. Die Situation in Weißrussland ähnelt der Ukraine 2013.

106 Gedanken zu „Glasjew – Die organische Natur Eurasiens“

  1. Mich erschüttert die Öde, die die Menscheit beschreitet, in ihrer Idee, Menschen zu sein.
    100´000 Jahre Menschengeschichte sind nicht genug, um uns zu zeigen, dass, -diese, unsere Idee, -die den Körper der Menschheit verwüstet, um sich selbst zu sein, wie ein „autistisches“ Konstrukt des Menschen, -niemals funktionieren wird?
    Kann einfach nicht überleben.
    Wir werden lebende Zeugen sein.

  2. Die Europäische Union wird entweder dezentralisiert auseinander fallen, oder sogar zerstört werden.
    Wer Verordnungen über den Krümmungsgrad von Gurken, Höhe der Wattzahl von Staubsaugern und ähnlichen Firlefanz erlässt und Völker mit der Einführung einer Betrugs-Währung verarscht, braucht sich nicht zu wundern, dass dieses Konstrukt bald einen Arschtritt bekommt, von dem sie sich nie wieder erholt und ich hoffe, LePen wird die erste sein, die ausholt! Für die Mehrheit der Deutschen habe ich keine Hoffnung mehr, das sind größtenteils degenerierte Affen…

    1. Also für mein intellektuell eher schwach ausgeprägtes Verständnis zeichnet er ein nicht gerade positives Bild vom Ist-Zustand in Russland. Ich mag mich täuschen, aber ich dachte Russland stünde besser da……??

      Auch kann ich die dem Westen zugesprochenen positiven Attribute wie z.B. investition in Bildung, Ingenieurswesen, Wirtschaft allgemein etc. nirgends erkennen.
      Wir, insbesondere in D sind doch gerade in der Hinsicht mittlerweile eine Lachnummer…..außer er meint die Sozialhilfe für zugereiste Ingenieure, Herzchirurgen usw., ja, da wird investiert als gäb’s kein Morgen.

      ————————————-
      Wunschgemäß zusammengefügt – Russophilus

      1. @Grumel
        meine volle Übereinstimmung zu Ihrem Kommentar. hatte das auch die ganze Zeit so verinnerlicht. auch wenn ich mir das Desaster deutscher Ingenierskunst Flughafen Berlin betrachte.
        Aber was mir besonders aufgefallen ist: Von Deutschland redet der garnicht mehr, erwähnt es nicht mal.
        In Westeuropa haben wir zwar niedrige Zinsen, aber mehr und mehr Haushalte sind verschuldet und verarmen.
        Der Mittelstand, die tragende Säule einer Gesellschaft, bricht ein, oder besser gesagt,…wird demontiert.
        Das, was ich selbst in Russland beobachtet hatte, ist eine immense Investitionsbereitschaft der konsumierenden Bevölkerung (Wohlstandsbedürfnis nachzuholendes) trotz hoher Zinsen.
        Zwangsläufig (wegen der idiotischen Sanktionen) wird das wohl nun über den Eurasischen markt abgedeckt werden müssen. Es klingt ein wenig Enttäuschung durch, denn Westeuropa, bzw. Deutschland ist/war der Wunschpartner. Aber keine Rede mehr jedenfalls von Deutschland.
        Wenn dieses Miststück in Berlin nicht eliminiert wird, werden wir auf dem Niveau von Nordkorea landen. Ich meine damit die Isoliertheit dieses Landes. Denn die Nordkoreaner werden sich sicherlich ihrer >Kultur bewußt sein im Gegensatz zu einem toten Deutschland.
        So, Thomas Roth,..jetzt verlaß ich mal kurz die gewünschte diskussionsebene.
        Ich war in den letzten Tagen jobmäßig für die Wohnungswirtschaft unterwegs…und die mahnung, die Tamas hier ausgesprochen hatte, trifft vollumfänglich zu.
        Alle Wohnungen sind belegt, kein leerstand und sogenannte Flüchtlinge ohne Ende. Für Deutsche gibts keine Wohnungen mehr. Aber darum geht es mir nicht.
        Was mich besonders irritierte, es waren in der Regel junge Männer aus Libanon , aus Palästina ,..konnten kein englisch, nur etwas gebrochenes Deutsch. Ein Syrer? hatte nur den auswenig gelernten Satz drauf „Assad muß weg, Faßbomben“, mehr konnte er nicht, konnte mir nicht mal sagen, wo seine Heimatstadt oder Dorf in Syrien liegt.
        Und das dollste war!! Jeder fragte mich, ob ich Deutscher wäre. Kein Witz …ich habe eine Typische deutsche Visage, vielleicht mit slawischem Einschlag, kann sein, habe aber null migrationshintergrund. kann meinen Stammbaum zwar nur 180 Jahre zurückverfolgen, aber das wurde ich in meinem ganzen Leben noch nie und dann auch noch so oft an einem Tag gefragt.
        Dolle neue Betten haben die,…nur noch keine Frauen drin.
        Auf diesem Wege möchte ich mich im Nachhinein bei „Schielauge“ oder Scharpajew entschuldigen, wo ich mich mal seinerzeit über die Hysterie der Einwanderung lustig gemacht habe.
        Entschuldigung Thomas Roth, für das Abschweifen und jegliches Diskussionsbedürfnis kann ja in Dies und Das verlegt werden. Aber das mußte ich auch mal zum Besten geben.
        Deutschland ist voll im Arsch und das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich scätze mal, daß der Ruf nach Grenzschließung bald erhört wird. Nur anders, als wir uns das alle vorstellen können. Gück für diejenigen, die mit Mut und know how noch den Weg nach Osten finden.

