J. Satanowskij – Die neue nahöstliche Realität

Übersetzung eines Artikels (Quelle) von Jewgenij Satanowskij.

Die Sponsoren des Terrorismus sind mit den Ergebnissen „einer plötzlichen Prüfung“ kollidiert.
Die Situation in Syrien wird der internationalen Gemeinschaft in einer authentischen Art vorgeführt, als das, was sie ist. Das Bild wird weder ein Kompliment für die UNO, noch für die Großmächte oder für ihre regionalen Verbündeten – die Türkei, Katar und Saudi-Arabien. Russland demonstriert nicht nur die Hartnäckigkeit und die Folgerichtigkeit der Handlungen auf der diplomatischen Arena, wo es einem ernsten Druck widerstehen muß, sondern auch die militärische Meisterschaft, die zwingend gezeigt werden muß, um als potentieller Gegner (und Sieger) respektiert zu werden.
Wir betrachten die Situation in Syrien in Abhängigkeit von den Handlungen der Russischen Föderation und der Türkei. Die Betrachtung stützt sich auf die Arbeiten der Expertin des Instituts Naher Osten, J. B.Schtscheglowina, die sie für das Institut vorbereitet hat.

Die letzten Waffen Erdogans

Am 29. November ist der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, mit der Erklärung aufgetreten, dass das wahre Ziel der Einführung seiner Armee in Syrien der Sturz des Regimes von Baschar al-Assad und die Rücküberführung des Landes zu den „wahrhaften Wirten“ ist. Die Reaktion der einheimischen Politiker und der Massenmedien auf seine Worte war außerordentlich scharf. Und gerade dadurch haben sie ihnen noch einmal richtig Gewicht gegeben. Die Hauptprobleme, auf die die Öffentlichkeit der Türkei gerade ihre Aufmerksamkeit richtet, sind
– der Brand im Wohnheim in Adana (dabei sind auch Kinder umgekommen);
– die Annäherung an das Projekt der Verfassungsreform in Medschlis und …
– die Reaktion des Kremls auf die Phrase Erdogans.
Wobei es nicht die Erklärung als solche ist, sondern ihre Wahrnehmung durch Moskau, weil Ankara weder militärische, noch ökonomische oder politische Ressourcen für den Sturz des Regimes Assad hat.

Große Angst hat die Türkei davor, dass Trump mit Moskau ein Geschäft abschließt, das das Schicksal der syrischen Opposition ignoriert und sich in Folge dessen an die Seite von Präsident Assad stellt.
Nach der Idee sollte die Türkei anlässlich dessen geradezu brodeln, welche Verluste die Armee tragen würde, wenn sie in der Praxis versuchen sollte, die festlichen Freitagsgebete in Damaskus zu begehen, wie Erdogan es seit 2011 verspricht. Aber diese Freitagsgebete wurden schon seit langem in der Türkei ein geflügelter Ausdruck, der jene bezeichnet, denen nicht bestimmt ist, sich etwas zu erfüllen. Und im Übrigen, wen interessiert es denn, wie Aksaraj (Stadt in Zentralanatolien) auf das Befremden Moskaus reagiert. So dass die Türken die Worte Erdogans wie einen informativen Einwurf bewerten, den zweiten in letzter Zeit. Der erste war der scheinbare Eintritt seines Landes in die SOZ. Wir müssen feststellen: vor denen, die sich auf dem Jerusalemer Gipfel in Istanbul im Saal versammelt hatten und auch vor der arabischen „Straße“ kann Erdogan gar nicht anders auftreten. Er muß sein Image des unversöhnlichen Ringers mit der Islamophobie wahren, mit den Tyrannen, die dem syrischen Präsidenten, Israel und dem Westen sehr ähnlich sind. Das Image verpflichtet, mit harten Erklärungen aufzutreten.

