Der gescheiterte Putsch in der Türkei – einige erste Gedanken

vom Saker

Failed coup in Turkey – a few initial thoughts

Als ich das erste Mal hörte, in der Türkei fände ein Putsch statt, war mein erster Gedanke, das sei die Art der USA, Erdogan für seine plötzliche Entschuldigung bei Russland zu bestrafen. Ja, sicher, mir war klar, dass es viele andere mögliche Erklärungen gab, aber das war die, auf die ich hoffte. Ich sagte sogar zu  meiner Familie, falls das ein von den USA gestützter Putsch wäre, und wenn Erdogan oder seine Unterstützer dies sagten, dann würden die USA teuer dafür bezahlen müssen. Weniger als 24 Stunden später wurden meine Hoffnungen erfüllt:

Türkischer Minister wirft US-Regierung Organisierung des Putschversuchs vor

Kerry schmäht Türkei wegen Unterstellung, Washington habe den Putsch gegen Erdogan geplant

Erdogan liess sich nicht abschrecken und machte weiter, indem er öffentlich erklärte: “Lieber Präsident Obama, ich habe Ihnen das vorher gesagt, nehmen Sie Fetullah Gülen fest oder schicken Sie ihn in die Türkei zurück. Sie haben nicht zugehört. Ich rufe Sie nochmals dazu auf, nach dem Putschversuch – weisen Sie diesen Mann aus Pennsylvania in die Türkei aus. Wenn wir strategische Partner sind, tun Sie, was nötig ist,” sagte Erdogan. Er nannte außerdem jedes Land, das Gülen unterstütze, “einen offenen Feind der Türkei”. Der gescheiterte Putsch in der Türkei – einige erste Gedanken weiterlesen

ISIL: Ein genozidaler Feldzug (II)

Aram Mirzaei

The Islamic State of Iraq and the Levant: A genocidal campaign – part 2: The rise of Wahhabism and the formation of a bastion of terror.

Teil 2: der Aufstieg des Wahhabismus und die Formierung einer Bastion des Terrors

Im vorhergehenden Artikel haben wir die Geschichte des Konzepts von Takfir untersucht, von Muslimen, die sich mit der Exkommunikation anderer Muslime beschäftigen. Wir haben auch die Geschichte der ersten großen Spaltung innerhalb des Islam untersucht. In diesem Teil werden wir das zweite Emporkommen von Takfir untersuchen, das auf der Arabischen Halbinsel während des 18. Jahrhunderts geschah. Ehe wir diesen Aufstieg näher betrachten, ist eine kurze Einführung in islamische Rechtsprechung, auch als Fiqh bekannt, nötig.

Fiqh

Die islamische Rechtsprechung ist das menschliche Verständnis oder eher die Deutung der Sharia, des göttlichen Rechts. Die Sharia wird durch Interpretationen des Korans und der Sunnah (der Lehren und Praktiken des Propheten Mohammed) entwickelt, durch die islamischen Juristen (Ulema). Da die islamische Gemeinschaft mehrere Fitnas (Spaltungen) durchlaufen hat, entwickelten sich mehrere Rechtsschulen (madhab) mit unterschiedlichem Verständnis des Konzeptes von Sharia. Unter den Sunni-Schulen erlangten vier Hauptzweige Bekanntheit in der Sunni-Gemeinschaft. Diese Zweige sind: Hanafi, Maliki, Shafií und Hanbali. ISIL: Ein genozidaler Feldzug (II) weiterlesen

ankara – Der Tag danach

Aus gegebenem Anlass und ausnahmsweise ein Artikel von mir. Er ist zugleich auch drüben -> ankara – Der Tag danach

Hier eine erste, naturgemäß noch nicht stabile, Einschätzung der Ereignisse in türkisistan sowie des Kontexts und abzuschätzender Folgen.

Zunächst mal: Der Putsch scheint gescheitert zu sein.