        1. @Gradischnik und Grumel

          Mir ging es beim Lesen der ersten Abschnitte genauso. Ich habe dann abgebrochen und lese morgen noch mal, weil mein bisheriges Bild von Glasjew sehr positiv ist.

      2. Eines ist mir dabei untergegangen. Der Trump ist schon clever. Wie Friedmann doch schon sagte. Man muß verhindern, daß Russland und Deutschland zueinander finden. Tja, ganz einfach, jetzt übernehmen die Amis die deutsche Rolle. Irgend wie klang mir das bei Glasjew durch.
        Danke Thomas Roth. Meine Befindlichkeit geht immer noch dahin, rechtzeitig nach Russland auszuwandern. Da sind diese Informationen als wegweisende Hilfen bei mir sehr willkommen.

  3. Mhh, ist die Lage in Russland so schlecht?

    Niedrige Forschungsinvestitionen, ausufernde Bürokratie, hohe Steuern und schlechtes Investitionsklima, …
    Glasjews Beschreibung der Lage in Russland zeichnet ein sehr düsteres Bild während er gleichzeitig die EU als das leuchtende Vorbild skizziert. Na wenn unsere EU noch um Längen vor Russland steht haben die Russen aber noch einen sehr weiten Weg vor sich.

    Zweckpessimismus oder (neo-)liberales U-Boot?

  4. Ich will da nur mal eine Kleinigkeit beitragen: Weißrussische Traktoren (Belarus aus Minsk) haben immer noch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind kaum kaputtzukriegen (und wenn doch, spottbillig zu reparieren). Das Computerzeitalter ist daran völlig vorübergegangen, und Ausfälle wegen „Black-Box“-Störungen kann es nicht geben. Dazu braucht man keine Bildungshyänen, sondern gute Maschinenbauer. Die gab es in D früher auch mal, zu Diplom-Zeiten. Heute haben wir gegenderte Bachelorabschlüsse, und wer den Beauftragtenirrsinn in Großunternehmen kennt, den kann russische Bürokratie vermutlich nicht in Schrecken versetzen.
    Ein anderes Beispiel für die allgemeine Hyperstudiositis: Paraguay hat mittlerweile so immens viele (verschuldete) Studenten, dass man nicht weiß, wohin mit all denen. Knapp die Hälfte davon ist in Jura eingeschrieben. Andererseits mangelt es an „Fach“-Arbeitern („Fach“ deswegen, weil es so gut wie keine Berufsausbildung gibt). Such mal einen Mauerer oder Elektriker in Paraguay.
    Mein Fazit: Bildung ist sicher nicht an Unis gebunden, und Hunderttausende in Orchideenfächern sind keine Gewähr für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dass man Nullverzinsung als positives Beispiel für Innovationermöglichung anführt, kann ich nur als Satire interpretieren.

  5. Vielen Dank Herr Roth für die Übersetzung. Grumel muß ich Recht geben, ich bin ebenfalls erstaunt vom aktuellen Zustand in Rußland. Das hätte ich so nicht erwartet – ist es tatsächlich so düster bei Russen? Übertreibt der Mann nicht?

    Ich schätze Glasjew, er gab in der Vergangenheit recht präzise Prognosen ab, was er allerdings über die Investitionen im Westen sagt, kann ich nicht nachvollziehen. Wo bitte wird denn in der Bundesrepublik in Bildung investiert? Das Niveau des Abiturs ist seit vielen Jahren rückläufig! Das weiß ich aus persönlichen Unterhaltungen mit Lehrern – nicht nur die Abiturprüfungen werden anspruchsloser, sondern auch die gesamte Schülerschaft. Das hat etwas damit zu tun, daß heute Hinz und Kunz auf ein Gymnasium gehen muß – selbst normale Ausbildungsberufe fordern mittlerweile ein Abitur.
    Schauen wir an die Unis, dort sieht die Situation nicht so viel besser aus. Wie viele Leute können heute promovieren? Das gab es vor 20 Jahren in dieser Form nicht – promovieren war doch eher die Ausnahme und den wirklich Guten vorbehalten – sicherlich möchte man langfristig damit die Löhne drücken.

    Und ich kann im Moment nicht wirklich erkennen, worin die BRD aktuell wirklich viel investiert – außer in Überwachung und co. Ich habe eher das Gefühl, daß Land wird langsam aber sicher abgewirtschaftet.

    1. @Penryn
      Als beobachtender interessierter investor würde ich Ihre Darstellung ganz sicher ebenso wahrnehmen.
      Aber ich wäre mir ziemlich sicher, daß die wissen, auf welches tote pferd die in Zukunft nicht mehr setzen würden. So gesehen ist das doch ne Einladung von Glaszew.
      Ach wir Armen Russen, .wir wissen doch um unser bürokratisches Elend.(müssen unsere Traktoren aus Weissrussland kaufen…oh jeh)…und das WIRD sich ändern..und ihr wärt uns doch sooo willkommen!
      Ich denke mal, daß die Topinvestoren gut verstanden haben,..die beobachten mit Sicherheit diese Ansagen.