Seine Worte sind das Signal an Saudi-Arabien und Katar, dass die Türkei immer noch ihr strategischer Verbündeter ist, ungeachtet der Knickse zur Seite Trumps, die mit der Hoffnung auf Partnerschaft vorbehaltlich der Auslieferung des Predigers Gülen gemacht werden, und in Richtung Moskau, mit dem die Versöhnung stattgefunden hat. Es ist auch nicht zufällig, dass die Erklärung Erdogans kurz vor dem Besuch des Chefs des Außenministeriums Russlands, Sergei Lawrow, ertönte. Ankara befördert die Abnahme der Sanktionen gegen das Business und die Rückführung der Seiten zum visafreien Regime. Es versucht auch, den gegenseitigen kommerziellen Verkehr auf der Basis innenpolitischer Papiere zu erlauben und auf die Abrechnungen in den nationalen Währungen überzugehen.
Die Türkei strebt danach, möglichst viele dieser Punkte zusammenzufassen, dazu eine beliebige möglichst brauchbare Rhetorik zu finden und entweder den Eintritt in die SOZ oder den Sturz Assads argumentativ zu verwenden. Das Land befindet sich in einer komplizierten wirtschaftlichen Lage und hat unter dem Bruch der Beziehungen mit Russland, dem Versuch des Umsturzes und der Einführung des Notstandsregimes, der Spannungen in den Beziehungen zur EU und der Teilnahme an den irakischen und syrischen Ereignissen gelitten. Und in keiner dieser Richtungen sind sie im Stande, die Lage eigenständig zu verbessern. In dieser Situation bleibt nur die Rhetorik, die die ausländischen Partner zwingen soll zu reagieren – und damit beschäftigt sich Erdogan.

Konsultationen mit der Opposition

Wie die Vertreter der syrischen Opposition aus dem Nordteil des Landes der Financial Times erzählt haben, verhandeln sie durch Vermittlung der Türkei in Ankara mit Russland darüber, wie sie die Opposition in Aleppo beenden können. „Washington ist von diesen Verhandlungen und dem Begriff vollständig abgeschnitten und weiß nichts darüber, was in Ankara geschieht“, – bezeugt die Quelle. Wie die Ausgabe bemerkt, können solche Verhandlungen Washington von den wichtigsten Konflikten auf dem Nahen Osten fernhalten. Die Seiten haben keinen Konsens erreicht, aber die Tatsache, dass die Verhandlungen ohne Teilnahme der USA stattfanden, betont die Veränderungen auf dem Nahen Osten, stellt FT fest.

Wir können darauf hinweisen, dass von den Nachrichten indirekt bestätigt wird, dass sich Ankara und Moskau – vor dem Hintergrund der Sprüche des Präsidenten Erdogan gegen das Regime Assad – über die gemeinsamen Bemühungen um humanitäre Interventionen in Aleppo vereinbart haben. Die Rolle der Türkei wird von den Hilfslieferungen offenbar nicht eingeschränkt, aber sie wirkt auf die Gruppierungen ein, die den Widerstand im östlichen Aleppo leisten, einschließlich „Harakat Nour al-Din al-Zenki“ und „Dschebchat an-Nusra“.

Von vornherein planten Katar, die Türkei und Saudi-Arabien, Aleppo als eine Alternative zu Damaskus zu verwenden und so eine Regierung zu schaffen, die auf der internationalen Arena wie der „wahrhafte“ Vertreter des syrischen Volkes (wie die libysche Variante) auftreten könnte. Genau deshalb wird Aleppo die erhöhte Aufmerksamkeit des Westens, der arabischen Monarchien und der Türkei zuteil. Die Verhandlungen in Ankara zeigen, dass es sich entschieden hat, auf die aktuelle Lage zu reagieren, die ihre Wurzeln im Verlust der Kontrolle über Aleppo hat. Die Rede von der Expansion der Opposition auf dem ganzen Territorium ist schon lange verstummt.