Was ist vorgefallen: Informationen aus brauchbaren Nachrichtenquellen zufolge hat ein gewisser Oberst muharrem kose, der der gülen Bewegung zuzurechnen ist, der einen “Friedensrat” betrieben hat, einen Putschversuch mit dem Schwerpunkt Ankara unternommen.
Hierbei wurde wohl frühzeitig ein Fernsehsender eingenommen, was insofern wichtig ist, als damit erhebliche Unruhe ausgelöst und psychologische Kriegsführung betrieben werden kann. Auch ist diesem Umstand wohl die anfänglich wirre Berichtslage zu danken. Desweiteren wurden einige wichtige Brücken blockiert und es wurde wohl auch versucht, den Präsidentenpalast sowie das parlament zu stürmen. Unter anderem soll es dabei auch zu Beschuss durch einen Militär-Hubschrauber gekommen sein; allerdings wurde der Hubschrauber wohl recht umgehend von einem Militärjet abgeschossen.
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ISIL: Ein genozidaler Feldzug (I)

Aram Mirzaei

The Islamic State of Iraq and the Levant: A genocidal campaign – part 1: The origins of sectarianism in Islam

Teil 1: Die Ursprünge des Sektierertums im Islam

Eine Pest in der Welt, eine terroristische Gruppe, die die Menschheit hasst. Es gibt viele Worte, die das Phänomen Daesh beschreiben, das auf die Menschheit losgelassen wurde. Die terroristische Gruppe, die angeblich im Irak entstand, als Ergebnis der US-geführten Invasion 2003, ist inzwischen zu einem weltweit bekannten Phänomen geworden, von dem viele Leute nie etwas gehört hatten. Ihre Gräueltaten werden täglich berichtet, und die Mainstream-Massenmedien haben schon mehrmals von den völkermörderischen Feldzügen dieses Todeskults im Nahen Osten berichtet, von ethnischen Säuberungen bis hin zu Versuchen, die Kultur und Geschichte der Region auszulöschen. Besonders hervorgehobene Ziele waren Christen und die Jeziden des Irak.

Was die Mainstream-Medien jedoch selten erwähnen, ist ihr Feldzug gegen ihren wahren Feind, gegen die Shia-Gemeinschaften des Irak und Syriens. Diese dreiteilige Artikelserie wird die treibende Kraft hinter dieser terroristischen Gruppe und ihre Gründer analysieren und erklären, und warum sie andere Muslime angreifen, die sie für ‘Ungläubige’ halten. ISIL: Ein genozidaler Feldzug (I) weiterlesen

Ein weinendes und ein lachendes Auge

Am 13.Juli hätte der ermordete ukrainische Journalist Oles Busina Gbeurtstag gehabt; Anatolij Scharij hat aus diesem Anlass ein Interview mit seiner Mutter geführt, das wir, dank der Übersetzung durch Olga Malzew, mit deutschen Untertiteln zeigen können:

Zur Erinnerung – Oles Busina (hier sein letztes Interview) wurde in Kiew auf offener Straße erschossen, nachdem sein Name auf der berüchtigten Liste ‘Friedensstifter’ aufgetaucht war. Seine Ermordung hätte ein weiteres Warnsignal zum Zustand der Pressefreiheit in der Ukraine sein müssen. Die deutsche Presse reagierte gewohnt absurd und weigerte sich, dem Vorfall irgendeine größere Bedeutung beizumessen; die Kennzeichnung als ‘prorussisch’ genügte meist schon… Also sollten zumindest wir die Opfer dieser mit deutscher Hilfe installierten Macht im Gedächtnis behalten.

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten (daher das lachende Auge) – heute wurde vor dem Berufungsgericht der Journalist Ruslan Kotsaba freigesprochen. Auch er wurde von den deutschen Medien eher diffamiert als unterstützt. Ende letzten Jahres, als er schon fast ein Jahr in Haft sass, hatten wir darum gebeten, ihm Postkarten ins Gefängnis zu schicken. Jetzt ist er frei, und im Internet findet sich ein Foto, wie er sein erstes Bier nach der Haft geniesst:

kotsaba bier

Vielleicht können wir in den nächsten Tagen noch mehr über das Verfahren berichten. Auf jeden Fall wünschen wir ihm das Beste!