    2. So mal als Zusatz. Eine kreisstadt in meiner Nähe von inzwischen nur noch 23000 Einwohnern , vor 15 Jahren waren es 28000 Einwohner. Mindestens 8 große Industriebetriebe wurden von den sogenannten Heuschrecken aufgekauft, wohl auch noch mit EU -Investitionen. 5000 Arbeitsplätze futsch. Infrastruktur gravierender Verfall. Die Kommunen kompensieren durch Abgabenerhöhungen.
      Wenn das in das Statement eines Wirtschaftspolitikers in Deutschland wahrheitlich einfließen würde, dann wäre Trübsal für BRD angesagt.
      Deswegen halte ich die bescheidene Aussage von glaszew für eine Einladung in ein aufstrebendes Wirtschaftssystem für fast genial. Denn es muß ja nicht jeder so denken wir ein Blogkommentator, mit Verlaub.

  6. Sehr geehrter Herr Roth,
    Ich würde Ihnen vorschlagen, diesen Artikel mit einem Kommentar zu Herrn Glasjev zu versehen. Der gute Mann vertritt einfach einen Flügel in der politischen Landschaft Russlands, der nach Macht stebt und dafür profiliert er sich gerade prächtig, ohne eine wirkliche Erfahrung mit der Steuerung der Wirtschaft zu haben. Seine Lösungsansätze klingen simpel (Prozentsatz runter, Steuer für die Reichen hoch, weniger Bürokratie, mehr Investitionen in die Entwicklung usw.), sind aber realitätsfern und detailfrei, genauso wie seine Vorstellungen davon, was in den westlichen Wirtschaften abgeht. Um sich politisch-populistisch bei den Wirschaftslaien zu profilieren, reicht das. Bei den Menschen, die bissi Ahnung von den wirtschaftlichen Zusammenhängen haben und sich nur umsetzbare Lösungen leisten können, verursachen seine Pläne, die praktisch Inflation, administrative Entscheidungen zur wirtschaftlichen Effizienz und Isolation Russlands bedeuten (so eine verbesserte Variante von USSR.2.0.), Lachkrämpfe.
    Übrigens, in seiner letzten Rede vor den Duma-Abgeordneten erteilte Putin praktisch die Absage an Glasiev’s Pläne und hat viel Lob für Nabiullina gehabt, zu Recht übrigens.
    Wenn Sie wirklich ein Interesse haben, was Interessantes, Praxis-orientiertes und die echten Entwicklungen positiv zeichnendes zu übersetzen, nehmen Sie den crimson-alter auf livejournal. Der Mann kommt aus der Wirtschaft, sieht die Entwicklungsprozesse richtig und liefert ausgezeichnete Analysen, meiner Meinung nach.
    Sie können auch das große Interview von Herrn Belousov auf SPB- Wirtschaftsforum übersetzen.
    http://tass.ru/pmef-2016/article/3314575
    Dort sind viele Entwicklungen aufgezeichnet, die momentan in der russischen Wirtschaft stattfinden. Für die Laien kligt Beloussov’s Interview bissi trocken und langweilig, nicht so reißerisch, wie Glasjev’s simple Formel. Dafür aber werden dort die echten, in der Wirtschaft wirklich stattfindenden Prozesse und Lösungen sehr professionell, frei von den politischen Zielsetzungen, dargestellt und analysiert.
    Mit freundlichem Gruß

    1. @Wirtschaftsfuchs Wie bei jeder „ordentlichen“Wissenschaft gibt es unterschiedliche Auffassungen. Und auf die Worte von WWP können wir in dem Zusammenhang nichts geben, der hat noch weniger Ahnung davon. Ich will auch in diese Diskussion nicht einsteigen. Ich setze mal voraus, dass Sie russisch sprechen. Und sollten Sie mal einige Stunden erübrigen können, ich hätte da für Sie einen guten Text von crimsonalter. https://cont.ws/post/443318 Er beschäftigt sich darin mit 4 Mythen zur russischen Wirtschaft. Vielleicht klappt`s ja? Grüsse …