Ankara will die Pläne der Kurden von der Bildung der halbstaatlichen Enklave im Norden Syriens verhindern. Dieses Problem zu lösen wird auf Kosten der protürkischen Gruppen geplant, die vom Krieg gegen Damaskus auf die Bildung eines Übergewichtes über die Kurden in den Nordbezirken umorientiert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dafür Ankara auf die Kürzung der Teilnahme an der materiell-technischen Versorgung der syrischen bewaffneten Opposition durch türkische logistische Korridore (sogar zum Schaden der Beziehungen mit Er-Riad) gehen wird. Ihre Nutzung im vorigen Regime zwingt Damaskus und Moskau, die Bildung eines kurdischen cordon sanitaire an der Grenze im Norden zu fördern.
Der Bruch mit dem KSA ist für die türkische Führung vorherbestimmt. Bei Er-Riad und dem Bündel Ankara – Doha gibt es verschiedene Visionen der zukünftigen Ausrichtung Syriens und der Kräfte, die in ihm dominieren sollen. Für Saudi-Arabien sind es Salafisten und verwandte Strömungen, für die Türkei und Katar – „die Moslembrüder“. Auf die überschüssige militärische Verstärkung der prossaudischen „Dschebchat an-Nusra“ wird Ankara nicht setzen, obwohl jetzt die Allianz zwischen dem KSA, der Türkei und Katar existiert und die Gruppen oft zusammen kämpfen. Die durch die Aufgabe – Sturz des syrischen Präsidenten – vereinigten Banden, übernehmen die Auseinandersetzungen untereinander mit in die Post-Assad Periode. Das Eingreifen Russlands in Syrien und der Erfolg in Aleppo bedeutet, dass Assad nicht gestürzt werden wird und man davon ausgehend eine neue Strategie aufbauen muß. Die Türkei und Katar wurden sich dessen schneller bewusst als Saudi-Arabien.

Der Beginn der Konsultationen zwischen Ankara und Moskau nach dem syrischen Konflikt bedeutet den Beginn des Weggangs der Türkei vom saudiarabischen Regenschirm. Die Aufgabe ohne Mithilfe der Amerikaner (was sich noch bestätigen muss) – das Ergebnis der Abwesenheit eines jeden Fortschritts bei den türkisch-amerikanischen Konsultationen zur Unterstützung der syrischen Kurden und den Angriff auf Rakka. Die USA haben die Türkei betrogen, sie haben ihr versprochen, dass die Kurden aus Manbidsch weggehen werden. Unter Berücksichtigung der russischen Erfahrung im Umgang mit Garantien von Obama könnten die Türken die Schlussfolgerung darüber immerhin schon ziehen, dass sie sich auf die Worte der USA nicht verlassen dürfen und auch unterschriebene Papiere nicht helfen.

Das Yperit (Senfgas) aus dem sunnitischen Dreieck

Das Problem der chemischen Waffen in Syrien ist wieder auf der Tagesordnung. Sie werden gewöhnlich verwendet von den Gegnern Assads als Begründung der Notwendigkeit seines Sturzes. Die Militärexperten der Russischen Föderation haben die Nutzung des Yperites gegen die friedliche Bevölkerung in der Provinz Aleppo bewiesen. Es wurde im September in Marea (Idlib) und im Norden der Provinz Aleppo verwendet. Dabei wurde die nicht explodierte chemische Munition neben den Armeekasernen entdeckt. Sie bestand aus selbstgemachten 240-mm-Minen mit einem Einfüllstutzen im Schwanzteil. Der Inhalt ist eine schwarze ölige Flüssigkeit im Umfang von 0,5 bis zu 1,5 Litern.
Ihrerseits versuchten die saudiarabischen und türkischen Sonderdienste das Thema der chemischen Waffen zu verwenden, um die Luftwaffe der USA zu veranlassen, Schläge gegen syrische Militärobjekte zu führen. Diese Versuche wurden aber von den Handlungen Moskaus verhindert, das den Abtransport der chemischen Waffen aus Syrien unter Kontrolle der Organisation für das Verbot chemischer Waffen garantierte. Anstoß für die Verschärfung der Situation wurde die Provokation der Anti-Assad Kräfte, die Senfgas aus handwerklicher Produktion in einem der am dichtesten besiedelten Bezirke Aleppos angewendet haben.