Kleiner Videotip

Gestern abend lief im RBB ein durchaus sehenswerter Film über den Donbass: Über Leben im Donbass. Einer der seltenen Fälle einer wahrhaftigen Berichterstattung. Weshalb er auch erst um Mitternacht gesendet wurde…

Der Film wird nur bis zum 20. Juli zu sehen sein; es ist also anzuraten, ihn schnell anzuschauen. Ihr findet ihn hier.

 

Update: Das Video, das von der ard unter erlogenen Vorwänden und unter gröbster Missachtung des grundgesetzlichen Auftrags (und Vorwands für räuberische Zwangsfinanzierung) binnen Stunden aus der mediathek entfernt wurde, steht nun wieder zur Verfügung auf einem server in Russland, wo es wirkliche demokratie und Meinungsfreiheit gibt -> diktatura zensiertes Donbas Video
– Russophilus

Es ist nicht der Brexit, Dummchen!

Jim Quinn

It´s not the Brexit Stupid;  übersetzt von James B.

Gerade vor einer Woche kam die Welt ins Wanken, als genug britische Bürger zusammenfanden, dem EU-Establishment und der globalen Elite ins Gesicht spuckten und sich für den Brexit entschieden. Die Panikmache der Zentralbanker und ihrer Politmarionetten prallte an denen ab, die es leid sind, mißbraucht und geplündert zu werden von Bürokraten, die im Auftrage von Bankern und Milliardären arbeiten.

Rund um den Globus purzelten an den Tagen nach der Entscheidung die Börsenkurse. In Erwartung eines weiteren Black Monday hielt die Welt den Atem an. Übers Wochenende glühten die Telefonleitungen zwischen Zentralbanken weltweit, als sich ihre Banker-Untertanen nach Erlösung sehnten. Sollte in den letzten sieben Jahren eines bewiesen worden sein, dann sind es konzertierte Aktionen zwischen den Zentralbanken und den Privatbanken der Wallstreet, den Aktienmarkt für eine kurze Dauer zu stimulieren und nach oben zu treiben.

Einmal mehr gelang es den Finanztitanen, kurzfristige Verkäufer [Short Sellers; Spekulanten] und Unheilspropheten auszutauschen: die Verluste vom Freitag wurden die Woche darauf mit einem kurzen 5-Prozent-Plus wettgemacht. Bestimmt war es nur Zufall, daß die Fed [US-Notenbank] sämtliche Wall-Street-Banken für »sicher« und »in bester Gesundheit« befand, gerüstet mit der finanziellen Kraft, ihre Aktien in Milliardenhöhe zurückzukaufen. Es ist nicht der Brexit, Dummchen! weiterlesen

Der „XXVI NATO-Parteitag“ in Warschau (ein Kommentar)

vom Saker

Also hat der groß beworbene NATO-Gipfel in Warschau endlich stattgefunden. Er war ein völliger Erfolg, zumindest, wenn das Kriterium darin besteht, dass das Ergebnis mit den Erwartungen übereinstimmte:

  • Poroschenko und Nadeschda Sawtschenko wurden eingeladen und wie respektierte Gäste behandelt
  • Russland wurde für seine „Aggressionen“ in Georgien, auf der Krim und in der Ukraine verurteilt
  • Die Polen pflasterten Warschau mit Postern mit der Aufschrift „ACHTUNG RUϟϟ LAND“
  • Die Balten haben jeder ein NATO-Bataillon erhalten, um den russischen Bären abzuschrecken
  • Russland wurde wegen Nichteinhaltung der Vereinbarungen von Minsk 2 verurteilt
  • Es wurde genug heiße Luft abgesondert, um die globale Erwärmung um mindestens 10 Grad zu verschlimmern