      1. Herr Roth, Entschuldigung, das ist aber wirklich ein Hybris, zu behaupten, dass Putin nichts von der Wirtschaft versteht. Er versteht schon sehr viel davon und daher, hat Gott sei dank, Herr Glasjev keine Chance, seine Pläne umzusetzen. Wenn man die Wirtschaftssituation des Landes von innen kennt, weißt man, dass Putin aus dem was er hat, das Beste macht. Ich halte ihn für einen der besten Regierungschefs weltweit, was Wirtschaft angeht.
        Was Herr Glasjev anbietet ist die Abschottung des Landes fürs Kapital…
        Die Prozentsätze der Zentralbank verhindern, dass das spekulative Kapital das im Land einrichtet, was es in den 90ern dort gemacht hat. Der Russischen Regierung hat damals enorme Anstrengung gekostet, die Situation unter Kontrolle zu bringen und diese Spekulationsorgien zu beseitigen.
        Es gab damals keine Bedingungen für ein nachhaltiges Investieren in die produktiven wertschöpfungsbildenden Projekte, keine Kultur, keine Standards, keine Infrastruktur (weder hard noch soft), keine Manager dafür, nichts… Das Land war durch die Bürokratie und Korruption zersetzt.
        Und die letzten 15 Jahre hat Putin und sein Team damit verbracht, diese Bedingungen fürs Kapital zu schaffen. Seit vielen Jahren gibt es in Russland spezielle Programme von den profilierten Ministerien und Entwicklungsgesellschaften für die einheimischen und ausländischen (!!!) Unternehmen, die bei den wertschöpfungbildenden, produktiven Projekten das Problem des erhöhten Zinssatzes praktisch nivellieren. Es gibt auch extrem vorteilhafte Investitionsbedingungen in den Regionen, die ebenfalls dieses Problem aufwiegen. Man muss einfach diese Mechanismen kennen. Natürlich sind diese Hilfen gerade wegen der Sanktionen knapper geworden, werden aber wieder aktuell, wenn die föderalen und regionalen Budgets wieder Einnahmen haben. Bei solchen Mechanismen wird die inflationschützende Funktion der Zentralbank beibehalten, während die richtigen Projekte ermöglicht werden.
        Wenn man wissen will, wie man es nicht machen soll, soll man gerade auf den Finanzierungsmarkt in USA und Europa schauen. Ich erspare mir hier, die Details dazu zu erläutern.
        Russland ist ein Land mit öffenen Grenzen für das Kapital, die Technologien usw., ein modernes Land voll integriert in eine globale Wirtschaft. Wenn man dem Kapital die Barriere vorschiebt, was Glasjev vorschlägt, passiert das, was gerade in China passiert. Grenzbarrieren für das Kapital, eine enorme Kapitalflucht mit allen Konsequenzen, wie Kriminalisierung der Wirtschaft, ein enormer Verlust der Kapitalreserven des Landes um die Währungssituation zu stabilisieren usw. Dabei will China ihre Währung internationalisieren, was freie Kapitalbewegung voraussetzt und dem entgegengesetzt ist, was China gerade gezwungen ist zu machen, um die Kapitalflucht zu verhindern . Russland will Rubel auch internationalisieren, mindestens im regionalen Maßstab.
        Also, China zeigt auch gerade, wie man es nicht machen soll.
        Herr Glasjev bietet die Lösungen aus dem 20. Jahrhundert an, und sogar damals haben sie nicht so gut funktioniert. Wir leben aber in 21. Jahrhundert und in einer globalisierten Welt. Russland hat enorme Vorteile davon und das will Herr Glasijev zunichte machen. Der Einzige Weg, die Investitionen anzukurbeln ist das, was Putin und sein Team macht und zwar, die vorteilhaften Bedingungen für den Verbleib des produktiven Kapitals im Land zu schaffen. Dazu zählen extrem viele Maßnahmen, wie Schaffung der Infrastruktur, Standartisierung von Abläufen, Bürokratieabbau, Bildungsreform, Technologietransfers zur zivilen Nutzung aus dem Militärbereich, Innovationsförderung, Schaffung eines funktionierenden inneren Finanzmarktes mit allen seinen regulatorischen Mechanismen (inkl. praktisch nicht vorhandenen Bondmarkt), das elementare Einsetzen der adäquaten Gouverneuren in den Regionen und noch Tausende anderen Sachen…
        Der Nachteil der Sanktionen ist dass man weniger Mittel für alle diese Arbeiten zur Verfügung hat. Der Vorteil ist aber, dass man in Bezug auf die Bekämpfung der Korruption, Bürokratieabbau und überhaupt Schaffung neuer Strukturen freier agieren kann. Und die Sanktionen zwingen das Land, die Kapitalquellen zu diversifizieren, was einem Wirtschaftsstandort immer zugute kommt und seine Attraktivität verbessert.
        Das was Glasjev anbietet ist billig und schnell, nur auf das Schaffen des politischen Kapitals und auf die Maßen gerichtet, die schnelle und billige Lösungen lieben. Seine Lösung bringt aber dem Land enorme Nachteile. Was Putin und sein Team macht ist schwierig und langwierig, ist aber das einzig Richtige.
        @Schuldig was Zentralbank angeht… hier ist die gleiche Überlegung im Spiel, wie oben. Das Land ist in die globale Wirtschaft integriert. Russland hat fast keine souveränen Schulden, dafür aber wurden die einheimischen Unternehmen durch die Auslandsanleihen ganz schön verschuldet, was, Gott sei dank, dank der Sanktionen teilweise abgebaut wurde, aber immer noch ein erhebliches Volumen ausmacht. Von den Exporteinnahmen und Reserven, die nicht nur im Gold angelegt sind, spreche ich gar nicht.
        Was denken Sie, wird mit diesen Unternehmensschulden, Einnahmen und Reserven passieren, wenn die russische Zentralbank, als einzelner Akteur, plötzlich aus dem globalen Zenttalbanksystem aussteigt?
        Das besseren Geschenk können Sie Herrn Rothshild gar nicht machen. Damit schmeißen Sie das Land wieder in die Isolation und schwächen enorm, was ihm sehr gelegen sein wird.
        Die Wirtschaftsstruktur Russlands unterscheidet sich strukrurell von der Wirtschaft von North Dakota erheblich, also Ihr Vergleich ist nicht zielführend.
        Wenn eine Alternative zum jetzigen Zentralbanksystem von mehreren Ländern irgendwann geschaffen wird, denke ich, wird Russland dabei sein.
        Aber insgesamt, Leute, will ich eine Sache anmerken. Wenn man auf der Sofa sitzt, scheinen viele simplen Lösungen sehr attraktiv. Wenn man aber versucht, sie in der Praxis in solchen komplexen Strukturen, wie einem Staat, sogar nicht unbedingt so einem großen Staat wie Russland, umzusetzen, scheitert man in der Regel. Weil in der Regel bedürfen die komplexen Probleme und Vorgänge leider schwierige, langwierige und komplexe Lösungen.
        Mit freundlichem Gruß

          1. @Wirtschaftsfuchs Und da fällt mir noch was auf.
            Die! Hybris. Wir beide kennen Putin nicht persönlich und außer Reden, die ihm Irgendwer schreibt, kennen wir weiter nichts von ihm. Ich weiß nur, dass er mit Sicherheit kein Ökonom ist. Deshalb denke ich, dass er davon keine Ahnung hat. Einen anderen Wissensstand können Sie auch nicht haben. Was motiviert sie also mich überheblich zu nennen?