In der ersten Etappe des Krieges hatten die saudiarabischen Sonderdienste die Zustellung der Komponenten der chemischen Waffen nach Syrien bei Teilnahme der Türken organisiert. Für die Produktion des Yperits kaufte Er-Riad die Technologien und die Ausrüstung unter falschen Firmennamen in Albanien ein. Dieses Land verfügte noch aus den Zeiten Enver Hodschas über Vorräte von diesen chemischen Waffen. Nach dem Scheitern des Regimes hatte Tirana unter der Ägide der OVCW begonnen, diese Arsenale zu verwerten. Die Waffen selbst wurden vernichtet, aber die Komponenten für die Herstellung des Yperites, die technologische Dokumentation und die Laborausrüstung sind auf dem schwarzen Markt weggegangen. Sie wurden von Saudi-Arabien und Katar eingekauft. Die Labore für die Produktion des Yperites wurden im Irak im Bezirk des „sunnitischen Dreiecks“ geschaffen. Der hergestellte Giftstoff wurde durch die Türkei nach Syrien gebracht.
Nach der nicht gelungenen Provokation mit dem Versuch, die Amerikaner in den Krieg in Syrien mit der Erklärung von Flugverbotszonen einzubeziehen (die Idee Er-Riads und Ankaras aufgrund der libyschen Erfahrung) war auch dieser Kanal eingefroren, nachdem die türkischen Sonderdienste die Kuriere mit der Ladung Yperit aufgegriffen hatten. Unter Berücksichtigung der Ereignisse, die mit dem Putsch und der verborgenen Tätigkeit eines Teiles des türkischen Militärs zur Diskreditierung des Regimes Erdogan verbunden sind, konnte diese Aktion die Handlungen Ankaras in Syrien erschweren. Nicht ohne Grund hat diese Geschichte keine öffentliche Fortsetzung bekommen. Es sei denn, dass nach einigen Monaten Bagdad mit der Erklärung auftrat, dass auf dem Territorium des „sunnitischen Dreieckes“ ein Labor zur Herstellung von handwerklich gefertigten chemischen Waffen arbeitet.

Saudi-Arabien hat seine Taktik geändert. Die heute noch handwerklich arbeitenden Labore zur Produktion des minderwertigen Yperites (was aus der Zahl der Geschädigten abzuleiten ist) arbeiten im Irak und in Syrien. Im Irak beschäftigt sich damit der IS, der das Yperit an „Dschebchat an-Nusra“ über türkische Vermittler weitergibt und in Syrien vertreibt „Dschebchat an-Nusra“ selbst, wobei sie alles über das Labor in Idlib organisieren.

Der Bruch in Aleppo

Zum Schlüssel in der laufenden Situation in Syrien wurde der Bruch in der Schlacht um Aleppo. Die Regierungsarmee und die Einheiten der libanesischen „Hisbollah“ haben eine ganze Reihe der strategischen Wohnviertel im östlichen Aleppo unter Kontrolle genommen und den „Kessel“ halbiert. Vom militärischen Standpunkt aus greift die Agonie unter den sich verteidigenden Dshihadisten, der Verlust ihrer Möglichkeiten zum Widerstand und die Steigerung der zentrifugalen Stimmungen unter den Kämpfern um sich. Proportional zum Munitionsverbrauch und dem Verlust der Hoffnung auf den Durchbruch der Blockade bei den Anti-Assad Gruppierungen sinkt das Kampfpotential heftig.

«Dschebchat an-Nusra“ hat im Verlauf des Angriffs auf Aleppo seine Ressourcen gesprengt. Die saudiarabischen Militärausbilder verwendeten gewöhnlich für sie die Taktik der „menschlichen Wellen“, wegen der die Verluste der Islamisten jede zulässige Grenze überschritten haben. Es wurde jeder dritte Kämpfer getötet oder verletzt. Infolge des amateurhaften Kommandos über die Artillerie ist fast das ganze Munitionsarsenal aufgebraucht worden, das man unter dem Feuer der russischen Flieger aus Idlib liefern musste. Die Hälfte wurde vergebens geliefert. Im Ergebnis misslang es, die im östlichen Aleppo eingekesselten Dshihadisten zu befreien. Parallel dazu wurde die Lage der Islamisten in Idlib immer katastrophaler infolge des Defizits an lebender Kraft und Munition.
Als Beweise dafür, dass der Bruch eingetreten ist, dienen einige Tatsachen:

Die erste und wesentliche ist der Beginn des Massenausgangs der friedlichen Bevölkerung durch die vorbereiteten Korridore (Zehntausende) und der Gang in die Gefangenschaft einiger Hundert Kämpfer. Man muss die Operation im östlichen Aleppo beenden und den Angriff auf Idlib vorbereiten, wo sich die Basen der Kämpfer unter dem ständigen Druck der Artillerie und der Luftflotte befinden sollten. Das Kommando „Dschebchat an-Nusra“ hat seinen Anhängern befohlen, aus Aleppo wegzugehen, da seine Verteidigung ihren Sinn verloren hat.
Der Verlust Idlibs wird zum Ende der organisierten Anwesenheit Saudi-Arabiens in Syrien, der Niederlage gegen den Iran in diesem Konflikt und zu einem derben Schlag gegen die Reputation (die war schon nicht mehr so glänzend wegen der Fehlschüsse in der Innen- und Außenpolitik) des Erben des Thronfolgers und Verteidigungsministers des KSA, Muhammed ben Salman. So dass man annehmen kann, dass Er-Riad alle Ressourcen anstrengen wird, um Idlib festzuhalten.

Der zweite Moment, der vorführt, dass die Situation in Aleppo für die Anti-Assad Kräfte einer Katastrophe gleich kommt, ist die Aktivität des Außenministers der USA, John Kerry, der versuchte, die Geltung des Rahmenabkommens mit der Russischen Föderation über Aleppo wieder aufleben zu lassen. Die geltende Verwaltung gibt die Versuche nicht auf, mit Russland über die Kräfte der Opposition zu reden. Die Abgrenzung der Kämpfer haben sie zwar immer noch nicht vollzogen, aber sie können natürlich das Ende der Kämpfe und das Schicksal ihrer Kämpfer ahnen. Darüber hat die Washington Post berichtet. Die Administration versteht natürlich, dass Trump „ein ganz anderes Geschäft mit Moskau abschließen könnte“, wenn in einer gültigen Vereinbarung „die Willkür des Schicksals geregelt wäre“ und Washington an der Seite von Präsident Assad stünde.

Vom praktischen Standpunkt aus ist für Damaskus und Moskau jetzt die Fortsetzung der Reinigung des östlichen Aleppo von den Kämpfern notwendig. Das wird den Prozess des Übergangs in den friedlichen Prozess in den Orten, die sich bisher noch in der Opposition zu Assad befanden, offenbar beschleunigen, es wird die zentrifugalen Tendenzen in den ihnen entgegenstehenden Gruppierungen verstärken und wird die Grundlagen für Verhandlungen über eine friedliche Regelung schaffen. Es soll mit den humanitären Interventionen der Bevölkerung Aleppos kombiniert werden. Die Strukturen der UNO muss man öffentlich für ihre neutrale Beschäftigung und die abwartende Haltung in der bekannten Frage kritisieren. Mit diesem Thema muss man ständig die USA konfrontieren, dabei aber nicht vergessend, dass die Hauptaufgabe die gründliche Reinigung Aleppos von den Kämpfern bleibt.

Der russische Faktor

Was den syrischen Regierungskräften ermöglicht hat, den Fortschritt in Aleppo zu erreichen?
Das erste und wesentliche ist die Arbeit des Generalstabes der Russischen Armee. Nach dem Erhalten des Befehls zum Beginn der Vorbereitung einer solchen Militäroperation hat sich vor ihm die Aufgabe in ihrem vollen Umfang gezeigt: das Format der Teilnahme der Streitkräfte der Russischen Föderation mußte bestimmt werden. Es sollte die politische und physische Überlebensfähigkeit des Regimes Assad gewährleistet werden, aber unter Vermeidung der Gefahr, im Konflikt bei den ständigen Verlusten ohne sichtbaren Fortschritt stecken zu bleiben, wie es in Afghanistan der Fall war.
Diese Aufgabe konnten die USA im Irak nicht lösen, obwohl Verteidigungsminister Robert Gates persönlich versuchte, es zu machen. Die Bestimmung des notwendigen und ausreichenden Formates der Teilnahme des Landes in den Kriegsoperationen – das ist die Hauptaufgabe der Militärführung vor der Annahme der Entscheidung über die Einmischung in die Konflikte der kleinen und mittleren Intensität. Außer Russland und dem Kommando über seine Streitkräfte, gelang es niemandem in der neuesten Geschichte es so zu machen, wenn die Weltmächte und die lokalen Größen Teilnehmer der Zusammenstöße waren.