Offen gesagt, ist mir nicht danach, diese Idiotie zu kommentieren. Außerdem waren all diese Pseudoentscheidungen nie der wahre Zweck dieses Gipfels. Dieser Gipfel hatte ein völlig anderes Ziel, und auch dieses Ziel wurde vollkommen erreicht.
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Memorandum an die deutsche Kanzlerin Angela Merkel

von Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)

(von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern für Vernunft)

zum NATO-Gipfel in Warschau

Bezug: Unser am 30. August 2014 an Sie gerichtetes Memorandum

Vielen Dank an Wolfgang Jung von der Luftpost, der mit dieser Übersetzung schneller war und erlaubt hat, sie zu übernehmen. Nachdem in vielen Medien Bruchstücke aus diesem Memorandum zitiert wurden, sollte es auch komplett zur Verfügung stehen. (Auch die Luftpost ist eine Veröffentlichung, die wir Euch ans Herz legen wollen) D.H.

Frau Bundeskanzlerin, wir langjährigen Geheimdienstmitarbeiter möchten uns vor dem wichtigen NATO-Gipfel, der am 8. Juli in Warschau beginnt, erneut in großer Sorge an Sie wenden. Es hat uns gefreut, zu erfahren, dass Sie und Ihre Berater das Memorandum, das wir Ihnen vor dem NATO-Gipfel in Wales zukommen ließen, zur Kenntnis genommen haben, und dass durch einen Bericht, der zum Konferenzbeginn am 4. September in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde (s. ), auch die deutsche Öffentlichkeit davon erfuhr.

Von Wales bis Warschau

Der Warschauer Gipfel ist mindestens ebenso wichtig wie der vorherige in Wales und wird vermutlich noch weitreichendere Folgen haben. Wir finden es besorgniserregend – wenn, nicht sogar eigenmächtig vorpreschend – dass NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf einer Pressekonferenz am 4. Juli erklärt hat, die NATO-Mitglieder würden in Warschau beschließen, “die Militärpräsenz im Osten der Allianz zu erhöhen”, und das sei “die größte, Verstärkung seit dem Kalten Krieg”.

Die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Zusammenstoßes in der Luft oder auf See – ungewollt oder absichtlich – ist sehr viel größer geworden, weil Präsident Obama, wie wir noch nachweisen werden, die führenden Militärs der USA und der NATO, die gern Cowboy spielen, nicht unter Kontrolle hat. Deshalb ermutigen wir Sie – wie schon vor dem letzten NATO-Gipfel in Wales – Ihre NATO-Kollegen bei den Verhandlungen in Warschau zu “etwas größerer Skepsis” zu ermutigen, vor allem im Hinblick auf die Bedrohung, die angeblich von Russland ausgeht.

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Keine Widerrede

Es steht schlimm um den Journalismus in Deutschland; das ist inzwischen selbst bei der Berichterstattung über Europa nicht mehr zu übersehen, besonders schmerzhaft wahrzunehmen allerdings, wenn es um die Ukraine und Russland geht.

Die Propagandaschau arbeitet sich täglich daran ab. Auch wir haben gelegentlich den manipulativen Umgang mit Informationen dargelegt; in ‘der freundliche Herr Steinmeier’ beispielsweise.

Eine etwas weniger sichtbare Ebene ist der spürbare Verfall jeder Wertvorstellung, die den Umgang von Journalisten miteinander einmal prägte. Es gab eine Zeit, als jeder Angriff auf jeden Journalisten weltweit ein Anlass zu Solidarisierungen war; aus dem schlichten Grund, weil jeder davon ausging, selbst einmal in eine Lage geraten zu können, in der man der einen oder anderen Obrigkeit unbequem sein könnte. Wenn Journalisten irgendwo festgesetzt wurden, war das Anlass zur Kritik. Wenn sie unter Beschuss gerieten, wurde das verurteilt, gleich, von wem dieser Beschuss ausging. Es wurde akzeptiert, dass völlig unterschiedliche Positionen vertreten wurden; das gemeinsame Interesse an einer Schutzwürdigkeit der Tätigkeit war stärker. Keine Widerrede weiterlesen