          2. Manche machen copy und paste, wenige machen selbst übersetzte copy und paste aber kaum einer macht sich mit übersetzter copy und paste zum affen.
            Grüsse.. @ Thomas Roth

        1. @ Wirtschaftsfuchs

          Vollkommen richtig. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre einen kleinen Einblick in die strateg. Projekte der RF nehmen zu dürfen. Eigentlich beschäftigten wir uns mit „trades“, „short cuts“ oder „fresh cuts“ , falls Sie mit den Begriffen etwas anfangen können (zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich – heute noch – nur peripher damit umgehen kann; war auch nicht meine Aufgabe; grob umrissen, dienen Großprojekte als eine Art Sicherheit an Stelle von Goldreserven). Wie auch immer.

          Die Anzahl und Größe dieser Projekte ist für europ. Verhältnisse schier unvorstellbar (nebenbei: ähnliches gilt für Bodenschätze: Gold, Diamanten und viele andere wertvolle Steine und Metalle, wo ein Gramm ein Vielfaches von Gold kostet etc. etc; ich habe zu meinen Freunden oft gesagt: „Ihr habt selbst keinen Ahnung, was ihr alles besitzt …“). Zurück zum Thema. Dutzende erdöl- bzw. Erdgasfördernde Projekte, dutzende holzverarbeitende Fabriken mitten (!) im Wald etc. etc.

          Ein Projekt, welches mir besonders in Erinnerung blieb, ist eine geplante „Ringstraße“ über tausende von Kilometern. Sie sollte Moskau mit fünf (oder sechs) südl. gelegenen Städten verbinden. Sie sollte nur in eine Richtung befahrbar sein. Wir sprchen hier von hunderten Tunnel, Brücken oder Tankstellen. Wie gesagt; teilweise unvorstellbar …

        2. @Wirtschaftsfuchs,
          Sie schrieben: „Was denken Sie, wird mit diesen Unternehmensschulden, Einnahmen und Reserven passieren, wenn die russische Zentralbank, als einzelner Akteur, plötzlich aus dem globalen Zenttalbanksystem aussteigt?
          Das besseren Geschenk können Sie Herrn Rothshild gar nicht machen. Damit schmeißen Sie das Land wieder in die Isolation und schwächen enorm, was ihm sehr gelegen sein wird.“

          Dazu habe ich eine andere Auffassung.
          Mit der Zerschlagung der kapitalistischen Zentralbank (wann auch immer) muß natürlich eine Staatsbank der RF geschaffen werden. Nur die darf das Recht der Geldschöpfung und auf die Entwicklung der Geldpolitik haben. Daß Rothschild das als Geschenk betrachten würde – wenn ihn die RF die Tür zeigt- . da habe ich starke Zweifel. Gingen dem Westen doch erhebliche Einflußnahmen auf die Wirtschafts – und Finanzpolitik der RF verloren. Jedenfalls wäre diese Denke der Familie Rothschild neu.

          Einigen Ihrer anderen Ausführungen kann ich auch nicht zustimmen, z.B Ihre Schwergewichtlegung auf Großbetriebe (wenn ich Sie richtig verstanden habe). Das Rückrat eines Landes sind aber nicht Großbetriebe, sondern zuerst der Mittelstand und in Rußland auch die Bauern /Kleinbauern. Und genau die will Glasjew vorrangig stärken. Das – so glaube ich – ist auch (zur Zeit) richtig.
          Und was Norddakota angeht, es mag unterschiedliche Strukturen zu anderen Ländern geben, aber überall funktionieren Wirtschaft, Finanzen und Gesellschaft auf ähnlichen Prinzipien.
          RF wird wirklich stark werden, wenn es sich vom „kapitalistischem Gebaren“ und Abhängigkeiten löst, indem es neue Wege geht. Aber vielleicht ist die Zeit dafür noch nicht reif?

      2. Guten Abend Herr Roth,
        ich verstand nur die Worte „alles wird schlecht(er)“ Ich denke, dass es sehr sinnvoll wäre, Ihre Sprachkenntnisse weiterhin dankbar zu benutzen. Denn nur die Originalseiten zeichnen ein vollständiges Bild der russischen Probleme.
        Schon im Winter 2015 habe ich diese Worte in Moskau gehört.

  7. @Wirtschaftsfuchs
    Leider kann ich weder englisch noch gut russisch. Ihre Hinweise hätte ich gern verfolgt, weil mich das Thema Zentralbank interessiert.
    Ich kann zwar zu Glasjew nichts sagen, jedoch hat er mMn nichts Falsches gesagt in den wenigen Auszügen, die ich von ihm gesehen und gelesen habe. Fehlerhaft sind allerdings seine Aussagen zur EU in diesem Artikel von T.R.

    Für sehr schlimm halte ich Putins offensichtliche Beibehaltung der Zentralbank (was ich aus Ihrem Kommentar schlußfolgere). Das wird die wirtschaftliche Entwicklung in RF bremsen und die Rothschilds und die letztlich die FED haben weiterhin ihre dreckigen Pfoten in Rußland d’rin. Wenn das so ist, so bin ich enttäuscht.