Es ist auch nötig, das hohe Niveau der Planung der Operation zu bemerken, dass mit der Verlegung der Gruppen der russischen Flieger nach Syrien begann. Es wurde für die USA und ihre Aufklärung eine absolute Überraschung, was an und für sich auch wichtig ist.
Dem russischen Verteidigungsministerium und dem Generalstab stand bevor, das optimale Format der Teilnahme am Krieg beim Defizit der menschlichen Ressourcen in der syrischen Armee zu lösen. Die Syrische Armee, die hohe Verluste entlang der interkonfessionellen Grenzen erlitten hat, was sie um zwei, drei Divisionen mit vollem Bestand und einen großen Teil der Luftwaffe (es blieb ein abgenutzter Flugzeugpark) reduzierte, erlebte nebenher auch noch die gleichzeitig anwachsende Panik des Kommandos der SAA und der politischen Führung vor dem Hintergrund der Massenfahnenflucht der sunnitischen Soldaten und Offiziere. Die russische Militäroperation in Syrien kann man einreihen unter den Musterkriegen, wenn es um die Fähigkeiten zur Kriegsführung geht.

Unsere militär-politische Führung musste in kürzester Frist nicht nur die Stabilisierung der Situation an den Fronten regeln, die optimale Tarnung der syrischen Armee organisieren, sondern auch das Problem der Disposition und der strategischen Planung bewältigen. Vor den Beratern, die in die Stäbe der syrischen Streitkräfte geschickt wurden, stand die Aufgabe, nicht nur die Disposition, sondern auch das Zusammenwirken zwischen den Syrern, den Iranern und den Libanesen, den speziellen Truppengattungen und den Fronten in der Süd- und Nordrichtung zu gewährleisten. Man musste den Konsens mit den kurdischen Abteilungen finden, die sich wie eine unabhängige Kraft positionierten. Und Moskau hat im Unterschied zu Washington diese sehr komplizierte Aufgabe perfekt gelöst.

Es ist noch notwendig zu bemerken, dass bei dem Konflikt in Syrien, wie auch im Irak, in Libyen und im Jemen, das Verhältnis zwischen den Stämmen und den Konfessionen eine große Rolle gespielt hat. Die vom Generalstab entwickelte und auch erfolgreich verwirklichte Konzeption der russischen Streitkräfte hat mit dem System der lokalen Feuerpausen die Stämme, die Scheiche, die Gruppierungen und die Siedlungen vollkommen angesprochen. So sind Tausende Strukturen und Militäreinheiten auf den Waffenstillstand mit der Regierung eingegangen. Dank eines solchen Herangehens gelang es den Süden Syriens zu beruhigen, was ermöglicht hat, die nicht sonderlich zahlreichen Regierungskräfte im Norden, im Bezirk Aleppo und in Homs zu konzentrieren. Die mühsame und komplizierte Arbeit führten hauptsächlich die russischen Gesprächspartner aus der Zahl der Militärberater. Diese Aufgabe war von ihrer Bedeutung für den allgemeinen Erfolg genauso viel wert, wie die Arbeit, die in den Knoten der Verwaltung der syrischen Armee die russischen Berater, sowie die Militärflieger und die Seeleute durchführten.
In Aleppo wurde mit relativ kleinen Kräften der Regierungsarmee, die dank der Berater allerdings planmäßig erstarkte, bei technisch und quantitativ gleichem Bestand, innerhalb kurzer Zeit der Bruch der Dynamik an den Fronten erreichen. Der Durchbruch der Verteidigung der Islamisten wurde auch deshalb möglich, weil das Kampfpotential des Gegners richtig eingeschätzt wurde und der Gegner seinerseits den Kampfablauf falsch einschätzte.
Die Strategie wurde auf Zermürbung aufgebaut, was auch zum Erfolg geführt hat. Die Operation der russischen WKS in Syrien ist eine erfolgreiche Verkörperung des optimalen Modells der Teilnahme an lokalen Konflikten mit mittlerer und hoher Intensität, die der Westen – und in erster Linie die USA – noch nie aufbauen konnte. Dabei ist die Effektivität der Arbeit der russischen Militärberater bei der syrischen Armee das Ergebnis der vom Verteidigungsministerium und dem Generalstab durchgeführten plötzlichen Überprüfungen. Die Politik, die auf die Bildung einer hochqualifizierten Armee gerichtet ist, rechtfertigt sich, auch weil sie in Syrien von der realen Kampflage bestätigt wurde.