    (Als wirklich gutes Beispiel sehe ich die „Staatsbank“ Norddakodas an, die es seit 1916 gibt, eine zentrale Bank, die dem Staat gehört mit deutlichem Plus allein für das Land. Es gibt auch Bestrebungen einiger Staaten der VSA ihre Zentralbanken abzuschaffen und das Geldgeschäft der Zentralbanken selbst zu übernehmen, vor allem um ihre Staatsverschuldung zu reduzieren.)

    1. @ Schuldig,
      ich glaube, auch was die Zentralbank betrifft, gilt es abzuwarten bis 20. Januar oder so.
      Vielleicht will Glasjew hier Nebelkerzen für die Rothschild- und Rockefeller-, Soros- und andere Ratten zünden?

    2. Allein nur wenn man weiß, dass ALLE Zentralbanken eine „Mutti“ Namens BIZ haben und dazu noch weiß, dass diese „Mutti“ sagt welche Währung wieviel Wert ist kann man nur folgern, dass eine Zentralbank die Teil davon ist definitiv nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Es ist erst recht nicht davon auszugehen, dass eine Form der Autarkie gegenüber den Rothschilds möglich ist.

      Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass hier zu jeder Zeit mit groben Mitteln von Außerhalb in die wirtschaftlichen Belange der RF eingegriffen werden kann, direkt oder indirekt. Mögliche Szenarien sind recht vielfältig.

      Grüsse an die Runde

  8. ‚Schuldigung: richtig ist natürlich Norddakota

    Keine Zentralbank haben übrigens auch Nordkorea und Kuba. Der Iran hat erst seit 2011 Zentralbank

  9. Wir sehen von hier aus das, was Putin für den Weltfrieden tut. Gelegentlich erfahren wir von großartigen Projekten wie dem Gasanschluss der Krim oder die Brücke dorthin. Begeistert konnten wir sehen, wie schnell die Olympia-Anlagen in Sotschi gebaut wurden.

    Für den normalen Bürger hat sich durch Putin vieles verändert. Zweifellos. Aber wenn ich mit Russen spreche, dann sieht das Bild nicht immer so rosig aus. Ich erinnere mich auch noch an die Schilderungen eines Dorfmitgliedes über die Erfahrungen seiner Verwandtschaft. Darüber brach dann heftiger Streit aus, weil das Bild, das gezeichnet wurde, nicht so golden war, wie wir uns das von hier aus denken oder wünschen.

    Das Thema Zinsen, das Glasjew ansprach, ist enorm wichtig. Es gibt in Russland viele Leute mit guten Ideen, oder beispielsweise Bauern, die gern ihre Produktion vergrößern würden, weil die Sanktionen für sie eine Chance wären. Aber die Kreditzinsen lassen sich nicht erwirtschaften. Also profitieren große Agrarfirmen, die noch liquide sind, oft mit schmutzigem Geld gegründet. Andere nutzen die Sanktionen, um die Lebensmittel überteuert oder mit schlechterer Qualität anzubieten. Die Sanktionen sind eine großartige Chance bzw. könnten es sein, wenn es einen Zugang zu günstigeren Krediten gäbe.

    1. Sehr geehrter Uwe, so wie es aussieht, wird in Russland, schon fleißig an der Zukunft geplant und gebaut, unter der Führung, der Russisch Orthodoxen Kirche. Wenn man sich ganz vorsichtig, aus der Tribut Knechtschaft, der Herren“menschen“ Dynastien/ FED, der City und Wall Street, gelöst hat. Mit dieser Richtung, gehört Russland die Zukunft.

      Russland will „orthodoxes“ Bankensystem aufbauen
      22. Dezember 2014, 19:28 Uhr Quelle: afp

      Moskau (AFP) Russland will ein „orthodoxes“ Geldsystem aufbauen, um angesichts des Rubel-Verfalls dem westlich geprägten Finanzsystem besser trotzen zu können. Nach islamischem Vorbild sollen beim Geldverleihen hohe Zinsen verboten und Investitionen der orthodoxen Moral unterworfen werden, wie die Initiatoren am Montag erläuterten. Das Projekt richte sich an „orthodoxe Unternehmer, die sich in der Krise besser schützen wollen“, sagte Dmitri Ljubomudrow von der Russischen Industrie- und Handelskammer vor Journalisten in Moskau. Der Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche, Wsewolod Tschaplin, ergänzte, das System werde „nicht auf Wucherzinsen beruhen“.
      http://www.neopresse.com/finanzsystem/zinsfreie-banken-unorthodoxe-russische-debatten/
      http://www.n-tv.de/wirtschaft/Russland-plant-orthodoxes-Bankensystem-article14206341.html

  10. Lieber Thomas Roth,

    durch Ihre Arbeit hat der „saker“ ungemein gewonnen! Es gibt eine Vielzahl hochinteressanter Übersetzungen, sogar solche mit deutlich verschiedenen Ansichten (darf es solche im „gleichgeschalteten“ Putin-Russland denn nach westlicher Sicht überhaupt geben – oder gar „Kritik“?).

    Was Sie hier tun,ist mit „wertvoll“ leider nur unzureichend beschrieben!

    Dafür ein herzliches Dankeschön mit der Bitte: Weiter so!

  11. Erst mal, Danke, Thomas Roth. Ob man Glasjew zustimmt oder nicht, entscheidet jeder für sich – dass er aber zu den hellsten Köpfen seines Bereichs gehört und zu den Kennens- und Lesenswerten ist fraglos.

    Wirtschaft ist, zumal aufs Engste mit dem finanz-Bereich verflochten, ein vielfältiges und komplexes Gebiet. Und so ist es nur natürlich, dass es da vielfältige Meinungen und wenig absolut und immer Richtiges gibt.

    Wir sollten, meine ich, um Glasiew besser zu verstehen, den in Russland schmerzvoll so vieles bestimmenden großen Rahmen nicht vergessen: Die sowjetische Prägung des Denkens vieler und die furchtbaren 90er Jahre.
    Und noch ein Punkt scheint mir sehr bedeutsam und bestimmend: Sehr viele hier wie dort gehen davon aus, dass das „westliche“ System *natürlich* das bessere ist und dass das sowjetische natürlich unterlegen und schlecht war. Ich persönlich halte das allerdings für eine fragwürdige, sehr grobe und oberflächliche und einseitige Betrachtungsweise.

    Desweiteren prallen in dem Bereich, zu dem Glasiew sich hier äussert, sehr verschiedene Welten und Lager aufeinander. U.a. streiten sich da Kommunisten, jene, die meinen, der Finanzbereich sei die Königin und die Wirtschaft nur ein gefälligst gehorsamer Untertan, sowie jene, die das genau anders herum sehen.

    Ein weiterer äusserst bestimmender Faktor ist die Realität. Russland kam nun mal aus dem Dreck, es gab lange Zeit im wesentlichen nur die Möglichkeit, Rohstoffe zu exportieren, es gibt nunmal die Sanktionen und, egal ob das nun auch die russische Zentralbank (noch) betrifft oder nicht, die internationale finanz-Welt ist nun mal durch die zionisten bestimmt.

    Daran können auch Putin, Niabullina, Glaziew und andere erst mal nichts ändern. Viele Diskussionen zu der Frage, was der richtige Weg ist, sind schlicht verfehlt, zumal man sich noch nicht einmal von Prämissenfehlern befreit hat.

    Übrigens: Steht der westen denn wirklich besser da? Ich meine, Nein; nicht wenn man den ganzen gewaltigen Betrug weg streicht.

    Und wie bemisst man denn? Ist das Land, der Ansatz, das System besser, das mehr neue Straßen und Brücken, neue Eisenbahnstrecken, bessere Gesundheitsversorgung usw. schafft, das bessere oder jenes, dass die größeren Zahlen vorweisen kann?
    Sorgen sollte man sich eher um uns machen, um den Westen.

    Russland befindet sich im Krieg. Denn genau das ist es, was der westen gegen Russland betreibt, ein Krieg; ein weitenteils nicht militärischer zwar, aber ein Krieg.

    Und sie leben noch. Mehr noch, sie bauen Straßen und bringen Krankenhäuser in Schuss. Sie produzieren und entwickeln – weitaus weniger als man wünschte und könnte und sollte, aber es geschieht. Zeigt mir ein anderes Land, das all das leistet, während das Gros der reichen und (angeblich) starken Ländern Krieg dagegen führt!

    Ich gehe noch weiter in dieser Diskussion und sage, dass wir uns Gedanken machen und diskutieren können, dass aber niemand von uns, auch nicht Glasiew und Putin, *den richtigen* Plan (für Finanzen und Wirtschaft) haben *kann*.

    Warum nicht? Weil niemand auch nur die nähere Zukunft hinreichend sicher und detailliert einschätzen kann. Weil es ein gigantischer Unterschied ist, ob man Hunderte Milliarden im Hydrocarbon-Bereich verdient oder eben nicht, ob man mit Hochdruck sein Militär nebst der entsprechenden Industrie auf Vordermann bringen *muss* oder ob man das halbwegs in Ruhe und gemäßigt angehen kann, ob man als fair behandelter internationaler Mitspieler auf dem globalen Finanzmarkt agieren kann oder nicht.

    Der Rahmen für Russland, der, das nochmal zur Erinnerung, vor gerade mal zwei Jahrzehnten noch extrem bescheiden war, hat sich Dank Putin und seinem Team (und den hoffnungsvollen und fleissigen Russen, die wunderbar mitzogen) in recht wenigen Jahren extrem verändert, positiv; kaum halbwegs gesund und wieder auf den Beinen wurde Russland zum Opfer diverser Kriegsaktionen, sei es wirtschaftlich, finanziell, mit terroristen oder mit Anschlägen und extremer Korruption im Inneren.

    Dass Russland noch steht ist ein kleines Wunder und auch der kaum zu überschätzenden Fähigkeit seiner Führung zu verdanken, *extrem schnell* geeignet zu reagieren und umzustellen von einer mittelfristigen Friedenszeit-Planung auf eine kurzfristige Abwehr- und Überlebensplanung Hand in Hand mit einer mittelfristigen Planung in Richtung bessere Friedenszeiten.

    Ich schätze Glasiew immens; er gehört für mich neben M. Kasin zu den absolut lesenswerten und zu verfolgenden Fachleuten. Ich sehe aber auch, dass Niabullina eben *kein* verdammtes Miststück ist, sondern – sicher nicht grundlos – Putins Vertrauen genießt und sehr wesentlich mitgeholfen hat, dass Russland überlebt hat und sogar langsam Fortschritte macht.

    Ich halte die Diskussion zwischen den diversen Lagern in Russland für wichtig und ich halte die Feindschaften für sehr stark überzeichnet. Es gibt in *jedem* halbwegs gesunden Land das ständige Ringen dieser Lager; meist zivilisiert und mitunter auch hart, aber insgesamt ist das per se kein warnendes Signal für große Probleme sondern normal.

    Viel wichtiger und in meinen Augen zu kurz gekommen, halte ich die Frage, wie fähig die wesentlicheren Figuren dieses Ringens sind und ob ein Land eine brauchbare und qualitativ gute intellektuelle, akademische, fachliche und soziale Kultur dafür bietet. Und diesbezüglich mache ich mir um Russland wenig Sorgen.
    Um uns allerdings mache ich mir große, denn wir haben nicht mal brauchbare Voraussetzungen für dieses Ringen. Nicht nur ist alles einheitsmäßig auf „usppa, eu und raub-kapitalismus hurra!“ getrimmt, sondern ich sehe in den meisten westlichen auch weder die patriotische Grundhaltung noch die akademische und intellektuelle Qualität, die in Russland zu erkennen ist.

    1. Herr Russophilus,
      Ich glaube, Ihre neutrale Haltung ist man Ihrer freundlichen Gesinnung Russland gegenüber zu verdanken. Wenn man aber richtig in die Materie und das, was Herr Glasjev anbietet einsteigt, kann man sich schon ziemlich eindeutig positionieren.
      Es gibt 2 größten Schwächen seines Vorschlags, die er gleichzeitig als seine größten Stärken ansieht. Er will die Zinsen für die Projekte senken und dann in einem höheren Wirtschaftsrat entscheiden, wer in Genuß von diesen Begünstigungen kommt. Darüber hinaus will er die Grenzen fürs Kapital schließen, damit es das Land nicht verlässt.
      Herr Russophilus, das muß doch Ihnen sogar als Laie schon ersichtlich sein, dass die beiden Vorschläge nur auf dem Papier gut funktionieren. Ich nenne das USSR 2.0. Sie sagen, das ist die westliche Sicht, dass das Sovietische Wirtschaftsmodell unterlegen ist. Dieses Modell war aber unterlegen, ich spreche aber ausdrücklich nicht von dem gesellschaftlichen bzw. sozialen Modell. Wirtschaftlich war USSR definitiv dem Westen unterlegen, da seine Eliten nicht geschafft haben, sein Wirtschaftsmodell zu reformieren, den Anforderungen der damaligen Zeit anzupassen und letztendlich wurde das ganze Land für 5 Cent an den Feind verkauft. Übrigens ziemlich ähnlich sieht die Situation jetzt in Deutschland aus.
      Egal wie gut das Fundament einer Struktur ist, ist die Struktur nichts wert, wenn sie nicht responsiv genug auf die Veränderungen ihrer Umwelt reagiert. Teile des damaligen Wirtschaftsmodells waren gesund, das ganze Wirtschaftssystem war aber verrostet. Übrigens, war die chinesische Führung klug genug, diese gesunden Teile in das Fundament des chinesischen Wirtschaftsmodells einzubauen. Zu diesen Stärken gehören in erster Linie die Planungsprozesse, zentralisierte Steuerung der strategisch wichtigen Brauchen usw. Die Grenzsperrung fürs Kapital, administrative Steuerung der wirtschaftlichen Effizienz und Unfähigkeit, die Inflationsprozesse zu steuern sind die offensichtliche Schwächen dieses Modells, was die Zwickmühle, in der die chinesische Regierung gerade steckt, absolut offensichtlich zeigt. Und gerade diese Schwächen des damaligen Wirtschaftssystems will Herr Glasjev in Russland einführen.
      Wissen Sie, ich biete Ihnen ein Experiment an. Fragen Sie Herrn Käser oder Herrn Deripaska, was sie von den Glasjev’s Maßnahmen halten. Die Antwort wird die gleiche sein: ich bin nicht in der Lage unter solchen Bedingungen mein Unternehmen mittel- bis langfristig zu planen und zu gestalten, wenn die Welt so ist wie sie ist, sprich global, mit einer dominierenden Leitwährung usw. und unter Berücksichtigung von meinen weltweiten Expansionsplänen. Und da müssen Sie verstehen, diese Leute verwalten die Cash -cows in den Begriffen von BCG, sprich Unternehmen, die das jeweilige Land ernähren (ok, von denOffshoren abgesehen, weil es mit Neocon-System zu tun hat). Übrigens, das wird Ihnen auch jeder Mittelständler sagen, der global agiert, was viele in Deutschland tun. Glasjev will aber auf Kosten von diesen Unternehmen die kleinen Bauer glücklich machen. Ja, kann sein, wenn man seine Angebote umsetzt, werden die Kleinbauer, Friseure, Innovationsstartups und sonstige KMUs florieren, die Großunternehmen, die weltweit aufgestellten Industriebetriebe, die es nicht zu wenig in Russland gibt, werden enorme Probleme bekommen. Das ist ein Teil der Wirtschaft, den sich jedes Land wünschen würde, weil der jedes Land zu einer großen Industrienation macht.
      Um die Wirtschaftsstruktur eines Landes zu verändern, und das ist das Ziel der Bemühungen von Putin und seinem Team sowie angeblich von Glasjev, muss man erst eine effiziente Infrastruktur für das Projektemanagement schaffen, so wie ich in meinem letzten Kommentar geschrieben habe, damit das Kapital im Land freiwillig bleibt. Wenn diese Infrastruktur nicht da ist, egal wie niedrig Prozentsätze sind (übrigens, die Sätze zu senken ist immer leicht, sie aber anzuheben, wie gerade EZB und FED zeigen, viel-viel schwieriger, da die Wirtscha